mini|400px|17. Juni 1854: Ein großes Grindadráp vor Vestmanna. 211 Grindwale wurden dort erlegt und 1.186½ Skinn Walfleisch und Speck gewonnen. Lithographie der englischen Maria-Expedition mini|Aufgeschnittener Grindwal mit der klar erkennbaren Speckschicht. Aufgenommen im Hafen von Tórshavn, 2018.

Das Grindadráp [] ist der Grindwalfang auf den Färöern. Für die meisten Färinger gehört es zu ihrer Geschichte und zum selbstverständlichen Nahrungserwerb auf subsistenzwirtschaftlicher Grundlage mit starken gesetzlichen Reglementierungen.

Internationale Tierschützer kritisieren die Jagd als grausam und unnötig. In der färöischen Gesellschaft läuft die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht emotionsfrei ab.

Wortherkunft Die grind bedeutet auf Färöisch neben Grindwalschule auch Grindwalfleisch und generell die ganze Angelegenheit und damit verbundene Kultur. Ein Grind ist also auch das konkrete Ereignis. Der Plural ist grindir. Das Wort stammt von altnordisch grind „Gitter, Gittertür“ und wurde im Färöischen genommen, um eine Grindwalschule zu bezeichnen, was laut Lucas Debes auf die Vorstellung zurückgeht, dass eine Grindwalschule, in der die Tiere dicht nebeneinanderher schwimmen, einem Lattenzaun ähnelt.

Der Grindwal selber ist der grindahvalur oder auch der grindafiskur – „Grindfisch“. Das dráp bedeutet Tötung oder Schlachtung. Grindadráp heißt wörtlich daher Grindtötung oder -schlachtung. Der Ruf Grindaboð! [] kommt von grind und boð = Botschaft, Meldung. Es heißt wörtlich: Grind-Botschaft, oder besser: Grindalarm.

Grind-Alarm und Jagd mini|8. August 2012: Eine Grindwalschule wird vor Suðuroy von Grind-Booten eingekreist. mini|Blásturongul: Fanghaken zur Einführung in das Blasloch des Grindwals. mini|Nach der Jagd verlässt ein Mann mit Fanghaken das Meer.

Grindaboð Es ist stets Zufall, wenn eine Grindwalschule bei den Färöern gesichtet wird. Der entsprechende Skipper meldet dann die Sichtung. Die Behörden entscheiden anschließend, ob See und Wetter einen Grindwalfang erlauben. Meist passiert das im Sommer, wenn die Bedingungen hierfür günstig sind. Dann wurde früher eine entsprechende Nachricht im nationalen Rundfunk durchgegeben. Die Mobiltelefonie ersetzt die Radio-Botschaft. Angestellte erhalten in der Regel frei, und es wird versucht, möglichst viele Boote des entsprechenden Ortes ins Wasser zu bringen. Es gibt auch Berichte, dass sogar Gottesdienste unterbrochen wurden, falls eine Grindwalsichtung just zu dieser Zeit passierte. Durch den Einsatz von Motorbooten ist es heutzutage einfacher, die Tiere einzukreisen und zu treiben; eine Grindwalschule kann leicht entkommen, wenn es nicht genügend Boote gibt, die sie zusammentreiben und in eine geeignete Bucht drängen, wo das Töten der Wale erlaubt ist.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Newsweek zufolge hat seit Mai 2015 derjenige mit umgerechnet rund 3000 Euro Strafe – im Wiederholungsfall bis zu zwei Jahren Haft – zu rechnen, der es versäumt, die Sichtung einer Grindwalschule den zuständigen Behörden anzuzeigen. Touristen sind gemäß einer Verlautbarung der Landesregierung der Färöer in aller Regel davon nicht betroffen.

Hvalvágir Hvalvágir bedeutet Wal-Buchten. Das sind 17 Strände an der färöischen Küste, wo das Grindadráp üblich ist, und zwar in Bøur, Fámjin, Fuglafjørður, Gøta, Húsavík, Hvalba, Hvalvík, Hvannasund, Klaksvík, Miðvágur, Norðskáli, Sandavágur, Sandur, Tórshavn (am Sandagerði), Trongisvágur, Vágur und Vestmanna.

Früher wurden manchmal auch die Buchten von Funningsfjørður, Kollafjørður, Nólsoy, Øravík, Sandvík, Skálavík, Sørvágur, des Tindhólmur und die Viðvík (Viðoy) verwendet. Selbst in Hattarvík, Haraldssund, Hoyvík, Lopra, Mykines, Saksun, Svínoy, Sumba und Tjørnuvík kam es in der Geschichte schon mal zu einem Grind, aber das blieben Ausnahmen.

In der Statistik über den Grindwalfang auf den Färöern seit 1584 tauchen die oben genannten 17 Strände am häufigsten auf.

Im Juli 2013 erlaubte das färöische Fischereiministerium, den Grindadráp in 23 Buchten durchzuführen.

