Horst „Hotte“ Hrubesch (* 17. April 1951 in Hamm), Spitzname Kopfballungeheuer, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler sowie heutiger -trainer und -funktionär. Er spielte in der Bundesliga ab 1975 als Mittelstürmer für Rot-Weiss Essen, den Hamburger SV und Borussia Dortmund, außerdem in der belgischen Première Division für Standard Lüttich. Mit dem HSV wurde er 1979, 1982 und 1983 Deutscher Meister und gewann 1983 zudem den Europapokal der Landesmeister. Insgesamt erzielte er in 224 Bundesligaspielen 136 Tore, was nach Robert Lewandowski und Gerd Müller die drittbeste Tor-pro-Spiel-Quote der Bundesliga ist. Als Nationalspieler wurde er 1980 Europameister und 1982 Vizeweltmeister.

Nach seiner Spielerkarriere trainierte Hrubesch diverse Vereine in Deutschland, Österreich und der Türkei. Von 2000 bis 2016 war er für den DFB in der Jugendarbeit tätig und zuletzt Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft sowie der deutschen Olympiaauswahl. Seine größten Erfolge waren der Gewinn der U21-Europameisterschaft 2009 und die olympische Silbermedaille 2016 im Männerfußball sowie die olympische Bronzemedaille 2024 im Frauenfußball. Von März bis November 2018 war er Interimstrainer der deutschen Frauennationalmannschaft. Dieses Amt hatte er von Oktober 2023 bis August 2024 erneut inne. Zudem war er 2017 übergangsweise Sportdirektor des DFB.

Von 2020 bis 2025 war Hrubesch Nachwuchsdirektor im Nachwuchsleistungszentrum des Hamburger SV.

Spielerkarriere Verein Hrubesch arbeitete bis zu seinem Wechsel zu Rot-Weiss Essen als Dachdecker. Nebenbei spielte er sowohl Handball als auch Fußball im Ligabetrieb, zuletzt beim SC Westtünnen.derwesten.de:Interview mit Hrubesch vom 9. Oktober 2014, abgerufen am 9. Oktober 2014. Als Amateur kam Hrubesch 1975 im Alter von 24 Jahren über die Stationen FC Pelkum, Germania Hamm, Hammer SpVg und SC Westtünnen direkt in die Bundesliga zu Rot-Weiss Essen, ohne zuvor Jugendauswahlspiele bestritten zu haben. Lediglich in der Kreisauswahl Unna-Kamen-Hamm war er eingesetzt worden. Entdeckt wurde er dabei nach dessen Aussage von seinem Trainer und späteren Mitspieler in Essen, Werner Lorant.merkur-online vom 20. August 2012: Werner Lorant im Interview : "Die Zeit bei den Löwen war mit die schönste", abgerufen am 2. März 2015. Lorant verschaffte Hrubesch ein Probetraining bei Borussia Dortmund. Auch beim VfL Bochum absolvierte er ein Probetraining. Da er aber erst seinen Dienst bei der Bundeswehr als Fernmelder ableisten musste, kam es noch zu keiner Verpflichtung bei einem Bundesligaverein. Er entschied sich danach ein Vertragsangebot von Rot-Weiss Essen anzunehmen. In zwei Spielzeiten bei RWE kam er auf 48 Einsätze und 38 Tore. Nach dem Bundesliga-Abstieg der Essener 1977 blieb er an der Hafenstraße. In der folgenden Saison in der 2. Bundesliga (1977/78) erzielte er 41 Treffer, ein bis heute unerreichter Rekord. Die Mannschaft erzielte insgesamt 82 Tore.

Daraufhin war er in Essen nicht mehr zu halten. Der Hamburger SV verpflichtete den begehrten Torjäger, an dem auch Eintracht Frankfurt interessiert war.

Beim HSV profitierte Hrubesch von zwei Top-Trainern: 1978 war Branko Zebec im Amt, ab 1981 Ernst Happel. Die Klasse der Mitspieler Kevin Keegan, Felix Magath, Ivan Buljan, Jimmy Hartwig, Peter Nogly oder Manfred Kaltz (Ära Zebec), Uli Stein, Ditmar Jakobs, Lars Bastrup, Wolfgang Rolff, Holger Hieronymus oder Jürgen Milewski in der Ära Happel brachte Hrubesch deutlich weiter. In Hamburg fand er mit Manfred Kaltz die optimale Ergänzung und schöpfte so sein fußballerisches Potential als Torjäger voll aus.

Der Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1982/83 mit dem HSV gegen die aus Weltklassespielern bestehende Mannschaft von Juventus Turin war der sportliche Höhepunkt in der Laufbahn des Horst Hrubesch. Der HSV setzte sich auf dem Weg zum Finale am 25. Mai in Athen gegen den Berliner FC Dynamo, Olympiakos Piräus, Dynamo Kiew und Real San Sebastián durch.

