Dahlen ist eine Stadt in Sachsen im Landkreis Nordsachsen. Bekannt ist Dahlen als Sackhupperstadt. Der Gemeindeteil Schmannewitz ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographische Lage Die Stadt ist das Tor zur Dahlener Heide.

Die größeren Nachbarorte sind die Gemeinde Wermsdorf (11 km) und die Städte Oschatz (12 km), Wurzen (19 km) und Torgau (20 km).

Gemeindegliederung + Stadtteile der Stadt DahlenStadtteil EinwohnerDahlen 2.536Großböhla, Kleinböhla, Neuböhla 380Schmannewitz 624Ochsensaal 238Börln, Bortewitz, Schwarzer Kater, Radegast 605Dahlen gesamt 4.383 Einwohnerzahlen am 17. Mai 2022

Geschichte Dahlen wird im Jahr 1188 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort ist slawischen Ursprungs, das altsorbische Wort Dol'ane bedeutet Bewohner einer Niederung, eines Tales.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 52 Seit dem Jahr 1228 besitzt Dahlen das Stadtrecht und war ein Lehen des Bischofs von Naumburg. Das Wappen der Stadt leitet sich von diesem Bistum ab.

In Dahlen wurden Hexenverfolgungen durchgeführt: Zwei Personen gerieten 1601 in Hexenprozesse, eine wurde hingerichtet.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 554 f. Im Mai 1622 wurde Weißbarbara aus Dahlen in einem Hexenprozess zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Benedict Carpzov: Practica Nova rerum criminalum, Pars Prima, Sumtibus Jo. Friderici Gleditsch, 1709, S. 297.

Der Preußenkönig Friedrich II. unterschrieb am 21. Februar 1763 im Dahlener Schloss den Friedensvertrag des Hubertusburger Friedens nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges., Freundeskreis Schloss Hubertusburg

1878 wurde der bis dahin gleichnamige Ort in der Rheinprovinz bei Mönchengladbach auf kaiserlichen Erlass in Rheindahlen umbenannt, da es im Norddeutschen Postbezirk häufig zur Verwechslung mit der sächsischen Gemeinde kam.

Von 1878 bis 1990 existierte in Dahlen die Löwenbrauerei Dahlen.

Zu DDR-Zeiten wurde bei Dahlen ein Ferienlager errichtet, das auch als GST-Wehrlager genutzt wurde.Facebook-Eintrag

Die DDR plante ab 1980 in Schwarzer Kater bei Börln, unweit von Dahlen, den Bau eines Atomkraftwerks. Noch im Januar 1989 war die Inbetriebnahme der vier Blöcke für 1999, 2001, 2002 und 2004 geplant. Im selben Jahr kam es zu Protesten der Umweltbewegung. Zu Baumaßnahmen kam es nicht, und die Planungen wurden nach der Wende im Frühjahr 1990 verworfen.

Seit 1. März 1994 besteht die Gemeinde Dahlen in der jetzigen Form.

Ein geplanter Zusammenschluss von Dahlen mit der Gemeinde Wermsdorf und der Stadt Mutzschen aus dem ehemaligen Muldentalkreis zur Stadt Hubertusburg wurde in einer Bürgerbefragung am 18. November 2007 von 82 % der teilgenommenen Dahlener abgelehnt.

Sackhupperstadt mini|hochkant=0.7|Der Sackhupper mini|hochkant=0.7|links|Sackhupper am Bahnhof in Dahlen (2017) Die genaue Herkunft der Bezeichnung „Sackhupperstadt“ ist nicht endgültig geklärt. Möglich ist bei diesem Ortsnecknamen eine Verbindung zu folgender Legende: Die Sorben der Gegend hätten eines Tages geplant, dem Kaiser Heinrich bei einem Ausflug in die Dahlener Heide aufzulauern und ihn zu töten. Ein Dahlener Junge habe dies belauscht und den Kaiser warnen wollen, sei jedoch von den Sorben entdeckt und in einen Sack gesteckt worden. Des Nachts, als seine Bewacher schliefen, sei ihm dann die Flucht geglückt, indem er im Sack zum Kaiser gehüpft sei. Seit 1870 hat dann ein Fuhrwerksbesitzer jährlich ein Kinderfest veranstaltet, zu dem traditionsgemäß auch ein Sackhuppen gehörte, und auf dem Marktplatz von Dahlen wurde schließlich eine Sackhüpfer-Statue von der LPG aufgestellt. Eine weitere Figur des „Sackhuppers“ befindet am Bahnhof in Dahlen.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2005 5.083 2010 4.642 2015 4.270 2020 4.189 Jahr Einwohner 2021 4.188 2022 4.171 2023 4.193 2024 4.144 2025 4.051