Grindabátur und Grindareiðskapur Die jeweiligen Bootsführer sind gesetzlich verpflichtet, darauf zu achten, dass nur erlaubte Grind-Gerätschaften (grindareiðskapur: Fanghaken, Taue, Grindwal-Messer) mitgeführt werden. Ein derart ausgerüstetes und bemanntes Boot ist dann ein grindabátur (Grind-Boot). Grind-Boote sind kleine motorisierte, färöische Boote oder andere Fahrzeuge der Küstenseefahrt, nicht aber Schiffe der hochmodernen färöischen Fabrikschiffflotte. Ein Grindboot beschreibt den temporären Zustand eines kleinen Bootes während des Grinds, das ansonsten die meiste Zeit der Leinenfischerei oder Freizeitzwecken dient.

Treffen alle oben genannten Bedingungen zu, werden die Tiere unter Aufsicht der örtlichen Behörden in die entsprechende Bucht getrieben. Dazu bilden die Grindboote einen Halbkreis, und die Schule wird mit einem langen Tau, an dem Steine befestigt sind, in die Bucht getrieben. Grindwalen, die diesem Seil auf offener See entkommen, darf nicht nachgestellt werden.

Diejenigen Tiere, die nicht weit genug auf den Strand gelangen, werden mit einem speziellen stumpfen Fanghaken an einem Seil gehalten, der in ihr Blasloch gesteckt wird. Daher hat er seinen Namen blásturongul – „Blaslochangel“. Das Blásturongul hat sich seit seiner Erfindung 1993 durchgesetzt und wird nicht nur als effektiver, sondern auch als humaner im Vergleich zum spitzen Haken sóknarongul (wörtlich etwa „Treibjagdangel“, wobei sókn auch Kirchengemeinde heißt) angesehen. Das Sóknarongul wird in den Speck des Grinds gebohrt und dient heute nur noch dazu, das getötete Tier an Land zu ziehen.

Getötet werden die Grindwale mit dem mønustingari. Dabei werden ihnen das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt, sodass sie innerhalb weniger Sekunden sterben. Sie verbluten also nicht, wie in manchen Berichten behauptet wird. Vor 1985 kamen auch Speer (hvalvákn) und Harpune (skutil) zum Einsatz, sind aber seit einem entsprechenden Løgtingsgesetz aus Gründen des Tierschutzes verboten.

Einem Bericht der färöischen Zeitung Norðlýsið ist zu entnehmen, dass im August 2017 auch Kinder am Grindadráp aktiv beteiligt waren.

mini|Die Wale wurden früher mit dem Grindaknívur quasi geköpft und starben meist innerhalb einer Minute. Heute werden sie in Sekundenschnelle mit dem Mønustingari erlegt.

Kulturelle Bedeutung Das Wasser der entsprechenden Bucht färbt sich bei einem Grindadráp rot. Diese Bilder wirken auf Außenstehende oft schockierend. Da keine Harpunen und Speere oder gar Schusswaffen verwendet werden dürfen, müssen die Jäger im eiskalten Wasser stehen und mit jedem einzelnen Tier kämpfen. Beteiligte beschreiben dies als anstrengend und viel Konzentration erfordernd. Für sie bedeutet es in erster Linie kostenlose Nahrungsbeschaffung für sich und ihre Familien.

Der grindaformaður (Grind-Vorsteher, Vorsitzender des färöischen Grindamannafelag – „Grindmännerverband“) Ólavur Sjúrðaberg aus Leirvík beschreibt es so:

Kulturell bedeutet das Grindadráp neben dem gesellschaftlichen Faktor der gemeinsamen Jagd und Nahrungsversorgung auch für viele Färinger einen Teil ihrer Identität. Oft hört man Männer davon reden, dass sie sich beim Grindadráp als richtige Färinger fühlen. In der färöischen Literatur und Kunst ist das Grindadráp ein wichtiges Motiv. Die Grindgemälde von Sámal Joensen-Mikines zählen international zu seinen bedeutendsten.

Der dänische Gouverneur der Färöer Christian Pløyen schrieb während seiner Amtszeit (1830–1847) die berühmte Grindweise, eine färöische Ballade in dänischer Sprache. Dort heißt es im Kehrreim:

Raske drenge, grind at dræbe det er vor lyst

Zu Deutsch: Flinke Jungen, Grind zu töten das ist unsere Lust

Dieses Lied wird auf den Färöern nur zu besonderen Anlässen gesungen. Es gehört in der Außenwelt (insbesondere Dänemark) zu den bekanntesten Klischees über das Land.

Von Joseph Victor von Scheffel, einem deutschen Lyriker des 19. Jahrhunderts, stammt das Gedicht „Der Grindwalfang an den Färöerinseln“:Joseph Victor von Scheffel: Der Grindwalfang an den Färöerinseln. In: Gaudeamus! Lieder aus dem Engeren und Weiteren. 22. Auflage. Verlag Bonz & Comp., Stuttgart 1876.

