mini|Blick vom Schloss über Augustusburg mini|Das Jagdschloss Augustusburg aus der Ferne gesehen Augustusburg (bis 1899 Schellenberg) ist eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen im Freistaat Sachsen und staatlich anerkannter Erholungsort. Benannt ist die Stadt nach dem weithin sichtbaren und landschaftsbeherrschenden Schloss Augustusburg, einem ehemaligen Jagdschloss der sächsischen Kurfürsten. Bekannt ist sie außerdem durch die Drahtseilbahn Erdmannsdorf–Augustusburg.

Geographie Geographische Lage Augustusburg liegt im Erzgebirge, etwa 17 km östlich von Chemnitz, 6 km südöstlich von Flöha, 30 km südwestlich von Freiberg und 10 km nördlich von Zschopau im Landkreis Mittelsachsen. Die Stadt liegt im Naturraum Unteres Mittelerzgebirge auf einem Porphyr-Höhenrücken zwischen den Tälern der Zschopau und der Flöha.Siehe dazu und zur besonderen geologischen Beschaffenheit des Höhenzuges den „Landschaftssteckbrief“ des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (online). Die Ortsteile liegen in den Tälern. Augustusburg ist überwiegend von Wäldern umgeben. Höchster Punkt mit 516 m über NN ist der dominierende Schellenberg, auf dem sich das namensgebende Schloss Augustusburg befindet. Der niedrigste Punkt ist das Zschopautal mit ungefähr 300 m über NN.

Stadtgliederung Augustusburg umfasst die Ortsteile: Augustusburg Erdmannsdorf Grünberg Hennersdorf Kunnersdorf

Geschichte mini|Augustusburg um 1845 Im Jahre 1206 fand Schellenberg, eine Siedlung am Fuß der gleichnamigen Burg, erstmals urkundliche Erwähnung. Die im 11. Jahrhundert errichtete Schellenburg war der Vorläufer der heutigen Augustusburg (Jagdschloss Augustusburg) und wurde 1528 und 1547 Opfer von Bränden.http://www.burgen-schloesser-impressionen.de/sachsen/schloss-augustusburg.html 1568 beauftragte Kurfürst August I. von Sachsen Hieronymus Lotter mit einem Neubau, der bereits 1575 Augustusburg genannt wurde.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 29. Der in nur vier Jahren entstandene mächtige Bau diente hauptsächlich als Jagd- und Lustschloss. Die Schlosslinde wurde 1421 gepflanzt und zählt zu den ältesten Bäumen, deren Pflanzung eindeutig belegt ist. 1590 wurde der Name „Augustusburg“ auf das bisherige „Amt Schellenberg“ übertragen, das seitdem Amt Augustusburg hieß. Im Juli 1899 erfolgte die Umbenennung der Stadt Schellenberg in Augustusburg. Im Jahre 1911 wurde die Drahtseilbahn errichtet, mit der die Stadt weiter an touristischer Bedeutung gewann. Diese positive Entwicklung setzte sich über alle Jahrzehnte hin fort. Mit der Sanierung des denkmalgeschützten Innenstadtbereiches stieg die Anziehungskraft für den Fremdenverkehr ein weiteres Mal.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Sommer 1933 etwa 120 NS-Gegner aus den umliegenden „Schutzhaftlagern“ inhaftiert und mussten Zwangsarbeiten verrichten. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Geschehen.