Viele Tore aus dem Spiel heraus erzielte Hrubesch per Kopfball. Daher stammt auch sein Spitzname „Kopfballungeheuer“. Er profitierte vor allem von Manfred Kaltz und dessen effetreichen „Bananenflanken“ mit stark gekrümmter Flugbahn. Dazu passend lieferte er in einem Fernsehinterview den Ausspruch: „Manni Banane, ich Birne – Tor“. Auch war er ein sicherer Elfmeterschütze.

In der Bundesliga-Saison 1981/82 wurde Hrubesch mit 27 Treffern Torschützenkönig. Legendär wurde sein Tor zum 4:3-Sieg beim FC Bayern München am 24. April 1982 in der 90. Minute. Der Sieg war eine entscheidende Station auf dem Weg zur Meisterschaft.

1983 wechselte er in die erste belgische Liga zu Standard Lüttich, wo er bis 1985 blieb und in 43 Spielen 17 Tore schoss. Danach kehrte er in die Bundesliga zurück und schloss sich Borussia Dortmund an, beendete aber ein Jahr später verletzungsbedingt nach nur 17 Spielen seine aktive Karriere.

Nationalmannschaft Hrubesch wurde auch in die Nationalmannschaft berufen, war dort allerdings nicht unumstritten. Er debütierte am 2. April 1980 in München beim 1:0-Sieg gegen Österreich. 1980 wurde er in Italien Europameister. Für das Turnier war er lediglich nachnominiert worden, weil Klaus Fischer sich zuvor verletzt hatte.Hrubesch köpft DFB-Elf zum Titel auf uefa.com vom 18. Juli 2011, abgerufen am 12. September 2014. Beim 2:1-Sieg im Endspiel gegen Belgien erzielte er die beiden Tore für die deutsche Mannschaft. Es waren seine ersten Tore in der Nationalmannschaft.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 wurde er Vizeweltmeister. Beim Nichtangriffspakt von Gijón erzielte er in der 10. Minute das 1:0, wonach sich beide Mannschaften nicht mehr um weitere Tore bemühten. Im WM-Halbfinale in Sevilla gegen Frankreich am 8. Juli verwandelte er im ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte den entscheidenden Elfmeter zum Endstand von 5:4, obwohl ursprünglich Karlheinz Förster als Elfmeterschütze vorgesehen war.Lass mal Kalle, ich mach das, Hamburger Abendblatt, 1. Juni 2010. Nach 120 Minuten hatte es 3:3 gestanden, wobei Hrubeschs Kopfballvorlage von der Torauslinie auf Klaus Fischer dessen Fallrückzieher-Ausgleich zum 3:3 ermöglicht hatte. Das WM-Finale gegen Italien verlor die deutsche Nationalelf dann mit 1:3. Es war Hrubeschs letztes Länderspiel; nach der Weltmeisterschaft beendete er seine Nationalmannschaftskarriere.Captain Countdown im Spiegel vom 28. März 1983, abgerufen am 12. September 2014.

Für die Nationalelf spielte Hrubesch von 1980 bis 1982 in 21 Spielen und erzielte dabei sechs Tore.

Trainer- und Funktionärskarriere Erste Trainerstationen Von April bis Juni 1986 übernahm Hrubesch als Trainer seinen ehemaligen Verein FC Pelkum. Nach seiner Spielerkarriere trainierte er Rot-Weiss Essen, den er als Aufsteiger auf den 10. Platz in der 2. Bundesliga führte. In der Bundesliga betreute er von November 1994 bis Februar 1995 Dynamo Dresden als Trainer. Bei der Europameisterschaft 2000 war er Assistent des Bundestrainers Erich Ribbeck.

Rückkehr zum Hamburger SV Zur Saison 2020/21 kehrte Hrubesch nach 37 Jahren zum Hamburger SV zurück und wurde unter dem Sportvorstand Jonas Boldt Nachwuchsdirektor im Nachwuchsleistungszentrum.HSV verpflichtet Horst Hrubesch, hsv.de, 31. Juli 2020, abgerufen am 31. Juli 2020.

Am 3. Mai 2021 übernahm Hrubesch nach der Freistellung von Daniel Thioune zusätzlich die Zweitligamannschaft bis zum Ende der Saison 2020/21.Horst Hrubesch übernimmt das Traineramt, hsv.de, 3. Mai 2021, abgerufen am 3. Mai 2021. Der HSV stand vor dem 32. Spieltag nach 5 sieglosen Spielen in Folge auf dem 4. Platz. Der 70-Jährige führte die Mannschaft zwar zu 2 Siegen, jedoch konnte der Relegationsplatz nach einer Niederlage gegen den Abstiegskandidaten VfL Osnabrück am 33. Spieltag nicht mehr erreicht werden. Der HSV beendete damit auch seine dritte Saison in der 2. Bundesliga auf dem 4. Platz und verpasste erneut den Aufstieg in die Bundesliga. Sein Nachfolger wurde Tim Walter.

