Die Motion Picture Association (MPA) (bis 18. September 2019: Motion Picture Association of America (MPAA)) ist der Verband der großen US-amerikanischen Filmproduktionsgesellschaften. Sie sieht sich als Interessenvertretung der gesamten amerikanischen und weltweiten Film- und FernsehindustrieWho We are, MPAA (englisch), abgerufen am 23. Januar 2019 und betreibt in deren Namen Lobbyismus.MPAA Reveals $400,000 Spend on Q1 Lobbying of Law Enforcement Agencies 24. Juni 2011 (englisch, abgerufen am 6. Januar 2013)MPAA Already Lobbying Obama 11. Mai 2008 (englisch, abgerufen am 6. Januar 2013) Der Öffentlichkeit ist die Organisation hauptsächlich aufgrund der von ihr vergebenen Altersempfehlungen (Ratings) für Filme bekannt.
Geschichte und Tätigkeiten Die Organisation wurde 1922 unter dem Namen Motion Picture Producers and Distributors Association of America (MPPDA) von den Chefs der großen Hollywood-Filmstudios gegründet. Sie sollte als Interessenvertretung der Filmindustrie deren Image in der Gesellschaft aufwerten und dem damaligen Ruf nach einer staatlichen Zensur von Filmen entgegentreten.History of the MPAA www.mpaa.org (englisch, abgerufen am 7. Januar 2013) Gründungsmitglieder waren die Fox Film Corporation, Goldwyn Picture Corporation, Universal Pictures, Educational Films, First National, Famous Players, Metro Pictures und (Lewis J.) Selznick Pictures. Ihr Präsident William Harrison Hays, der zuvor Postminister im Kabinett des republikanischen Präsidenten Warren G. Harding gewesen war, versuchte einer staatlichen Einmischung zuvorzukommen, indem er ein System der Selbstzensur der Filmindustrie entwickelte, bekannt unter dem Namen Hays Code oder Production Code, das bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Bestand hatte. Auf Hays folgte im Jahr 1945 Eric Johnston als Präsident der MPPDA. Unter seiner Leitung erhielt die Organisation ihren heutigen Namen.
Mit dem moralischen Wandel der Gesellschaft in den 1960er Jahren wurde der Hays Code zunehmend unhaltbar, der die Aufführung „unmoralischer“ Filme untersagte. Er wurde daher zunächst modifiziert und schließlich unter der Leitung von Jack Valenti abgeschafft, der 1966 sein Amt antrat und bis 2004 Präsident der MPAA blieb. 1968 etablierte Valenti stattdessen das bis heute verwendete unten beschriebene System, das seither lediglich in Details geändert wurde. Es ist stark vom Gedanken der künstlerischen Freiheit und der Eigenverantwortung der Eltern für ihre Kinder geprägt, stellt also ein wesentlich weniger strenges System dar als der Hays Code.
Von 2004 bis 2010 leitete Dan Glickman die Organisation. Während seiner Amtszeit erlebte die Filmindustrie infolge technologischer Fortschritte im Bereich der Digitalisierung und des Internets große Veränderungen. Mit der Möglichkeit der illegalen Verbreitung von Filmmaterial über das Internet entstanden Einnahmeausfälle für die Filmindustrie, weshalb das hauptsächliche Aktionsfeld der MPAA neben der Vergabe von Film-Ratings heute der „Kampf“ gegen Urheberrechtsverletzungen ist. So tritt sie für strenge Gesetze zum Schutz von Urheberrechten ein und betreibt umfangreiche Informations- und Abschreckungskampagnen gegen Urheberrechtsverletzungen.MPAA – Public Awareness Campaign www.mpaa.org (englisch, abgerufen am 7. Januar 2013) Von 2011 bis 2017 war der ehemalige demokratische Senator Chris Dodd Präsident der MPAA, anschließend Charles H. Rivkin, ehemaliger Staatssekretär im US-Außenministerium.
