mini|Titelseite von Zedlers Universal-Lexikon (1731–1754)|alternativtext= Das Grosse vollständige Universallexicon Aller Wissenschafften und Künstevollständiger Titel: Grosses vollständiges UNIVERSAL LEXICON Aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden, Darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Creyses, nach allen Monarchien, Käyserthümern, Königreichen, Fürstenthümern, Republiquen, freyen Herr- schafften, Ländern, Städten, See-Häfen, Vestungen, Schlössern, Flecken, Aemtern, Klöstern, Ge- bürgen, Pässen, Wäldern, Meeren, Seen, Inseln, Flüssen und Canälen; samt der natürlichen Abhandlung von dem Reich der Natur, nach allen himmlischen, lufftigen, feurigen, wässerigen und irrdischen Cörpern, und allen hierinnen befindlichen Gestirnen, Planeten, Thieren, Pflantzen, Metallen, Mineralien, Saltzen und Steinen etc. Als auch eine ausführliche Historisch-Genealogische Nachricht von den Durchlauchten und berühmtesten Geschlechtern in der Welt, Dem Leben und Thaten der Käyser, Könige, Churfürsten und Fürsten, grosser Helden, Staats-Minister, Kriegs-Obersten zu Wasser und zu Lande, den vornehmsten geist- und weltlichen Ritter-Orden etc. Ingleichen von allen Staats- Kriegs- Rechts- Policey und Haußhaltungs- Geschäfften des Adelichen und bürgerlichen Standes, der Kauffmannschafft, Handthierungen, Künste und Gewerbe, ihren Innungen, Zünfften und Gebräuchen, Schiffahrten, Jagden, Fischereyen, Berg- Wein- Acker-Bau und Viehzucht etc. Wie nicht weniger die völlige Vorstellung aller in den Kirchen-Geschichten berühmten Alt-Väter, Propheten, Apostel, Päbste, Cardinäle, Bischöffe, Prälaten und Gottes-Gelehrten, wie auch Concilien, Synoden, Orden, Wallfahrten, Verfolgungen der Kirchen, Märtyrer, Heiligen, Sectirer und Ketzer aller Zeiten und Länder, Endlich auch ein vollkommener Inbegriff der allergelehrtesten Männer, berühmter Universitäten Academien, Societäten und der von ihnen gemachten Entdeckungen, ferner der Mythologie, Alterthümer, Müntz-Wissenschafft, Philosophie, Mathematic, Theologie, Jurisprudentz und Medicin, wie auch aller freyen und mechanischen Künste, samt der Erklärung aller darinnen vorkommenden Kunst-Wörter u. s. f. enthalten ist. Nebst einer Vorrede, von der Einrichtung dieses mühsamen und grossen Wercks Joh. Pet. von Ludewig, JCti, Königl. Preußischen geheimden und Magdeburg. Regierungs- und Consistorial-Raths, Cantzlers bey der Vniversität, und der Juristen-Facultät Praesidis Ordninarii, Erb- und Gerichts-Herrn auf Bendorff, Pretz und Gatterstätt. Halle und Leipzig (Wikisource) erschien in den Jahren 1731 bis 1754 in Halle (Saale) und Leipzig und umfasst rund 63.000 Seiten. Es war damit das umfangreichste enzyklopädische Projekt im Europa des 18. Jahrhunderts.Ein photomechanischer Nachdruck erschien 1961–1964 bei der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt Graz. In 64 Bänden und vier Supplementbänden sind rund 284.000 alphabetisch geordnete Einträge verzeichnet. Die einzelnen Artikel sind durch rund 276.000 Verweise miteinander verknüpft,Zedlers Großes Universallexicon Online wobei jedoch viele Verweise ins Leere führen. Die in Pergament gebundenen 64 Bände mit 34 bis 36 Zentimetern Höhe der Originalausgabe ergeben eine Strecke von 4,30 Metern.

