mini|Topografische Karte von Kerkrade, 2011–2012 Kerkrade () (; im örtlichen Dialekt (Kirchrather Platt): Kirchroa) ist eine niederländische Gemeinde sowie ein Ort in Süd-Limburg. Am zählte Kerkrade Einwohner auf einer Fläche von 22,15 km². Kerkrade liegt an der deutsch-niederländischen Staatsgrenze und grenzt an die deutsche Stadt Herzogenrath. Zusammen mit Herzogenrath bildet Kerkrade die Europäische Modellgemeinde Eurode.
Der deutsche Ortsname Kirchrath wird heute noch in den deutschen Nachbargemeinden verwendet.
Politik Seit vielen Jahren ist die Lokalpartei Burgerbelangen in Kerkrade vorherrschend. So gewann sie auch die letzte Kommunalwahl im Jahr 2026 deutlich mit rund 43 Prozent aller abgegebenen Wählerstimmen und konnte ihr Ergebnis damit um rund acht Prozentpunkte gegenüber 2022 verbessern. In der Legislaturperiode von 2026 bis 2030 führt sie eine große Koalition aus Ouderenpartij Kerkrade und Ons Kerkrade an.
Sitzverteilung im Gemeinderat
Der Gemeinderat wird seit 1981 folgendermaßen gebildet: Partei Sitze 1981 1986 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 Burgerbelangen 3 4 5 7 8 8 8 9 8 10 11 14 Ouderenpartij Kerkrade – – – – – – – – 1 1 2 4 Ons Kerkrade – – – – – – – – 4 4 4 4 Lokaal Alternatief – – – – – – – 3 2 3 3 2 PRO – – – – – – – – – – – 2 CDA 13 8 9 7 6 7 5 5 4 2 2 1 VVD 1 1 0 – 1 1 1 2 2 2 1 1 SP – – 0 – – – 2 1 3 3 2 1 PvdA 5 10 8 5 5 4 7 8 4 4 3 – Hart voor Vrijheid – – – – – – – – – – 1 – GroenLinks – – 2 3 3 4 2 1 1 0 – – D66 1 0 – 1 0 – – – 0 0 – – BBK Lokaal 7 7 7 8 8 5 3 – – – – – Lijst Coumans – Har(d)t voor Kerkrade – – – – – – 1 – – – – – Leefbaar Kerkrade – – – – – 2 0 – – – – – PPR 1 1 – – – – – – – – – – Gesamt 31 31 31 31 31 31 29 29 29 29 29 29
Anmerkungen
Kollegium von Bürgermeister und Beigeordneten Im Zeitraum von 2018 bis 2022 besteht eine Koalition aus den Parteien Burgerbelangen, CDA, PvdA und VVD. Die Partei Burgerbelangen stellt dem Kollegium drei Beigeordnete bereit. Die übrigen Koalitionsparteien tragen jeweils einen Beigeordneten bei. Diese wurden im Rahmen einer Ratssitzung am 16. Mai 2018 berufen. Folgende Personen gehören zum Kollegium und sind in folgenden Bereichen zuständig:Samenstelling college en portefeuilleverdeling Gemeente Kerkrade, abgerufen am 31. Juli 2018 (niederländisch)
Funktion Name Partei Ressort Anmerkung Bürgermeisterin Petra Dassen-Housen CDA öffentliche Ordnung und Sicherheit, Katastrophenschutz, Koordination der Vollstreckung, Eurode und internationale Angelegenheiten, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, AB/DB Parkstad Limburg seit dem 11. Juni 2019 im Amt Beigeordnete Tim Weijers Burgerbelangen Raumplanung, Wohnen/Wohnungswesen, öffentlicher Raum, Immobilien, individueller Behandlung von Abwässern, Tourismus, Marketing und Veranstaltungen — Jo Schlangen Burgerbelangen Bildung, Jugendarbeit, -hilfe, Sport, Wochenmärkte und Kirmessen, integrale Vorgehensweise im Bereich bezirksgezielte Arbeit, Kultur, Beigeordneter für den Bezirk Noord — Huub Wiermans Burgerbelangen soziale Angelegenheiten und Reintegration, Personal und Organisation, Zentrumsentwicklung, -management, Entwicklungsbetrieb Kerkrade, Center Court — Leo Jongen PvdA Sozialhilfegesetz, Altenpolitik, Volksgesundheit, gesellschaftliche Fürsorge, Bezirksentwicklung, Wohl, Beigeordneter für den Bezirk West — Dion Schneider VVD wirtschaftliche Angelegenheiten, Verkehr und Transport, Nachhaltigkeit, Umwelt, Müll und Reinigung, Arbeitsmarkt — Bert Bejas CDA Finanzen, Informatisierung und Automatisierung, Öffentlichkeitsangelegenheiten und Dienstleistung, Beigeordneter für den Bezirk Oost — Gemeindesekretär Harry Coumans — — seit Juni 2013 im Amt
Wappen Das oben rechts abgebildete Wappen der Gemeente Kerkrade basiert auf dem historischen Siegel der früheren Schöffenbank Kerkrade.Kerkrade, Gisteren en Vandaag (KGV) Das Heroldsbild ist ungeteilt in gold (gelb). Im Schildfuß der Wappenschild der Herzöge von Limburg – in silber (Weiß) ein roter Löwe („Limburger Löwe“). Hinter dem Schild gekreuzt zwei Kohlenhämmer. Diese vergegenwärtigen als einziges neues Element des Wappens die Bergbautradition der Stadt. Hinter Schild und Hämmern stehend der heilige Lambertus im Bischofsgewand mit Bischofsstab in der linken und Schwert in der rechten Hand. Der aktuelle Entwurf des Wappens stammt aus dem Jahr 1887, als Kerkrade dieses als behördliches Siegel einführte.