Fern tanzt ein Boot auf der bläulichen Flut. Laut schallt sein Signalruf: „Grindabud! Der schwarze Wal kommt gezogen!“ Und „Grindabud“ ruft es aus jeglichem Mund, „Hinaus itzt in sonnheller Morgenstund Zur Hetzjagd auf schäumenden Wogen!“

Und alt und jung kommt gerüstet zum Streit, Selbst der dicke Amtmann macht sich breit Und verlässt seine friedlichen Tische. Nur die Frau’n und der Prediger bleiben zu Haus, Man fürchtet, es breche schlimm Wetter sonst aus Und ihr Nahen verscheuche die Fische.

Tradition + Fänge, Walanzahl und Walfleischmenge Zeitraum Grindir WaleDelphine Skinn 1709–1950 1.195 178.259 1.360.160 1951–1960 122 18.772 99.102 1961–1970 130 15.784 79.588 1971–1980 85 11.311 69.026 1981–1990 176 18.806 108.714 1991–2000 101 9.212 66.284 2001 11 918 552 7.447 2002 10 626 791 4.263 2003 5 503 189 3.968 2004 9 1.010 8.276 2005 6 302 2.259 2006 11 856 639 6.614 2007 10 633 5.522 2008 0 0 1 0 2009 3 310 174 2.965 2010 14 1.107 35 8.008 2011 9 726 4.682 2012 12 713 4.961 2013 11 1.104 430 8.302 2014 2 48 341 2015 6 501 3.559 2016 5 295 2.115 2017 19 1203 488 9.396,5 2018 10 624 256 4.675 2019 12 682 10 5.294 2020 4 530 35 4.120202112666142320225527983.86720231089710202454131502.696

mini|links|Getötete Grindwale am Strand von Hvalba am 11. August 2002. Mit 89 Tieren und 492 Skinn kein außergewöhnlich großer Fang an diesem Ort, wo häufiger schon mehr als 200–300 Tiere an einem Tag gefangen wurden, die meisten am 20. Oktober 1938: 854 Wale mit 3.849 ½ Skinn. Der Grindwal wird vollständig verwertet. Diese Aussage wird allerdings von einigen Tierschutzorganisationen bestritten. Seine Verteilung erfolgt nach einem jahrhundertealten Schlüssel. Den relativ größten Anteil erhalten die Einwohner derjenigen Gemeinde, in deren Fjord die Tiere geschwommen sind. Dann sind die anderen Gemeinden derselben Insel an der Reihe und danach das restliche Land. Hierbei kommen alle Mitglieder der Gesellschaft zum Zuge, also auch diejenigen, die nicht am Fang teilnahmen/teilnehmen konnten.

Der Grindwalfang geht zurück auf die Wikingerzeit auf den Färöern und galt für den abgeschiedenen Nordatlantik-Archipel als wichtige Nahrungsquelle und Vitaminversorgung. Es wird geschätzt, dass Grind ca. 10 % des einheimischen Speiseplans ausmacht.

Die Statistik über den Grindwalfang auf den Färöern reicht zurück auf den 24. Juni 1584. Damals wurden vier Wale vor Lítla Dímun erlegt. Für die folgenden Jahre gibt es lückenhafte, aber dennoch zahlreiche Aufzeichnungen. Zwischen 1639 und 1708 gibt es nur eine gerundete Fangzahl aus dem Jahr 1664, aber seit dem Ende der Gabelzeit 1709 ist sie vollständig und gilt damit als die älteste Jagdstatistik der Welt[Beleg?]. Vom 20. April 1709 (Hvalba) bis zum 28. August 2005 (Svínoy) wurden 1850 Grindwalschulen (grindir) aufgebracht und dabei 255.467 Tiere getötet. An den Fangzahlen erkennt man wiederkehrende erhebliche Schwankungen. Ein Grind ist reiner Zufall. Am 6. Oktober 1940 gelang in Sandur der bis dahin größte Fang aller Zeiten: An einem einzigen Tag wurden 1200 Tiere erlegt. Der bis dahin zweitgrößte Fang war am 10. August 1729 in Klaksvík mit 1184 Walen. Am 12. September 2021 wurden 1423 Tiere, überwiegend Delfine, getötet, was zu weltweiten Protesten führte. Aber es gibt auch Jahre ohne Grind.

2004 gab es insgesamt neun Grindir mit 1010 getöteten Grindwalen. Sie hatten einen Wert von 8.276¼ Skinn. Das ist eine färöische Maßeinheit und bedeutet im Falle von Grind: 1 Skinn = 38 kg Fleisch („Tvøst“) + 34 kg Speck („Spik“). Die Rede ist also von etwa 595 Tonnen Grindwalfleisch und -speck für die Haushalte. In den 295 Jahren von 1709 bis 2004 wurden auf den Färöern insgesamt 130.091 Tonnen Grind gewonnen.