mini|hochkant=1.2|Am Connewitzer Kreuz
Connewitz ist ein Stadtteil und zugleich Ortsteil im Stadtbezirk Süd von Leipzig.
Der Ort war bis 1891 eine selbstständige Gemeinde. Mit einem großen Anteil am Leipziger Auwald ist Connewitz der waldreichste Ortsteil Leipzigs. Sowohl städtebaulich als auch wegen der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung hinsichtlich der „oft diametralen Wert- und Lebensvorstellungen der einzelnen sozio-kulturellen Gruppen“ ist Connewitz ein besonders vielgestaltiger Stadtteil.Connewitz – Eine historische und städtebauliche Studie. PROLEIPZIG 2008, S. 37
Geografie Lage mini|Connewitz und seine Nachbarortsteile
Connewitz liegt etwa drei Kilometer südlich des Leipziger Stadtzentrums. Das Gebiet umfasst Auwaldbereiche und die östlich davon und bis zu zehn Meter höher gelegene ehemalige Feldflur. Nur diese ist bebaut.
Die Grenzen des Ortsteils bilden im Norden der Schleußiger Weg, die Wundtstraße und die Richard-Lehmann-Straße. Ost- und Südostgrenze ist die Bahntrasse Bayerischer Bahnhof-Markkleeberg. Im Süden ist das bebaute Gebiet von Markkleeberg die Grenze. Hier gehören aber noch einige kurze Straßenzüge am sogenannten Wolfswinkel in isolierter Lage zu Connewitz. Nach Westen folgen die Bahnlinie Plagwitz-Markkleeberg sowie der Westdamm des Hochflutbettes der Elster und das West-Ufer des Elsterflutbettes.
Die benachbarten Ortsteile sind von Norden im Uhrzeigersinn die Südvorstadt, Marienbrunn, Lößnig, Dölitz-Dösen, Markkleeberg (selbstständige Stadt), Großzschocher, Kleinzschocher und Schleußig.
Wald und Gewässer Mit 384 Hektar WaldOrtsteilkatalog der Stadt Leipzig 2016 (das sind 53 % seiner Fläche) besitzt Connewitz den größten Waldanteil der Leipziger Ortsteile. Dieser Wald, das Connewitzer Holz, bildet als zusammenhängendes Gebiet den Hauptteil des südlichen Leipziger Auwaldes. Er wird sowohl forstwirtschaftlich als auch zu Erholungszwecken genutzt. Neben einem dichten Fuß-, Rad- und Reitwegenetz findet sich hier auch der Wildpark Leipzig, der insbesondere einheimische Tierarten zeigt. Auch Sport- und gastronomische Einrichtungen sind vorhanden.
mini|Die Pleiße im Connewitzer Holz Historisch betrachtet bilden Connewitzer Holz und das jenseits der südöstlichen Gemarkungsgrenze gelegene Dölitzer Holz am rechtsseitigen Pleißeufer das Leipziger Ratsholz. Bevor das Dorf mit Ötzsch und Dölitz seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusammenwuchs, wurde dieses Waldgebiet nur durch wenige Wiesen unterbrochen.
Das Forstrevier Connewitzer Holz gliedert sich, linksseitig von Pleiße und Batschke-Floßgraben in Beipert und Probstei, zwischen Floßgraben und Pleiße in Pfarrholz, Haken, Wolfswinkel, Langes Feld, Dachsbau, Horst, Gautzscher Spitze und Siebenacker und rechtsseitig der Pleiße in Streitholz, Stempel, Mühlholz und den Apitzsch, jeweils von Norden beginnend.Topographische Karte Sachsen 1:25000 (Äquidistantenkarte und Messtischblätter von 1879 bis 1942), bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Leipzig: Giesecke & Devrient, Blätter 4640, 4740 (bzw. 11, 26), auf: deutschefotothek.de
Die Pleiße durchzieht das Connewitzer Holz von Süd nach Nord in voller Länge. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts legten die drei Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz gemeinsam zum Betrieb ihrer Mühlen einen von der Pleiße abzweigenden Graben an, die Mühlpleiße, die, heute noch mit geringen Änderungen im Grenzbereich zwischen Wald und Siedlungsgebiet verlaufend, an der Hakenbrücke in die Pleiße mündet. Kurz vorher mündet linksseitig im Bereich der früheren Jungfernlachenmündung das Pleißehochflutbett in die Pleiße.
