mini|Rapperswil mit der Stadtpfarrkirche und Schloss Rapperswil mini|Sicht vom Seedamm auf Rapperswil
In diesem Artikel wird die Geschichte der Stadt Rapperswil bis zur Fusion von Rapperswil und Jona am 1. Januar 2007 behandelt. Seitdem ist Rapperswil ein Ortsteil der neuen Gemeinde Rapperswil-Jona im Schweizer Kanton St. Gallen.
Die Besiedlungsgeschichte der unmittelbaren Umgebung von Rapperswil reicht ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Der Siedlungsstandort im Umfeld des Schlosshügels Lindenhof lässt sich bis ins späte 10. Jahrhundert historisch gesichert zurückverfolgen. Im Jahr 1229 wird die Stadt erstmals urkundlich erwähnt.
Name Der Name Rapperswil ist eine Bildung aus dem althochdeutschen Personennamen «Ratbrecht» (Ratpreht) und der Ortsnamenendung «wilari»; als Grundform ist «ratprehtes-wilare», also «beim Gehöft des Ratpreht» anzunehmen. Historisch geht der Name Rapperswil auf eine mehrfache Namensübertragung zurück. Der ursprüngliche Name des heutigen Altendorf am gegenüberliegenden Seeufer wurde zunächst auf die dortige Burg «Alt-Rapperswil» und dann auf die Burg «Neu-Rapperswil» übertragen.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Rapperschwyl ist eine frühere Schreibweise, die beispielsweise Mitte des 19. Jahrhunderts in der Topographischen Karte der Schweiz verwendet wurde.Topographische Karte der Schweiz, Blatt IX (1854) mit der Schreibweise Rapperschwyl.
Wappen Das Stadtwappen zeigt auf silbernem Grund zwei rote Rosen mit roten Kelchzipfeln, goldenen Butzen und roten, geraden spiegelbildlich gezeichneten Stielen. Es ist dem Dreirosenwappen der Rapperswiler Grafen nachempfunden. Rapperswil wird daher auch die «Rosenstadt» genannt. Von den 2636 Gemeinden der Schweiz führen rund einhundert eine oder auch mehrere Rosen in ihrem Wappen, von denen viele ihren Ursprung in der Anfangszeit der Heraldik haben. Zu den wohl bekanntesten zählt das Rosenwappen von Rapperswil, das nebst dem ehemaligen Stadtwappen von Estavayer, das eine rote, goldbeputzte Rose auf silbernem Grund zeigt, zu den ältesten Ortswappen der Schweiz zählt. Bei welchem es sich nun wirklich um das ältere handelt, ist jedoch bis heute nicht geklärt.
Eine nicht zweifelsfrei gesicherte Erklärung für das Wappen von Rapperswil und Uznach ist, dass der Toggenburger Diethelm VI. zwischen 1180 und 1195 Guta von Rapperswil geheiratet und die Grafschaft Uznach sowie eine Rose aus dem Rapperswiler Wappen als Mitgift erhalten haben soll: Das alte Wappen der Rapperswiler hatte drei Rosen, das Einrosenstädtchen Uznach führt noch heute eine Rose im Wappen und Rapperswil bekanntlich deren zwei. Auf die Grafen von Rapperswil geht auch das Wappen von Altendorf zurück, das eine Rose zeigt.
Ursprünglich enthielt das Wappen der Rapperswiler nur eine Rose, später drei. Im Stadtsiegel von 1346 ist es bereits in der heutigen Form mit zwei Rosen abgebildet. Ab 1918 war es das offizielle Stadtwappen der Gemeinde Rapperswil.Website Goldküste, Gemeinde Rapperswil Seit 2007, nach der Fusion mit Jona, ist es das Wappen von Rapperswil-Jona.
