Die Porsche Automobil Holding SE (kurz Porsche SE) ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Stuttgart, die im Jahr 2007 aus dem Automobilhersteller Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG hervorging. Ihre mit Abstand wichtigste Anlage ist eine Beteiligung an der Volkswagen AG, die seit März 2019 rund 53,3 Prozent der Stimmrechte (durch Volkswagen-Stammaktien) und 31,9 Prozent des Kapitals umfasst. Vom 20. September 2021 bis zum 21. Juni 2026 war die Porsche SE im DAX notiert, seitdem ist sie im MDAX gelistet.INDEX-MONITOR: Hochtief im Dax - Porsche SE im MDax
Am 29. September 2022 wurden 25 Prozent der Vorzugsaktien der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG wieder an die Börse gebracht. Parallel dazu verkaufte die Volkswagen AG der Porsche SE 17,5 Prozent plus eine Aktie der Stammaktien.Porsche SE kauft für 7 Milliarden Euro Porsche-AktienFAZ, 4. Oktober 2022 Am 9. Januar 2023 hat die Porsche SE weitere 7,5 % der Anteile an der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG übernommen. Die Porsche SE verfügt nun über 25 % der Anteile plus eine Stammaktie an der Porsche AG und somit über eine Sperrminorität.Anteilserwerb an der Porsche AG vollzogen Pressemitteilungen Porsche SE, 9. Januar 2023 Zusätzlich kann die Porsche SE über die Beteiligung an Volkswagen indirekt Einfluss auf die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG nehmen. Die österreichische Automobil-Handelsgruppe Porsche Holding ist in den Volkswagenkonzern integriert. Darüber hinaus hält die Porsche SE Minderheitsbeteiligungen an mehreren Technologieunternehmen in Nordamerika, Europa und Israel sowie Beteiligungen an Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds.https://www.porsche-se.com/beteiligungen
Geschichte mini|Historisches Logo Auf Beschluss einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. Juni 2007 wurde das operative Geschäft der Porsche AG in die neu gegründete Tochtergesellschaft Porsche Vermögensverwaltungs AG ausgegliedert. Ausgenommen von der Ausgliederung waren die Beteiligungen an Volkswagen und der neuen Porsche Vermögensverwaltungs AG. Anschließend entstand am 13. November 2007 die Porsche Automobil Holding mit dem Eintrag Nummer 724512 in das Handelsregister B des Amtsgerichts Stuttgart als Holding aus der Umwandlung der damaligen börsennotierten Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft in eine Europäische Gesellschaft. Die Porsche Vermögensverwaltungs AG wurde wiederum in Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft umbenannt.Tagesordnung der außerordentlichen Hauptversammlung vom 26. Juni 2007 Durch die Holdingstruktur sollten Entwicklung, Konstruktion, Herstellung und Vertrieb von Fahrzeugen von der Verwaltung von Beteiligungen an Unternehmen getrennt werden.Satzung der Porsche Automobil Holding SE
Aufbau einer Beteiligung an Volkswagen durch Porsche Anlass zur Gründung der Holding war die Beteiligung der damaligen Porsche AG bei der Volkswagen AG, die seit 2005 kontinuierlich aufgebaut worden war. Als am 25. September 2005 Porsche die Absicht veröffentlichte, etwa 20 % der Stammaktien der Volkswagen AG erwerben zu wollen,Porsche hat über 10 Prozent der Volkswagen-Stammaktien erworben." Pressemitteilung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, 28. September 2005 hatte das Unternehmen an der Börse bereits knapp 5 % der Aktien von Volkswagen gekauft.Porsche wird Hauptaktionär von VW Stern, 25. September 2005 Ende des Monats erwarb das Unternehmen weitere 10,26 % der Stimmrechtsanteile und Anfang Dezember war das Unternehmen im Besitz von 18,53 % der Volkswagen-Aktien und verfügte über Optionen zum Zukauf weiterer 3,4 % der Aktien. Die Beteiligung kostete zirka 3,5 Milliarden Euro und wurde aus den vorhandenen liquiden Mitteln finanziert. Sie sollte unter anderem der Abwehr einer feindlichen Übernahme des Volkswagenkonzerns dienen.Manager Magazin: Porsche - Volkswagen als Schwungmasse. manager magazin online, 7. Dezember 2005