20th Century Fox war bis zu seinem Verkauf an Disney Mitglied in der MPA, 2019 wurde Netflix aufgenommen. Zum 1. Oktober 2024 trat Amazon dem Verband bei.
Aktuell hat die MPA sieben Mitglieder, namentlich Walt Disney Motion Pictures Group, Netflix, Paramount Pictures, Amazon MGM Studios, Sony Pictures Entertainment, Universal Studios und Warner Bros. Entertainment.
Altersempfehlungen Die Bewertungen (Ratings) informieren minderjährige Zuschauer und ihre Erziehungsberechtigten über die Eignung von Filmen für bestimmte Altersgruppen. Die Bewertung beurteilt einen Film hingegen, anders als vor 1968 der Hays Code, nicht als gut oder schlecht beziehungsweise moralisch oder unmoralisch., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 6 Bei der Vergabe der Altersempfehlungen handelt es sich nicht um eine staatliche Maßnahme, sondern um eine freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie, ähnlich der deutschen FSK. Anders als diese sind die Empfehlungen der MPA jedoch nicht rechtsverbindlich; eine den §§ 11 und 12 des deutschen Jugendschutzgesetzes vergleichbare gesetzliche Regelung besteht nicht. Dennoch haben sich alle großen und auch die meisten anderen Filmstudios dazu verpflichtet, ihre Filme vor der Veröffentlichung der MPA zur Bewertung vorzulegen. Der Verband der US-amerikanischen Kino-Betreiber hat sich zur Durchsetzung der Altersempfehlungen durch Ausweiskontrollen beim Einlass von Minderjährigen verpflichtet. www.filmratings.com (englisch, abgerufen am 6. Januar 2013) Auch viele Händler und Filmverleihe beachten die Bewertungen der MPA.
Bewertungsverfahren Um zu gewährleisten, dass die Bewertung unabhängig von den Interessen der Filmproduzenten erfolgt, wird sie nicht von der MPA selbst vorgenommen, sondern von einer Tochterorganisation namens Classification and Rating Administration (CARA), die sich durch Entgelte finanziert, die für die Bewertung der Filme erhoben werden., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 11 Dennoch tragen die Bewertungen stets das Logo der MPA. Die CARA bewertet nicht nur Filme der sechs Mitgliedsunternehmen der MPA, sondern alle bei ihr eingereichten Filme, also auch die ausländischen. www.filmratings.com (englisch, abgerufen am 6. Januar 2013) Da die Einstufung eines Films nötig ist, damit dieser von der Mehrheit der amerikanischen Kinos gezeigt wird, reichen die meisten Filmstudios ihre Produktionen zur Bewertung ein.
Das Bewertungsverfahren beginnt mit dem Urteil eines Gremiums (Board), bestehend aus acht bis dreizehn Eltern. Diese Bewerter („Rater“) sind bei der CARA vollzeitbeschäftigt, dürfen zuvor nicht in der Filmindustrie gearbeitet haben und müssen mindestens ein Kind im Alter zwischen fünf und siebzehn Jahren haben., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 11 Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Bewertung der Mehrheitsmeinung durchschnittlicher amerikanischer Eltern entspricht., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 6 Bewertungskriterien für die Altersempfehlung sind die im Film vorkommende Ausdrucksweise, Sexualität, Gewalt, Drogenkonsum sowie weitere Faktoren, die nach Ansicht der Bewerter für durchschnittliche Eltern wichtig sind., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 7
