mini|Historisches Haus mit Schweifgiebel an der Brückstraße 1a Wittmund ist eine Stadt im Nordwesten Niedersachsens und Kreisstadt des gleichnamigen ostfriesischen Landkreises. Der Fläche nach ist sie die größte Stadt Ostfrieslands, von ihrer Einwohnerzahl her liegt sie mit hinter Emden, Aurich, Leer und Norden an fünfter Stelle. Das Territorium der Stadt ist nur dünn besiedelt. In der Raumordnung des Landes Niedersachsen wird Wittmund als Mittelzentrum geführt.
Historisch gehört der Großteil des Wittmunder Stadtgebiets zum Harlingerland, das endgültig erst im Jahr 1600 durch den Berumer Vergleich zur Grafschaft Ostfriesland kam. Seit 1885 ist Wittmund Sitz des gleichnamigen Landkreises.
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Wittmund liegt zwischen Aurich und Jever im Nordosten Ostfrieslands. Vom Stadtkern bis zur Küste sind es rund 15 Kilometer. Flächenmäßig gehört Wittmund mit 210,13 Quadratkilometern zu den zehn größten Städten Niedersachsens und liegt in einem deutschlandweiten Vergleich auf Rang 82. Seit der Eingemeindung mehrerer umliegender Orte bei der Kommunalreform 1972 ist Wittmund die flächengrößte Stadt Ostfrieslands. Nach Norden hin stößt die Wittmunder Stadtgrenze mit dem Stadtteil Carolinensiel direkt an die Nordseeküste.
Mit ihren rund 20.000 Einwohnern, die sich auf gut 210 Quadratkilometer verteilen, ist Wittmund nur sehr dünn besiedelt. Einer Einwohnerdichte von 99 pro Quadratkilometer stehen allein innerhalb Ostfrieslands Vergleichswerte von 488 (Emden), 460 (Leer), 241 (Norden) und 206 (Aurich) gegenüber.
Vom Schiffsanleger Harlesiel verkehrt die Fähre zur Nordseeinsel Wangerooge. Wittmund liegt an der Harle, einem Fluss, der im Wittmunder Stadtgebiet sowohl entspringt als auch mündet. Die Stadt wird in der Raumordnung des Landes Niedersachsen als Mittelzentrum geführt.Verordnung über das Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen (LROP-VO) auf voris.wolterskluwer-online.de, abgerufen am 30. Oktober 2024.
Geologie mini|Die Harle bei Wittmund Das Wittmunder Stadtgebiet ist von den drei Landschaftsformen Marsch, Geest und Moor des ostfriesischen Festlands geprägt. Der Hauptanteil entfällt auf die Marsch und insbesondere auf die Jungmarsch, vor allem in denjenigen Gebieten der Stadt, die im Laufe der Jahrhunderte Stück um Stück der ehemaligen Harlebucht abgerungen wurden. Die Geestanteile sind deutlich geringer, Moorgebiete sind nur in einem kleinen Teil des südlichen Stadtgebiets zu finden. Das oberflächliche Stadtgebiet ist erdgeschichtlich also vom Pleistozän (Geest) sowie vom Holozän (Marsch und Moor) geprägt.
Der Stadtkern von Wittmund befindet sich auf der Geest am südwestlichen Rand der früheren Harlebucht. Es handelt sich um Sand und Kies aus Schmelzwasserablagerungen des Drenthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit.Eine detaillierte Karte findet sich auf den Seiten des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, abgerufen am 8. Oktober 2011. Südlich davon schließen sich tonige, sandige und kiesige Erden aus demselben erdgeschichtlichen Stadium an, vorwiegend als Geschiebelehm und -mergel. Im äußersten Süden bei Leerhafe sind Sande und Flugsande aus der Weichsel-Kaltzeit zu finden, die ältesten Schichten auf dem Wittmunder Stadtgebiet. Sie sind Teil des sich von Südost nach Nordwest etwa von Oldenburg bis Norden erstreckenden oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens. Im Westen des Stadtgebiets sind Beckenablagerungen aus Lauenburger Ton aus der Elster-Kaltzeit zu finden. Nahe Ardorf gibt es auch Niedermoorböden.
