Wolfschlugen (schwäbisch Wolfschluaga ['wolfʃluɐ̃gɐ̃]Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Kreises Esslingen. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B, 98. Band. S. 115) ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen auf der Filderebene in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Wolfschlugen liegt auf der zum oberen Neckar hin südöstlich abfallenden Filderebene in einer Höhe von bis etwa . Es entwässert größtenteils über die zwei Oberläufe des Föllbachs zum nahen Neckarzufluss Aich. Das Dorf liegt in Luftlinie etwa 5 km nordwestlich der Stadt Nürtingen und etwa 10 km südsüdwestlich der Kreisstadt Esslingen am Neckar.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören außer dem Dorf Wolfschlugen keine weiteren Orte. Im Gemeindegebiet liegt die abgegangene Ortschaft Walthausen. Der Flurname Opfenweil(er) deutet auf eine ebenfalls abgegangene Ortschaft hin, diese ist jedoch nicht belegt.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Neuhausen auf den Fildern im Norden, Unterensingen im Osten, Nürtingen im Südosten, Aichtal im Südwesten und Filderstadt im Westen (alle Landkreis Esslingen).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Wolfschlugen. Statistisches Landesamt.

Geschichte mini|Wolfschlugen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|Wolfschlugen im Frühjahr mini|Wolfschlugen im Winter mini|Rathaus mini|Evangelische Kirche mini|Inschrift Rathaus Wolfschlugen

Altertum Zeugnis für eine Besiedlung der Gegend durch die Römer liefern die Überreste eines römischen Gutshofs im Wald zwischen Wolfschlugen und Unterensingen.

Mittelalter Im Hochmittelalter lag das Gebiet im Herzogtum Schwaben. Wolfschlugen wurde erstmals 1318 urkundlich erwähnt. 1380 erteilte Graf Eberhard II. von Württemberg der Gemeinde das Dorfrecht. Dadurch entwickelte sich aus der Ansiedlung ein richtiger Ort. Im Spätmittelalter gehörte Wolfschlugen zum württembergischen Amt Grötzingen.

Frühe Neuzeit 1525 wurden drei Männer aus Wolfschlugen verhaftet, die sich am Bauernkrieg beteiligt hatten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wohnten rund 400 Menschen im Dorf, darunter etwa 100 Kinder im Schulalter. 1603 wurde die evangelische Kirche völlig umgebaut und erhielt damit die noch heute erhaltene Form. Zwischen 1608 und 1609 erfolgte der Bau des Rathauses durch die Baumeister Michel Knell und Jerg Mercklin. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte das Dorf wie ganz Württemberg insbesondere nach der Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen stark zu leiden. Die Einwohnerzahl ging deutlich zurück und erreichte erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder den Vorkriegsstand. 1776 wurde das erste Schulhaus am Ort errichtet.

Wolfschlugen im 19. Jahrhundert Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg blieb Wolfschlugen dem Oberamt Nürtingen zugeordnet, zu dessen Amt es bereits seit Jahrhunderten gehörte. Von 1812 bis 1848 wirkte der bis heute unvergessen gebliebene Pfarrer Gustav Feuerlein am Ort.

1862 war die Gründung des Gesangvereins "SV Concordia 1862 Wolfschlugen e. V.", 1866 die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Im Jahr 1899 kam die erste Telegraphenstation an den Ort.

Wolfschlugen im 20. Jahrhundert 1928 erfolgte die Gründung des Musikvereins Wolfschlugen. Epochale technische Neuerungen gab es 1906 mit der ersten Telefonverbindung des Ortes und 1914 mit der elektrischen Beleuchtung der Gemeinde.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte die Gemeinde 1938 zum Landkreis Nürtingen. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1970 feierte man die Einweihung des gemeindeeigenen Sportplatzes und der Turn- und Festhalle.

Durch die Auflösung des Landkreises Nürtingen im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg ging Wolfschlugen 1973 zum Landkreis Esslingen über.

1993 fand die Einweihung der neuen Sporthalle statt.

