Hövelhof ist eine Gemeinde im Nordosten Nordrhein-Westfalens, die 13 Kilometer nordwestlich von Paderborn liegt. Die Einwohner zählende Gemeinde gehört zum ostwestfälischen Kreis Paderborn im Regierungsbezirk Detmold und darf seit dem 14. März 2012 den offiziellen Zusatz Sennegemeinde führen.Genehmigung der Zusatzbezeichnung (PDF; 92 kB)
Geografie Geografische Lage mini|Haustenbach bei Staumühle, an der Grenze zum Truppenübungsplatz Sennelager
Hövelhof liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens, in der Mitte Ostwestfalen-Lippes (Regierungsbezirk Detmold) und im Norden des Kreises Paderborn. Naturräumlich liegt die Gemeinde in der Senne, der östlichen Teillandschaft der Westfälischen Bucht. Das Gemeindegebiet ist überwiegend eben.
Der Ortskern von Hövelhof befindet sich auf 109 m Höhe über NN.
Siehe auch: Naturräume in OWL
Gemeindegliederung Historisch bedingt gliedert sich die Gemeinde Hövelhof in die Ortsteile Hövelhof, Klausheide, Staumühle, Espeln, Riege, Hövelriege und Hövelsenne. Die Hauptsatzung der Gemeinde unterscheidet diese Ortsteile jedoch nicht. Des Weiteren gibt es noch die Ortslagen Bentlake, Untersenne und Hasendorf östlich des Ortskerns. Im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Senne musste fast der gesamte erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts in Form von Riegen (Reihendorf) entstandene, im Osten von Hövelhof gelegene Ortsteil Hövelsenne ab 1939 geräumt werden. Einschließlich der aus dem Jahr 1800 stammenden Schule (1966) und der erst 1923 errichteten St. Josefskirche (1974) mussten 135 Häuser und Höfe geräumt werden. Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde Hövelhof bedeckt eine Fläche von 70,67 km², davon gehören 19,72 km² zum Truppenübungsplatz und 3,34 km² sind Gemeindeforst. Den größten Flächenanteil nehmen Landwirtschafts- und Waldfläche mit zusammen etwa 78,4 % ein. Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung ist etwa 9,8 km, in Ost-West-Richtung etwa 13,2 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Fläche in km² 33,88 21,57 6,19 3,73 Anteil an Gesamtfläche 47,91 % 30,50 % 8,75 % 5,28 % Flächenach Nutzungsart Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 0,96 1,12 3,27 Anteil an Gesamtfläche 1,36 % 1,58 % 4,62 % Nachbargemeinden Hövelhof grenzt, beginnend im Nordwesten im Uhrzeigersinn, an die Städte Verl (Ortsteil Kaunitz) und Schloß Holte-Stukenbrock des Kreises Gütersloh, die Gemeinde Schlangen (Ortsteil Oesterholz-Haustenbeck) des Kreises Lippe und die Städte Bad Lippspringe, Paderborn (Stadtteile Sennelager und Schloß Neuhaus) und Delbrück (Ortsteile Steinhorst, Westerloh, Lippling und Ostenland) des Kreises Paderborn.Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung, Münster 1990. Vgl. Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 101 f. und Kartenbeilage. mini|Lage der Ortsteile in Hövelhof mini|Ehem. fürstbischöfl. Jagdschloss, erbaut 1661 mini|Das „Neue Dorf“ (Niendorp) im 17. Jahrhundert mini|Katholische Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk mini|Evangelische Johanneskirche in Hövelhof Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Hövelhof liegt hydrologisch in Flusssystem der Ems. Es wird von zahlreichen Fließgewässern durchzogen und ist durch Heide-, Moor- und Feuchtgebiete geprägt.
Bedeutendstes Gewässer ist die Ems, deren Quellen unmittelbar nördlich der Gemeindegrenze auf Stukenbrocker Gebiet liegen. Weitere Fließgewässer, die auf dem Gemeindegebiet entspringen oder es durchqueren, sind der Haustenbach, der Knochenbach, der Krollbach, der Kastenbach, der Schwarzwasserbach, der Furlbach, der Holtebach und der Hallerbach.