Durch die Übernahme der Volkswagen-Aktien durch Ausübung der Kaufoptionen wuchs die Beteiligung im Jahr 2006 zunächst auf 21,2 % und im November auf einen meldepflichtigen Anteil von 25,1 %. Nach einem weiteren Zukauf auf 27,4 % wurde vom Aufsichtsrat am 15. November eine Aufstockung auf 29,9 % genehmigt. Die mit einem Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre verbundene Aufstockung über 30 % wurde damals verneint.FAZ-Net: Automobile - Porsche vor VW-Übernahme?. 16. November 2006 Als größter Einzelaktionär, vor dem Land Niedersachsen, war die Porsche AG ab dem Jahr 2006 durch Porsches Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter im VW-Aufsichtsrat vertreten.Manager Magazin: Porsche/VW - Einigung im Machtkampf. 20. Januar 2006
Gründung der Porsche SE und Ausbau der Beteiligung an Volkswagen Im März 2007 wurde vom Aufsichtsrat der Porsche AG die Gründung der Porsche Automobil Holding beschlossen, um die operative Geschäftstätigkeit von der Beteiligungsverwaltung zu trennen.Pressemitteilung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG vom 24. März 2007 Ende März war der Anteil an Volkswagen schließlich mit einer Milliarde Euro auf 30,9 % aufgestockt worden. Insgesamt kostete Porsche die Investition bis dahin fünf Milliarden Euro.Manager Magazin: Porsche - Drei Milliarden Euro Gewinn erwartet. 28. Juli 2007 Als Grund wurde eine mögliche Gefahr der Zerschlagung des Volkswagen-Konzerns durch einen Hedgefonds angeführt und das Ziel der Übernahme negiert.Manager Magazin: Volkswagen. Porsche stockt auf - Übernahmeangebot fällig. 26. März 2007 Die Überschreitung eines Anteils von 30 % der Stimmrechte verpflichtete Porsche zu einem Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre. Pro Stammaktie wurden 100,92 Euro geboten, was mehr als 10 % unter dem damals aktuellen Börsenkurs lag und zu einem Verkaufsangebot von nur 0,02 % aller Volkswagen-Aktien führte.
Anfang September 2007 wurde bekannt, dass Porsche eine Beteiligung von 51 % anstrebt.Porsche will die ganze Macht bei VW. Spiegel Online, 1. September 2007 Dabei hatte Porsche Cash-Settled Equity Swaps eingesetzt, um sich frühzeitig einen günstigen Übernahmekurs zu sichern. Am 23. Oktober 2007 erklärte der Europäische Gerichtshof, nach einer Klage durch die EU-Kommission vom 4. März 2005, die im VW-Gesetz enthaltene Beschränkung des Stimmanteils eines Aktionärs – wie inzwischen Porsche – auf maximal 20 %, auch wenn er einen höheren Aktienanteil besitzt, für einen Verstoß gegen das EU-Recht. Am 3. März 2008 ermächtigte der Aufsichtsrat den Vorstand, die Beteiligung am Volkswagen-Konzern auf über 50 % aufzustocken. Eine Woche später wies das Unternehmen Medienberichte zurück, wonach Porsche beabsichtige, seinen Volkswagen-Anteil auf 75 % aufzustocken. Ein halbes Jahr danach, im September 2008, erhöhte Porsche seine Beteiligung an Volkswagen auf 35,14 %.
Vor dem 26. Oktober 2008 hatte Porsche mehrfach dementiert, dass sie ihre Beteiligung auf 75 % der Volkswagen-Stammaktien erhöhen wolle.Spiegel.de: Milliardenklage - Wann beschloss Porsche, VW zu übernehmen?, 26. Januar 2010 Am 26. Oktober 2008 verkündete Porsche dann die Zielsetzung, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten, im Jahr 2009 auf 75 % der Volkswagen-Stammaktien aufzustocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu machen. Zeitgleich publizierte der Konzern Zahlen, wonach Porsche einen Stammaktien-Anteil von 42,6 % sowie zur Kurssicherung zusätzlich 31,5 % cash gesettelte Optionen auf Stammaktien von Volkswagen halte.Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Porsche kontrolliert 74,1 Prozent von VW“, 27. Oktober 2008, Nr. 251, S. 14 Nachdem das Unternehmen gut 8 % Volkswagen-Aktien von einer Bank für sechs Milliarden Euro – finanziert durch einen zusätzlichen KreditDietmar Hawranek: Die Stunde des Alten. In: Spiegel Online, 27. April 2009 – erworben hatte, gab es am 5. Januar 2009 bekannt 50,76 % der Volkswagen-Stammaktien zu halten und damit Mehrheitseigner von Volkswagen zu sein.
