Vockenrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Antrifttal im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Ortsgeschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Vockenrod wurde vermutlich im 12. Jahrhundert zusammen mit dem Erbleihehof Hermannshain gegründet. Die Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 1263 vom 14. Oktober: „in villis, videlicet in Lyderbach, in Disroth, in Vokkinrode ...“ (in den Dörfern, nämlich Liederbach, in Disroth und in Vockenrod.)Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 198, S. 152. 1283 war der Ort Teil des ziegenhainischen Gerichts Katzenberg mit Sitz in Ruhlkirchen. Aus diesem Jahr stammt die urkundliche Nennung: „in Fockenrode et in Borchendorf.“ (In Vockenrod und in Burkendorf Gemeint ist die spätere Wüstung Burkendorf..)Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1. Nr. 413, S. 308. Der Niederadlige Eckehard von Schwabenrod verkauft dem Deutschen Haus in Marburg „... in villa Vockenrot sitos“ (im Dorf Vockenrod gelegen) Einkünfte am 6. Februar 1303.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 2. Nr. 48, S. 36. 1263 und 1303 wird als Siedlungsform villa erwähnt.
Der Ortsname wird in der Namensforschung von dem Rufnamen „Focco“, einer kindersprachlichen Form von „Folco“ abgeleitet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 378. Im Kreis Melsungen findet sich der Ort Vockenrode-Dinkelberg.
Ende des 14. Jahrhunderts wurden Vockenrod und Hermannshain im Streit zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz zerstört und erst nach über 100 Jahren wieder besiedelt. Das Dorf unterstand als Teil des Gerichts Katzenberg nacheinander verschiedenen Herren, dem Deutschen Orden, Hans von Dörnberg d. J., dem Landgrafen von Hessen und dem Erzbistum Mainz.
Die Bauernkriege und der Dreißigjährige Krieg brachten neben Raub, Plünderung, Vergewaltigung, Misshandlung auch mannigfache Zerstörung. So zählte die Gemeinde 1580 zwanzig Hausstellen, 1630 jedoch nur noch zwölf.
1670 stritten sich die Orte Vockenrod und Alsfeld-Reibertenrod um die Hutegerechtigkeit.StAD, G 26 A, 226/3.
Neuzeit Anfang des 19. Jahrhunderts ging das Dorf mit dem gesamten Gericht Katzenberg als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses aus Kurmainzer Besitz an Kurhessen über. Mit dem Friedensvertrag zwischen dem Königreich Preußen und dem Großherzogtum Hessen vom 3. September 1866 im Anschluss an den Krieg von 1866 fielen die Dörfer des „Distrikts Katzenberg“ an das Großherzogtum. Schmidt, S. 45. In Vockenrod galt damals kurhessisches Recht. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen ab 1866. Schmidt, S. 104, 46 und beiliegende Karte. Es wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich am 31. Dezember 1971 die fünf Gemeinden Bernsburg, Ohmes, Ruhlkirchen, Seibelsdorf und Vockenrod zur neuen Großgemeinde Antrifttal zusammen.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1961: 4 evangelische (= 1,41 %), 279 katholische (= 98,24 %) Einwohner
Kirche mini|hochkant|Kirche in Vockenrod Die heutige Kirche wurde erst 1908 unter der Leitung des Mainzer Architekten Greifzu gebaut (überwiegend in Eigenleistung der Bürger) und der „Allerheiligsten Jungfrau Maria“ sowie dem Heiligen Bonifatius als Nebenpatron geweiht. Sie kostete 40.568 Mark. In ihrem Inneren weist sie Jugendstilelemente auf sowie einen bemerkenswerten Altar, unter anderem mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Bonifatius.
Literatur Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893.
Weblinks Ortsteil Vockenrod im Internetauftritt der Gemeinde Antrifttal.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Antrifttal) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung 1263 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971