Gründungslegende Die Entstehung des heutigen Städtchens – ursprünglich «Neu-Rapperswil» – wird in einer Legende beschrieben: «Eines Morgens in der Früh fuhr der Herr von Rapperswil [Rudolf II. von Neu-Rapperswil] zusammen mit seiner Frau und einigen Knechten (von Altendorf) über den See, um zu jagen. Kaum waren sie am Ufer angelangt, spürten seine Hunde eine Hirschkuh auf und verfolgten sie bis auf die Höhe des Felsrückens (Schlossberg). Hier verbarg sich das Tier in einer Höhle. Als die Jäger zur Höhle kamen, sahen sie, dass sich darin neben der Hirschkuh auch zwei Kälbchen befanden. Da erbarmte sich die Frau der Tiere und brachte ihren Gatten dazu, die Hunde zurückzuziehen und der Hirschkuh das Leben zu schenken. Um die Mittagszeit ruhten der Graf und seine Frau im Schatten, da erschien die Hirschkuh und legte ihren Kopf in den Schoss der Frau, um ihr für die Rettung des Lebens zu danken. Der Graf war gerührt und befahl, die drei Tiere nach Altendorf zu bringen und sie in einem Gehege grosszuziehen. Er sah in dieser Begebenheit auch einen Wink des Himmels und beschloss bereits am folgenden Tag, auf dem Felsen eine neue Burg und am südlichen Abhang eine kleine Stadt zu gründen.» Heute erinnert der Hirschpark beim Schloss an diese 800 Jahre alte Überlieferung.
Frühgeschichte Zahlreiche archäologische Funde etwa an den Fundstellen Seegubel und Hurden-Seefeld zeigen, dass das Gebiet um Rapperswil-Jona mindestens seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt ist. Prähistorische Pfahlreste, die an der Fundstelle Hurden Rosshorn gefunden wurden, lassen darauf schliessen, dass es schon in der Zeit der Horgener Kultur hölzerne Brücken zwischen Rapperswil und Hurden als Querverbindung zwischen den Ufern des Zürichsees gab.Fundstelle Hurden Rosshorn palafittes.org
Unweit des Technikums (HSR) liegt die etwa 1 Hektar grosse Fundstelle Rapperswil-Jona-Technikum. Hier war früher eine Insel, die heute als Untiefe im oberen Zürichsee unter Wasser liegt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. (Ende der frühen Bronzezeit) befand sich eine Siedlung auf der Insel, die mit den Holzstegen zwischen den Seeufern in Verbindung stand. Die Siedlung war von mehreren Palisadenreihen umgeben.Fundstelle Technikum palafittes.org
Bei Benken–Kastlet sind Funde einer bronzezeitlichen Siedlung belegt, zwischen Schmerikon und Eschenbach wurden sorgfältig angelegte Grabhügel aus ungefähr der gleichen Zeitepoche entdeckt. Diese Funde weisen auf eine frühe Besiedlung der direkten Umgebung von Rapperswil am Obersee hin.
In Kempraten wurden Körpergräber aus der Latènezeit gefunden. Aus der vorrömischen Epoche liegt eine Vielzahl archäologischer Befunde vor. Wer die Bewohner des Gebiets waren, geht daraus nur indirekt hervor – vermutlich Helvetier (ein Stamm der Kelten) oder Räter.
Römische Zeit
mini|Gallorömische Fundstücke aus der Siedlung «Centum Prata» (Kempraten) im Stadtmuseum Rapperswil
Um 15 v. Chr., nach der Eroberung durch Drusus und seinen Bruder Tiberius, beide Stiefsöhne des Augustus, lag das Gebiet am rechten Ufer des Zürichsees im Grenzbereich der römischen Provinzen Raetia und Germania superior (siehe auch Schweiz in römischer Zeit). Im Umfeld einer vermutlich rätischen oder keltischen Siedlung entstand an der Kempratner Bucht der überregional bedeutende Vicus Centum Prata, der vom 1. bis 4. Jahrhundert ein militärisches und wirtschaftliches Zentrum der Region war. Weitere Überreste von römischen Bauten finden sich bei der Kapelle St. Ursula (Kempraten), unter der Kirche St. Martin in Busskirch sowie auf der Römerwiese, an der Meienbergstrasse (Villa Rustica Wagen-Salet).
An der Fundstelle Hurden Rosshorn wurden Pfosten aus Eichenholz gefunden, die belegen, dass es in der römischen Zeit eine Holzbrücke zwischen Rapperswil und Hurden gab. Die Eichen wurden im Jahr 165 gefällt, während der Herrschaft des Kaisers Mark Aurel.
Die römischen Siedler trugen zur wahrscheinlich dichten Besiedlung der Region bei, und so wurden verschiedene Fundplätze zwischen Kempraten und Uznach sichergestellt. Dazu zählen Münzfunde und Mauern römischer Wachttürme, die eine frühe Befestigung des oberen rechten Zürichseeufers und vermutlich auch auf Stadtgebiet belegen: Eine römische Befestigung des heutigen Burghügels mit seiner strategisch günstigen Position durch den nahen Vicus Centum Prata (Kempraten) gilt als sehr wahrscheinlich, wenn auch bislang archäologisch nicht nachgewiesen.
