+ Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 43 29 31 103 2 34 21 16 71 3 13 10 13 36 4 12 19 11 42 5 8 8 6 22 6 7 2 — 9 7 6 8 7 21 8 4 7 7 18 9 4 6 11 21 10 3 2 3 8 … … … … … … 18 1 1 — 2 24 — 3 3 6 Vollständiger Medaillenspiegel
Die Olympischen Sommerspiele 1960 (offiziell Spiele der XVII. Olympiade genannt) fanden vom 25. August bis 11. September 1960 in Rom statt. In die Organisation flossen die Erfahrungen ein, die die italienischen Veranstalter vier Jahre zuvor bei der Durchführung der Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo gesammelt hatten. Die Spiele standen im Zeichen des Gegensatzes von alt und neu. Außer in Athen 1896, 1906 und 2004 wurden nie antike Sportstätten mit moderner Sportarchitektur so eng verbunden wie bei diesen Spielen. Die Caracalla-Thermen und die Ruinen der Maxentiusbasilika standen den von Pier Luigi Nervi neu errichteten Bauten gegenüber, wobei das Olympiastadion als modernes Stadion mit antiken Elementen ausgestattet wurde.
Der dänische Segler Paul Elvstrøm konnte als erster Sportler der Neuzeit seine vierte Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb bei vier aufeinander folgenden Spielen gewinnen, sofern man Ray Ewrys Erfolg bei den Zwischenspielen 1906 außer Acht lässt. Noch länger erfolgreich war der ungarische Säbelfechter Aladár Gerevich, der bei seinen sechsten Olympischen Spielen seine sechste Goldmedaille mit der Mannschaft gewinnen konnte. Mit dem äthiopischen Marathonläufer Abebe Bikila gewann erstmals ein schwarzer Afrikaner olympisches Gold.
Wahl des Austragungsorts Rom war bereits für die Austragung der Olympischen Spiele 1908 vorgesehen. Das Organisationskomitee war jedoch völlig untätig geblieben und löste sich im Januar 1906 sogar auf. Spätestens nach dem Ausbruch des Vesuvs am 7. April 1906 wären die Spiele in Rom ohnehin nicht mehr finanzierbar gewesen, da sämtliche verfügbaren Geldmittel in den Wiederaufbau der östlichen Vororte von Neapel flossen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergab daraufhin die Spiele von 1908 an London.Karl Lennartz: Olympische Spiele 1908 in London. AGON Sportverlag, Kassel 1998, ISBN 3-89784-112-6 (S. 35). Rom bewarb sich danach erfolglos um die Spiele 1924, 1936, 1940 und 1944.
Die Entscheidung für Rom fiel auf der IOC-Sitzung am 16. Juni 1955 in Paris. Insgesamt hatten sich siebzehn Städte zur Wahl gestellt, aber nur sieben davon haben auch Stimmen erhalten. Die beiden Städte, die nach Rom die nächsten Ausrichter werden sollten, fielen 1955 in der ersten Runde heraus. Der engste Mitbewerber Lausanne, der Sitz des IOC, bewarb sich 1960 zum sechsten und bisher letzten Mal für Olympische Sommerspiele. Erst im Jahr 2015 sollte Lausanne mit den Olympischen Jugend-Winterspielen 2020 mit der Austragung olympischer Wettkämpfe betraut werden.
Ergebnisse der Wahlgänge: Ort Land Runde 1 Runde 2 Runde 3 Rom 15 26 35 Lausanne 14 21 24 Detroit 6 11 — Budapest 8 1 — Brüssel 6 — — Mexiko-Stadt 6 — — Tokio 4 — — Athen 0 — — Buenos Aires 0 — — Chicago 0 — — Los Angeles 0 — — Minneapolis 0 — — New York 0 — — Philadelphia 0 — — Rio de Janeiro 0 — — San Francisco 0 — —
Organisation Das Nationale Olympische Komitee Italiens, das Comitato Olimpico Nazionale Italiano (CONI), wurde seit 1946 von Giulio Onesti geleitet, der treibenden Kraft hinter den Olympiabewerbungen für Cortina 1956 und Rom 1960. Nach der erfolgreichen Wahl 1955 wurde eine Kommission eingesetzt, der die beiden italienischen IOC-Mitglieder Paolo di Revel und Giorgio de Stefani sowie Mario Saini vom CONI angehörten. Diese Kommission klärte insbesondere, dass die Verantwortlichkeit für den Sportstättenbau beim Ministerium für öffentliche Arbeiten lag. Das eigentliche Veranstalterkomitee wurde im November 1958 gegründet. Präsident war der damalige Verteidigungsminister Giulio Andreotti. Das Exekutivkomitee des Veranstalters leitete Giulio Onesti, sein Stellvertreter war Bruno Zauli. Marcello Garroni war Generalsekretär und Mario Saini Technischer Direktor.