Eingemeindungen Die ehemalige Gutssiedlung Jägerhof wurde am 1. März 1891 nach Schellenberg, ab 1899 Augustusburg, eingemeindet.Karlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe. Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 344. Am 1. Oktober 1995 wurde die ehemalige Gemeinde Grünberg ein Ortsteil von Augustusburg.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 Erdmannsdorf (mit dem am 1. April 1929 eingegliederten Ort Kunnersdorf) und Hennersdorf folgten am 1. Januar 1999.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007: 1982 bis 1988 1982 – 5770 1983 – 5704 1984 – 5659 1985 – 5648 1986 – 5639 1987 – 5618 1988 – 55551989 bis 1995 1989 – 5408 1990 – 5297 1991 – 5208 1992 – 5186 1993 – 5207 1994 – 5139 1995 – 50611996 bis 2002 1996 – 4998 1997 – 5121 1998 – 5195 1999 – 5283 2000 – 5332 2001 – 5345 2002 – 5232seit 2003 2003 – 5218 2004 – 5225 2005 – 5219 2006 – 5152 2007 – 5055 2017 – 4538 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Gedenkstätten Gedenktafel am Nordeingang des Schlosses (→s. o. Geschichte) Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteiles Erdmannsdorf für vier unbekannte KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch von einem Außenlager des KZ Flossenbürg im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden Gedenkstätte in Erdmannsdorf für alle Opfer des Faschismus FIR-Denkmal in Erdmannsdorf für antifaschistische Widerstandskämpfer Gedenkstein auf dem Gelände des Seniorenhauses in Augustusburg zur Erinnerung an 40 Heimbewohner, die 1941 im Zuge des Euthanasieprogramms nach Pirna-Sonnenstein verbracht und dort ermordet wurden

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates wie nebenstehend auf die einzelnen Gruppierungen. Ergebnisse früherer Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.

+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %DeinAugustusburg841,3422,5426,4Wählergemeinschaft Augustusburg741,1955,2739,6CDU211,7214,2423,0Linke15,918,118,8SPD–––––2,2Wahlbeteiligung71,4 %68,2 %54,6 %

Bürgermeister Von Oktober 2013 bis Juli 2022 war Dirk Neubauer der Bürgermeister der Stadt Augustusburg. Am 22. September 2013 wurde er mit 47 % der Stimmen als Parteiloser gewählt. Anfang 2017 trat er der SPD bei und wurde bei der Wahl am 13. September 2020 mit 68 %Amtliches Wahlergebnis 2020 im Amt bestätigt. Im Mai 2021 verließ er enttäuscht wieder die SPD, da er seitens der Landesregierung und der Landespolitiker seiner Ex-Partei jedwede Unterstützung für das Augustusburger Modellprojekt zum Ausstieg aus dem Lockdown vermisste. Nur über Dritte hatte er überhaupt vom Aus für das laufende Projekt erfahren.Vorwurf: Mangelndes Interesse der Landesregierung, MDR vom 28. April 2021, abgerufen am 29. Mai 2021.Neubauers Gründe für SPD-Austritt vielschichtig, mdr.de vom 29. April 2021, abgerufen am 29. Mai 2021.

Neubauer wurde im Juli 2022 zum Landrat von Mittelsachsen gewählt und trat daraufhin als Bürgermeister zurück.

Bürgermeister ist nach einer Stichwahl Jens Schmidt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Jens SchmidtDeinAugustusburg68,52020Dirk NeubauerSPD68,3201347,22006Evelyn JugeltCDU66,3

Bisherige Amtsinhaber bis 1932: Paul Geipel 1994 bis 2006: Hans-Dietrich Eckardt (Wählergemeinschaft) 2006 bis 2013: Evelyn Jugelt (CDU) 2013 bis 2022: Dirk Neubauer (parteilos, 2017 bis 2021 SPD)

Partnerstädte Augustusburg ist eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Oerlinghausen in Nordrhein-Westfalen eingegangen; der Ortsteil Erdmannsdorf ist mit dem Flecken Bücken in Niedersachsen und der Ortsteil Hennersdorf mit der Gemeinde Loitzendorf in Bayern partnerschaftlich verbunden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Augustusburg

Bauwerke mini|hochkant|Schlosshof der Augustusburg Neben dem Schloss dominiert die evangelische Stadtkirche St. Petri (1845/1896) mit der Ausstattung von Schilling & Graebner das Stadtbild. Zwischen Erdmannsdorf und der Stadt Augustusburg verkehrt eine Standseilbahn. Sehenswert ist außerdem die hölzerne Brücke über die Zschopau in Hennersdorf. 1933 wurde die heutige Waldbühne als Naturbühne errichtet.

