mini|Der Nordwestbereich des 2013 eröffneten Campus WU mini|Das markante Library and Learning Center (LC) von Zaha Hadid am Campus WU mini|Der Campus WU mit LC (links) und dem Department 1 (rechts)
Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) wurde 1898 gegründet und ist eine der größten Wirtschaftshochschulen in Europa. Im Jahr 2013 ist sie an den neuen Standort Campus WU übersiedelt.
Geschichte mini|Der historische Standort der WU Wien und ihrer Vorgängerinnen: Das Gebäude der Exportakademie (1916–1919), der Hochschule für Welthandel (1919–1975) sowie der Wirtschaftsuniversität Wien (1975–1982) im 19. Bezirk mini|Der Standort der WU Wien von 1982 bis Anfang September 2013
Gründung der k.k. Exportakademie 1898 Die Wirtschaftsuniversität Wien wurde 1898 vom K.k. Ministerium für Cultus und Unterricht als k.k. Exportakademie gegründet. Nachdem das ehemalige Palais Festetics in der Berggasse im 9. Bezirk bald zu klein geworden war, wurde 1916 das neu errichtete Gebäude in der Franz-Klein-Gasse im 19. Bezirk, am Währinger Park, bezogen.Geschichte der Universität, Abruf: 6. Jänner 2026.
Mit dem Studienjahr 1919/20 wurde die Exportakademie von der Staatsregierung unter Karl Renner (SDAP) in Hochschule für Welthandel umbenannt im 178. Stück, ausgegeben am 29. Oktober 1919 und hieß so bis 1975. Die Studiendauer betrug sechs Semester. Die ersten beiden Semester waren vor allem der handelswissenschaftlichen Vorbereitung gewidmet, die vier folgenden dienten der Ausbildung für den internationalen Handel und das Bankgeschäft – mit Lehrfächern der Wirtschafts-, Rechts- und Handelswissenschaften. Den Absolventen wurde der akademische Grad eines Diplomkaufmanns (Dipl.-Kfm., später Dkfm.) verliehen, der 1930 ebenso wie der Doktor der Handelswissenschaften (Dr. rer. comm.) eingeführt wurde.
Zeit des Nationalsozialismus und Gedenken Auch für die Hochschule für Welthandel wurden nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1933–1945 dessen Gesetze und Regelungen bindend. Jüdische Hörer und Lehrkräfte wurden von der Hochschule ausgeschlossen, die vertriebenen Lehrkräfte wurden durch Professoren von deutschen Universitäten oder regimetreue österreichische Wissenschaftler ersetzt. Mit dem Ende des NS-Regimes verringerte sich der Lehrkörper stark. Insgesamt mussten 60 Professoren, Assistenten, Lehrbeauftragte und Beamte im Zuge der Entnazifizierung ausscheiden bzw. gingen die aus Deutschland Berufenen wieder zurück.
Zum Gedenken an die ab März 1938 ausgegrenzten, vertriebenen oder ermordeten jüdischen Angehörigen der Hochschule für Welthandel (Ausschlüsse von Studien, Prüfungen oder Doktorat, Entlassungen von Dozenten und Verwaltungsangestellten sowie Aberkennungen) ist auf dem neuen Campus WU an zentraler Stelle ein Mahnmal errichtet worden.WU-Gedenkprojekt, Entwurf Alexander Felch Ebenfalls als ein Forschungsprojekt wurde ein virtuelles Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Hochschule für Welthandel geschaffen. In dieser Datenbank sind biographische Kurzeinträge zu den Betroffenen abrufbar. Diese Informationen stammen mitunter aus Unterlagen des Archivs und der Studienabteilung der Wirtschaftsuniversität Wien.Peter Berger, Johannes Koll (Redaktion): Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Wiener Hochschule für Welthandel 1938-1945, online
Von der „Welthandel“ zur Wirtschaftsuniversität (1945–1975) Die Zahl der Hörer stieg dank der Kriegsheimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. Ab 1948 gewann die Hochschule zusätzliche Lehrkanzeln und Forschungsinstitute hinzu. 1966 kamen die sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen mit den akademischen Graden Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer. soc. oec.) und Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. soc. oec.) hinzu.
