Der Landkreis Nordsachsen ist ein Landkreis im Freistaat Sachsen. Er entstand am 1. August 2008 im Zuge der sächsischen Kreisreform durch den Zusammenschluss der ehemaligen Landkreise Torgau-Oschatz und Delitzsch.
Hier leben Einwohner in 30 Gemeinden auf einer Gesamtfläche von etwa 2.020 km² (Stand: 2022). Flächenmäßig ist Nordsachsen der viertgrößte Landkreis Sachsens, hat jedoch die niedrigste Bevölkerungszahl. Größte Stadt des Landkreises ist Delitzsch, Verwaltungssitz ist die ehemalige Residenzstadt Torgau. Weitere Große Kreisstädte sind die Städte Eilenburg, Schkeuditz und Oschatz.
Lage mini|links|Elbe bei Torgau mini|Schloss Hartenfels in Torgau, Sitz des Landratsamtes Im Westen und Norden grenzen die in Sachsen-Anhalt gelegenen Kreise Anhalt-Bitterfeld, Saalekreis und Wittenberg, im Osten grenzen der Landkreis Meißen und der in Brandenburg gelegene Landkreis Elbe-Elster sowie im Süden die Landkreise Mittelsachsen und Leipzig sowie die kreisfreie Stadt Leipzig an Nordsachsen. Die Elbe fließt durch den Nordosten des Landkreises, westlich von ihr die Mulde und ganz im Westen fließen südlich von Schkeuditz Weiße Elster, Neue Luppe, Luppe und der Elster-Saale-Kanal.
Geschichte Die Länderbildung nach dem 3. Oktober 1990 schloss eine Gebietsreform ein, die Delitzsch, Eilenburg, Bad Düben und Torgau nach 175 Jahren wieder zu Sachsen brachte. Am 1. August 1994 wurden die bisherigen Landkreise Torgau und Oschatz zum neuen Landkreis Torgau-Oschatz mit dem Verwaltungssitz in Torgau sowie die Landkreise Delitzsch und Eilenburg zum neuen Landkreis Delitzsch zusammengeschlossen. Aus diesen beiden entstand am 1. August 2008 in der bisher letzten Kreisreform der Landkreis Nordsachsen.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2008 211.356 2010 206.223 2015 197.605 2020 197.444 Jahr Einwohner 2021 197.529 2022 200.825 2023 200.778 2024 199.422 2025 198.639
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die Einwohnerzahlen sind amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Sachsen (nur Hauptwohnsitze).
Wirtschaft und Verkehr Im Dezember 2012 beschlossen die Stadt Leipzig, die Landkreise Leipzig und Nordsachsen sowie die IHK zu Leipzig, die gemeinsame WRL Wirtschaftsförderung Region Leipzig GmbH zu gründen.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Nordsachsen Platz 372 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Orten mit „hohen Zukunftsrisiken“. Der Zukunftsatlas 2019 führt den Landkreis Nordsachsen auf Platz 364.
Gesundheitswesen mini|Klinik Eilenburg mini|Das Median-Zentrum für Rehabilitation Schmannewitz besteht aus zwei benachbarten Reha-Kliniken Es gibt 5 Krankenhäuser der Regelversorgung, 3 Fachkrankenhäuser und 3 Rehakliniken. Regelversorger sind Kreiskrankenhaus Torgau „Johann Kentmann“ gGmbH (250 Betten, mit Brust- und Darmzentrum) Collm Klinik Oschatz GmbH (210 Betten, Träger: Landkreis und Asklepios Kliniken Verwaltungsgesellschaft mbH) Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH: Klinik Delitzsch (135 Betten) Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH: Klinik Eilenburg (135 Betten) Die Helios-Klinik Schkeuditz mit 135 Betten wurde am 28. Mai 2025 geschlossen.
Als Fachkrankenhäuser bestehen Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz (Psychiatrie und Neurologie, 235 Betten) Fachkrankenhaus Hubertusburg gGmbH Wermsdorf (Neurologie, Pädiatrie und Psychiatrie, 197 Betten, zum Klinikum St. Georg Leipzig gehörend) MediClin Waldkrankenhaus Bad Düben (Orthopädie, 145 Betten). Rehakliniken befinden sich in Bad Düben (MediClin Reha-Zentrum für Orthopädie, Kardiologie und Neurologie) sowie zwei in Schmannewitz: Seit 2016 gehören beide Kliniken als Median-Zentrum für Rehabilitation Schmannewitz zur Unternehmensgruppe Median Kliniken.
Straße Bundesautobahnen: A 9 Berlin – München A 14 Magdeburg – Dresden
Das Schkeuditzer Kreuz verbindet beide Bundesautobahnen, die jetzt sechsspurig ausgebaut werden.
