mini|Die albanischen Siedlungen in Italien (siehe Liste) mini|Arbëresh aus Piana degli Albanesi in traditionellen Trachten (1967) Die Arbëreshë [] sind eine alteingesessene albanische ethnische Minderheit in Mittel- und Süditalien und auf der Insel Sizilien, die in Italien durch das Gesetz Nr. 482 „Zum Schutz der historischen Sprachminderheiten“ vom 15. Dezember 1999 geschützt werden. Ihr zerstreutes Siedlungsgebiet wird auf Italienisch „Arbëria“ (auch: Arberia) genannt.
Der Begriff Arbëreshë bedeutet „Albaner“ und hat seinen Ursprung im Wort Arber/Arbëri, mit dem man die Region des heutigen Albaniens des 15. und 16. Jahrhunderts benannte.
Die Arbëreshë kamen sporadisch in mehreren kleineren und größeren Migrationswellen in das heutige Italien. Während es am Anfang Söldner (Stratioten) waren, die im Dienst der lokalen Feudalherren und der Könige von Neapel standen, kam es nach dem Tod des albanischen Nationalhelden Skanderbeg (1468) und nach den Eroberungen von Kruja (1478) und von Shkodra (1479) durch die Osmanen zu größeren Flüchtlingswellen. Im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu Migrationswellen der albanisch-griechischen Bevölkerung (Arvaniten) aus den zahlreichen albanischen Gemeinden in Thessalien, Euböa, Korinth, Attika und Morea im heutigen Griechenland. 1742 flüchtete die christliche Bevölkerung aus dem Ort Piqeras bei Lukova in der Çamëria nach Italien und 1774 Überlebende der letzten Offensiven des Osmanischen Reiches, die die weiten bereits verlassenen Gebiete in der Nähe der Hafenstadt Brindisi besiedeln sollten.
In die neue Heimat brachten die Arbëreshë außer ihrer Sprache und ihrer orthodoxen Religion mit Gottesdienst nach dem byzantinischen Ritus, Ikonen, ihre Bräuche und ihre Tracht mit.
Nach mehr als fünf Jahrhunderten in der Diaspora spricht ein Teil der in Italien gegründeten albanischen Gemeinden noch heute eine altertümliche vor-osmanische albanische Sprache.
Namen und Bedeutung mini|Zweisprachiges Platzschild in San Marzano di San Giuseppe auf Italienisch und auf Arbëresh (unten) Die Arbëreshë nennen sich selber in ihrem albanischen Dialekt Arbëreshët (Mehrzahl bestimmt) bzw. Arbëreshë (Mehrzahl unbestimmt). Die Einzelperson wird Arbëresh/-i (männlich) bzw. Arbëreshe/Arbëreshja (weiblich) genannt. Ihre Sprache wird Arbëresh genannt. Auf Italienisch werden sie als Arbëreshë (IPA: ar'bəreʃ) bezeichnet.
„Arbëresh“ (toskisch) und „Arbër“/„Arbën“ (gegisch) waren im Mittelalter die Selbstbezeichnungen der Albaner, die während der Osmanischen Herrschaft ungebräuchlich wurden. Heute werden nur mehr die Albaner in Italien, deren Vorfahren ab dem 14. Jahrhundert eingewandert sind, Arbëresh genannt. Die Selbstbezeichnung des albanischen Volkes lautet heute „Shqiptarë“ („Albaner“; Mehrzahl unbestimmt), die des Landes Albanien (albanisch unbestimmt: Shqipëri, bestimmt: Shqipëria).
In antiken Geschichtsquellen werden die Albaner unterschiedlich bezeichnet: in byzantinischen „Albani“, in westlichen (Neapel, Venedig, Aragón): „Albaner oder Epiroten“, in osmanischen: Arnauten und von den Griechen werden die in Griechenland lebenden Albaner Arvaniten genannt.
Sprache mini|Verbreitung der albanischen Sprache in Süd- und Südosteuropa Die Sprache der Arbëresh ist die alte albanische Sprache (Arbërisht, Arbërishtja oder Gjuha Arbëreshe), eine Dialektgruppe des Toskischen (Toskë), das in Südalbanien, wo die Massendiaspora ihren Ursprung hatte, gesprochen wird. Die Sprache der Arbëresh unterscheidet sich von der heutigen Hochsprache wesentlich. In einigen Zentren wird ein gemischtes Arbëresh gesprochen, das aus einem gegischen Tonfall (Gegë), dem Dialekt, der in Nordalbanien gesprochen wird, mit liturgischem Griechisch (in Bezug auf die Verwendung religiöser Funktionen) und einer Verschmelzung mit den südlichen italienischen Dialekten besteht. Dieser Prozess entstand durch den jahrhundertelangen Aufenthalt in Italien.