In den 1960er Jahren kam es zur Borodajkewycz-Affäre. Nachdem Borodajkewycz, an der HfW Professor für Wirtschaftsgeschichte, einen Prozess gewonnen hatte, ließ er seine rechtsextremen Ansichten in Vorlesungen noch stärker als zuvor durchblickenRisse im Context XXI (7-8/01–1/02): und äußerte sich antisemitisch und großdeutsch. Am 31. März 1965 fand im Stadtzentrum eine Demonstration der österreichischen Widerstandsbewegung und des Antifaschistischen Studentenkomitees gegen Borodajkewycz statt. Bei der Demonstration wurde der ehemalige Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger von einem Neonazi schwer verletzt und starb zwei Tage später (Der erste politische Tote der Zweiten Republik).Der "Opfermythos" in Österreich: Entstehung und Entwicklung, demokratiezentrum.org Der 24-jährige Täter erhielt (obwohl vorbestraft) nur zehn Monate Haft.
An der Publikmachung von Borodajkewicz' untragbaren Äußerungen hatten zwei Studenten Anteil, die später Spitzenpolitiker der Republik wurden: der spätere Finanzminister Ferdinand Lacina, der in Vorlesungen mitgeschrieben hatte, und der spätere Bundespräsident Heinz Fischer (beide SPÖ). Unterrichtsminister der Bundesregierung Klaus I war damals Theodor Piffl-Perčević (ÖVP). Borodajkewycz selbst stellte bei der HfW den Antrag, gegen ihn ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Im Mai 1966 entschied der Disziplinarsenat der Hochschule, ihn strafweise in den Ruhestand zu versetzen. Er erhielt seine Pension mit geringfügigen Abstrichen.Paul Vécsei: Als Feuer am Dach der Republik ausbrach. Kronen Zeitung, 30.03.2025.
Die neue Wirtschaftsuniversität – die ersten zehn Jahre (1975–1985) Die bisher letzte Namensänderung der Hochschule in Wirtschaftsuniversität Wien erfolgte im Rahmen des Universitätsorganisationsgesetzes 1975 unter Bruno Kreiskys SPÖ-Alleinregierung mit Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg. Im allgemeinen Sprachgebrauch setzte sich das Kürzel „WU“ durch. Gleichzeitig lief die Verleihung des Titels Diplomkaufmann aus.
1982 zog die WU, nach wie vor unter Hertha Firnberg, in das neu errichtete Universitätszentrum Althanstraße (UZA 1, Nordteil) über dem Frachtenbahnhof des Franz-Josefs-Bahnhofes im 9. Bezirk um.Ein Rundgang durch die alte Wirtschaftsuniversität, Abruf: 6. Jänner 2026. Allerdings hatte schon beim Einzug die Realität mit 9.900 inskribierten Studierenden die Planung überholt (der Neubau war für ca. 9.000 Studierende geplant).WU-Hauptgebäude seit Jahren ein Sanierungsfall, in: Der Standard, 23. Dezember 2005. In den 1990er Jahren pendelte sich die Zahl der Studierenden bei rund 20.000 ein.Tabelle 2.2.3 Inländische und ausländische ordentliche Studierende nach Universitäten und Geschlecht. Wintersemester 1990/91 und 1999/2000. In: Statistisches Taschenbuch 2000 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Abruf am 6. Jänner 2026.
Gesetzesänderung und Studienreform Neue gesetzliche Regelungen zu Universitäten, beschlossen unter der SPÖ-ÖVP-Bundesregierung Vranitzky III mit Wissenschaftsminister Erhard Busek, brachten bei seiner Umsetzung 1997 für die WU eine große interne Neuordnung. Die Universitäten erhielten damit mehr Autonomie und eigene Satzungen, die Entscheidungen wurden dezentralisiert. An der WU wurde auf ein neues Studienrecht umgestellt und ein eigenes Forschungszentrum gegründet. Der Rektor wurde gemäß dem UOG 1993 auf vier Jahre gewählt und besitzt seither mehr Entscheidungsspielraum. Ihm stehen vier Vizerektoren zur Seite und er ist dem paritätisch zusammengesetzten, durch die Universitätsversammlung gewählten Universitätskollegium verantwortlich. Dieses wiederum fungiert als das oberste Gremium der Universität. Alle Personalentscheidungen, darunter auch die Berufung von Professoren, fallen seither in die Kompetenz der Universität selbst. Seit dem Studienjahr 1996/97 kann die WU auf der Grundlage der von ihr beschlossenen neuen Statuten alle Regelungen anwenden, wie sie im UOG 1993 vorgesehen sind.
Einführung von Bachelor- und Masterstudien Mit dem Wintersemester 2006/07 hat die WU im Rahmen des Bologna-Prozesses ihr Studienangebot auf die dreigliedrige Studienstruktur mit Bachelor-, Master- und Doktorats- bzw. PhD-Studien umgestellt.