Das Gemeindegebiet weist zahlreiche Moore und weitere Feuchtgebiete auf, die insbesondere für die Landschaft der Senne charakteristisch sind. Hierzu zählen Nieder- und Übergangsmoore, Bruchwaldreste sowie vermoorte Heideflächen. Die Feuchtgebiete besitzen eine hohe ökologische Bedeutung als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten und tragen zur natürlichen Wasserregulierung der Region bei. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich mehrere Naturschutzgebiete, darunter die Naturschutzgebiete Apelsteich (PB 014), Erdgarten/Lauerwiesen (PB 002), Moosheide, Ramselbruch (PB 027) und Rixelbruch.
Die Schutzgebiete umfassen insbesondere Heideflächen, Moore, Feuchtwiesen, Dünen- und Bruchwaldlandschaften der Senne und dienen dem Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten.
Siehe auch: Gewässer in OWL
Geologie mini|Geothermische Karte von Hövelhof
Das Gemeindegebiet liegt in der „großen Emsterrasse“, die hier oberflächennah aus einer Folge von Kiesen, Sanden und Schluffen der Weichseleiszeit besteht. In zunehmender Tiefe liegen oft Vorschüttsande und Beckentone der Saalekaltzeit, die durch Schmelzwasserablagerungen entstanden sind, oder Sedimente der ausgehenden Holstein-Warmzeit. An der Oberfläche selbst finden sich häufig Uferwälle, Flugsande, Dammbetten, Dünen und Moore der ausgehenden Weichseleiszeit und der Nacheiszeit.
Unter den durch das Eiszeitalter gebildeten Schichten befindet sich Festgesteinsuntergrund, der aus leicht nach Westen geneigten Tonmergelsteinen („Emscher-Mergel“), Kalkmergel-, Mergelkalk- und Kalksteinen des Erdmittelalters besteht. Darunter befindet sich ein Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon).
Grundwasser kommt in den Lockergesteinen des Eiszeitalters mäßig vor, in den Rinnen der Emsterrasse auch in größeren Mengen. Der oberste Grundwasserstock wird in den Lockergesteinen gebildet. Zwischen diesen und dem zweiten Grundwasserstock in Festgesteinen der tieferen Oberkreide treten lokal geringdurchlässige Einlagerungen auf. In diesem zweiten Grundwasserstock ist Wasser von Nordosten nach Südwesten zunehmend versalzt. Sand und zum Teil auch Kies sind in den Ablagerungen der Ems und ihrer Zuflüsse reichlich vorhanden und sind zur Nutzung als Mauer- und Füllsand geeignet.
Die Böden im Gemeindegebiet bestehen aus grundwasserbeeinflussten Böden (Gleye, Niedermoore) und etwa fünf bis zehn Meter höher gelegenen, trockeneren Terrassensanden des Pleistozäns. Hier ist ein häufiger Wechsel zwischen Böden aus nacheiszeitlichen Fluss- und Bachablagerungen und Böden aus Geschiebelehm und Flugsanden anzutreffen. Diese Wechsel verleihen der Landschaft ein leicht welliges Profil. An Standorten mit Grundwasserständen zwischen 60 und 100 cm unter der Oberfläche entstanden in nährstoffarmen Sanden Podsol-Gleye, in denen sich verfestigte und daher für die Landwirtschaft nachteilige Horizonte aus Raseneisenstein oder Ortstein gebildet haben. Eine landwirtschaftliche Nutzung war erst nach Brechen dieser Schichten und zum Teil Plaggenauftrag und Entwässerung möglich. An Standorten mit Grundwasserständen zwischen 100 und 200 cm unter der Oberfläche bildeten sich stark podsolierte Gley-Podsole, bzw. Podsole, sofern kein Grundwasseranschluss vorhanden ist. Diese Standorte ermöglichen nur ertragsarmen und dürregefährdeten Ackerbau.Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen:
Hövelhof eignet sich mittelmäßig bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 360 kB) Geologischer Dienst NRW
Geschichte Der Name der Gemeinde leitet sich von einem gleichnamigen alten Vollmeierhof ab, der mindestens auf das Jahr 1000 zurückgeht. Die erste urkundliche Erwähnung des Hövelhofes im nordöstlichen Delbrücker Land stammt aus dem Jahre 1446. Knapp 200 Jahre später, im Jahr 1645, starb der letzte Meier zu Hövel kinderlos. Der Hövelhof fiel daher an den Landesherren, den Fürstbischof von Paderborn zurück.Wilhelm Honselmann: Hövelhof, Meier zu Hövel, Hövelmeier und Hövelmann. In: Genealogie vol. 35 (1986), S. 257–269. Um 1659 entstand das „Neue Dorf“ (Niendorp) am Krollbach.Straßennamen der Gemeinde Hövelhof und ihre Bedeutung: (PDF; 16 kB)Karte des Hochstifts Paderborn von 1672 in den Monumenta Paderbornensia: Commons Neben dem Hofhaus wurde 1661 das Jagdschloss der Paderborner Fürstbischöfe erbaut, und Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte der Bau der ersten Hövelhofer Kirche innerhalb der Gräfte des Schlosses. Sie wurde 1706 fertiggestellt. Neun Jahre später kam es zur Gründung der katholischen Kirchengemeinde Hövelhof und der Abpfarrung von der Mutterkirche St. Johannes Baptist Delbrück. 1782 wurde eine größere Kirche am Standort der heutigen Pfarrkirche erbaut. Nach dem Ende der Herrschaft des Fürstbischofs von Paderborn im Jahre 1802 wurde das Delbrücker Land zunächst preußisch. Im Königreich Westphalen bildete Hövelhof von 1807 bis 1813 eine Gemeinde im Kanton Neuhaus des Distrikts Paderborn im Departement der Fulda.Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", mit: "Verzeichniß der Departements, Districte, Cantons und Communen des Königreichs", S. 109 (PDF; 5,1 MB) 1813 fiel Hövelhof wieder an Preußen und 1816 kam die Gemeinde zum neuen Kreis Paderborn.