Museen Im Schloss Augustusburg befindet sich ein Kutschenmuseum, ein Museum für Jagdtier- und Vogelkunde sowie ein Motorradmuseum. Dieses wurde bereits 1961 eröffnetZweitakt-Motorrad-Museum. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1961, S. 435 und 2/1962, S. 52–56. und beherbergt eine der umfangreichsten Zweiradsammlungen Europas.https://museen.de/motorradmuseum-augustusburg.html Weitere Sehenswürdigkeiten im Schloss sind Brunnenhaus, Turmgalerie und die Schlosskirche mit Altarbild von Lucas Cranach dem Jüngeren.

Freizeit/Sport Sportliche Aktivitäten bietet das Augustusburger Freizeitzentrum. Es bestehen Möglichkeiten für Ski, Snowboard und Rodel. Im Sommer gibt es eine Sommerrodelbahn, Minigolf Klein-Erzgebirge und einen großen Kinderspielplatz. Im Ortsteil Erdmannsdorf gibt es ein Freizeitbad.

Zudem findet auf dem Schloss seit 1970 im Januar das Motorradfahrer-Wintertreffen statt. Dieses entwickelte sich in der DDR schnell zu einem beliebten Spezialtreffen zum Austausch über Motorradtechnik und Präsentation von restaurierten Oldtimern und teilweise virtuosen Eigenbauten. Die Zahl der Teilnehmenden betrug 180 Personen im Jahr 1978, wobei es weitaus mehr Anmeldungen gab, die jedoch mangels ausreichender Quartiere vor Ort abgelehnt werden mussten.Motorradfahrer-Wintertreffen. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1978, S. 83–84.

Patenschaften Augustusburg unterhält eine Patenschaft zu der 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 im benachbarten Marienberg.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Kirche und neue Drahtseilbahn in Betrieb, 1912 Wirtschaftlich dominieren in Augustusburg Tourismus und Dienstleistungen. Der Gemeindeteil Augustusburg (Hauptort) war bis 2010 ein staatlich anerkannter Erholungsort, seit 2010 gilt dies für die gesamte Stadt.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.deBekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de

Straßenverkehr Staatsstraßen führen nach Chemnitz, Flöha und Eppendorf.

Schienenverkehr Der Bahnhof Erdmannsdorf-Augustusburg befindet sich an der Zschopautalbahn. Dort halten stündlich die Regionalbahnen der Erzgebirgsbahn nach Chemnitz und Annaberg-Buchholz. Die Drahtseilbahn Erdmannsdorf–Augustusburg, eine überregional bekannte Standseilbahn, verbindet den Ortsteil Erdmannsdorf mit Augustusburg.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Traugott Samuel Franke (1804–1863), Mathematiker und Hochschullehrer Eduard Beyer (1825–1907), Unternehmer und Politiker (Nationalliberale Partei), Mitglied des Sächsischen Landtags Julius Gensel (1835–1916), Jurist und Politiker (Nationalliberale Partei), Mitglied des Reichstags und des Sächsischen Landtags Linus Irmisch (1846–1910), Historiker und Numismatiker Eugen Rost (1870–1953), Mediziner, Physiologe und Pharmakologe Dorothea Meier (1917–2014), Politikerin Bert Van Bork (1928–2014), Künstler und Dokumentarfilmer Walter Barthel (1931–2003), Journalist, Gründer politischer Bewegungen, Doppelagent Bert Ehm (* 1946), Fußballtrainer und -manager

Persönlichkeiten, die mit der Stadt Augustusburg in Verbindung stehen Hans Heinrich Graf von Könneritz (1790–1863), Diplomat und Rittergutsbesitzer Friedrich August Förster (1801–1886), Gerichtsdirektor, Justizamtmann und Gerichtsamtmann in Augustusburg Richard Graf von Könneritz (1828–1910), Politiker, Diplomat und Rittergutsbesitzer, Präsident der I. Kammer des Sächsischen Landtags Gustav Spindler (1859–1928), Vertreter naturnaher Forstwirtschaft im sächsischen Erzgebirge, starb hier Hans Heinrich Freiherr von Könneritz (1864–1924), Rittergutsbesitzer und Politiker, MdL Fips Fleischer (1923–2002), Jazzmusiker und Komponist, bestattet in Augustusburg Gudrun Lange (* 1964), Sängerin und Musikerin

Ehrenbürger