Midnight Oil, auch Oils genannt, ist eine australische Rockband. Ihren internationalen Durchbruch feierte die 1976 gegründete Band mit ihrem 1987 erschienenen sechsten Album Diesel and Dust und dem darauf enthaltenen Lied Beds Are Burning. 2002 löste sich die Gruppe nach dem Ausstieg ihres Sängers Peter Garrett, der eine Karriere in der Politik anstrebte, auf. Nach einem erneuten Zusammenschluss gab die Band für 2017 eine Tournee mit über 50 Konzerten bekannt.

Geschichte 1971 bis 1981 1971 formierte sich die Rockband The Farm in Sydney, welche von den Musikern Jim Moginie (Keyboard, Gitarre), Martin Rotsey (Gitarre), Rob Hirst (Schlagzeug) und Andrew James (Bass) gegründet wurde. James wurde 1979 zunächst durch Peter Gifford ersetzt. Als sich dieser zehn Jahre später aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, stieß der Neuseeländer Dwayne „Bones“ Hillman (Mai 1958 – 7. November 2020) (geboren als Dwayne Stevens) zur Band.

Das Repertoire von The Farm umfasste damals vorwiegend Coverversionen von Gruppen wie Led Zeppelin, Cream und Creedence Clearwater Revival. Ihre Auftritte beschränkten sich hauptsächlich auf die Sommerferien der Universitäten, in denen sie entlang der Küste auftraten und sich eine kleine Fangemeinde unter den Surfern aufbauten.

mini|hochkant|Peter Garrett (2014) 1976 stieß Peter Garrett als Leadsänger zur Band. The Farm hatte per Anzeige nach einem Sänger gesucht, auf die sich Peter Garrett aus Canberra bewarb. Garrett beendete zunächst sein Jurastudium und zog dann nach Sydney um. Nun konnte er sich zusammen mit der Band vollzeitig der Musik widmen. Zu dieser Zeit benannte sich die Gruppe in Midnight Oil um. Der Name basiert auf dem Lied Burning of the Midnight Lamp von Jimi Hendrix. Der Liedtitel bzw. die Abwandlung Burning of the Midnight Oil ist ein im Englischen geläufiges Sprichwort und bedeutet so viel wie Arbeiten bis spät in die Nacht (Midnight Oil meint das früher gebräuchliche Lampenöl).

Der Musikstil der „Oils“, wie sie von ihren Fans häufig genannt werden, war in dieser frühen Zeit wohl am ehesten dem Progressive Rock zuzurechnen. Bis zu den ersten Albumaufnahmen wurde die Musik dann aggressiver und Midnight Oil wandelte sich zeitweise zur Hardrock-Band. Im Laufe der Zeit wurde die Musik dann weicher und eingängiger und damit auch einem breiteren Publikum zugänglich.

1981 bis 1993 In ihrer Heimat Australien erreichte die Band den ersten Durchbruch im Jahr 1982 mit dem Album 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, das unter anderem die Hits Power and the Passion (erreichte Platz 8 in den australischen Single-Charts) und US Forces enthielt. Es war außerdem das erste Midnight-Oil-Album, das außerhalb Australiens veröffentlicht wurde – international jedoch keine weitergehende Beachtung fand. In diesen Jahren wurde – wie der Titel US Forces bereits zeigt – die Musik der Gruppe inhaltlich zunehmend politischer. Themen wie Umweltschutz und militärische Abrüstung fanden regelmäßig den Weg auf die Alben der Gruppe. Es folgte 1984 das weniger eingängige Red Sails In The Sunset sowie 1985 die EP Species Deceases. Besonders die vier Stücke dieser EP, speziell die Konzert-Favoriten Progress und Hercules, wiesen mit ihrer Mischung aus Eingängigkeit und politischer Aussage auf die Richtung hin, die Midnight Oil in den kommenden Jahren weiterverfolgen sollte.

1986 (in den USA und Europa: 1987) erschien Diesel and Dust, das mit Abstand erfolgreichste Midnight-Oil-Album. Auf ihm enthalten war die auch heute noch bekannteste und erfolgreichste Single der Band, Beds Are Burning. Das Stück beschäftigte sich, ebenso wie die ebenfalls sehr erfolgreiche Vorgängersingle The Dead Heart, textlich mit dem Schicksal der Aborigines.