In den 1820er Jahren brach eine Sumpffieberepidemie in Hövelhof aus, der rund 800 Bürger zum Opfer fielen.Straßennamen der Gemeinde Hövelhof und ihre Bedeutung: (PDF; 13 kB)Straßennamen der Gemeinde Hövelhof und ihre Bedeutung: (PDF; 11 kB) Zu einem weiteren großen Bevölkerungsverlust kam es 1851 durch eine Hungersnot und Hungertyphus in Hövelhof und Stukenbrock.Ueber den Nothstand in einem Theile von Westphalen. In: Schlesisches Kirchenblatt, 1851, Nr. 40, S. 499–500. Im Jahre 1903 brannte der „Hövelhof“ ab.
Hövelhof gehörte ab 1844 zum Amt Delbrück, aus dem es 1895 ins Amt Neuhaus (ab 1959 Amt Schloß Neuhaus) wechselte.Amtsblatt der Regierung Minden 1844, S. 182Amtsblatt der Regierung Minden 1895, S. 262
Von 1942 bis zur Auflösung im Jahr 1945 befand sich bei den Geha Möbelwerken (heute Gehastraße 2–4) eine Außenstelle des bisher unzureichend erforschten Strafgefangenenlager Oberems.
1957 wurde die evangelische Johanneskirche gebaut und eingeweiht.Evangelische Johannes-Kirchengemeinde: Zwei Jahre später wurden Teile der Gemeinde Ostenland (Bentlake, Alkenbrink und die Kreissiedlung Klausheide) eingemeindet, und 1975 wurde mit Auflösung des Amtes Schloß Neuhaus Hövelhof amtsfreie Gemeinde. Teile der bisherigen Gemeinde Ostenland (Espeln und Klausheider Siedlung) wurden im Zuge dessen eingemeindet. Am 31. Oktober 1978 wurde der Personenverkehr über Verl nach Gütersloh-Nord mit der Teutoburger Wald-Eisenbahn eingestellt. 1982 wurde die Ev. Johannes-Kirchengemeinde selbstständig.
Religionen In Hövelhof gibt es die katholische Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk mit Pfarrvikarieämtern in Herz Jesu in Hövelriege und Herz Jesu in Espeln sowie die evangelische Johannes-Kirchengemeinde mit der Johannes-Kirche an der Breslauer Straße. Darüber hinaus bestehen in Hövelhof auch freikirchliche Gemeinden, darunter die Evangeliumschristen-Baptisten-Gemeinde Hövelhofwww.ecb-hoevelhof.de an der Klausheider Straße und die Christliche Gemeinde Hövelhofwww.gv-echb.de an der Sennestraße.
1731 gründete sich in Hövelhof eine Bruderschaft von der Todesangst Christi, die für einen gnädigen Tod für sich und seine Mitbrüder betete.
Eingemeindungen Klausheide gehört seit der Gründung der Gemeinde im Jahr 1807 zu Hövelhof. Am 1. Oktober 1958 wurden die Kreissiedlung, Bentlake und Alkenbrink aus der Gemeinde Ostenland im Amt Delbrück nach Hövelhof umgegliedert.