mini|Blick auf Blaubeuren und das Blautal vom Rusenschloss mini|hochkant|Der Steinbruch bei Gerhausen ist ein Info-Punkt des Geoparks Schwäbische Alb Blaubeuren ist eine Stadt im Alb-Donau-Kreis im Osten von Baden-Württemberg.
Geographie Geographische Lage Die Kernstadt Blaubeuren liegt am Fuße der Schwäbischen Alb, 16 Kilometer westlich von Ulm. Die bei der Gebietsreform 1975 eingemeindeten heutigen Ortsteile Seißen mit Wennenden und der Steigziegelhütte sowie Sonderbuch, Asch und die Hessenhöfe befinden sich nördlich auf der Hochebene der Schwäbischen Alb, die Dörfer Beiningen, Erstetten und Pappelau südlich auf dem Hochsträß. Gerhausen sowie der Hauptort Blaubeuren liegen im Blautal. Der im Aachtal gelegene Stadtteil Weiler ist, wie auch Gerhausen, weitgehend mit dem Hauptort Blaubeuren zusammengewachsen.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an den Ortsteil Suppingen der Stadt Laichingen und an Berghülen, im Osten an Blaustein, im Süden an Ulm und Erbach und im Westen an die Stadt Schelklingen und die Gemeinde Heroldstatt.
Stadtgliederung Die Stadt Blaubeuren besteht aus den Ortsteilen Gerhausen, Asch, Beiningen, Pappelau, Erstetten, Seißen, Sonderbuch und Weiler mit der Kernstadt Blaubeuren und 18 weiteren Dörfern, Weilern, Höfen und (Einzel-)Häusern, darunter Altental, Sotzenhausen und Wennenden.
Schutzgebiete
In Blaubeuren liegen die Naturschutzgebiete Rabensteig und Untere Hellebarten. Im Nordosten hat die Stadt zudem Anteil am Naturschutzgebiet Kleines Lautertal. Die Flächen um den Rabensteig sind auch als Bannwald ausgewiesen, das Kleine Lautertal als Schonwald. Einige Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Blaubeuren ausgewiesen. Die Stadt hat überdies Anteile an den FFH-Gebieten Tiefental und Schmiechtal und Blau und Kleine Lauter sowie am Vogelschutzgebiet Täler der Mittleren Flächenalb.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte Im Blau- und Aachtal in der Nachbarschaft von Blaubeuren befinden sich mehrere Höhlen mit bedeutenden archäologischen Fundstellen eiszeitlicher Jäger und Sammler (Jungpaläolithikum). Genannt seien die Brillenhöhle, der Hohle Fels (bei Schelklingen) und das Geißenklösterle. Funde und Grabungsergebnisse werden heute im Urgeschichtlichen Museum präsentiert.
Mittelalter Bereits in alemannischer Siedlungszeit (6./7. Jahrhundert) bestand eine Siedlung Beuren an der Blau, am Rucken wurden Grabstätten aus dieser Zeit gefunden. Hier bestand auch schon früh eine Johannes dem Täufer geweihte Kapelle. Die Keimzelle der heutigen Stadt ist jedoch das um 1085 von den Grafen von Tübingen am Blautopf gegründete Benediktinerkloster Blaubeuren, das von Mönchen aus dem Kloster Hirsau bezogen wurde. Das Kloster förderte den Zuzug von Handwerkern und Dienstleuten und besaß das Marktrecht, so dass sich um das Kloster rasch eine weltliche Gemeinde entwickelte, die bei ihrer ersten Erwähnung in zwei am 24. Dezember 1267 ausgestellten Urkunden bereits als befestigte Stadt im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen erscheint.
1282 wurde die Stadt durch die Heirat einer Tochter (Agnes) des Grafen Rudolf I. der Scheerer von Tübingen-Herrenberg mit Graf Ulrich II. von Helfenstein an die Grafen von Helfenstein vererbt. Dessen Sohn Ulrich III. verkaufte die Stadt am 28. August 1303 an die Herzöge von Österreich, erhielt sie jedoch umgehend als Erblehen zurück. Die Ortsherrschaft blieb bei den Grafen von Helfenstein, bis diese sie (nach mehreren Verpfändungen ab 1384) im Jahr 1447 an die Grafen von Württemberg verkauften.