Exakte Aufzeichnungen über die Gesamtausgaben und -einnahmen liegen nicht vor. Die meisten Kosten übernahm der italienische Staat, insbesondere die Kosten im Bereich der Infrastruktur. Größte Einzelposition auf der Kostenseite war der Ausbau des Flughafens Fiumicino. Die Gesamteinnahmen werden auf 7,2 Millionen US-Dollar geschätzt, davon machten die Fernsehrechte 394.000 US-Dollar aus. Die größte Erlösposition waren die Zuschauereinnahmen mit 2,6 Milliarden Lire, das entsprach 4,2 Millionen US-Dollar.Wechselkurse 1960: 675 italienische Lire entsprachen einem US-Dollar oder vier D-Mark. Die genauen Zuschauergesamteinnahmen (nach Kluge, S. 497) von 2.659.123.600 Lire entsprachen also 4.254.597,70 US-Dollar (oder 17 Millionen D-Mark). Daneben wurden Erträge aus Sonderbriefmarken und Sondermünzen erzielt. Die staatlichen Gelder des Fußball-Totos wurden zwei Jahre lang weitgehend in den Sportstättenbau geleitet.
Fackellauf mini|hochkant|links|alt=Farbfoto einer Fackel vor weißem Hintergrund|Die olympische Fackel von 1960 Die olympische Fackel wurde am 12. August um 9:30 Uhr in Olympia entzündet. Erster Fackelläufer war der griechische Zehnkämpfer Penaghoitis Epitropoulos, der bei den Spielen in Rom den 23. Platz belegen sollte. Bis zum nächsten Tag wurde die Flamme 330 Kilometer über Pyrgos, Patras, Korinth, Megara, Elefsina und Athen nach Piräus getragen. Dort wurde die Flamme am 13. August um 23:00 Uhr von einem Ruderboot auf das Segelschulschiff der italienischen Marine Amerigo Vespucci gebracht. Nach rund 900 Kilometern Seereise kam die Flamme am 18. August um 21:00 Uhr in Syrakus an. Von dort wurde sie über Catania nach Messina getragen. Die Überfahrt über die Straße von Messina erfolgte in einem Ruderboot. Dann begann in Reggio Calabria der Lauf über Cosenza, Matera, Avellino, Salerno, Neapel und Caserta nach Rom. Insgesamt wurden in Italien 1532,8 Kilometer gelaufen; am 24. August erreichte die Flamme Rom. 330 Läufer beteiligten sich in Griechenland und 1199 Läufer in Italien am Fackellauf. Am 25. August entzündete der Leichtathlet Giancarlo Peris, ein achtzehnjähriger Schüler mit griechischen Vorfahren, das Feuer im Olympiastadion.
Die Fackel war von Amedeo Maiuri nach einer in Tarquinia gefundenen etruskischen Fackel entworfen worden. Bei einer Länge von 40 Zentimetern wog die Fackel 580 Gramm.
Wettkampfstätten mini|alt=farbige Luftaufnahme|Das Foro Italico und der Tiber im Jahr 2011 mini|alt=Schwarzweißfoto des Stadions mit acht Reihen und sechs Laufbahnen|Stadio dei Marmi im Jahr 1960 Die Sportanlagen waren auf zwei Hauptstandorte verteilt. Das Foro Italico liegt im Norden der Stadt zwischen dem Monte Mario und dem Tiber. Hier befinden sich das Olympiastadion (Stadio Olimpico), das Schwimmstadion (Stadio del Nuoto) und das Marmorstadion (Stadio dei Marmi). Das Olympiastadion war Austragungsort der Eröffnungs- und Schlussfeier sowie der Leichtathletikwettbewerbe. Im Marmorstadion fand ein Teil des Hockeyturniers statt. Auf der anderen Tiberseite befindet sich der Palazzetto dello Sport, in dem die Wettbewerbe im Gewichtheben und das Basketballturnier ausgetragen wurden. Im gleichen Viertel liegt das Stadio Flaminio, wo ein Teil des Fußballturniers stattfand.
Im Süden der Stadt liegt das Stadtviertel E. U. R., das für die Weltausstellung 1942 (Esposizione Universale di Roma) konzipiert worden war. Der dortige Palazzo dello Sport war Austragungsort des Boxturniers. Im Kongresspalast (Palazzo dei Congressi) traten die Fechter an. Außerdem war hier das Radstadion (Velodromo) für die Bahnradwettbewerbe errichtet worden. Teile des Wasserballturniers wurden im Schwimmbad Piscina delle Rose ausgetragen und auf Sportplätzen in E. U. R. fanden weitere Hockeyspiele statt.
Der Architekt Pier Luigi Nervi war zusammen mit Annibale Vitellozzi verantwortlich für das Gesamtkonzept und die Gestaltung des Foro Italico mit dem Ausbau des Olympiastadions. Nervi errichtete auch den Palazzo dello Sport und den Palazetto dello Sport. Das Velodromo entstand nach Plänen des deutschen Architekten Herbert Schürmann.
Auch in anderen Stadtteilen Roms fanden olympische Wettbewerbe statt, so auf dem Forum Romanum. Dort wurden in der Maxentiusbasilika die Ringerwettbewerbe ausgetragen. Für die Wettbewerbe im Turnen richtete man die Caracalla-Thermen her und versah sie mit einem Segeltuchdach gegen die Sonneneinstrahlung. Der Marathonlauf begann am Campidoglio (Kapitol). Über die Via Cristoforo Colombo führte die Strecke in den Süden nach Citinia und von dort zur Via Appia Antica, auf der stadteinwärts die letzten Kilometer gelaufen wurden. Das Ziel war am Konstantinsbogen.
Außerhalb Roms auf dem Albaner See (Lago Albano) bei Castel Gandolfo wurde die Regattastrecke für Ruderer und Kanuten eingerichtet. Die olympischen Segelwettbewerbe fanden vor Neapel statt. Neapel war auch eine der Gastgeberstädte für das olympische Fußballturnier, außerdem wurde in Florenz, Grosseto, L’Aquila, Livorno und Pescara gespielt. Das Stadio San Paolo in Neapel war mit einem angegebenen Fassungsvermögen von 90.000 Zuschauern die größte Sportstätte, das Olympiastadion in Rom fasste 80.000.
Unterkünfte Das olympische Dorf (Villagio Olimpico) für die Teilnehmer der Olympischen Spiele und für die Teilnehmer der Sommer-Paralympics 1960 wurde auf dem Campo Parioli errichtet. Der Campo Parioli liegt im Stadtteil Parioli gegenüber dem Foro Italico auf der anderen Seite des Tibers. In unmittelbarer Nähe des olympischen Dorfs befinden sich der Palazzetto dello Sport und das Stadio Flaminio. Der Ausbau des Olympiadorfs kostete zusammen mit der notwendigen Infrastruktur rund 13,5 Milliarden Lire. Die Wohnanlagen dienten nach den Paralympics als Wohnungen für italienische Staatsbeamte.
Teilnehmer mini|hochkant=1|Teilnehmende Nationen 1960 in Rom. Grün markiert sind die Nationen, die schon einmal an Olympischen Spielen teilgenommen hatten, blau sind diejenigen, die 1960 zum ersten Mal teilnahmen mini|hochkant=1|Anzahl der Athleten Insgesamt nahmen Sportler aus 83 Ländern an den Olympischen Spielen teil. Die Mannschaft Chiles wurde vom Veranstalter finanziell besonders unterstützt, nachdem im Mai ein schweres Erdbeben in Südchile eine Million Menschen obdachlos gemacht hatte. Erstmals dabei waren Marokko, Sudan und Tunesien sowie San Marino. Ghana hatte schon vor der Unabhängigkeit 1952 als Goldküste teilgenommen.
1958 hatten sich Jamaika, Barbados sowie Trinidad und Tobago zusammengeschlossen. Sie traten gemeinsam als Westindische Föderation an. Die Mannschaft bestand aus acht Jamaikanern und sechs Athleten aus Trinidad und Tobago, Barbados entsandte erst 1968 erstmals Sportler zu den Olympischen Spielen.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II. London 1948 – Tokio 1964. Sportverlag Berlin, Berlin 1998, ISBN 3-328-00740-7, Seite 598, Anmerkung 26. Manchmal wird der Sprinter James Wedderburn auch Barbados zugeordnet.Kamper, Mallon, S. 344.
Ebenfalls 1958 hatten sich Ägypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik zusammengeschlossen und traten auch zusammen unter diesem Namen an. Europa (3.473 Athleten aus 31 Nationen) (101) (98) (100) (292) (117) (237) (48) (252) (49) (9) (280) (116) (5) (52) (10) (11) (109) (40) (103) (185) (65) (98) * (9) (139) (149) (283) (144) (116) (184) Amerika (827 Athleten aus 19 Nationen) (91) (13) (9) (72) (5) (9) (1) (85) (16) (12) (69) (5) (6) (31) (27) (34) (36) (293) * (13) Asien (506 Athleten aus 18 Nationen) (12) (10) (5) (4) (45) (22) (21) (23) (23) (161) (35) (19) (9) (44) (40) * (28) (5) (20) (49) (3) Afrika (318 Athleten aus 12 Nationen) (10) (13) (27) (4) * (47) (12) (14) (55) * (10) * (42) (10) * (74) Ozeanien (228 Athleten aus 3 Nationen) (189) (2) (37) (Anzahl der Athleten) *erstmalige Teilnahme an Sommerspielen
Vier Fälle erwiesen sich im Vorfeld als besonders problematisch.
Problemfall Deutschland