Johannes Leppich SJ (* 16. April 1915 in Ratibor, Provinz Schlesien; † 7. Dezember 1992 in Münster) war ein deutscher römisch-katholischer Priester und Jesuit. Er wurde besonders in den 1950er und 1960er Jahren als Straßenprediger bekannt.
Leben mini|Grab von Pater Leppich im Park Sentmaring im Geistviertel von Münster
Johannes Leppich war der Sohn eines Zuchthausaufsehers. Er besuchte die Oberrealschule seiner Heimatstadt.Volker Jakob: Der streitbare Jesuit. In: Westfalenspiegel, Jg. 71 (2022), Heft 5, S. 60–61, hier S. 60. Als Zwanzigjähriger trat er in die Gesellschaft Jesu ein und studierte nach dem Noviziat Philosophie und Katholische Theologie an der Universität Breslau. Danach studierte er im Berchmanns-Kolleg der Jesuiten in Pullach bei München und wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Dort begegnete er dem späteren Lektor und Verlagsleiter Fritz Arnold, einem Protestanten, dem er die katholische Lehre faszinierend zu erläutern wusste:
Im Jahr 1942 wurde Leppich zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er in Gleiwitz und Beuthen als Jugendseelsorger, wo er 1945 den Einmarsch der Roten Armee und deren Gräueltaten an der Zivilbevölkerung miterlebte. Als die Sowjets Tausende deutsche Zivilgefangene zur Zwangsarbeit in Heydebreck-Süd internierten, begab sich Leppich als Priester freiwillig in das Lager, um seinen Landsleuten Tröster und Helfer zu sein. Im Winter 1945/46 arbeitete er für die Jugendseelsorge im zerstörten Breslau und erbettelte bei eingewanderten Polen Lebensmittel für die hungernden Deutschen.Biographie Leppich, Johannes Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung, abgerufen am 20. November 2024.
Infolge der ab Ende Februar 1946 beginnenden systematischen Vertreibung der verbliebenen deutschen Bevölkerung aus Schlesien, gelangte Leppich als Seelsorger ins Flüchtlingslager Friedland. Ende 1946 berief ihn Josef Frings, Erzbischof von Köln und Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz, zum ersten Nationalkaplan der deutschen Christlichen Arbeiterjugend (CAJ).Thomas Kremer: Die Katholische Arbeiterjugend zwischen neuer Spiritualität und altem politischen Denken. Die CAJ von 1945 bis 1955. In: Wolfgang Schroeder (Hrsg.): Katholische Arbeiterjugend im Wandel (1945–1977). Annäherung an Geschichte und Struktur der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) (= Frankfurter Arbeitspapiere zur gesellschaftsethischen und sozialwissenschaftlichen Forschung. Band 18). Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main 1997, S. 8–76, hier: S. 36.
Später war er in Gefängnissen und im Großstadtapostolat tätig. Bekannt wurde Leppich durch seine Volks- und Straßenpredigten in zahlreichen Städten (bis 1971). Wegen seiner beißenden Gesellschaftskritik hatte der Pater in der Adenauerzeit den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ in Anlehnung an den US-amerikanischen Erweckungsprediger Billy Graham.Wolfgang Brenner: Prediger Johannes Leppich: Das Maschinengewehr Gottes. Spiegel Online „Einestages“, 13. Juli 2014 Auch in Das Wort zum Sonntag war er Sprecher.Die kurze Sendung mit der langen Geschichte, abgerufen am 29. März 2022. Umstritten war Leppich, weil er nicht nur in seinen Predigten für christliche Werte warb, sondern sich auch politisch klar positionierte: Während er gegen Kommunismus und Sozialismus wetterte, verteidigte er etwa die rechte und kirchennahe Diktatur von General Francisco Franco in Spanien.Dirk Schindelbeck: Lautsprecher Gottes. Pater Leppich S.J. In: Damals Nr. 10 (1998), S. 8–11.