Geschichte Die Geschichte Kerkrades in seiner heutigen Erscheinungsform beginnt im Mittelalter. Allerdings sind Spuren früherer Besiedlung archäologisch belegt. Dies gilt vor allem für das Zeitalter der Antike. Zunächst sei aber auf den Namen der Stadt eingegangen.
Ortsnamen Der Name „Kerkrade“ entstand im frühen Mittelalter und bildet sich aus zwei Teilen. Dabei bezeichnet die Ortsnamensendung -rade ähnlich wie die verwandten Endungen -rod, -roda, -rodt, -rode, -raedt, -raht, -rath, -reut(h), -reute, -ruit oder -ray als Ableitung vom Begriff Rodung eine Siedlung, die an der Stelle eines abgeholzten Waldes liegt.hierzu unter anderem: Website für Onomastik Aus karolingischer Zeit ist tatsächlich bekannt, dass in der Gegend nördlich von Aachen weite Teile des Geländes noch bewaldet waren. Vergleichbare Ortsnamen treten in der näheren Umgebung durchaus gehäuft auf, zum Beispiel im Kerkrader Ortsteil Haanrade (ehem. Haenrath, Hagenrode), im Namen der Schwesterstadt Herzogenrath oder in Namen zahlreicher umliegender Orte wie Bergrath, Röhe (beide zu Eschweiler gehörend), Leerodt, Süggerath, Hatterath, Gillrath, Randerath, Hastenrath (alle nahe Geilenkirchen), Benzenrade, Venray, Elkenrade, Amstenrade (alle in Limburg gelegen), Welkenraedt, Hergenrath und Raeren (nahe Kelmis, Provinz Lüttich, Belgien).In diesem Zusammenhang ist die folgend genannte Quelle sehr lesenswert – Walter Hoffmann: Von Himmerod und Rottbitze bis Roda Kerkrade. In: Mededelingen van de Vereniging voor Limburgse Dialect- en Naamkunde. Nr. 86. Hasselt 1996, passim. – vgl. hierzu auch die Onlineausgabe des Aufsatzes auf den Seitens des Portals der DBNL.
Zu erklären ist die Häufung dieser Ortsnamen mit der historischen Bedeutung der benachbarten Stadt Aachen als Kaiserpfalz und mittelalterlicher Krönungsstätte sowie der Lage der Region zwischen den bedeutenden Lebensadern Rhein und Maas. All dies führte nebst natürlicher Faktoren nach den Wirren der Völkerwanderung zu einer neuerlichen Erschließung und Besiedlung dieses Raums.
Der Erste Teil des Namens, also Kerk-, bedeutet Kirche und ist ebenfalls sehr weit verbreitet, taucht allerdings in der Region häufiger als Straßen- oder Flurname auf und ebenso in einer Anzahl regionaltypischer Familiennamen (zum Beispiel O(u)dekerken oder Kerkhoff(s)). Die deutsche Wortform Kirch- taucht immerhin im benachbarten Herzogenrath im Namen des Ortsteils Kircheich und ebenso im Ortsnamen Geilenkirchen (früher: Gelekerke) auf.
Früheste Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Kerkrade mini|Steinzeitlicher Faustkeil, wie er auch im Süden Kerkrades gefunden wurde Die ältesten archäologischen Funde, die auf Kerkrader Stadtgebiet bis in die Steinzeit zurückweisen, stammen aus der Zeit um 60.000 v. Chr. Dabei handelt es sich um Faustkeile, welche offenbar von Neandertalern hinterlassen wurden. Gefunden wurden sie in der Umgebung des früheren Bergwerks Domaniale Mijn.Diane Habets: Sonstige definitive Nachweise prähistorischer Besiedlungen für das Stadtgebiet von Kerkrade sind bislang nicht erbracht. Allerdings darf mit einiger Wahrscheinlichkeit weitere prähistorische Besiedlung angenommen werden, wie sie beispielsweise für einige benachbarten Räume in der Euregio Maas-Rhein, darunter zum Beispiel Eschweiler, Aldenhoven, Aachen, Landgraaf sowie Stein nachgewiesen werden kann. Vor allem sind in den genannten Gebieten Erdwälle und Hügelgräber entdeckt worden, aber auch antike Werkzeuge und weitere Siedlungsspuren.