Campus WU
mini|LC, Eingangsbereich mini|Audimax im Teaching Center (TC)
Ab Oktober 2009 wurde im 2. Bezirk, Leopoldstadt, ein neuer Campus für die Wirtschaftsuniversität errichtet.Spatenstich für neue WU: „Uni des 21. Jahrhunderts“. Die Presse, 23.10.2009 (online). Er befindet sich auf dem südwestlichen Teil des einstigen Weltausstellungs- und späteren Messegeländes am Nordrand des Wiener Praters und wird durch die U-Bahn-Stationen Messe-Prater und Krieau der Linie U2 erschlossen. Die feierliche Eröffnung fand am 4. Oktober 2013 statt. Die nunmehrige Adresse der Universität lautet, in Erinnerung an den früheren Namen der Hochschule, Welthandelsplatz 1.
Für den Campus wurden sechs Architekturbüros aus aller Welt engagiert (unter anderem Peter Cook und Hitoshi Abe), mit dem Ziel, Architektur von Weltrang zu schaffen. Herzstück der Anlage ist das von Zaha Hadid geschaffene Library & Learning Center. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 492 Mio. Euro."Campus: WU auch inhaltlich neu", auf wien.orf.at
Der alte Gebäudekomplex im 9. Bezirk wird ab 2027 abgerissen und in Zukunft von der Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien genutzt werden.
Leitung Rektorat Seit 1. Oktober 2023 ist Rupert Sausgruber Rektor der WU.ORF-Beitrag vom 12. Dezember 2022. Er ist Nachfolger von Edeltraud Hanappi-Egger, die als erste Frau in diese Position gewählt wurde (Funktionsperiode 2015 – 2023). vom 26. Jänner 2015, abgerufen am 27. Jänner 2015. Von 2002 bis 2015 war Christoph Badelt Rektor der WU.
Universitätsrat Vorsitzende des Universitätsrates war bis 2018 Brigitte Jilka, ihr Stellvertreter Stephan Koren. In der Funktionsperiode 1. März 2018 bis 28. Februar 2023 setzte sich der Universitätsrat wie folgt zusammen: Cattina Leitner (Vorsitzende), Stephan Koren (stellvertretender Vorsitzender), Christine Dornaus, Barbara Kolm, Valentin Stalf.derStandard.at: Uni-Räte sind jetzt fast komplett. Artikel vom 30. April 2018, abgerufen am 2. Mai 2018. Für die Funktionsperiode 2023 bis 2028 blieb Cattina Lettner Vorsitzende, Christine Dornaus wurde wiederbestellt und übernahm die Stellvertretung. Neu bestellt wurden Dietmar Griebler, Angela Köppl und Thomas Bieger.Universitätsrat der WU Wien. Abgerufen am 13. April 2023.
Senat Die Funktionsperiode des Senats beträgt generell 3 Jahre. Die aktuelle Periode begann am 1. Oktober 2025 und endet am 30. September 2028. Vorsitzende des Senats ist Anne d'Arcy.
Studienangebot Im Studienjahr 2025/26 werden folgende Studienrichtungen angeboten:
Bachelorprogramme: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Business and Economics Wirtschaftsrecht
Masterprogramme:
Doktorat/PhD Doktorat in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Doktorat in Wirtschaftsrecht PhD in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften PhD in Finance PhD in International Business Taxation (DIBT; internationale Unternehmensbesteuerung)
Universitätsbibliothek
Die Universitätsbibliothek bietet einen breiten Fächer an Informationsressourcen aus den Bereichen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie des Rechts. Vertreten sind auch Ressourcen diverser ergänzender Fachbereiche, die an der WU in den Bereichen Lehre und Forschung relevant sind. Sie ist die größte wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek in Österreich und eine der größten im deutschsprachigen Raum. Ihre zwei Standorte befinden sich auf dem Campus WU.
Akademische Einheiten Es gibt 12 DepartmentsDepartments & Institute, abgerufen am 7. Mai 2026., darüber hinaus sind 9 KompetenzzentrenKompetenzzentren, Abruf am 7. Jänner 2026. und 12 ForschungsinstituteForschungsinstitute, Abruf am 7. Jänner 2026. eingerichtet.
Departments Business Analytics and Decision Sciences Finance, Accounting and Statistics Wirtschaftskommunikation Management Marketing Öffentliches Recht und Steuerrecht Privatrecht Sozioökonomie Strategy and Innovation Volkswirtschaft Welthandel Wirtschaftsinformatik und Operations Management