Frühmittelalter
mini|St. Martinskapelle und St. Peter und Paul auf der Ufenau mini|Stadtbefestigung im Westen mit Einsiedlerhaus und angegliedertem Wehrturm
Nach dem Abzug der römischen Truppen und Verwaltung um das Jahr 401 nach Italien liegen für die unmittelbare Umgebung des heutigen Rapperswil nur wenige gesicherte Erkenntnisse vor. Wie andernorts auch hat die Siedlung in Kempraten-Lenggis weiterbestanden, und die gallorömische Bevölkerung dürfte mit der alamannischen Einwanderungswelle im 5. Jahrhundert verschmolzen sein – in den römischen Ruinen wurden Körpergräber aus dem 7. Jahrhundert gefunden.
Auf der Insel Ufenau (Ufnau), die heute zur Gemeinde Freienbach gehört, lässt sich mit der Kirche St. Peter und Paul die Besiedlung ins 12. Jahrhundert datieren. Eine erste Kirche soll aber bereits um 500 bestanden haben und auf den Fundamenten eines gallorömischen Tempels erbaut worden sein. Bereits vor der Stadtgründung bestanden auf der Halbinsel oder in direkter Nähe Lehen der Klöster Einsiedeln, St. Gallen, Pfäfers und Reichenau.
Das Einsiedlerhaus beim sogenannten Endingerhorn, am westlichen Ende der Rapperswiler Halbinsel, diente wie die Siedlung an der Kempratner Bucht vermutlich schon vor dem Jahr 981 mit eigener Schiffanlegestelle den Pilgern, die hier den See überqueren wollten.Website Klosterarchiv Einsiedeln, Grobinventar Einsiedler Haus Das Rebgut auf dem Schlossberg, ursprünglich im Besitz des Klosters Einsiedeln, soll ebenfalls im Jahr 981 erstmals urkundlich erwähnt sein, womit der Siedlungsstandort Rapperswil wieder historisch verbrieft in Erscheinung tritt.
Rapperswil unter den Grafen von Rapperswil (1220–1352) «Alt-Rapperswil» und «Neu-Rapperswil»
Die Rapperswiler waren ein Ostschweizer Adelsgeschlecht, deren Genealogie und der mit ihnen verwandten Habsburg-Laufenburger und der Homberger in der Forschung umstritten ist und sich nicht mehr lückenlos rekonstruieren lässt.Eugster, Adlige Territorialpolitik, S. 230–256. Ursprünglich waren die Rapperswiler in der heutigen March, um den Greifensee, um Uster, Wetzikon und Hinwil begütert. Burg «Alt-Rapperswil» («die vestize der alten Rapreswile») in Altendorf wurde um 1040 erbaut – soll aber auf einen Raprecht als Stammvater der Burg St. Johann zurückgehen respektive auf «Rahprehteswilare», erwähnt im Jahr 972.Die Kapelle St. Johann bei Altendorf markiert noch heute den Standort der im Jahr 1350 durch Stadtzürcher Truppen unter Bürgermeister Brun zerstörten Burg. Nach dem Tod des Vogtes Rudolf II. († nach 1192) soll gemäss der modernen Forschung ein direkter Erbe fehlen und um das Erbe der Rapperswiler eine Fehde mit den Toggenburgern ausgetragen worden sein. In der Literatur wird teilweise zwischen «Alt-Rapperswil» (vor 1200) und «Neu-Rapperswil» unterschieden. Nach der Beilegung der Fehde konnten sich die Herren von Neu-Rapperswil ab 1210 als Haupterben der Alt-Rapperswiler Besitzungen durchsetzen. Chronik des Dominik Rothenfluh, Pfarrer der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt (Jona), Original im Stadtarchiv Rapperswil, Kopien in der Zentralbibliothek Zürich. Unter den Neu-Rapperswilern Rudolf II. und Rudolf III. manifestierte sich der Dynastiewechsel auch durch die Verlegung des Herrschaftssitzes von Altendorf nach Endingen und mit der Gründung von «Neu-Rapperswil».
mini|Kloster Einsiedeln