Bundesstraßen: B 2 München – Augsburg – Nürnberg – Leipzig – Bad Düben – Lutherstadt Wittenberg – Potsdam – Berlin B 6 Leipzig – Oschatz – Dresden B 87 Leipzig – Eilenburg – Torgau – Herzberg – Luckau – Lübben – Frankfurt (Oder) B 107 Wurzen – Eilenburg – Bad Düben B 169 Döbeln – Riesa B 181 Leipzig – Merseburg B 182 Lutherstadt Wittenberg – Torgau – Riesa B 183 Bitterfeld – Bad Düben – Torgau – Bad Liebenwerda B 183 a Bad Düben – Delitzsch – BAB 9 B 184 Leipzig – Delitzsch – Dessau B 186 Schkeuditz – Zwenkau
Eisenbahn Der Landkreis Nordsachsen verfügt über ein ausgeprägtes Schienennetz, das im Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio Südost bedient wird. Zuständiger Aufgabenträger ist der ZVNL. Die Verbindungen sind bis auf die Linie S9 radial auf das benachbarte Oberzentrum Leipzig ausgerichtet (Stand: Jahresfahrplan 2025): Linie Linienverlauf EVU RE 10 Leipzig – Eilenburg – Torgau – Falkenberg (Elster) – Doberlug-Kirchhain – Finsterwalde – Calau – Cottbus DB Regio Nordost RE 11 Leipzig – Eilenburg – Torgau – Falkenberg (Elster) – Ruhland – Hoyerswerda DB Regio Nordost RE 13 Leipzig – Delitzsch – Bitterfeld – Dessau – Magdeburg DB Regio Südost RE 50 Leipzig – Wurzen – Oschatz – Riesa – Dresden DB Regio Südost S 2 Dessau / Lutherstadt Wittenberg – Bitterfeld – Delitzsch – Leipzig – Leipzig-Stötteritz DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland) S 3 Halle-Nietleben – Halle – Schkeuditz – Leipzig – Wurzen (– Oschatz) DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland) S 4 Markkleeberg-Gaschwitz – Leipzig – Taucha – Eilenburg – Torgau – Falkenberg (Elster) DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland) S 5 Halle – Flughafen Leipzig/Halle – Leipzig – Markkleeberg – Altenburg (– Gößnitz – Werdau – Zwickau) DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland) S 5X Halle – Flughafen Leipzig/Halle – Leipzig – Markkleeberg – Altenburg – Gößnitz – Werdau – Zwickau DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland) S 9 Eilenburg – Delitzsch – Halle DB Regio Südost(S-Bahn Mitteldeutschland)
In Betrieb befindliche Eisenbahnstrecken im Landkreis Nordsachsen sind: Bahnstrecke Leipzig–Dresden Bahnstrecke Leipzig–Eilenburg Bahnstrecke Halle–Cottbus Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig Bahnstrecke Trebnitz–Leipzig Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg Bahnstrecke Wurzen–Eilenburg (nur Güterverkehr) Schnellfahrstrecke Leipzig–Erfurt Schmalspurbahn Oschatz–Mügeln Schmalspurbahn Mügeln–Glossen Schmalspurbahn Nebitzschen–Kemmlitz
Die wichtigsten Bahnhöfe im Landkreis sind neben dem einzigen vom Fernverkehr bedienten Bahnhof Flughafen Leipzig/Halle vor allem die Bahnhöfe Delitzsch unterer Bahnhof, Eilenburg, Oschatz, Schkeuditz, Taucha und Torgau.
Flugverkehr mini|Zentralterminal des Flughafens Leipzig-Halle Der Flughafen Leipzig-Halle befindet sich im Westen des Landkreises unmittelbar auf dem Schkeuditzer Stadtgebiet. Er dient als internationaler Verkehrsflughafen der gleichnamigen Region und verfügt über eine direkte Auto- und Zuganbindung. Der Flughafen wurde am 18. April 1927 in Betrieb genommen und hat vor allem im Bereich des Luftfrachtverkehrs internationale Bedeutung. Gemessen an der Zahl der Passagiere liegt der Flughafen an vierzehnter, an der umgeschlagenen Frachtmenge an zweiter Stelle in Deutschland.
Hinzu kommt der vor allem für sportliche Zwecke genutzte Flugplatz Löbnitz-Roitzschjora. Er wurde 1936 erbaut und 1938 erstmals durch Segelflieger genutzt. Nach seiner militärischen Nutzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz ab 1953 wieder für den Flugsport freigegeben. Nach der Wende gründete sich der Fliegerklub Roitzschjora e. V., der seit 1994 den Flugplatz leitet. Heute besitzt der Flugplatz Roitzschjora eine 1200 m lange Start- und Landebahn.
Politik Kreistag Am 9. Juni 2024 fand die jüngste Wahl statt, bei der sich die 80 Sitze im Kreistag folgendermaßen auf die einzelnen Parteien verteilen:Ergebnisse der Kreistagswahl 2024, abgerufen am 10. Juni 2024.
Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2024 Sitze2024 Prozent2019 Sitze2019 Prozent2014 Sitze2014 Prozent2008 Sitze2008 AfD Alternative für Deutschland 31,5 25 19,4 16 – – – – CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,1 22 29,0 23 40,3 34 38,5 32 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,1 10 15,8 13 20,9 17 19,0 16 LINKE Die Linke 5,0 4 9,8 8 15,7 13 17,6 14 FDP Freie Demokratische Partei 3,5 3 5,6 4 4,7 3 7,0 5 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 3,0 2 5,4 4 3,4 2 2,7 2 WVN Wählervereinigung Nordsachsen 10,7 9 – – – – – – Sonst. Sonstige 5,3FS: 3,2ABDT: 2,1 5FS: 3ABDT: 2 – – – – 3,9DSU: 2,8 2DSU: 2 FW Freie Wähler – – 13,7 11 10,5 8 6,6 5 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands – – 1,3 1 4,6 3 4,7 4 Gesamt10080100801008010080 Wahlbeteiligung65,2 %57,5 %45,1 %42,9 %mini|Nordsachsens Landrat Kai Emanuel
Landrat 2008–2015: Michael Czupalla (CDU) seit 2015: Kai Emanuel (parteilos)
Am 8. Juni 2008 fand die erste Landratswahl im neugebildeten Landkreis Nordsachsen statt. Da keiner der sechs Kandidaten im ersten Durchgang die erforderliche Mehrheit erringen konnte, wurde am 22. Juni 2008 eine Stichwahl durchgeführt. Bei dieser konnte sich Michael Czupalla (CDU) mit 45,7 % der gültigen Stimmen gegen die Mitbewerber Thomas Rüdiger Kind (Die Linke, 34,5 %) und Liane Deicke (SPD, 19,8 %) durchsetzen. Zu Czupallas Nachfolger wurde am 7. Juni 2015 im ersten Wahlgang Kai Emanuel (CDU) gewählt. Er wurde am 12. Juni 2022 wiedergewählt.
+Historische LandratswahlergebnisseBewerber fett: AmtsinhaberVorschlagStimmenAnteil in %gewähltStimmenAnteil in %gewählterster Wahlgangzweiter Wahlgang [Anm. 1]12. Juni 2022 Wahlbeteiligung: 37,5 %Kai EmanuelCDU38.09162,9×Uta HesseFreie Sachsen12.08120,0Torsten PötzschSPD, Die Linke, Grüne10.34217,17. Juni 2015 Wahlbeteiligung: 34,8 %Kai EmanuelCDU29.32051,7×Lars MenzelSPD10.31018,2Peter HettlichDie Linke, Grüne9.60516,9Ralph OlenizakAfD5.0378,9Jörg DöringFDP2.4344,38. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 43,0 %22. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 24,3 %Michael CzupallaCDU29.25539,2keiner: 2. Wahlgang nötig19.63645,7×Thomas Rüdiger KindDie Linke15.96321,414.81634,5Liane DeickeSPD12.65617,08.51819,8Bernd BiedermannDSU8.14010,9nicht angetretenStephan KriebelFDP4.9346,6nicht angetretenBarbara SchellerGrüne3.5954,8nicht angetreten [Anm. 1] Ein zweiter Wahlgang wird nötig, wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt und damit direkt gewählt ist. Im zweiten Wahlgang ist die relative Mehrheit für die Wahl zum Landrat ausreichend. Bewerber, die im ersten Wahlgang antreten, können vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidatur zurückziehen. Ein zweiter Wahlgang wurde bisher 2008 erforderlich.
Wappen Blasonierung: „In Gold zwischen zwei blauen Wellenpfählen ein aufgerichteter rot bewehrter und gezungter schwarzer Löwe.“
Heraldisches Anliegen war es, ein Wappen zu entwickeln, mit dem sich beide ehemaligen Landkreise Delitzsch und Torgau-Oschatz identifizieren können. Es musste also eine Symbolik gefunden werden, deren Aussage sich auf beide genannten ehemaligen Landkreise bezieht.
In der regionalen Geschichte hatten die Markgrafschaft Meißen (Meißner Löwe) und die Markgrafschaft Landsberg (Landsberger Pfähle), aus der die später herrschenden Wettiner stammten, prägende Bedeutung. Die Markgrafen von Meißen führten in ihrem Wappen in Gold einen rotbewehrten schwarzen Löwen. Dieser wurde auch in die Wappen der beiden ehemaligen Landkreise aufgenommen.
Der im Landkreiswappen von Torgau-Oschatz gezeigte Wellenbalken als Symbol für die Elbe und deren Landschaft wurde in das neue Wappen übernommen und durch einen weiteren ergänzt, der für die durch den neuen Landkreis Nordsachsen fließende Mulde steht. Beide Flüsse und deren sowohl landschaftlich als auch wirtschaftlich bedeutungsvolle Flussauen sind im neuen Landkreiswappen als regionale Besonderheit heraldisch berücksichtigt worden. Die heraldische Platzierung der Flusssymbolik in senkrechter Form als blaue Wellenpfähle erinnert andeutungsweise an das Stammwappen der Wettiner, das in Gold zwei blaue Pfähle zeigt.