mini|hochkant|Ratko Mladić, 1993

Ratko Mladić [] (; * 12. März 1942 in Božanovići;Selected Documents, MLADIC, RATKO (MICT-13-56) im Abschnitt Appeals Chamber Judgement,: „08 Jun 2021 | Mladic (Appeal) (MICT-13-56-A) | Judgement/Sentence Appeals Chamber“: MICT-13-56-A 12105 – A12105-A11737 – 08 June 2021. S. 12105 ff. (PDF; 5,7 MB). Darin auf S. 12100 (PDF-S. 6), Kap. „I. INTRODUCTION | A. Background“, Randzahl 2: „Mladić was born on 12 March 1942 in Božanovići, Kalinovik Municipality.“ † 27. August 2026 in Den Haag) war ein bosnisch-serbischer General und verurteilter Kriegsverbrecher, der von 1992 bis 1996 als Oberbefehlshaber der Vojska Republike Srpske agierte.

Ihm wurden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs zur Last gelegt, darunter die knapp vierjährige Belagerung von Sarajevo und das Massaker von Srebrenica im Juli 1995, bei dem mehr als 8000 bosnische Männer und Jugendliche ermordet wurden. Gegen Mladić lag seit 1995 eine Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag vor, in der er des gemeinschaftlich mit Radovan Karadžić geplanten Völkermords an Bosniaken beschuldigt wurde. Nachdem er sich knapp sechzehn Jahre lang einer Verhaftung hatte entziehen können, wurde er am 26. Mai 2011 in Serbien festgenommen und stand am 3. Juni 2011 zum ersten Mal in Den Haag vor Gericht. Am 22. November 2017 wurde er in zehn von elf Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 8. Juni 2021 bestätigte die Berufungsinstanz am Nachfolgegericht des ICTY dieses Urteil.

Leben Herkunft Ratko Mladić wurde im ostbosnischen Dorf Božanovići in der Gemeinde Kalinovik, in der Nähe des Berges Treskavica 45 Kilometer westlich von Goražde und 40 Kilometer südlich von Sarajevo gelegen, geboren. Zu dieser Zeit war ganz Bosnien-Herzegowina Teil des von den Nationalsozialisten protegierten und von der Ustascha beherrschten Unabhängigen Staates Kroatien (NDH), der nach dem deutschen Balkanfeldzug und der Zerstückelung Jugoslawiens 1941 entstanden war. Sein Vater Neđa (1909–1945), ein Mitglied der kommunistisch geführten Partisanen, wurde von Kräften des Ustascha-Regimes getötet. Seine Mutter Stana (1919–2003) musste nach dem Tod ihres Mannes die drei Kinder, die Tochter Milica (* 1940) und die Söhne Ratko und Milivoje (1944–2001), allein großziehen.Uglješa Mrdić: Kurzbiografie Ratko Mladić, 2. Juni 2011 (serbokroatisch) Abgerufen am 23. November 2017.

Erste Stationen beim Militär Als junger Mann arbeitete Mladić zunächst als Metallarbeiter, bevor er sich für eine militärische Ausbildung entschied. Im Alter von 15 Jahren absolvierte er seine erste militärische Ausbildung in Zemun (Belgrad).Tim Farin, Niels Kruse: Verhaftung von Ratko Mladic. General, Kriegsverbrecher, Massenmörder. In: Stern, 26. Mai 2011, Abruf am 22. November 2017. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung an der Militärakademie in Belgrad am 27. September 1965 begann er seine Karriere in der jugoslawischen Armee (JNA).Ian Traynor: Ratko Mladic: career officer infamous for the Srebrenica massacre. In: The Guardian, 6. Mai 2011, Abruf am 22. November 2017. Im selben Jahr trat er der Kommunistischen Partei bei und wurde Berufssoldat. Nach Beförderungen zum Oberstleutnant am 25. Dezember 1980 und zum Oberst am 18. August 1986 in Štip wurde er am 31. Januar 1989 Leiter der Bildungsabteilung des Dritten Militärbezirks von Skopje. Am 14. Januar 1991 wurde er zum Stellvertretenden Kommandeur in Priština ernannt. Während Mladić zu Beginn seiner Laufbahn Titos Konzept eines multiethnischen Jugoslawiens anhing, schloss er sich zu Beginn der 1990er Jahre dem serbisch-nationalistischen Kurs Slobodan Miloševićs an.

