Die Liste großer Segelschiffe enthält aktuelle und frühere Segelschiffe ab etwa 90 Metern Länge. Darüber hinaus sind auch einzelne Segler gelistet, die diese Länge nicht erreichen, sich aber aufgrund besonderer Merkmale oder ihrer Geschichte einen herausragenden Platz unter den Vertretern dieser Schiffsgattung gesichert haben.

Hinsichtlich der Definition ist es mitunter schwierig zu entscheiden, inwieweit es sich im Einzelfall eher um ein Segelschiff mit Hilfsantrieb oder aber ein Motorschiff mit Segeln handelt. Insofern blieben z. B. die größten Motorsegler, Wind Surf und Club Med 2, für diese Liste außer Betrachtung. Zu den strittigen Fällen zählt auch die unten aufgeführte Sailing Yacht A (SY A), die trotz ihrer Namensgebung nicht von allen Experten einheitlich als echtes Segelschiff eingeordnet wird. Indes verfügen alle aktuell in Fahrt befindlichen Großsegler über einen Hilfsmotor, wobei die Krusenstern insofern eine Ausnahme bildet, als sie zumindest zeitweilig – nämlich solange sie unter deutscher Flagge fuhr – ohne Motorisierung auskam.

Als Parameter für die „Größe“ eines Schiffes wird vielfach der umbaute Raum herangezogen. Allerdings gibt es hier das Problem, dass wir es mit zwei verschiedenen Messsystemen (BRT und BRZ) zu tun haben, die nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Darüber hinaus werden die Kriterien für die Raumvermessung bei Fracht- und Passagierschiffen unterschiedlich gehandhabt und haben sich obendrein im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Insofern lässt sich aus den angegebenen Vermessungsdaten keine zuverlässige Reihenfolge für die Größe der Schiffe ableiten. Trotz dieser Einschränkungen kann man sagen, dass die Golden Horizon bis zum Bau der OE Corinthian (2026) das mit Abstand größte je gebaute Segelschiff war, gefolgt von ihrem Vorbild, der France (II).

Besonderheiten und Rekorde

Technische Daten In Bezug auf die Wasserverdrängung war die Preußen der Spitzenreiter unter den historischen Windjammern, wurde inzwischen jedoch von den beiden Superyachten SY A und Orient Express Corinthian abgelöst. Hinsichtlich der Segelfläche ist die Preußen bis heute unübertroffen. Auch war sie der größte je gebaute Rahsegler, der nie über einen Hilfsantrieb verfügte. Sie und ihr etwas kleinerer Nachbau Royal Clipper sind die einzigen Fünfmast-Vollschiffe, die die Meere befahren haben.

Was die Zahl der Masten angeht, so blieb die 1902 in den USA gebaute Thomas W. Lawson der einzige Siebenmaster unter den Großsegelschiffen (freilich wiesen die Schiffe des spätmittelalterlichen chinesischen Admirals Zheng He angeblich bis zu neun Masten auf, diese Schiffe waren aber nach dem Urteil der meisten Fachleute wesentlich kürzer als die hier aufgeführtenSally K.Church: The Colossal Ships of Zheng He - Image or Reality? in: Claudine Salmon (Hrsg.): Zheng He - Images & Perceptions. South China and Maritime Asia. Bd. 15. Hrsg. v. Roderich Ptak, Thomas Höllmann. O. Harrasowitz, Wiesbaden 15.2005, S. 155–176, ISBN 3-447-05114-0 ). Fünf Schiffe wurden (von vornherein) als Sechsmaster gebaut, von denen zwei, nämlich die Great Eastern und die Great Britain, eher als Dampfschiffe mit Segeln anzusprechen und daher hier nicht aufgeführt sind. Zwei weitere Sechsmaster waren ursprünglich als Viermastrahsegler gebaut worden, ehe später der Umbau zu Sechsmastbarkentinen erfolgte: Das eine dieser Schiffe, die E. R. Sterling, ist auch insofern bemerkenswert, als es das erste mit Funk ausgestattete Segelschiff der Welt war. Gleich zweimal umgeriggt wurde die ursprüngliche Hans (später Mary Dollar, Tango, Cidade do Porto), die die weitaus längste Zeit ihres 44-jährigen Bestehens als Viermastbark fuhr, nach zwischenzeitlichem Aufliegen als Sechsmastbarkentine neu getakelt wurde und schließlich als 6-Mast-Schoner endete. (englisch)

Während es eine Reihe von Fünfmastern mit Schonertakelung gab, wurden insgesamt lediglich sieben frachtfahrende Fünfmast-Rahsegler gebaut, davon nur ein einziges Vollschiff (Preußen). All diesen Schiffen ist gemeinsam, dass sie durch Unglück oder Fremdeinwirkung verlorengingen. In neuerer Zeit entstanden zwei weitere Fünfmaster als Kreuzfahrtschiffe, die sich im Design an den historischen Vorbildern Preußen und France (II) orientierten.