Auch wenn die heutige Standardsprache Albaniens auf dem südlichen toskischen Dialekt basiert, wird der toskische Dialekt „Arbëresh“ wegen verschiedener Akzente und Beugungen nicht ohne weiteres von einem albanischen Muttersprachler verstanden. Es gilt im Allgemeinen, dass das Niveau der sprachlichen Verständigung unter Italo-Albanern (Arbëresh) und gebürtigen Albanern (Shqiptarë) diskret ist. Man schätzt, dass 45 % der Arbëreshwörter mit der aktuellen albanischen Sprache Albaniens übereinstimmen, weitere 15 % durch Neologismen von italo-albanischen Autoren erstellt und dann in die gemeinsame Sprache übernommen wurden; der Rest ist das Ergebnis einer Kontamination mit dem Italienischen, vor allem mit den einzelnen lokalen Dialekten Süditaliens.
Wegen seiner immer kleiner werdenden Anzahl an Sprechern gehört das Arbëresh zu den bedrohten Sprachen. Laut einer Schätzung von 2002 sprachen damals etwa 80.000 Menschen diese Sprache. Frühere Schätzungen gingen von 260.000 (1976) und 100.000 Sprechern (1987) aus.
Die jüngere Generation spricht immer weniger Arbëresh, was auch dadurch bedingt ist, dass es keine wirklich einheitliche Sprache gibt, die von allen Gemeinschaften gesprochen würde. Dies führt dazu, dass die Albaner untereinander oft Italienisch als Verständigungssprache benutzen.Leonhard Anton Georg Voltmer, S. 1.
Siedlungsgeschichte Albanische Besiedelung Griechenlands
mini|Epirus in der Antike Die Arbëreshë lebten ursprünglich vor allem in Epirus und in den Bergen von Pindos. Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert zogen albanische Stämme in kleinen Gruppen in Richtung Südosten nach Thessalien, Euböa, Korinth, Attika und Morea, wo sie nach einer Anfangsphase des Nomadentums eigene Kolonien (katun) gründen durften und ihre ethnischen Sitten, wie Sprache und Stammesgebräuche aufrechterhielten. Von den Griechen wurden und werden sie noch heute Arvaniten genannt. Selber nennen sie sich „Arbërore“, was Albaner bedeutet.
Die frühesten nachweisbaren albanischen Ansiedlungen in der historischen griechischen Region Thessalien datieren an das Ende des 13. und den Beginn des 14. Jahrhunderts. Hauptsächlich während der italienischen Herrschaft der Orsini (1318–1359) wanderte die Bevölkerung von Epirus, die hauptsächlich aus albanischen Stämmen bestand, aufgrund von inneren Kämpfen, Massakern und Sippenverdrängung durch die Täler des Pindosgebirges nach Thessalien aus.Innocenzo Mazziotti, S. 15. Von Thessalien, wo sich zahlreiche unabhängige albanische Volksstämme, wie Malacassi, Bua, Messariti u. a. m. konzentriert hatten, wurden die Albaner von den katalanischen Herrschern des Herzogtums Athen nach Lokris, Böotien und Attika eingeladen.Innocenzo Mazziotti, S. 16. Die Albaner galten als und wurden als Experten im Feld zu beliebten Söldnern (Stratioten) der Serben, Franken, Aragonier und Byzantiner.Gli arbëreshë e la Basilicata (italienisch), abgerufen am 9. November 2016 mini|Herzogtum Athen im 13. Jahrhundert Im Archiv der Krone von Aragonien in Barcelona befinden sich viele Dokumente, die die Geschichte des Herzogtums Athen erhellen und sich auch auf die albanische Einwanderung in diese Region beziehen. Peter IV., Graf von Barcelona (als Peter I. auch König von Sardinien und Herzog von Athen und Neopatria) richtete sich dankend mit einem Brief an den Grafen von Demetrias „e i Albanenses“ (und die Albaner) für die Verteidigung der Herzogtümer Athen und Neopatria. Am 31. Dezember 1382 gab Peter IV. seinem Leutnant und Vicomte Rocabertino den Befehl, allen Griechen und Albanern, die ins Herzogtum Athen kommen wollten, eine Steuerbefreiung von zwei Jahren zu gewähren und die Kapelle des Heiligen Georg in Livadia Bruder Francis Comminges zu übergeben.Antonio Rubió y Lluch, S. 587.