Religionen Seit der Reformation ist Wolfschlugen evangelisch geprägt. Die evangelische Kirchengemeinde Wolfschlugen hat ca. 2980 Gemeindeglieder., auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de

Erst der Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg führte wieder zu einer nennenswerten Zahl römisch-katholischer Gläubiger. Die katholische Kirchengemeinde Wolfschlugen/Hardt ist eine Teilgemeinde der Kirchengemeinde St. Johannes in Nürtingen und gehört zur Seelsorgeeinheit 11 im Dekanat Esslingen-Nürtingen.

Es gibt in Wolfschlugen drei Kirchen darunter:

Evangelische Kirche (Kirchstraße), erbaut 1468 Katholische Kirche (Nürtinger Straße), erbaut 1982 Neuapostolische Kirche (Riedstraße), erbaut 1962

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze). + Stichtag Einwohner 3. Dezember 1834 ¹ 1206 1. Dezember 1871 ¹ 1281 1. Dezember 1900 ¹ 1407 17. Mai 1939 ¹ 1762 13. September 1950 ¹ 2239 6. Juni 1961 ¹ 2689 27. Mai 1970 ¹ 3547 25. Mai 1987 ¹ 5212 31. Dezember 1991 5462 31. Dezember 1995 5710 31. Dezember 2000 6082 31. Dezember 2005 6264 31. Dezember 2010 6309 31. Dezember 2015 6340 31. Dezember 2020 6362

Sport Sportverein: Der 1903 gegründete TSV Wolfschlugen ist ein Mehrspartensportverein bestehend aus den Abteilungen Badminton, Fußball, Handball, Selbstverteidigung, Ski & Rad, Tanzen Tischtennis, Turnen, Volkswandern und Volleyball.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat in Wolfschlugen besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:09.06.2024 Gemeinde Wolfschlugen, Wahlinformationen auf komm.one Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 UW Unabhängige Wählervereinigung 30,07 4 37,83 5 OGL Offene Grüne Liste 15,87 2 25,11 4 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,48 4 21,75 3 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 14,36 2 15,32 2 AW Agenda Wolfschlugen 15,22 2 – – gesamt 100,0 14 100,0 14 Wahlbeteiligung 68,48 % 65,66 %

Bürgermeister Seit 2010 ist Matthias Ruckh Bürgermeister von Wolfschlugen. Zuvor amtierte von 1978 bis 2010 Ottmar Emhardt.Harald Flößer: , esslinger-zeitung.de

Wappen und Flagge mini|Flagge der Gemeinde Wolfschlugen

Die Flagge der Gemeinde zeigt das Wappen auf einem in schwarz und gold zweigeteilten Flaggentuch.

Gemeindepartnerschaften Espenhain im Landkreis Leipzig in Sachsen

Die Evangelische Kirchengemeinde unterhält seit 2008 eine Gemeindepartnerschaft mit der Evangelischen Kirchengemeinde Ljubljana in Slowenien.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftsgeschichte Die Landwirtschaft war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Haupterwerbsquelle. Nach und nach hielten auch andere Berufe in der Gemeinde ihren Einzug wie beispielsweise Maurer, Steinhauer, Zimmermänner, Gipser, Ziegler und Plattenleger. Dies wird von vielen alten Schriften belegt.

Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg machte sich Wolfschlugen überregional einen Namen mit den hier gefertigten Stickereien. Hierfür wurde eigens eine Stickereischule eröffnet. Eine Stickereiausstellung im Rathaus informiert über diese Zeit.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe. Heute finden sich in Wolfschlugen mittelständische Unternehmen und zahlreiche Handwerksbetriebe, viele davon sind im Industriegebiet in Richtung Nürtingen angesiedelt. Das Industriegebiet wurde in den letzten Jahren erheblich erweitert.

Bildungseinrichtungen In Wolfschlugen gibt es einen kirchlichen und drei nicht konfessionelle Kindergärten mit insgesamt zehn Gruppen. Eine Grundschule besteht am Ort, seit Juli 2010 wurde die Hauptschule aufgegeben und zusammen mit dem Nachbarort Neuhausen ein Schulverband gegründet, der in Neuhausen eine Hauptschule mit Werkrealschule betreibt.

Die Ortsbücherei Wolfschlugen (Rathausstraße 1) ist für jedermann zugänglich.