Wie der ausführliche Titel besagt, hat das kurz Zedlers Universallexikon oder „Zedler“ genannte Lexikon den Anspruch, alles bekannte Wissen aus sämtlichen Fachgebieten zu verzeichnen. Dabei listet der Titel 33 Wissensbereiche auf, die drei große Klassen bilden: Biographie (etwa 120.000 Einträge), Geographie (73.000) und Fachwissen (91.000).Vgl. Schneider: Seine Welt wissen. S. 58. Veröffentlicht wurde das Universal-Lexicon vom Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler (1706–1751), nach welchem es häufig Zedlersches Lexikon oder auch nur Zedler genannt wird, ab 1731 (zur Leipziger Michaelis-Messe). Schon im Vorfeld hatte Zedler am 13. September 1730 ein Privileg zum Schutz gegen den Nachdruck seines geplanten Universallexikons bei der kursächsischen Regierung beantragt.Bernhard Kossmann: Deutsche Universallexika des 18. Jahrhunderts. 1968, S. 2953 f. Heute ist bekannt, dass der überwiegende Teil der Artikel plagiiert wurde. Schon bei Erscheinen des Lexikons waren Vorwürfe dieser Art gegen den Verleger Zedler erhoben worden. Ab 1737 lag das Werk in Händen des Leipziger Kaufmanns Johann Heinrich Wolf (* 1690).

Mitarbeiter Anonymität der Mitarbeiter Die Namen von Zedlers Mitarbeitern sind weitgehend unbekannt. In der Vorrede zum ersten Band werden sie als die „Neun Musen“ vorgestellt, die als Spezialisten für verschiedene Wissensbereiche für die Artikel aus diesen Bereichen zuständig seien. Die Ankündigung, dass mit Fertigstellung des Werkes die Mitarbeiter namentlich genannt würden, wurde nicht umgesetzt.Kaminski: Die Musen als Lexikographen. S. 670. Es ist schon allein wegen der über 20 Jahre dauernden Entstehungszeit zu bezweifeln, dass die Zahl der Mitarbeiter tatsächlich nur neun betrug, wahrscheinlich wirkten mehr Autoren am Lexikon mit. Gerade wegen der Plagiatsvorwürfe gegen Zedler (siehe dazu den Abschnitt Plagiat) wäre eine Identifizierung der Mitarbeiter interessant. Andererseits war es im 18. Jahrhundert durchaus normal, dass die Lexikographen anonym blieben; eine namentliche Kennzeichnung einzelner Artikel war auch dann unüblich, wenn neben dem Herausgeber andere Mitarbeiter an dem Lexikon mitgeschrieben hatten. Dies scheint seit dem 18. Jahrhundert bei allen größeren Lexikonprojekten der Fall gewesen zu sein.Vgl. Schneider: Seine Welt wissen. S. 127. Allerdings ist das Universal-Lexicon das erste Werk, das in gleichberechtigter Zusammenarbeit mehrerer Gelehrter, die wohl weitgehend autonom arbeiteten, entstand und nicht unter der Führung nur eines Autors, dem ungenannte Helfer zur Seite standen. Eine weitere Neuerung ist, dass die Arbeitsteilung nicht alphabetisch organisiert wurde, sondern die Arbeitsbereiche der Musen nach Themen verteilt wurden.Vgl. Kaminski: Die Musen als Lexikographen. S. 650. Dadurch wurde eine „sinnvolle Verteilung der Arbeit auf Fachkräfte [erreicht]“.Kossmann: Deutsche Universallexika des 18. Jahrhunderts. Sp. 1570. Dennoch gab es anscheinend kein detailliertes „redaktionelles Konzept, so dass sinnverwandte Lemmata, die durch die alphabetische Ordnung zwangsläufig auseinandergerissen wurden, nicht miteinander verknüpft worden sind“.Prodöhl: Aus denen besten Scribenten. S. 83 f. Schuld daran waren wohl auch der Umfang des Projekts und die Dauer seiner Fertigstellung. Von der Identität der Mitarbeiter weiß man wenig. Bislang sind nur die Hauptredakteure und einige wenige Zuträger bekannt. Wahrscheinlich ist, dass alle Redakteure „eng mit den Universitäten Halle und Leipzig verbunden“Prodöhl: Aus denen besten Scribenten. S. 87. waren. Die Hauptredakteure, die die Arbeit am Lexikon koordinierten, waren:Vgl. Kossmann: Deutsche Universallexika des 18. Jahrhunderts. Sp. 1569 f. Jacob August Franckenstein (1689–1733) (Bände 1–2) Paul Daniel Longolius (1704–1779) (Bände 3–18) Carl Günther Ludovici (1707–1778) (Bände 19–64) Über andere Mitarbeiter ist fast nichts bekannt. Heinrich Winkler ist als Verfasser der „meisten medizinischen Artikel“ gesichert, Friedrich August Müller ist „mit großer Wahrscheinlichkeit“ der Verfasser von Artikeln zur Philosophie.Schneider: Die Konstruktion des allgemeinen Wissens in Zedlers Universallexikon. S. 87 Anm. 24, Zitate ebd. Lorenz Christoph Mizler (1711–1778) verfasste nach eigener Aussage mathematische Artikel.Prodöhl: Aus denen besten Scribenten. S. 91. In der Auseinandersetzung um das Erscheinen des Lexikons wurden Johann Heinrich Rother und Johann Christoph Gottsched von anderen Verlegern als Mitarbeiter genannt. Beide bezogen öffentlich dazu Stellung und reichten eine Erklärung ein, in der sie aussagten, nichts für den „Zedler“ geschrieben zu haben.Prodöhl: Aus denen besten Scribenten. S. 89 f.