Am Rande der früheren Harlebucht befindet sich toniger Schluff aus Brackwasserablagerungen, beispielsweise um den Ortsteil Funnix. Die ehemalige Harlebucht selbst besteht aus Wattablagerungen aus Feinsand, Schluff und Ton. Diejenigen Stadtteile, die nach und nach der Harlebucht abgerungen wurden, liegen ausschließlich auf diesem Untergrund, wie etwa Carolinensiel und die unmittelbar südlich gelegenen Groden, die innerhalb Ostfrieslands ausschließlich im früheren Harlingerland sogenannt werden, im Übrigen Ostfriesland spricht man stattdessen von Poldern.
Flächennutzung + Flächennutzung 2011 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freifläche 1.315 davon Wohnfläche 757 davon Gewerbe- und Industriefläche 97 Betriebsfläche 61 davon Abbauflächen 46 Erholungsfläche 76 davon Grünanlage 26 Verkehrsfläche 818 davon Straße, Weg, Platz 794 Landwirtschaftsfläche 17.119 Wasserfläche 399 Waldfläche 937 Flächen anderer Nutzung 286 davon Friedhöfe 8 davon Unland 23 Gesamtfläche 21.012
Die FlächennutzungstabelleQuelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, abgerufen am 9. Oktober 2011. macht den enorm hohen Anteil der Landwirtschaftsflächen an der Gesamtfläche Wittmunds deutlich. Mit knapp 81,5 Prozent übertrifft Wittmund noch den ostfriesischen Durchschnitt von rund 75 ProzentEberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115., der seinerseits bereits deutlich über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt von 52 Prozent liegt. Mit etwa 4,5 Prozent Waldanteil liegt Wittmund über dem ostfriesischen Durchschnitt von 2,6 Prozent. Allerdings ist Ostfriesland im deutschlandweiten Vergleich extrem unterdurchschnittlich bewaldet. Die Forste im Stadtgebiet konzentrieren sich im Westen und Süden, der Norden hingegen ist völlig waldfrei, Bäume gibt es dort nur als Windfang in der Nähe von Gehöften. Im Süden Wittmunds rund um den Stadtteil Leerhafe sind Wallhecken zu finden. Die Wasserflächen bestehen aus einigen Baggerseen im Bereich Ardorf/Collrunge im äußersten Südwesten des Stadtgebietes sowie aus der Harle und zahlreichen Entwässerungsgräben.
Nachbargemeinden Im Nordwesten grenzt Wittmund an die Gemeinden Dunum, Stedesdorf, Werdum und Neuharlingersiel (alle Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund), im Nordosten an die Gemeinde Wangerland und im Osten an die Stadt Jever (beide Landkreis Friesland), im Süden an die Gemeinde Friedeburg (Landkreis Wittmund) und im Westen an die Stadt Aurich (Landkreis Aurich). Damit ist Wittmund die mittlere der drei aneinandergrenzenden Kreisstädte Aurich, Wittmund und Jever.
Stadtgliederung Die Kreisstadt Wittmund teilt sich in folgende 14 Ortschaften auf:
Ardorf Asel Berdum Blersum Burhafe Buttforde Carolinensiel Eggelingen Funnix Hovel Leerhafe Uttel Willen Wittmund (Kernstadt)
Neben diesen Ortsteilen gibt es eine große Zahl weiterer Ortschaften und Wohnplätze, die zu den Gemarkungen dieser Ortsteile gehören. Dabei handelt es sich oft um Ortschaften mit nur wenigen Dutzend und teils gar weniger als einem Dutzend Häusern. Ihre ursprünglichen Namen sind jedoch bei den Einwohnern noch stets präsent und werden als Herkunftsbezeichnung genutzt.Beispiele hierfür finden sich im (Sport-)Vereinsleben, etwa beim Dart-Club Rispelerhelmt (Ortsteil Leerhafe), beim Boßelverein Müggenkrug (Ortsteil Leerhafe) oder beim Boßelverein Altfunnixsiel (Ortsteil Funnix).
Klima Wittmund liegt in der gemäßigten Klimazone. Das Stadtgebiet steht zumeist im direkten Einfluss der Nordsee. Die Klimaverhältnisse in der Stadt Wittmund, die sich über mehr als 20 Kilometer in Nord-Süd-Richtung erstreckt und von der Nordseeküste bis hin zu Niedermoorgebieten im zentraleren Ostfriesland reicht, variieren jedoch mit der Entfernung von der Küste.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, S. 30. Im Sommer sind die Tagestemperaturen insgesamt tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Binnenland. Das Klima ist von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.
Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Wittmund in der Einteilung Cfb, das heißt, dass die Klimazone C ein warmgemäßigtes Regenklima aufweist, bei dem der kälteste Monat eine Mitteltemperatur zwischen 18 °C und −3 °C aufweist und der wärmste Monat eine Temperatur über 10 °C. Die jährliche Niederschlagssumme beim Klimatyp Cf: feuchtgemäßigtes Klima bedeutet, dass alle Monate feucht sind und der trockenste Monat mindestens 60 Millimeter Niederschlagsmenge aufweist. Der Klimauntertyp b (warme Sommer) zeigt, dass alle Monate unter 22 °C liegen, es aber noch mindestens vier Monate gibt, die wärmer als 10 °C sind.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Wittmund beträgt 6 bzw. 11,8 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 20 °C und die kältesten Januar und Februar mit −1 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im November mit durchschnittlich 86,8 Millimeter, der geringste im Februar mit durchschnittlich 44 Millimeter. Die Gesamtniederschlagsmenge über das Jahr liegt bei 814 Millimeter und entspricht damit fast genau dem deutschen Durchschnitt.
Schutzgebiete Der Küste vorgelagert sind die Inseln Spiekeroog und Wangerooge. Zwischen der Küstenlinie und den Inseln befindet sich das Wattenmeer, das als Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer unter Naturschutz steht und im Juni 2009 gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil des Wattenmeers von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.Nationalpark Nds. Wattenmeer auf nationalpark-wattenmeer.de.
Das Naturschutzgebiet Hohehahn befindet sich im Wittmunder Wald direkt nördlich der Bundesstraße 210 und umfasst 8,5 Hektar. Es steht seit 1978 unter Naturschutz.Naturschutzgebiet Hohehahn, abgerufen am 31. Juli 2011. Ein sehr kleiner Teil des 1549 Hektar großen Landschaftsschutzgebietes Benser Tief (Unterschutzstellung 1980) liegt im äußersten Westen des Wittmunder Stadtgebietes, der Löwenanteil jedoch in der Samtgemeinde Esens. Eine Blutbuche in Leerhafe und eine Eiche nordwestlich des Ortes stehen bereits seit 1939 unter Schutz. Sie sind als Naturdenkmal ausgewiesen. Ein Feldgehölz bei Ardorf (Landschaftsschutzgebiet) mit einer Größe von 3,1 Hektar ist seit 1941 geschützt.Die Angaben können auf Umweltkarten Niedersachsen angesehen werden, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, abgerufen am 30. Oktober 2024
Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|Hügelgräber bei Rispel im Jahr 2008 Die Geest rund um den Wittmunder Stadtkern sowie im Süden des Stadtgebietes zählt zu den frühesten Siedlungsräumen Ostfrieslands. Funde von ältesten Feuerstein-Artefakten werden auf die Altsteinzeit datiert.Rolf Bärenfänger: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 35 Ostfriesland, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1415-8, S. 151. Aus der Zeit der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur wurden im Bereich des Ortsteils Leerhafe viele Artefakte entdeckt. Als bedeutender Fund dieser Periode gilt der tiefstichverzierte Napf aus Rispel, der der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur zugeordnet wird. Aufgrund weiterer Kleinfunde wird in Rispel eine jungsteinzeitliche Siedlung vermutet.Karl-Heinz de Wall (Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft): Leerhafe, S. 1 (PDF; 696 kB), abgerufen am 19. Oktober 2011.
Im Bereich des Knyphauser Waldes rund 7,5 Kilometer südlich von Wittmund befinden sich die Hügelgräber bei Rispel. Von den ursprünglich etwa 100 Grabhügeln, die aus der Bronzezeit stammen, wurden die meisten um 1900 eingeebnet. Es blieben nur drei an der Straße von Rispel nach Reepsholt erhalten.Wolfgang Schwarz: Grabhügel in Rispel, Gemarkung Leerhafe. In: Ostfriesland. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 35, Stuttgart 1999, S. 150–152.