Jugoslawienkriege

Im Juni 1991 wurde Mladić während der Kämpfe zwischen der JNA und den kroatischen Einheiten aus dem Kosovo nach Knin, der Hauptstadt der international nicht anerkannten Republik Serbische Krajina in Kroatien, abberufen, wo er den Posten des Kommandeurs des 9. Korps der JNA erhielt. Unter Mladićs Kommando wurden Kämpfe um die Stadt Šibenik mit kroatischen Einheiten ausgetragen, bei denen es zur Sprengung der Maslenica-Brücke kam. Aufgrund deren strategischer Lage wurde der südlich gelegene Teil Dalmatiens vorübergehend vom kroatischen Hoheitsgebiet abgeschnitten, was erklärtes Ziel der Krajina-Serben war. Am 4. Oktober 1991 wurde er Generalmajor und am 24. April 1992 zum Generalleutnant befördert. Am 2. Mai 1992, einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung von Bosnien-Herzegowina, blockierten Mladić und seine Generäle sämtliche Zufahrten nach Sarajevo und unterbrachen die Wasser- und Elektrizitätsversorgung, womit die vierjährige Belagerung von Sarajevo begann. Von den umliegenden Höhen beschossen die bosnisch-serbischen Streitkräfte die Stadt mit Artillerie und terrorisierten ihre Zivilbevölkerung durch Scharfschützen; während der nahezu vierjährigen Belagerung kamen etwa 10.000 Menschen, darunter rund 1500 Kinder, ums Leben. Am 9. Mai 1992 wurde Mladić Stabschef-Vizekommandeur des dortigen Zweiten Militärdistrikthauptquartiers der JNA und übernahm am Tag darauf dessen Kommando.

mini|Ratko Mladić am Flughafen Sarajevo, 1993

Am 12. Mai 1992 stimmten die bosnischen Serben für die Gründung von militärischen Einheiten, der Armee der Serbischen Republik (serb. Vojska Republike Srpske, VRS), die aus bosnischen Serben und Angehörigen der jugoslawischen Volksarmee, die aus Bosnien stammten, gebildet wurde. Gleichzeitig wurde Mladić zum Oberkommandierenden der VRS berufen, eine Position, die er bis Dezember 1996 ausübte. Die bosnisch-serbische Armee wurde von der Führung Slobodan Miloševićs in Serbien unterstützt und bewaffnet. Nach dem Rückzug der JNA-Streitkräfte von Bosnien im Mai 1992 wurde der Zweite Militärdistrikt der JNA Kern des Hauptstabes der VRS. Am 24. Juni 1994 wurde Mladić in den Rang eines Generalobersten befördert.

Am 4. September 1994 gründete Mladić das 1. Korps der Armee der Republika Srpska als Kommandoeinheit der Serben gegen das 5. Korps der bosnischen Regierungstruppen. An den Angriffen gegen die von Regierungstruppen kontrollierte Bosanska Krajina war er persönlich beteiligt. Am 10. September 1994 wurde Mladić in der Nähe von Bosanski Petrovac durch einen Artillerie-Beschuss der ARBiH schwer am Kopf verletzt; er wurde in einer serbischen Militärklinik operiert. Am 12. September stellten die Serben die Angriffe ein, nachdem sie hohe Verluste erlitten hatten, sodass die bosnische Armee unter Führung von Atif Dudaković die Krajina erfolgreich verteidigte.www.novireporter.com (bosn.)

Nach der Erstürmung der UN-Schutzzonen um die ostbosnischen Städte Srebrenica und Žepa im Sommer 1995 war Mladić auf dem Höhepunkt seiner Macht. In dem von ihm organisierten Massaker von Srebrenica wurden im Juli 1995 mehr als 8000 männliche Bosniaken durch bosnisch-serbische Soldaten ermordet. Nach den Erschießungen wurden die Leichen zunächst in Massengräbern verscharrt, später teilweise wieder ausgegraben und zur Beseitigung von Beweisen für die Verbrechen auf weiter entfernte Gräber verteilt.

mini|Aufeinandertreffen von General Ratko Mladić und Oberst Thomas Karremans im Hotel Fontana am 11. Juli 1995

Anklage vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal Am 24. Juli 1995 wurde Mladić vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien („UN-Kriegsverbrechertribunal“) als Kriegsverbrecher wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zahlreicher Kriegsverbrechen angeklagt. Am 16. November 1995 wurden die Anklagepunkte des Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen auf den Angriff gegen die UN-Schutzzone Srebrenica (Massaker von Srebrenica) im Juli 1995 ausgedehnt.Radovan Karadzic and Ratko Mladic accused of genocide following the take-over of Srebrenica icty.org, Pressemitteilung, 16. November 1995.