Etwa 150 Meter weiter mündet linksseitig Panichs Lache und etwa 350 Meter weiter ebenfalls von links kommend die Batschke, in Leipzig meist Floßgraben genannt. Die Batschke war ehemals eine Abzweigung der Weißen Elster bei Zwenkau und diente früher dem Flößen von Brennholz über die Weiße Elster nach Leipzig. Die Verbindung zur Elster wurde durch den Braunkohlenbergbau unterbrochen. Heute erhält der Floßgraben sein Wasser aus dem Cospudener See. Er stellt damit die Verbindung der Leipziger Gewässer zum Cospudener See dar und ist seit der Fertigstellung einer Brücke in Markkleeberg für den durchgängigen Bootsverkehr nutzbar.
Weiter westlich gibt es neben zahlreichen Altarmen und Lachen einen weiteren Wasserlauf, die Paußnitz. Sie ist ein ehemaliger Nebenarm der Batschke, wird seit der Unterbrechung durch den Braunkohletagebau über den Grenzgraben mit Elsterwasser beschickt und mündet in das Elsterflutbett. Letzteres bildet die westliche Grenze von Connewitz. Es wurde aus Hochwasserschutzgründen angelegt und wird, wie die Pleiße, für den Wassersport genutzt. Noch in Connewitz zweigt am Pleißewehr der Pleißemühlgraben ab, der verrohrt durch die Südvorstadt zum Stadtzentrum verläuft. mini|Hakenteich und Wildparkgaststätte
In historischer Zeit gab es in Connewitz östlich der Pleiße noch zwei Wasserläufe. Der Trenkengraben (auch Tränkengraben) kam von Probstheida über die Connewitzer Flur (heute Marienbrunn) und den Bereich der Hildebrandtstraße zur Mühlpleiße. Er ist heute verrohrt und in das Leipziger Abwassernetz eingebunden. Der zweite war der Domgraben, von der Marienquelle (Nähe Völkerschlachtdenkmal) etwa im Verlauf der heutigen Richard-Lehmann-Straße nach Westen bis zur Heilemannstraße und dann nach Süden in den ehemaligen Streitteich. An den Domgraben erinnern heute nur noch Geländevertiefungen an der Südseite der Richard-Lehmann-Straße und zwischen Heilemann- und Fockestraße.
Der Streitteich im Bereich der heutigen Teichstraße war der größte von ehemals neun Connewitzer Teichen, von denen die meisten im Verlauf des Trenkengrabens lagen. Auf den ehemaligen Pappelteich nahe der Bornaischen Straße weist heute noch die tiefe Lage der Kleingärten an der Burgstädter Straße hin. Der Connewitzer Dorfteich befand sich an der Einmündung der Probstheidaer Straße in die Prinz-Eugen-Straße. Heute existieren im Ortsteil Connewitz nur noch der Anfang der 1970er Jahre neu angelegte Hakenteich an der später errichteten Wildparkgaststätte, der kleinere Froschteich innerhalb des Wildparks sowie ein Teich zwischen der Bebauung der Prinz-Eugen-Straße und der Mühlpleiße mit Verbindung zu dieser.Gewässer in Leipzig auf der Website der Stadt
Geschichte Das Dorf Connewitz mini|Connewitz auf einer Karte von 1879 Eine Besiedlung an Stelle des heutigen Ortes ist bereits für die Eisenzeit belegt.Arbeits- u. Forschberichte der Sächs. Bodendenkmalpflege 2009 Döhlert et al.: Die Ausgrabungen in der eisenzeitlichen Siedlung in Leipzig-Connewitz
Nach der Völkerwanderung gründeten sorbische Siedler den Ort Connewitz (altsorbisch: *Końovica oder *KońoviciErnst Eichler: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. Band II, VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1987, S. 51, 14 = „Pferdeort“, „Ort, wo Pferde weiden“) vermutlich nach dem siebenten Jahrhundert. Der Ortskern befand sich als Rundling am Dreieck der heutigen Prinz-Eugen-, Probstheidaer und Biedermannstraße. Der Ort entwickelte sich in nordwestlicher Richtung zum Pleißeauenrand bis zur Vereinigung mit der dortigen sorbischen Siedlung Döbschütz (später Ober- und Unterdorf) zu einem langgezogenen Sackgassendorf. Ab etwa dem elften Jahrhundert wurde die sorbische Bevölkerung im Zuge der deutschen Ostexpansion und der bäuerlichen Landnahme in einem langen Prozess von den deutschen Siedlern assimiliert. Im Oberdorf entstand ein Rittergut (um 1100 Ritter von Kunawitz).
mini|Connewitz um 1800 Zwischen 1200 und 1250 legten die Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz gemeinsam den etwa vier Kilometer langen Mühlgraben (Mühlpleiße) zum Betrieb ihrer Mühlen an. 1275/76 kam das Augustiner-Chorherrenstift Leipzig in den Besitz des Rittergutes und der Rechte über die Döbschützer Mühle. Diese erweiterte im 15. Jahrhundert ihren Betrieb. Zur Mahl-, Öl- und Gewürzmühle kamen ein Kupferhammer und ein Schleifwerk hinzu. An der Weggabelung nördlich von Connewitz wurde 1496 durch die Stadt Leipzig als Weichbildzeichen ein Holzkreuz errichtet, das 1536 durch eine Steinsäule mit Kreuzdarstellung (Connewitzer Kreuz) ersetzt wurde. Die noch erhaltene Steinsäule von 1536 befindet sich im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.