Pater Leppich war Mitbegründer der Telefonseelsorge. Zu seiner Unterstützung und als Teil des Laienapostolates, zu dem er immer wieder aufrief, bildeten sich in den 1950er Jahren vielerorts „Pater-Leppich-Kreise“, in denen sich vor allem jüngere Christen zusammenfanden. Daraus entstand Anfang der 1960er Jahre die von ihm geleitete internationale action 365, eine missionarisch und sozial engagierte ökumenische Laienbewegung, deren geistliche Grundlage die tägliche Bibellesung ist. Leppich veröffentlichte unter anderem Pater Leppich spricht (1952) und Christus auf der Reeperbahn (1956).
Auch durch Reisen nach Pakistan, Indien, Thailand und Nordamerika lernte er die Armut in der Welt kennen und organisierte Sach- und Geldspenden. Auf seine Anregung sowie die des Gideonbundes gehen die heute in Hotels noch in den Zimmern ausliegenden Bibeln zurück.
Leppich lebte unter anderem in Darmstadt. Nach zwei Herzinfarkten Anfang der 1970er-Jahre nahm er nicht mehr an Massenveranstaltungen teil und beendete auch seine Tätigkeit als Wanderprediger. 1992 besuchte er noch einmal seine schlesische Heimat und predigte vor 12.000 Gläubigen auf dem Annaberg.Volker Jakob: Der streitbare Jesuit. In: Westfalenspiegel. Jahrgang 71, 2022, Heft 5, S. 60–61, hier: S. 61.
Johannes Leppich ist auf dem Jesuitenfriedhof im Sentmaringer Park in Münster bestattet.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Buchcover: Gott zwischen Götzen und Genossen (1958) Pater Leppich spricht (1952) Menschen vor Gott. Erinnerung und Mahnung (1953) Christus auf der Reeperbahn (1956) Bete mit – ein Kinderbrevier (1956) Money Motor Mädchen (LP 1956) Bergpredigt (LP) Die 10 Gebote (LP) Ist das Liebe? (LP) Gleichberechtigung unter dem Schleier (LP) 3 × Satan (1957) Gott zwischen Götzen und Genossen (1958) Meditationen auf dem Asphalt (1963) Brasilianisches Vaterunser Die Zeitung – ein Gebetbuch (1963) Dynamisches Apostolat (1963) In grüner Hölle (1964) Atheisten-Brevier (1964) Passiert – notiert – meditiert. 50 Jahre Rückblende (1974)
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Markus Trautmann: Mit Glaubensglut und Feuereifer. Werenfried van Straaten und Johannes Leppich. Zwei charismatische Gestalten im deutschen Nachkriegskatholizismus. Patris Verlag, Vallendar 2009, ISBN 978-3-87620-336-2 Gerhard Oberkofler: Vatikanideologie und Marxismus. Texte über Aspekte einer historischen Konfrontation. 2017 (books.google.de) Thomas Alber: Pater Johannes Leppich. Das Maschinengewehr Gottes. Fe Medien, Kißlegg 2019, ISBN 978-3-86357-239-6.
Ehrungen 1987 Schlesierschild der Landsmannschaft Schlesien
Weblinks
Wolfgang Brenner: Prediger Johannes Leppich: Das Maschinengewehr Gottes . Spiegel Online „einestages“, 13. Juli 2014 Seelsorge am Fabriktor – Gottes-Empfang auf UKW. In: Der Spiegel 3/1954 vom 13. Januar 1954, S. 26–31; abgerufen am 12. August 2013 Josef Cyrus: Rückblende: Pater Leppich. Das Maschinengewehr Gottes. Kurzfilm im WDR Fernsehen Kirsten Serup-Bilfeldt: Vor 60 Jahren: Jesuitenpater Johannes Leppich tingelt durch Deutschland. 6-Minuten-Audio-Beitrag in der Deutschlandfunk-Sendung Tag für Tag vom 11. September 2014 (mp3; 5,5 MB) Martina Meissner: 07.12.1992 - Todestag von Pater Johannes Leppich WDR ZeitZeichen vom 7. Dezember 2012. (Podcast) Gottes-Empfang auf UKW Der Spiegel v. 13. Januar 1954
Einzelnachweise
Kategorie:Ökumenische Persönlichkeit Kategorie:Jesuit Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Schlesien) Kategorie:Person (Racibórz) Kategorie:Träger des Schlesierschildes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1915 Kategorie:Gestorben 1992 Kategorie:Mann