Einige Schiffe machten durch spezielle Besonderheiten von sich reden. In mehrfacher Hinsicht herausragend ist die US-amerikanische Great Republic, eines der ältesten Schiffe der Liste; es ist bis heute der größte je gebaute Viermaster und zudem das größte je gebaute Holzschiff. Sie wurde nach ihrer Verholfahrt im Dezember 1853 beim Beladen zur Jungfernfahrt durch einen Brand schwer beschädigt, beim Neuaufbau um das oberste Deck reduziert und kam 1855 mit dann kleineren Maßen in Fahrt. Nach Entfernung des Besanmastes fuhr sie ab 1861 als Dreimastvollschiff und war damit auch für lange Zeit der größte Dreimaster.

Die Peter Rickmers war das einzige Viermastvollschiff, das an allen Masten Skysegel (also jeweils 7 Segel) führte.

Geschwindigkeitsrekorde Herausgestellt seien einige Schiffe, die mit besonderen Geschwindigkeitsleistungen von sich reden machten: Die Priwall hält bis heute den Weltrekord für eine Ost-West-Umrundung von Kap Hoorn (5 Tage 14 Stunden vom und zum 50. Breitengrad). Die Potosi hatte mit 376 Seemeilen lange den Etmal-Weltrekord für Windjammer inne, ehe sie schließlich von der Preußen übertroffen wurde, deren bestes Etmal bei 426 Seemeilen lag, ein Wert, der von Windjammern nie wieder erreicht wurde.

Die in Großbritannien (ursprünglich als Dampfschiff) gebaute, unter norwegischer Flagge segelnde Lancing soll eine Spitzengeschwindigkeit von 22 Knoten erreicht haben, wobei dieser Wert allerdings über Patentlog ermittelt wurde und daher mit einer gewissen Messunsicherheit behaftet ist. Ansonsten werden die Preußen und die Herzogin Cecilie als die Windjammer mit den höchsten ermittelten Spitzengeschwindigkeiten genannt (20,5 bzw. 20,75 Knoten). Unter den aktuell in Fahrt befindlichen Rahseglern gilt die russische Mir als der schnellste mit einer Höchstgeschwindigkeit von 19,4 Knoten.

Noch schneller als die Windjammer waren indes die Klipper, die freilich nur einen Bruchteil von deren Ladekapazität aufwiesen; so stellte die amerikanische Champion of the Seas bereits im Jahr 1854 mit 22 Knoten den bis heute gültigen Geschwindigkeits-Weltrekord für Großsegler auf; ihr Schwesterschiff Sovereign of the Seas setzte im selben Jahr mit 465 Seemeilen die ebenfalls bis heute gültige Etmal-Bestmarke für Großsegler, die zugleich bis 1984 der absolute Weltrekord für alle Segelschiffe war.

Liste Die Grundsortierung nach der Schiffslänge kann vom Benutzer durch Klicken auf die Spaltenköpfe nach allen klassifizierenden Daten geändert werden, zum Beispiel nach der Verdrängung, Segelfläche, Takelage, Breite oder Länge über alles (Lüa) inkl. Klüverbaum. (Segelschiffslängen in der Literatur beziehen sich oftmals auf die „Länge an Deck“ [LaD] oder die Rumpflänge.) Unter „Zeitraum“ ist diejenige Spanne zu verstehen, in der das Schiff aktiv in Fahrt war (bzw. ist), wobei eventuelle vorübergehende Aufliegezeiten nicht berücksichtigt wurden. Einzelne Schiffe der Liste (Werner Vinnen, Christel Vinnen und Susanne Vinnen) wurden im Laufe ihrer Dienstzeit abgetakelt und zu Motorschiffen umgebaut. In diesen Fällen ist der Zeitpunkt der Abtakelung angegeben und mit einem nachgestellten „>“ gekennzeichnet. Im umgekehrten Fall, wenn ein Dampfschiff zu einem Segler umgebaut wurde (Lancing, City of Sydney), wurde sinngemäß verfahren und dies durch ein vorangestelltes „<“ gekennzeichnet.

Bei Schiffen, die im Laufe der Zeit umbenannt wurden, ist zuerst der letzte Name genannt, dann folgen, mit „ex“ gekennzeichnet, in umgekehrt chronologischer Reihenfolge die weiteren Namen. Die Angabe Aux. steht für Auxiliarsegler; sie ist eingeklammert, wenn der Hilfsantrieb nicht während der gesamten Fahrzeit des Schiffes verfügbar war, sondern später aus- oder eingebaut wurde.