Zwischen 1379 und 1393 eroberte der italienische Nerio I. Acciaiuoli mit Hilfe einer Navarresischen Kompanie die Städte Theben und Athen und beendete somit die katalanische Herrschaft in Griechenland. Seitdem zogen katalanische und albanische Flüchtlinge, die bereits im Herzogtum Athen angesiedelt waren, nach Sizilien, um den aragonesischen Königen der Insel zu dienen.Innocenzo Mazziotti, S. 14 Am 20. April 1402 beschloss der Senat der Republik Venedig „pro apopulando Insulam nostram Nigropontis“ (für die Besiedlung unserer Insel Negroponte), dass „Albaner und Andere“ sich mit ihren Familien unter dem Schutz der Republik auf der seit 1205 zu Venedig gehörenden Insel Negroponte (Euböa) niederlassen durften. Dafür erhielten sie für zwei Jahre „Befreiung von allen Steuern und für die Arbeit geeignetes Ödland geschenkt“ unter der Bedingung, dass sie so viele Pferde „wie Männer der Familienoberhäupter“ hielten, die Insel nicht ohne Erlaubnis des Provveditore des Dogen verlassen durften und jederzeit zur Verteidigung der Insel bereit sein mussten. mini|Albanische Auswanderung nach Griechenland zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Aus Dokumenten des Archivs von Venedig wird die Organisation der venezianischen Regierungen in den verschiedenen Besitztümern deutlich: großzügig mit den würdigen und treuen Untertanen, die Belohnungen, Privilegien und Ehrentitel sowie Asyl im venezianischen Gebiet im Falle einer feindlichen Invasion erhielten und streng in der Anwendung der Gesetze mit Verurteilungen und harten Strafen für Schuldige und Kriminelle. So garantierte der venezianische Senat am 28. August 1400 für Schutz und Gastfreundschaft für die Verdienste von Mirska Zarcovichio, Herr von Vlora, im Falle einer osmanischen Invasion. Am 14. Mai 1406 erhielt Nicola Scura von Durazzo vom Grafen von Shkodra ein Empfehlungsschreiben für . Auf Oliverio Sguro, der für Verbrechen verbannt wurde, stand die Todesstrafe (27. März 1451). Er sollte auf dem Markusplatz in Venedig zwischen zwei Säulen enthauptet werden (). Dasselbe Todesurteil traf am 4. April 1454 drei albanische Matrosen – “Balistari” – auf den Galeeren von Marino Cantareno wegen Meuterei und Desertion.Innocenzo Mazziotti, S. 18
Im Mai 1347 wurde Manuel Kantakuzenos von seinem Vater, Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos, zum byzantinischen Despoten von Morea ernannt, wo er 1349 eintraf. Manuel, beunruhigt durch die Kriege gegen die lateinischen Nachbarstaaten, die unruhige Bevölkerung, die osmanischen Einfälle und den Bevölkerungsrückgang, versuchte dem demografischen Problem in der Region Abhilfe zu schaffen, indem er die Einwanderung einer großen Anzahl von Albanern aus Epirus und Thessalien anordnete.Innocenzo Mazziotti, S. 20
Theodor I. Palaiologos, Despot von Morea von 1382/83 bis 1406, genehmigte zwischen 1398 und 1404 die Niederlassung von albanischen Volksstämmen in Morea, um sein Despotat vor griechischen Rebellen, vor Venezianern und vor allem gegen die immer häufiger werdenden osmanischen Angriffen zu verteidigen. Nach dem griechischen Historiker Dionysios A. Zakythinos kamen 10.000 Albaner mit ihren Familien und ihren eigenen Herden an den Isthmus von Korinth und baten den Despoten um Erlaubnis, sich auf dem Territorium des Despoten niederlassen zu dürfen, was dieser akzeptierte.
Albanische Besiedelung Italiens