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtrat

Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 14 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen (WHD): 5 Sitze CDU: 4 Sitze Freie Wählergemeinschaft (FWG): 4 Sitze SPD: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen539,9744,9641,6CDU428,2111,319,4Freie Wählergemeinschaft426,9212,8215,6SPD15,017,016,4Unabhängige Bürgergemeinschaft––324,0214,8Linke––––212,1Wahlbeteiligung69,1 %61,3 %49,7 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2008 Matthias Löwe (WHD). +Letzte Bürgermeisterwahlen:WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Matthias LöweWHD57,0201581,6200856,82001Johannes RudolphCDU54,11994Bärbel AugustynikFWG Da55,3mini|hochkant=1.1|Rathaus Dahlen am Marktplatz Partnerstadt Seit 1999 unterhält Dahlen eine Städtepartnerschaft mit Cessy in Frankreich.

Gedenkstätten Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für zwei unbekannte KZ-Häftlinge, die im April 1945 von SS-Männern aus einem Evakuierungszug geworfen und hier begraben wurden Gedenktafel an seinem Wohnhaus Oschatzer Straße 5 zur Erinnerung an den Widerstandskämpfer Max Taube, der im KZ Sachsenhausen ermordet wurde Ehrenmal in der Max-Hupfer-Straße für die Opfer des Faschismus, von der die Gedenktafel seit 1990 fehlt. Ebenso wurde die Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Hermann Wiedner an seinem Wohnhaus Oschatzer Straße 8 entfernt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kirche Unser Lieben Frauen zu Dahlen siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Dahlen

Heimatmuseum Dahlen Bauernmuseum Schmannewitz Stadtpark Dahlen mini|alternativtext=|Schloss Dahlen Das spätbarocke Schloss Dahlen, das der kursächsische Staatsminister Heinrich Graf von Bünau in der Zeit von 1744 bis 1751 erbauen ließ. Schloss Großböhla mit Schlosspark, Spätbarock, zeitweise im Besitz von Friedrich von Krosigk Dorfkirche Ochsensaal aus dem 12. Jahrhundert (Romanik) Barockkirche Schmannewitz, in den Jahren 1731/32 nach den Plänen von George Bähr erbaut Schloss Börln, entstanden im Spätbarock auf den Resten einer Wasserburg, daneben das Gutspächterhaus und die Dorfkirche. Das Rathaus Dahlen ist ein denkmalgeschütztes Objekt. Der an der Nordseite des Marktplatzes situierte ortsbildprägende Bau wurde 1888 in zeittypischen historistischen Formen errichtet. Der mit Treppengiebeln geschmückte Backsteinbau weist einen achteckigen Dachreiter mit Laterne auf.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II. Deutscher Kunstverlag 1998, S. 173. Skulptur Sackhupper auf dem Dahlener Markt Königlich-sächsischer Meilenstein (Stationsstein) von 1859 am Bahnhof

Naturschutz

Sport Traditionell im März oder April findet die Endurosport-Veranstaltung Rund um Dahlen statt. Neben einem regelmäßig stattfindenden Lauf zur Deutschen Meisterschaft fanden 2003 und 2019 auch ein Europa- bzw. Weltmeisterschaftslauf in Dahlen statt. Der Ausrichter MSC Dahlen e. V. unterhält eine Motocross-Trainingsstrecke auf dem Burgberg.

Wirtschaft mini|Median-Rehabilitationszentrum Schmannewitz, Klinik für Kardiologie, Onkologie und Verhaltensmedizinische Orthopädie mini|Median-Rehabilitationszentrum Schmannewitz, Klinik für Orthopädie, Psychosomatik und Psychotherapie Im Ortsteil Schmannewitz, der den Status als staatlich anerkannter Erholungsort besitzt, wurden 1996 zwei Rehabilitations-Kliniken errichtet: Die Christiaan-Barnard-Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, onkologische und psychosomatische Erkrankungen hatte die RHM Klinik- und Altenheimbetriebe als Betreiber, die Rehabilitationsklinik Dahlener Heide für Orthopädie sowie Psychosomatik und Psychotherapie gehörte zu den Dengg Kliniken. Seit 2016 gehören beide Kliniken als Median-Zentrum für Rehabilitation Schmannewitz zur Unternehmensgruppe Median Kliniken., abgerufen am 30. Januar 2020

Die Gemeinde setzt weiterhin auf den Tourismus, hervorzuheben sind die Reiterhöfe und Reitwege.