Nach der Reformation kaufte der Rat der Stadt Leipzig 1543 das Gut Connewitz und richtete 1545 vier Dreschergüter ein. Das Dorf Connewitz, das bis zur Reformation kirchlich zur Heilig-Kreuz-Kapelle in Ölschwitz gehörte, wurde nach Probstheida eingepfarrt. 1563 wurde die Försterei Connewitz eingerichtet. 1619–1629 entstanden neben der Mühle 17 Landarbeiterhäuser, das Connewitzer Neudörfchen, das sich 1705 von Connewitz trennte, 1839 aber wieder „zurückkam“. Im Dreißigjährigen Krieg kam es mehrfach beim Durchzug von Truppen zu Plünderungen und Brandschatzungen. 1755/56 wurde in der Nähe vom Kreuz der (alte) Connewitzer Friedhof errichtet und 1770/71 im Oberdorf auf dem Schulberg eine kleine spätbarocke Kirche erbaut, die bis 1875 Filialkirche von Probstheida blieb.
In der Völkerschlacht bei Leipzig verbarrikadierten sich Truppen der napoleonischen Armee in Connewitz, das durch erbitterte Kämpfe schwere Schäden erlitt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten reiche Leipziger Bürger die schöne Lage von Connewitz und bauten sich hier Landhäuser. In dem von Albert Schiffner fortgeführten Schumannschen „Lexikon von Sachsen“ wird 1830 ausgeführt, dass Connewitz „für eines v. Sachsens schönsten Dörfern“ gilt.
Nach der Sächsischen Landgemeindeordnung wurde 1839 Connewitz eine selbständige Gemeinde mit eigenem Gemeinderat. Der Ort lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f. Ab 1856 gehörte Connewitz zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine rege Bautätigkeit ein, 1859 bis 1871 im Bereich zwischen Bornaischer und heutiger Wolfgang-Heinze-Straße und 1865 bis 1890 zwischen Wolfgang-Heinze-Straße und dem Neudörfchen. Für 1877 sind im Adressbuch bereits 310 Wohnhäuser verzeichnet.
mini|Ortskern mit der alten Dorfkirche, Aquarell von W. Hinze, 1901 1866 wurde das Wasserwerk für die Stadt Leipzig am westlichen Ende der heutigen Richard-Lehmann-Straße in Betrieb genommen. Ab 1887 nahm man es durch den Übergang zur Überlandversorgung schrittweise wieder außer Betrieb. 1868/69 wurden das Hochflutbett der Pleiße zum Hochwasserschutz und das Wegenetz im Connewitzer Wald mit Spazier- und Reitwegen angelegt. 1872 begann die Straßenbeleuchtung mittels Gaslaternen. 1877 wurde die Südstraße als geradlinige Verbindung vom Kreuz zur Stadt Leipzig fertig gestellt. 1880 wurde der neue, heute noch bestehende Connewitzer Friedhof in der Meusdorfer Straße eröffnet.
Schließlich wurde 1891 Connewitz mit nun 10596 Einwohnern mit weiteren fünf stadtähnlichen Dörfern nach Leipzig eingemeindet. Seit 1888 hatte sich der von Armut geprägte Ort um eine Eingemeindung bemüht, um am wirtschaftlichen Aufschwung Leipzigs teilhaben zu können. Vor der Eingemeindung wurde der Ort auch Connewitz bei Leipzig genannt.books.google.de
Connewitz als Leipziger Stadtteil mini|Restaurant, Hotel und Tanzpalast Friedrichshallen in der Brandstraße um 1900 (1944 zerstört) Die rege Bautätigkeit ging auch nach der Eingemeindung weiter, zunächst durch die Verlängerung der Querstraßen über die Bornaische Straße hinaus nach Osten und deren Verbindung durch die Zwenkauer Straße. Auf dem Gelände des alten Friedhofs wurde 1900 die neue Connewitzer Kirche, die heutige Paul-Gerhardt-Kirche, eingeweiht. Zwei Jahre später wurde die alte Kirche abgerissen. Von 1911 bis 1914 wurden in Connewitz jährlich etwa 60 Häuser mit circa 350 Wohnungen gebaut.