Am 9. November 1996 entließ Biljana Plavšić als Präsidentin der Republika Srpska den vor dem Haager Tribunal angeklagten Armeechef Ratko Mladić. Nachfolger Mladićs als Generalstabschef wurde Generalmajor Pero Čolić. Am 13. November 1996 beschloss die Präsidentin, auch den Mladić nahestehenden Armeesender „Radio Krajina“ zu schließen. Am 15. November 1996 erklärte sich Mladić bereit, seine Entlassung zu akzeptieren, sofern er selbst seinen Nachfolger bestimmen könne; Čolić erkenne er nicht an. Es gab einen Machtkampf in der Republika Srpska.

Am 10. Oktober 2002 unterzeichnete die Chefanklägerin Carla Del Ponte in Den Haag eine überarbeitete Anklageschrift mit 15 Anklagepunkten. Mladić war nun auch wegen Geiselnahme von UN-Soldaten (UNPROFOR) angeklagt.Amended Indictment against Ratko Mladic icty.org, Pressemitteilung, 12. Oktober 2002. Im Jahr 2011 wurde die Anklageschrift noch drei weitere Male geändert.Der Fall Mladić Dokumente des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (englisch), siehe Indictments (Anklageschriften).

Fahndung nach Mladić Seit der Anklage des UN-Kriegsverbrechertribunals war Mladić als gesuchter Verbrecher auf der Flucht. Er wurde verdächtigt, sich in Serbien, in der Republik Srpska oder in Russland zu verstecken. Bis zum Frühjahr 2002 soll Mladić unbehelligt bei seinem Sohn in Belgrad gelebt haben. Einem Medienbericht zufolge wurde er im März 2000 als Zuschauer eines Fußballspiels zwischen der Volksrepublik China und Jugoslawien in Belgrad gesehen. Er soll das Stadion durch den VIP-Eingang betreten und in einer privaten Loge umringt von acht bewaffneten Leibwächtern gesessen haben. Manche Quellen besagten, Mladić halte sich im südserbischen Niš auf und werde von der serbischen Armee gedeckt. Der stellvertretende Regierungschef Miroljub Labus behauptete, er sei in einem Vorort von Moskau gesehen worden und halte sich gewöhnlich in Thessaloniki und Athen auf. Nach Einschätzung der damaligen Chefanklägerin des Haager Tribunals für Kriegsverbrechen, Carla Del Ponte, war Mladić in Reichweite der Behörden Serbiens gewesen, was Belgrad für den Zeitraum bis Juni 2002 auch eingestanden habe, für die Zeit danach aber nicht mehr. Nach dem Sturz Miloševićs im Jahr 2000 und dessen Überstellung nach Den Haag 2001 tauchte Mladić vollständig unter; dabei wurde er mutmaßlich von Verbündeten in serbischen Militär- und Nachrichtendienstkreisen geschützt.

Im November 2004 räumten britische Verteidigungsoffizielle ein, dass Militäraktionen nicht sehr wahrscheinlich zur erfolgreichen Ergreifung von Mladić und anderen Verdächtigen führen würden. Politischer Druck auf die Balkanregierungen sei wahrscheinlich erfolgreicher. Die US-amerikanische Regierung lobte auf seine Ergreifung ein Kopfgeld von 5 Millionen US-Dollar aus.

Der serbische Verteidigungsminister Zoran Stanković räumte am 17. Februar 2006 in einem Interview ein, niemand in der Regierung von Serbien und Montenegro habe sich bisher ernsthaft darum bemüht, Mladić festnehmen zu lassen. Stanković kündigte seinen Rücktritt an für den Fall, dass Mladić nicht „bald“ gefasst werde, gab aber dafür keinen Stichtag an. Er rief Mladić auf, sich freiwillig zu ergeben; wenn Mladić auf der Flucht bleibe, drohe der Nation Verarmung und Isolation.Serbian Minister Vows To Resign If Mladic Not Caught Radio Free Europe/Radio Liberty, 17. Februar 2006. Stanković war ein persönlicher Freund Mladićs und der Arzt der Familie. Deshalb hielten sich Gerüchte, er sei daran beteiligt, Mladić vor dem Zugriff der Behörden zu beschützen.Mladic Friend Approved As Serbian Health Minister. Radio Free Europe/Radio Liberty, 15. März 2011.