Nach der bis dato längsten Auszeit der Bandgeschichte, in der Garrett politisch aktiver wurde und Hirst unter dem Pseudonym Ghostwriters das erste Nebenprojekt veröffentlichte, erschien der Nachfolger von Diesel and Dust erst 1990. Trotzdem schien Blue Sky Mining nahtlos dort anzusetzen, wo das vorherige Album aufgehört hatte – was nicht zuletzt an der Produktion von Warne Livesey lag, der auch den Vorgänger produziert hatte. Kritik und Fans nahmen das Album sehr wohlwollend auf, und auch die Verkaufszahlen des Albums und der ersten Single Blue Sky Mine waren mehr als zufriedenstellend, wenn sie auch hinter denen von Diesel and Dust zurückblieben.

1993 erschien, wiederum drei Jahre nach seinem Vorgänger, Earth and Sun and Moon, das ebenfalls von Fans und Kritik gut angenommen wurde. Das Album hatte, nicht zuletzt dank des Produzenten Nick Launay (der auch schon für Nick Cave und andere tätig war) einen wesentlich organischeren Klang als Blue Sky Mining, weshalb es logisch erschien, dass Midnight Oil im Zuge der Tour zu Earth and Sun and Moon auch von MTV dazu eingeladen wurde, in den New Yorker Sony Studios als erste (und nach wie vor einzige) australische Band eine Unplugged-Session einzuspielen. Das politische Engagement zeigte sich mit der Coverversion des osttimoresischen Kampfliedes Kolele Mai von Francisco Borja da Costa. Hiermit zeigte die australische Band ihre Solidarität für den Befreiungskampf des von Indonesien seit 1975 besetzten Landes.

1994 bis 1998 Die lange Welttournee, die Midnight Oil in den Jahren 1993 und 1994 unternahmen, ging jedoch nicht spurlos an der Band vorüber. Lange Zeit war unklar, ob es ein weiteres gemeinsames Album geben würde. Schließlich setzte man sich zusammen und probierte gemeinsam mit dem Produzenten Malcolm Burn (aus dem Umfeld von Daniel Lanois) einen akustischeren, weniger aufwändigen Produktionsstil aus. Das Ergebnis war das 1996er-Album Breathe. Die Stücke auf diesem Album waren gegenüber Earth and Sun and Moon nicht nur sehr viel reduzierter produziert, sondern auch wesentlich ruhiger komponiert. Das Album brachte eine weitere Neuerung in der Oils-Geschichte – zum ersten Mal bat man mit Emmylou Harris, die auf Home zusätzlichen Gesang beisteuerte, eine namhafte Gastmusikerin mit ins Studio.

Waren Produktion und Komposition des Albums gegenüber den Vorgängern sehr weit heruntergefahren und leiser geworden, markierte Breathe auch in anderer Hinsicht einen Umbruch. Für das Album wurde in Europa fast keine Promotion betrieben (trotzdem erreichte es in den deutschen Charts Platz 33), und auch die Touraktivitäten außerhalb Australiens wurden stark zurückgeschraubt. In Deutschland spielten Midnight Oil drei Konzerte, in Großbritannien nur eines. Die gesamte Tour außerhalb Australiens (USA und Europa) umfasste 13 Termine, die allesamt zwischen dem 9. und dem 29. Oktober 1996 absolviert wurden. Zwar waren für 1997 weitere Auftritte in Europa, vor allem auf Festivals, angesetzt, diese wurden jedoch kurzfristig wieder abgesagt. Bis zur Auflösung der Band im Dezember 2002 blieben die drei Konzerte in Köln, Berlin und Hamburg im Oktober 1996 die letzten Live-Auftritte von Midnight Oil auf deutschem Boden.

1997 veröffentlichte Columbia/Sony Music mit 20,000 Watt R.S.L. die erste Best-of-Sammlung der Band. Der Titel spielt auf die kraftvollen Live-Auftritte der Band sowie die australischen Returned-Servicemen’s-League-Clubs (R.S.L.) an, in denen Midnight Oil ihre Karriere begannen und in denen sie bis zum Ende der Band immer wieder auftraten. Gleichzeitig erschien unter demselben Namen sowohl auf DVD als auch auf VHS eine Sammlung fast aller Videoclips der Band (Truganini ist eine auffällige Auslassung), ergänzt durch Interviews und Live-Videomitschnitte zahlreicher Stücke. Die CD enthielt neben den größten Midnight-Oil-Erfolgen auch zwei neue Stücke, What goes on und White Skin Black Heart. Besonders Letzteres war ein direkter Angriff auf die rechtskonservative australische Politikerin Pauline Hanson. Beide Titel fanden sich im folgenden Jahr in leicht überarbeiteten Versionen auf dem Studioalbum Redneck Wonderland. Während sich das Best-of-Album und -Video in Australien sehr gut verkaufte, blieben die Verkäufe in Übersee, speziell in Europa, weitestgehend hinter den Erwartungen zurück. Dies lag einerseits daran, dass Sony Music bei der Vermarktung wenig Engagement zeigte, andererseits auch daran, dass sich nicht zuletzt die Band selbst zunehmend auf den Heimatmarkt zurückzog. Für 1997 angesetzte Auftritte in Europa wurden kurzfristig abgesagt, während in Australien wie schon 1996/97 nach dem Album Breathe ausführlich getourt wurde.