Antike Besiedlung Der Süden Limburgs kam kurz vor der Zeitenwende unter römischen Einfluss. Endgültig gesichert ist die Zugehörigkeit zu Rom um das Jahr 12 v. Chr., und für die folgenden 400 Jahre sollte dies so bleiben. Im Süden Limburgs entstanden während der römischen Herrschaft auf den fruchtbaren Lössböden viele villae rusticae, landwirtschaftliche Güter, die vor allem Getreide, Obst, Gemüse und Wein produzierten, aber auch Vieh aufzogen. Infolge der Bedeutung der Region für die Sicherung und Versorgung der Legionen entlang der germanischen Grenze finden sich entsprechend viele Spuren römischen Lebens in und um Kerkrade.
Römische Villae rusticae Innerhalb der Gemeindegrenzen Kerkrades sind mehrere römische Landhäuser nachgewiesen: mini|Reste einer römerzeitlichen Villa rustica auf dem Krichelberg in Kerkrade. Dies sind die einzigen oberirdisch freiliegenden und zugänglichen Reste einer Villa rustica in den gesamten Niederlanden Villa Krichelberg im Ortsteil Kaalheide. Die Fundamente und Mauerreste einer römerzeitlichen Villa rustica sind konserviert und zur Besichtigung freigegeben. Villa Krichelberg ist bislang die einzige freiliegende und zugängliche römische Villa in den Niederlanden. Unweit hiervon, in Speckholzerheide, fand man eine weitere Villa rustica. Man stieß 1921 beim Bau eines Hauses an der Kreuzung Romeinenstraat-Kleingraverstraat auf Mauerreste. Als Besonderheit besaß mindestens ein Raum eine antike Fußbodenheizung. Der Grundriss der Villa, deren Reste nach der Untersuchung nicht konserviert wurden, ist zur Erinnerung in kontrastierenden Farben in den Straßenbelag eingearbeitet worden. Die Romeinenstraat verdankt der Villa ihren Namen.Romeinse Overbleibsel Villa Holzkuil im Ortsteil Vink. 1997 bei Erdarbeiten für eine geplante Siedlung im Norden Kerkrades zwischen den Ortsteilen Vink, Eygelshoven und Haanrade entdeckt, wurde Villa Holzkuil durch den nationalen archäologischen Dienst ROB untersucht. Dabei stellten Archäologen fest, dass sich die Überreste der Villa auf dem Bosberg, einer Anhöhe zwischen Amstelbachtal und Wurmtal, in einem überraschend guten Zustand befinden.Paul van der Heijden, Gerard Tichelman: Romeinen in Kerkrade. Villa Holzkuil. Kerkrade 2003, . Belege für eine römische Ansiedlung nahe dem Ortskern von Eygelshoven liegen ebenfalls vor, allerdings ist die genaue Position und Größe nicht bekannt. Es könnte sich um eine Villa oder ein Viculum (Weiler, kleines Dorf) gehandelt haben.Eelaart, S. 8f. Im äußersten Westen Kerkrades wurden 1997 bei Straßenbauarbeiten Überreste einer weiteren römischen Villa entdeckt.
Weitere Funde aus römischer Zeit Zwischen Eygelshoven und Waubacherveld sind im Umfeld des ehemaligen Braunkohlentagebaus Herman sowohl vermutliche Reste eines römerzeitlichen Gebäudes als auch mehrere tönerne Gebrauchsgegenstände (Teller, Schalen, Karaffen) ausgegraben worden. Besonders erwähnenswert sind aber die unweit des heutigen Friedhofes am Rimburger Weg entdeckten Reste einer römerzeitlichen Begräbnisstätte. Außerdem wurden bei Renovierungsarbeiten in der alten Kirche (Oude Kerkje) in Eygelshoven zwei aus der Zeit Kaiser Konstantins herrührende Meilensteine entdeckt.Eelaart, 1981, S. 8f.
In unmittelbarer Nachbarschaft des Kasteel Erenstein im Amstelbachtal wurde ein Grundstück als archäologisches Bodendenkmal geschützt, da Indizien dort auf die Überreste eines römerzeitlichen Tempelkomplexes hinweisen.
Im Ortsteil Holz fand man unweit der Abtei Rolduc eine weitere römische Begräbnisstätte.
Darüber hinaus sind in der Nachbarschaft Kerkrades zahlreiche weitere Funde aus römischer Zeit belegt, so zum Beispiel in Eschweiler, Aachen, Heerlen und Voerendaal. Zusammen ergeben sie ein lebendiges Bild, wie in dieser Gegend in den ersten beiden Jahrhunderten nach der Zeitenwende gelebt wurde. Durch die Region verlief eine bedeutende Heerstraße am Fuße der Eifel zwischen Maas und Rhein.