Nach der Saison 2024/25, in der er unter dem neuen Sportvorstand Stefan Kuntz arbeitete und in der die Profis in die Bundesliga aufstiegen, verließ Hrubesch den Verein nach fünf Jahren mit seinem Vertragsende.Hrubesch beendet Direktorenamt, hsv.de, 18. Juni 2025, abgerufen am 18. Juni 2025.

Tätigkeiten beim DFB mini|Horst Hrubesch (2018) Als Nachwuchstrainer beim DFB gewann Hrubesch mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft am 26. Juli 2008 den Europameisterschaftstitel durch ein 3:1 im Finale gegen Italien. Im Anschluss wurde die U-19-Mannschaft zur U-20-Nationalmannschaft, die Hrubesch weiterhin coachte und mit der er bei der U-20-WM im Herbst 2009 im Viertelfinale an Brasilien scheiterte. Als Interimstrainer betreute er auch die U-21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2009. Mit dieser Mannschaft wurde er nach einem 4:0-Finalsieg über England Europameister.

Nach einem Engagement als Trainer der U-18-Junioren des DFB war Hrubesch seit dem 21. Juni 2013 erneut Trainer der U-21-Nationalmannschaft. Bei der U-21-EM 2015 scheiterte er mit seinem Team im Halbfinale mit 0:5 zwar deutlich an der portugiesischen Mannschaft, qualifizierte sich aber durch die Teilnahme am Halbfinale für das olympische Fußballturnier 2016 in Brasilien. Seit 1988 hatte keine deutsche Männerfußballmannschaft an Olympischen Spielen teilgenommen. Am Turnier nahm Hrubesch als Trainer mit der Olympiaauswahl teil und gewann mit ihr die Silbermedaille. Im Viertelfinale wurde Portugal mit 4:0 geschlagen, im Halbfinale Nigeria mit 2:0. Im Finale unterlag die deutsche Olympiamannschaft nach einem 1:1 der Mannschaft von Brasilien mit 4:5 im Elfmeterschießen. Mit dem Gewinn der Silbermedaille beim olympischen Fußballturnier 2016 in Rio de Janeiro endete vorläufig auch die Trainerlaufbahn Hrubeschs.Ende einer großen Karriere Mitteilung auf dfb.de, 21. August 2016.Olympia 2016: Bewegender Abschied der Nationalelf von Horst Hrubesch, welt.de, 21. August 2016.

Am 16. Januar 2017 übernahm er übergangsweise die Position des DFB-Sportdirektors von Hansi Flick.Berufliche Auszeit: Flick verlässt den DFB auf kicker.de vom 16. Januar 2017, abgerufen am 16. Januar 2017.

Im März 2018 übernahm Hrubesch als Nachfolger von Steffi Jones interimsweise den Posten des Bundestrainers der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft. Seine Nachfolgerin wurde am 30. November 2018 Martina Voss-Tecklenburg. Ab dem 7. Oktober 2023 vertrat er diese, da sie krankheitsbedingt ausfiel. Auch nachdem der Vertrag von Voss-Tecklenburg am 4. November 2023 aufgelöst worden war, fungierte Hrubesch weiter als Trainer der Frauenfußballnationalmannschaft.DFB und Bundestrainerin Voss-Tecklenburg lösen Vertrag auf. In: kicker.de, 4. November 2023. Unter seiner Leitung errang die Mannschaft die Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris.

Erfolge mini|1979 mit der Meisterschale auf dem Balkon des Hamburger Rathauses

Als Spieler Mit dem Hamburger SV Europapokalsieger der Landesmeister: 1983 Deutscher Meister: 1979, 1982, 1983

Mit der Nationalmannschaft Europameister: 1980

Individuell Torschützenkönig der Bundesliga: 1982 Torschützenkönig der 2. Bundesliga: 1978 (Nord) Torschützenkönig des DFB-Pokals: 1981 Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs: 2024Hall of Fame: Horst Hrubesch In: fussballmuseum.de. Abgerufen am 10. Mai 2024.

Als Trainer Olympische Silbermedaille: 2016 Olympische Bronzemedaille: 2024 U21-Europameister: 2009 U19-Europameister: 2008

Auszeichnungen mini|hochkant|Horst Hrubesch mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (2019)