Ver- und Entsorgung Das Stromnetz in der Gemeinde wird seit 1. Januar 2016 von der FairNetz GmbH Reutlingen betrieben.BDEW (Hrsg.): Karte der Stromnetzbetreiber 2012. Frankfurt 2012. Eine Erdgasversorgung wird seit 1. Januar 2016 durch die FairNetz GmbH, Reutlingen aufgebaut. Wolfschlugen ist Mitglied im Zweckverband Filderwasserversorgung, von dessen Pumpwerk in Neckartailfingen die Gemeinde ihr Trinkwasser bezieht. Zur Reinigung des Abwassers betreibt die Gemeinde eine Kläranlage in den Winkelwiesen. Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Biomüll, Hausmüll und Papier werden separat gesammelt. Sperrmüll wird gegen Abgabe eines von zwei Gutscheinen jährlich kostenlos abgeholt oder kann zu einer Entsorgungsstation gebracht werden. Bei den Entsorgungsstationen können auch Elektro- und Metallschrott sowie andere wiederverwertbare Stoffe abgegeben werden.

Verkehr Die Gemeinde Wolfschlugen liegt an den Landesstraßen 1205 (Filderstadt–Nürtingen) und 1202 (nach Neuhausen). Außerdem gibt es noch eine Verbindung über die Kreisstraße 1222 ins Aichtal nach Grötzingen. Die Bundesautobahn 8 Stuttgart–München verläuft rund fünf Kilometer nördlich der Gemeinde. Wolfschlugen ist über die Ausfahrt Nummer 54 Esslingen zu erreichen. Etwa acht Kilometer nordwestlich der Gemeinde befindet sich der Flughafen Stuttgart. Er ist der größte und wichtigste Flughafen des Landes Baden-Württemberg.

Vom öffentlichen Nahverkehr wird Wolfschlugen durch drei Buslinien erschlossen: Die Buslinie 74 der SSB verkehrt tagsüber viertelstündlich und führt von Nürtingen nach Stuttgart-Degerloch. Die Buslinie X4 teilt sich mittlerweile die gleiche Strecke bis Bernhausen, wie die Linie 74, welche vorher einen großen Teil des Verkehrs nach Nürtingen und Filderstadt abdeckte. Durch diese neue Linie teilen sich 74 und X4 nun halb zu halb die frühere (noch bestehende) Linie 74. In Nürtingen stellt sie dabei eine Verbindung mit der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen her, in Stuttgart-Degerloch besteht ein direkter Übergang zur Stadtbahn Stuttgart, davor schon am Bahnhof Filderstadt in Bernhausen ein direkter Übergang zur S-Bahn-Linie 2 nach Schorndorf. Die Buslinie 120 des FilderexpressLiniennetz des Filderexpress, auf filder.express verkehrt tagsüber etwa stündlich und verbindet Wolfschlugen mit Esslingen.

Dicht an Wolfschlugen vorbei verläuft der Hohenzollern-Radweg, der vom Bodensee über die hohenzollerischen Städte Sigmaringen und Hechingen und über Rottenburg am Neckar und Esslingen nach Weinstadt im Rems-Murr-Kreis führt.

In Wolfschlugen geboren Otto Leuze (1881–1931), Bibliothekar Gottlob Wilhelm Speidel (1893–1942), Lehrer und LyrikerSpeidel, Gottlob Wilhelm. Deutsche Nationalbibliothek (DNB)

Literatur Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 1268–1286. Klaus E. Bleich u. a.: Wolfschlugen. Die Gemeinde und ihre Geschichte. Wegrahistorik-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-929315-02-5. Martin Luik, Dieter Müller Theiss: Römerzeitliche Geländedenkmäler. Heft 2: Die römischen Gutshöfe von Esslingen-Berkheim und Wolfschlugen (Landkreis Esslingen). Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1474-3. Jörg Biel: Der römische Gutshof „Waldhauser Schloß“ bei Wolfschlugen, Kreis Esslingen. Landesdenkmalamt, Stuttgart 1974, 4 S.: Ill. Kulturdenkmale in Baden-Württemberg; 7. Der Landkreis Esslingen. Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 493 Franz Hanisch: Wolfschlugen – Wissenswertes über einen Ort. Hrsg. Genossenschaftsbank Wolfschlugen, 1975

Weblinks