Das Bewertungsverfahren beginnt damit, dass sich jedes Mitglied des Boards den zu bewertenden Film alleine ansieht und auf einem Formular notiert, welche Bewertung nach seiner Meinung aus welchen Gründen angemessen ist. Anschließend wird gemeinsam diskutiert und schlussendlich, sofern keine Einigkeit besteht, über die Altersempfehlung abgestimmt., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 12 Ist das einreichende Filmstudio mit der Bewertung des Films nicht einverstanden, so kann es sich an ein Berufungsgremium (Appeals Board) wenden, welches die Bewertung überprüft. Dieses besteht nicht mehr aus Eltern, sondern aus Vertretern verschiedener Bereiche der Filmindustrie, darf die Bewertung allerdings nur abändern, sofern sie offensichtlich unsachlich ist. Von den jährlich etwa 900 durch die CARA vorgenommenen Filmbewertungen werden daher nur etwa zehn angefochten und davon wird nur in ca. drei Fällen die Bewertung geändert., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 14 Häufiger kommt es hingegen vor, dass Filmstudios einige beanstandete Szenen aus einem Film herausschneiden und ihn dann erneut zur Bewertung einreichen., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 12 Teilweise fragen Filmproduzenten auch bereits während der Produktion bei Mitgliedern des Bewertungskomitees an, ob eine bestimmte Szene noch für ein bestimmtes Rating geeignet sei., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 12
Bewertungskategorien
G (General Audiences – All Ages Admitted):
Ein mit G bewerteter Film enthält keinerlei für Kinder ungeeignete Inhalte, ist also für Personen jeglichen Alters geeignet. Einzelne unhöfliche Ausdrücke dürfen nur vorkommen, sofern sie Teil der auch gegenüber Kindern verwendeten Alltagssprache sind, und Gewalt darf nur in minimalem Umfang dargestellt werden. Schwere Schimpfwörter, Nacktheit, sexuelle Aktivitäten und Drogenkonsum dürfen in keiner Weise vorkommen., The Classification and Rating Administration (CARA), Broschüre, 2010, 22 Seiten, englisch (abgerufen am 6. Januar 2013 auf www.filmratings.com, PDF, 22,6 MB), S. 7 ff Inhaltlich entspricht diese Bewertung dem deutschen „Freigegeben ohne Altersbeschränkung“.
PG (Parental Guidance Suggested – Some Material May Not Be Suitable For Children):
Diese Einstufung empfiehlt eine vorherige Begutachtung oder die Begleitung durch einen Elternteil bzw. einen Erwachsenen. Sie besagt, dass einige Inhalte für jüngere Kinder ungeeignet sein könnten, beispielsweise Schimpfwörter oder Andeutungen von Gewalt und Nacktheit. Sex oder Drogenkonsum dürfen jedoch nicht vorkommen. Die Bewertung mit PG ist nur eine Verhaltensempfehlung an die Eltern, sie bedeutet nicht, dass Kinder durch Kinobetreiber nicht zur Vorstellung zugelassen werden.
PG-13 (Parents Strongly Cautioned – Some Material May Be Inappropriate For Children Under 13):
Diese Einstufung ist eine deutliche Verschärfung der PG-Freigabe. Sie beinhaltet eine Warnung an die Eltern, genau zu prüfen, ob sie einem Kind unter 13 Jahren das Ansehen des Films erlauben, da einige Inhalte nach Ansicht der Bewerter für Kinder unterhalb dieses Alters ungeeignet sind. Alleine aufgrund seines Themas kann ein Film keine schärfere Bewertung als PG-13 erhalten, daher kann ein solcher Film Gewalt, Nacktheit, Sex, Vulgärsprache und Drogenkonsum enthalten. Die Abgrenzung zu den beiden noch schärferen Bewertungskategorien wird lediglich danach vorgenommen, in welcher Form und Intensität diese Inhalte dargestellt werden. Ein Film wird in der Regel mindestens mit PG-13 bewertet, sofern Drogenkonsum, ein schweres Schimpfwort oder Sex vorkommen. Auch diese Bewertung stellt jedoch, ebenso wie PG, lediglich eine Verhaltensempfehlung an die Sorgeberechtigten dar, keine Verpflichtung der Kinobetreiber, Kinder unterhalb eines Alters von 13 Jahren abzuweisen. Einige Kinobetreiber tun dies allerdings dennoch.
R (Restricted – Children Under 17 Require Accompanying Parent or Adult Guardian):