Bereits im folgenden Jahr erschien Redneck Wonderland, das zehnte Studioalbum der Band. In weiten Teilen war das Album eine wütende Abrechnung mit der damaligen politischen Situation in Australien, und eine Reaktion auf den Erfolg von Pauline Hanson. Das Album klingt durch den Einfluss des Regurgitator-Produzenten Magoo insgesamt sehr aggressiv und klanglich auf der Höhe der Zeit. Auf den speziell im Vergleich zu Earth and Sun and Moon und Breathe druckvollen und aggressiven Grundton des Albums angesprochen sagte Schlagzeuger Rob Hirst: “Midnight Oil is at its best when we’re pissed off.” (Etwa: „Midnight Oil sind am besten, wenn wir sauer sind.“) In Australien war das Album sehr erfolgreich und bescherte der Band eine ihrer höchsten Chartplatzierungen seit fast zehn Jahren. In Europa und den USA enttäuschte der Absatz von Redneck Wonderland jedoch, und auch die nur den Radiostationen zugesandte Single Cemetery in my Mind (das am meisten nach „klassischem“ Midnight Oil klingende Stück auf dem Album) fand nur den Weg ins Nachtprogramm einiger deutscher Sender. Wie schon ein Jahr zuvor zog die Band es vor, ausführlich durch Australien zu touren, statt auch in Übersee Konzerte zu spielen. Diese Einstellung half einerseits den Verkäufen in Europa und den USA wenig, andererseits taten die enttäuschenden Verkäufe außerhalb des Heimatlands – trotz der nach wie vor auch in Übersee treuen Fangemeinde – wenig dazu, die Band davon zu überzeugen, Auftritte im Ausland zu spielen.

1999 bis 2001 Nach der umfassenden Australien-Tour zu Redneck Wonderland pausierte die Band länger, eine Zeit, die der Sänger Peter Garrett dazu nutzte, ab 1998 (bis 2004) ein zweites Mal als Präsident der australischen National Conservation Foundation tätig zu werden.

Im Jahr 2000 traten Midnight Oil während der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney auf und spielten eine Halbplayback-Version von Beds Are Burning, welches für die Zeremonie in „The Time Has Come“ umbenannt wurde. Speziell in Australien erregte der Auftritt Aufsehen, da Midnight Oil in schwarzer Kleidung auftraten, auf die groß und in auffälliger, weißer Schrift das Wort Sorry gedruckt war.Der Auftritt von Midnight Oil, ab 1:51:31 bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2000 auf YouTube, abgerufen am 10. November 2021 Damit wurde der anwesende australische Premierminister John Howard daran erinnert, dass es die Pflicht der Regierung sei, sich für das geschehene Unrecht gegenüber den Aborigines zu entschuldigen, was Howard stets ablehnte.

Im selben Jahr erschien The Real Thing, eine Sammlung von zehn Mitschnitten der akustischen 1993er-Tour zu Earth and Sun and Moon, inklusive einiger Stücke, die für MTV Unplugged aufgenommen worden waren. Darüber hinaus enthielt das Album vier neue Stücke, einschließlich des titelgebenden The Real Thing, einer Coverversion eines australischen Hits aus den 1960ern. Auch dieses Album wurde in Australien durch eine Tour unterstützt, während außerhalb Australien keine Tour stattfand und die Verkäufe sich in Grenzen hielten. Auch Schlagzeuger Rob Hirst zeigte sich im Nachhinein enttäuscht von der etwas kruden Zusammenstellung des Albums. Anlässlich der Veröffentlichung des nur in Australien erschienenen Samplers Flat Chat sprach er vom “unsatisfying The Real Thing [album], which was anything but” (etwa: „das unbefriedigende The Real Thing [Album], das alles andere als ‚das echte Ding‘ war“).