Im ersten Geschäftsjahr 2007/2008 erwirtschaftete der Porsche-Konzern mit 8,569 Milliarden Euro mehr Überschuss vor Steuern als Umsatz. Der Gewinn entstand vor allem aus Aktienoptionsgeschäften auf Volkswagen-Aktien. Zur Finanzierung des Volkswagen-Aktienkaufes musste Porsche jedoch zehn Milliarden Euro Kredite aufnehmen und den Banken die Volkswagen-Aktien als Sicherheiten übereignen.focus.de: Porsche muss VW-Aktien verpfänden, 8. April 2009
Im März 2019 gab Porsche bekannt, für 400 Millionen Euro die Beteiligung am stimmberechtigten Kapital von Volkswagen auf 53,1 % nach bisher 52,2 % ausgebaut zu haben. Im Zeitraum vom 17. März bis 20. April 2020 wurde über Kapitalmarkttransaktionen insgesamt weitere 0,2 Prozent der Stammaktien der Volkswagen AG erworben. Porsche ist mit einem Anteil von 53,3 % der Stammaktien an der Volkswagen AG beteiligt.
Einigung mit Volkswagen Am 6. Mai 2009 gab Porsche bekannt, die Schaffung eines „integrierten Automobilkonzerns“ mit Volkswagen anzustreben. Hintergrund der Ankündigung waren Finanzierungsprobleme bei den Bankkrediten, die Porsche dazu zwangen, die geplante Übernahme von Volkswagen aufzugeben.Anselm Waldermann: Fusion statt Übernahme - Wiedeking scheitert mit Angriff auf Volkswagen. In: Spiegel Online, 6. Mai 2009 Am 23. Juli 2009 beschloss der Aufsichtsrat, die durch den Übernahmeversuch entstandenen Milliardenschulden durch eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro sowie den Einstieg des Golfemirats Katar abzubauen. Dazu wurde der Vorstand ermächtigt, mit der Qatar Holding LLC (QH) über einen Einstieg bei Porsche zu verhandeln. Des Weiteren wurde mitgeteilt, dass Wendelin Wiedeking und Holger Härter – beide hatten die Übernahme Volkswagens mit Zustimmung der Eigentümerfamilien vorangetrieben – das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen und darüber hinaus auch ihre Aufsichtsratsmandate bei Volkswagen und Audi niederlegen.Tagesschau vom 23. Juli 2009: Wiedeking geht - VW kommtPressemitteilung der Porsche Automobil Holding SE vom 23. Juli 2009 Die Entscheidung bedeutete gleichzeitig das Ende einer wochenlang anhaltenden Auseinandersetzung um die Führung, die letztlich zugunsten von Volkswagen entschieden wurde.Porsche vs. VW – Machtkampf der Alphatiere, Spiegel Online, 16. Juli 2009Verlierer im Machtkampf – Porsche trennt sich von Wiedeking, Spiegel Online, 23. Juli 2009
Am 13. August 2009 stimmte der Aufsichtsrat von Volkswagen der Grundlagenvereinbarung zur Schaffung eines „integrierten Automobilkonzerns“ mit Porsche unter Führung von Volkswagen zu., volkswagenag.com, 13. August 2009 Als Nachfolger von Wiedeking und Härter wurden Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn zum Vorstandsvorsitzenden der Porsche Automobil Holding und Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Finanzvorstand dieser Gesellschaft bestellt. Bei der Porsche AG wurde am 13. August Michael Macht zum Vorstandsvorsitzenden und Thomas Edig zu dessen Stellvertreter berufen. Beide wurden zudem als neue Vorstandsmitglieder der Porsche Automobil Holding ernannt.Pressemitteilung der Porsche Automobil Holding SE vom 13. August 2009 Winterkorn und Pötsch traten ihre Vorstandsämter bei der Porsche SE am 25. November 2009 an, nach dem Abschluss der Verhandlungen über die Durchführungsverträge zur Umsetzung der Grundlagenvereinbarung.Geschäftsbericht 2009/10 der Porsche Automobil Holding SE, S. 14Porsche SE Winterkorn und Pötsch im Vorstand Auto–Motor–Sport, 25. November 2009