Württembergische Zeit mini|Blaubeuren um 1900 Bereits im 14. Jahrhundert ist eine Stadtschule nachgewiesen, 1418 wurde das Marktrecht durch König Sigismund erweitert und danach ein Rathaus (Kaufhaus) am Markt errichtet, um 1425 wurde das Spital gegründet. In württembergischer Zeit nach 1447 wurde die Stadt zum Sitz des Amts Blaubeuren und erhielt damit eine wichtige Verwaltungsfunktion für die umliegenden Orte. Württemberg reformierte auch die städtische Verwaltung, so dass neben dem Bürgermeister in der Mitte des 15. Jahrhunderts auch erstmals ein mit Bürgern besetzter Rat erscheint.
Die Reformation wurde 1534/35 ohne große Schwierigkeiten durchgeführt. Infolgedessen wurde das Kloster aufgehoben und in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, die im seit 1817 bestehenden evangelischen Seminar, einem altsprachlichen Gymnasium, fortbesteht. Die geistlichen Pfründeinkünfte fielen an den württembergischen Herzog, das Spital wurde 1537 der Stadt übertragen. Um 1540 erlangte die Stadt das Monopol zum Eisen- und Salzhandel, 1608 wurde das Marktrecht um zwei weitere Märkte erweitert.
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges beanspruchte die in Innsbruck regierende Erzherzogin Claudia von Österreich-Tirol Kloster, Stadt und Amt Blaubeuren. Kaiser Ferdinand III, räumte ihr diese Besitzungen 1637 ein. Das Kloster wurde der katholischen Kirche zurückerstattet und erneut von Mönchen bewohnt. Nach 1635 war der Ort Schauplatz von Kampfhandlungen und wurde teilweise verwüstet. Nach 1637 versuchte die österreichische Herrschaft, gegen den Willen der Bevölkerung, den katholischen Glauben zu restituieren. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde Blaubeuren an das Herzogtum Württemberg zurückgegeben. mini|links|150px|Blaubeuren im Königreich Württemberg, 1853
Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches (1806) war Blaubeuren Grenzstadt des Herzogtums und gleichzeitig Amtsstadt (später Oberamt). Das Oberamt Blaubeuren (vergleichbar einem Landkreis) existierte während der Zeit des Königreichs und Volksstaates Württemberg weiter bis 1934 und wurde dann unter der Bezeichnung Kreis Blaubeuren fortgeführt. 1938 wurde dieser im Zuge einer Verwaltungsreform in der NS-Zeit aufgelöst; seine Gemeinden wurden größtenteils wie Blaubeuren selbst dem Landkreis Ulm zugeschlagen.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs Blaubeuren nicht über die mittelalterliche Stadtmauer hinaus. Das änderte sich erst 1830, als diese im Zuge der Industrialisierung teilweise abgetragen wurde. Im Zentrum standen dabei die Ausbeutung der Kalkvorkommen im Blautal und die damit verbundene Ansiedlung der Zementindustrie Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu einer weiteren Ausdehnung der Stadt, diesmal nach Süden, kam es nach 1868, als mit der Eröffnung des Bahnhofs Blaubeuren an der Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen angeschlossen wurde. 1934 wurde der Nachbarort Gerhausen eingemeindet.
Zementfabrik mini|Ehemalige Zementfabrik der Familie Spohn Unter Führung der 1875 von Julius Spohn gegründeten „Cementfabrik Blaubeuren Gebrüder Spohn“ schlossen sich 1903 die süddeutschen Zementfabriken zu einem Kartell zusammen. Im folgenden Jahr erfolgte die Umwandlung des Blaubeurer Zementwerks in eine Aktiengesellschaft, der Portland-Zement Blaubeuren Gebrüder Spohn AG. Diese wurde 1938 mehrheitlich von der Portland-Zementwerke Heidelberg AG (der späteren HeidelbergCement AG, jetzt Heidelberg Materials AG) übernommen. Die vollständige Integration in den Heidelberger Zementkonzern erfolgte 1966. Mit dem ersatzlosen Abbruch des unrentabel gewordenen Zementwerks 1998/1999 durch die HeidelbergCement AG endete die Geschichte Blaubeurens als bedeutender Standort der europäischen Zementindustrie.
Nachkriegszeit 1945 geriet Blaubeuren als Teil des Landkreises Ulm in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Blaubeuren zum Alb-Donau-Kreis kam.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1974 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Asch und Sonderbuch sowie am 1. Januar 1975 die Gemeinden Beiningen, Pappelau, Seißen und Weiler eingemeindet.