Heute noch fahrende oder zumindest fahrbereite Windjammer sind in der Tabelle gelb hervorgehoben, rot solche, die zwar nicht mehr in Fahrt sind, aber weiterhin als Museums-, Hotel- oder Restaurantschiffe genutzt werden. Schiffsname Länge  ü. a. (m)Breite  (m)Verdr.  (t)Vermessung Segel-fläche (m²)Zeitraum Takelage Werft AnmerkungOE Corinthian22025,0031.00026.600 BRZ4.5002026– 3-Mast-SolidSail-Schiff Aux. Chantiers de l'Atlantique, Saint-Nazaire KreuzfahrtschiffGolden Horizon ex Flying Clipper162,2018,508.4408.770 BRZ6.3472019–5-Mast-Bark Aux. Brodosplit, Split (Kroatien) Kreuzfahrtschiff (derzeit aufgelegt), nach dem Vorbild der France (II) PreußenHorst Hamecher: Fünfmast-Vollschiff »PREUSSEN«, Königin der See. Der Lebensweg eines Tiefwasserseglers. Hamecher Eigenverlag, Kassel 1993; ISBN 3-920307-46-1 147 16,34 11.150 5.081 BRT 6.806 1902–1910 5-Mast-Vollschiff Joh. C. Tecklenborg, Geestemünde Größte Wasserverdrängung und größte Segelfläche aller Segler France (II) 146,50 16,90 10.710 5.633 BRT 6.350 1911–1922 5-Mast-Bark (Aux. bis 1919) Chantiers et Ateliers de la Gironde, BordeauxGrößter je gebauter Frachtsegler Neath ex R. C. Rickmers 146 16,3 10.500 5.548 BRT 6.045 1906–1917 5-Mast-Bark (Aux., Dampf) Rickmers Reismühlen, Rhederei und Schiffbau, BremerhavenIm Ersten Weltkrieg vom deutschen U-Boot U66 versenkt Sailing Yacht A ex White Pearl 142,81 24,88 12.700 11.997 BRZ 3.747 2014– 3-Mast-Schoner Aux. Nobiskrug, RendsburgPrivatyacht (derzeit nicht in Fahrt) Thomas W. LawsonThomas S. Hall: The T. W. Lawson – The Fate of the World's Only Seven-Masted Schooner. The History Press, Charleston (SC) 2006; ISBN 1-59629-208-3 140,10 15,25 10.860 5.218 BRT 4.330 1902–1908 7-Mast-Gaffelschoner Fore River Shipyard, Quincy (Mass.) Sea Cloud Spirit 138 17,20 4.836 5.431 BRZ 5.431 2021– 3-Mast-Vollschiff Factoria de Naval Marin / Metalships & Docks, VigoKreuzfahrtschiff Wyoming 137 15 8.000 3.731 BRT 3.700 1909–1924 6-Mast-Gaffelschoner (Holz) Percy & Small, Bath (Maine)Längstes je gebautes HolzschiffNeoliner Origin13624,2010.82613.278 BRZ3.0002025–2-Mast-SolidSail-Ro-Ro-Schiff Aux. RMK Marine Werft, Istanbul Segelfrachtschiff (Ro-Ro) Maria Rickmers 135 14,6 8.900 3.822 BRT 5.300 1891–1892 5-Mast-Bark (Aux., Dampf) Russell & Co., Port GlasgowverschollenWind Star13415,885.350 BRZ1.9981986–4-Mast-Motorsegler Aux. Société Nouvelle des Ateliers et Chantiers du Havre, Le Havre KreuzfahrtschiffWind Song13415,885.350 BRZ1.9981987–20224-Mast-Motorsegler Aux. Société Nouvelle des Ateliers et Chantiers du Havre, Le Havre Kreuzfahrtschiff, nach Brand versenktWind Spirit13415,885.350 BRZ1.9981988–4-Mast-Motorsegler Aux. Société Nouvelle des Ateliers et Chantiers du Havre, Le Havre Kreuzfahrtschiff Potosi 133 15 8.580 4.026 BRT 5.250 1895–1925 5-Mast-Bark Joh. C. Tecklenborg, GeestemündeAusgebrannt und anschließend durch Schiffsartillerie versenkt France (I) 133 14,8 7.800 3.784 BRT 4.550 1890–1901 5-Mast-Bark D. & W. Henderson & Son, Partick (bei Glasgow) Royal Clipper 132,2 16 8.000 (ca.) 4.425 BRZ 5.050 2000– 5-Mast-Vollschiff Aux. Werft Danzig Merwede Shipyard BV, Hardingxveld Kreuzfahrtschiff, nach dem Vorbild der Preußen Koru 125 16,95 1.500 3.493 BRZ 2023– 3-Mast-Schoner Aux. Oceanco, AlblasserdamPrivatyacht København 131,9 15 7.900 3.901 BRT 4.644 1921–1928 5-Mast-Bark Aux. Messrs. Ramage & Ferguson, Leith (Schottland)verschollenEdward B. Winslow129,515,203.4241906―19176-Mast-Schoner (Holz) Percy & Small, Bath (Maine)Im Ersten Weltkrieg auf dem Atlantik ausgebrannt, mutmaßlich durch SabotageEdward J. Lawrence 12514,293.7301908–19346-Mast-Schoner (Holz) Percy & Small, Bath (Maine)Letzter jemals gebauter 6-Mast-SchonerLancing ex Péreire123,413,62.5462.678 BRT5.080(1866)<1887–19254-Mast-Vollschiff Robert Napier & Son, Glasgow (Schottland) Blyth Drydock Co., Blyth, (England)Letztes und längstes Viermast-VollschiffMoshulu