Die Mitarbeiter als „Musen“ Die Bezeichnung der Mitarbeiter als „Muse“ sichert den Autoren nicht nur ihre Anonymität und persönlichen Schutz vor Plagiatsvorwürfen. Nicola Kaminski sieht darin ein wohlüberlegtes Konzept, den Plagiatsvorwurf auch vom Gesamtwerk fernzuhalten. Durch die Rede von den Musen, die sich von Band 1 an leitmotivisch durch die Vorreden zieht, wird die Diskussion um das Abschreiben der „Zedlerschen Musen“ vom Feld der juristischen Auseinandersetzung um Privilegienverstöße „auf das Feld der Poesie und der freien Künste“ verlegt.Kaminski: Die Musen als Lexikographen. S. 670. Dazu gehört auch, dass Johann Peter von Ludewig (1668–1743) in der ersten Vorrede nicht von „unerlaubtem Nachdruck, Privilegienverletzung“ spricht, sondern von „Originalien/Copien“ oder „nachmachen“ (siehe dazu Abschnitt Die programmatischen Vorreden). So wird das Abschreiben „legalisiert“, indem er es mit der poetologischen Tradition der Nachahmung und des imitatio-Diskurses legitimiert.

Historischer Kontext Siehe auch: Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie#Systematische Kompendien aller Wissenschaften und Künste Lexika und Enzyklopädien mit ähnlichem Anspruch Einen vergleichbaren Anspruch wie das Universal-Lexicon, nämlich umfassend Wissen aus allen Wissenschaftsbereichen zu sammeln und zu systematisieren, hatten schon weit vor dem 18. Jahrhundert viele enzyklopädische Werke. Sie waren jedoch in der Regel nicht in der Volkssprache verfasst, sondern auf Latein, und richteten sich damit ausschließlich an einen Kreis von Universalgelehrten. Noch zu Zedlers Zeiten gab es Werke dieser Art, wie beispielsweise das 1698 erschienene Lexicon Universale Historico-Geographico-Chronologico-Poetico-PhilologicumSchneider weist darauf hin, dass Hofmanns Lexikon „von seinem umfassenden Anspruch her“ ein Vorläufer des Universal-Lexicons sei. Schneider: Seine Welt wissen. S. 75. von Johann Jakob Hofmann (1635–1706) oder die ebenfalls noch wirkungsmächtige, äußerst erfolgreiche Encyclopaedia Cursus Philosophici von Johann Heinrich Alsted (1588–1638), welche allerdings noch nicht alphabetisch organisiert war.

Lexika auf dem Buchmarkt im frühen 18. Jahrhundert Das Universal-Lexicon war nicht das erste alphabetisch geordnete enzyklopädische Werk in deutscher Sprache. Als Prototypen des alphabetisch angelegten deutschsprachigen Konversationslexikons gelten das 1704 erschienene Reale Staats- und Zeitungs-Lexicon, bekannt als „Hübners Lexikon“, und Johann Franz Buddeus’ (1667–1729) Allgemeines Historisches Lexicon (Erstausgabe Leipzig 1709). Besonders im Bereich der Partikular-Lexika, das heißt der auf ein Fachgebiet beschränkten Lexika, nahm die Anzahl der auf dem Markt befindlichen Werke in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sprunghaft zu: 1741 hat allein der Verlag von Johann Friedrich Gleditsch 20 verschiedene Lexika im Programm.Vgl. Schneider: Seine Welt wissen. S. 126. , was mit ein Grund dafür sein dürfte, warum das Erscheinen des Universal-Lexicons auf erheblichen Widerstand stieß.

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