Politik Gemeinderat In Blaubeuren wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Blaubeuren hat nach der letzten Wahl 24 Mitglieder (verändert). Die Kommunalwahl am 9. Mai 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Bei der Unechten Teilortswahl ist die Gemeinde in sieben Wahlbezirke unterteilt, die nach der baden-württembergischen Gemeindeordnung als Wohnbezirke bezeichnet werden, wobei zum Teil mehrere Ortsteile zu einem Wohnbezirk zusammengefasst sind. Zudem sind sechs Ortschaften (Asch, Beiningen, Pappelau, Seißen, Sonderbuch und Weiler) im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Die Ortschaftsräte der Ortschaften Pappelau und Seißen werden entsprechend dem System der Unechten Teilortswahl gewählt und die beiden Ortschaften sind dafür ebenfalls in Wohnbezirke unterteilt.Hauptsatzung der Stadt Blaubeuren vom 16. September 1974, zuletzt geändert am 5. Oktober 2004 abgerufen am 1. Juni 2009.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014FWFreie Wähler35,89 34,8 9 39,5 10CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands27,77 21,2 5 25,1 6SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands17,64 20,8 5 19,5 5GRÜNEBündnis 90/Die Grünen17,34 23,2 6 15,9 4FDPFreie Demokratische Partei1,600000 gesamt 100 24 100,0 25 100,0 25 Wahlbeteiligung 60,5 % 57,3 % 50,5 %
Bürgermeister Bürgermeister und Stadtschultheißen seit 1819: 1819–1825: Johann Friedrich 1825–1837: Johann Georg Krauss 1837–1865: Wilhelm Lederer 1865–1874: Friedrich Auch 1874–1882: Eduard Sapper 1882: Franz Sontheimer 1883–1897: Gottlieb Keller 1898–1909: Wilhelm Schäfer 1909–1933: Gotthilf Dorn 1933–23.04.1945: Christian Schmidbleicher 23.04.1945–16.05.1945: unbekannt 16.05.1945–16.06.1945: Hermann Klumpp 17.06.1945–25.07.1945: Johannes Mann 26.07.1945–08.08.1945: Friedrich Werner 08.08.1945–10.08.1945: Hans Bohnacker 10.08.1945–24.10.1945: Gustav Sigloch 24.10.1945–05.11.1945: Johannes Mann 06.11.1945–27.05.1946: David Mann 27.05.1946–10.07.1947: Erich Robert Gustav Nuthmann 10.07.1947–20.01.1948: Wilhelm Walter 20.01.1948–05.06.1948: Otto Löffler 06.06.1948–30.09.1954: Christian Schmidbleicher 1954–1959: Karl Gonser 1959–1960: Hermann Väth 1959–1978: Karl Zepf 1978–2002: Georg Hiller 2002– 30.06.2026: Jörg Seibold ab 01.07.2026: Robin Menholz
Wappen und Flagge Die Blaubeurer Stadtfarben sind Blau-Gelb.
Städtepartnerschaften und Patenschaft Partnerstadt ist seit 1990 Tharandt in Sachsen. Eine weitere Partnerschaft besteht noch mit dem Distrikt Brecknockshire in Powys/Wales (Großbritannien) sowie eine Patenschaft mit den Gemeinden Kryštofovo Údolí (Christophsgrund) und Novina (Neuland) in Tschechien.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Die Unternehmensgruppe Merckle (Pharmaindustrie), hervorgegangen aus der chemisch-pharmazeutischen Fabrik L. Merckle u. Co. GmbHMarkenzeichen der Heilmittelindustrie. Marken-Arzneimittel. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XXXVIII. hat ihren Hauptsitz in Blaubeuren. Ebenfalls in Blaubeuren befindet sich die Firmenzentrale von Centrotherm.
Verkehr mini|Bahnhof Blaubeuren (2019)
Öffentlicher Nahverkehr Der Bahnhof Blaubeuren liegt an der Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen und ist Regionalexpress-Halt. Im Stunden-Takt verbindet dieser beide Städte an der Donau. Zweistündlich wird über Donaueschingen Neustadt (Schwarzwald) erreicht. Zusätzlich verdichten Züge der Regionalbahn-Linie Ehingen (Donau) – Ulm – Memmingen den Fahrplan. Neben dem Bahnhof Blaubeuren befindet sich im Stadtteil Gerhausen ein Haltepunkt. Blaubeuren gehört dem Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (DING) an.
Fernverkehr und Ferienstraßen