Verkehr Dahlen hat seit dem 16. September 1838 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Leipzig–Dresden, der südlich der Stadt liegt. Er wird im Stundentakt vom Regional-Express RE50 bedient.

Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Mitteldeutschen Verkehrsverbund erbracht. Folgende Verbindung, betrieben von der Nordsachsen Mobil, führt durch Dahlen: Linie 781: Torgau ↔ Sitzenroda ↔ Schmannewitz ↔ Dahlen ↔ Oschatz

Die Bundesstraße 6 führt bei Neuböhla durch den Süden des Gemeindegebietes, weitere Anbindungen bestehen über drei Staatsstraßen.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Paul von Hindenburg, Adolf Hitler und Hermann GöringHitler und Göring Ehrenbürger. In: Dresdner Nachrichten vom 21. April 1933, S. 5.

Söhne und Töchter der Stadt Martin Büttner (1567–1611), evangelischer Theologe Johann Georg Lorenz (1627–1689), Pädagoge, geboren in Schmannewitz Christian Gottfried Heinrich (1745–1802), evangelischer Theologe Christoph Gottlob Heinrich (1748–1810), Historiker Karl Friedrich Böhmert (1797–1882), Pfarrer und Altphilologe Richard Teichgräber (1884–1945), Gewerkschafter und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Martin Hauffe (1886–1972), Offizier, Funktionär und Verwaltungsleiter Arthur Tell Schwab (1896–1945), Schweizer Geher, Medaillengewinner bei Olympia, geboren in Bortewitz Hans Hoffmann (1896–1947), Zoologe Curt Hoffmann (1898–1959), Botaniker, Algologe Joachim Helbig (1915–1985), Oberst und Geschwaderkommodore im Zweiten Weltkrieg, geboren in Börln Jacob Sisters, ehemals „Schmannewitzer Heidelerchen“ Rainer Lisiewicz (* 1949), Fußballtrainer

Personen mit Verbindung zu Dahlen George Bähr (1666–1738), Baumeister des Barock, war am Bau der Kirche Schmannewitz beteiligt Heinrich Graf von Bünau (1697–1762), Staatsmann und Historiker, Rittergutsbesitzer in Dahlen Albert Fraustadt (1808–1883), evangelischer Pfarrer und Autor in Börln Friedrich Wilhelm Hauffe (1845–1915), Politiker, Stadtgutsbesitzer in Dahlen, MdR, MdL (Königreich Sachsen) Oskar Röder (1862–1954), von 1886 bis 1888 Tierarzt in Dahlen Hellmut Körner (1904–1966), NSDAP-Reichstagsmitglied und Landesbauernführer Sachsens, seit 1936 Erbhofbesitzer in Dahlen Wilhelm Rühle (1906–1993), Orgelbau- und Tischlermeister, baute 1977 die Orgel in der Kirche in Schmannewitz

Literatur

Rico Heyl: Kleine Städte kleiner Herren. Verfassung und Verwaltung der Städte Belgern, Dahlen und Penig im späten Mittelalter (1350 - 1520). In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 152 (2016), S. 99–186. Eine umfangreiche Überlieferung der Stadt Dahlen für den Zeitraum 1429–1952 zu Reichs-, Verfassungs- und Gemeindeangelegenheiten, Finanzen, Militär- und Kriegsangelegenheiten, Staatsangehörigkeits- und Standesamtssachen, Schule, Kirche, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel, Gewerbe, Bergbau, Industrie, Ordnungs- und Sicherheitspolizei, Bauverwaltung, Landwirtschaft, Verkehr, Brandschutz, Statistik, Wahlen, Versicherungen, Innungen und Vereinen befindet sich im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20601 Stadt Dahlen. (Infotext zu Dahlen unter „Einleitung“)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordsachsen Kategorie:Stadt in Sachsen Kategorie:Ersterwähnung 1188 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1228 Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft