Montgomery ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Alabama und mit 200.603 Einwohnern (Stand: Volkszählung April 2020) nach Huntsville und Birmingham die drittgrößte Stadt Alabamas. Sie liegt im Montgomery County.
Die Stadt liegt im sogenannten Black Belt und war in den 1950er Jahren ein Zentrum der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten.
Geschichte Stadtgründung und Antebellum Vor der europäischen Kolonisierung war das Gebiet westlich des Alabama River vom Volk der Alabama besiedelt. Östlich des Flusses siedelten die gleichfalls zu den Creek zählenden Coushatta.Thomas McAdory Owen, Marie Bankhead Owen: History of Alabama and Dictionary of Alabama Biography. Band 2. De Luxe Supplement Edition. S. J. Clarke, Chicago 1921, S. 1037. Bereits zu dieser Zeit hatte der Ort wegen seiner Lage an der Kreuzung mehrerer Handelswege der Indianer Nordamerikas eine große Bedeutung. Nach der Niederlage im Creek-Krieg von 1813/1814 traten die Indianer die heutige Stadtregion im Vertrag von Fort Jackson an die Vereinigten Staaten ab, womit die Bahn für die Kolonisierung durch Weiße frei wurde. In der Gegend entstanden viele, auf Sklaverei beruhende Baumwollplantagen. Von 1817 bis 1818 bildeten sich am Alabama River drei kleinere Siedlungen, von denen zwei im Jahr 1819 zur Ortschaft Montgomery verschmolzen, die nach dem General Richard Montgomery benannt wurde. Dieser hatte im Unabhängigkeitskrieg in der Kontinentalarmee gedient und war 1775 in der Schlacht von Québec gefallen. Im Jahr 1822 wurde Montgomery zum Verwaltungssitz (County Seat) des gleichnamigen Countys benannt. Dieses war jedoch nicht nach General Montgomery benannt, sondern nach Major Lemuel P. Montgomery, der 1814 in der Schlacht am Horseshoe Bend gefallen war.Mary Ann Oglesby Neeley: Montgomery. In: encyclopediaofalabama.org, 7. November 2008, Stand 16. April 2021, abgerufen am 17. Juni 2021.
mini|Das Anwesen Edgewood ist das älteste erhaltene in Montgomery. Es wurde 1821 im Federal Style errichtet und steht seit April 1973 im NRHP.Edgewood im National Register Information System. National Park Service, abgerufen am 21. Juni 2021. Mit dem Wachstum Alabamas, das seit Dezember 1819 als Bundesstaat den Vereinigten Staaten angehörte, wurde in der State Legislature die Forderung laut, die Hauptstadt von Tuscaloosa an einen anderen Ort zu verlegen. Der Unternehmer Andrew Dexter setzte sich in dieser Sache an vorderster Stelle für Montgomery ein. Dazu ließ er sogar einen Teil seines Grundbesitzes in der Stadt unbebaut, damit dort das State Capitol errichtet werden konnte. Im Jahr 1846 bestimmte der Kongress von Alabama Montgomery schließlich zur neuen Hauptstadt. Ein entscheidender Faktor für dieses Votum war die Nähe von Montgomery zum geographischen Mittelpunkt des Bundesstaates gewesen. Außerdem stand eine Anbindung von Montgomery an das Eisenbahnnetz bevor und es stand mit der Parzelle von Dexter städtisches Bauland für Kongressgebäude zur Verfügung. Dort wurde 1847 das State Capitol fertiggestellt, das jedoch nur zwei Jahre später einem Brand zum Opfer fiel. Ein Nachfolgebau wurde 1851 abgeschlossen, das bis heute stehende Alabama State Capitol. Im selben Jahr wurde die Stadt an das Streckennetz der Montgomery & West Point Railroad angeschlossen, die die Stadt mit Georgia verband.
Sezession und Amerikanischer Bürgerkrieg mini|Blick auf das Kapitol (1857) Bis 1850 war die Einwohnerzahl von Montgomery rasant auf über 12.000 gewachsen. Neben mehreren Hotels und Tavernen standen in der Stadt vor allem Lagerhäuser für den Baumwollhandel entlang des Alabama Rivers. In diesem Zusammenhang entstanden Maklerfirmen, darunter im Jahr 1850 Lehman Brothers.Herbert J. „Jim“ Lewis: Lehman Brothers. In: encyclopediaofalabama.org, 21. Mai 2009, Stand 30. August 2018, abgerufen am 28. Juni 2021. In den 1850er Jahren zeichnete sich Montgomery durch vermehrten Wohlstand und ein aufstrebendes Kulturleben aus. Im Hintergrund schaukelte sich der Konflikt zwischen Befürwortern der Sezession wie dem in Montgomery lebenden Politiker William Lowndes Yancey, Anhängern eines Verbleibs in der amerikanischen Union und moderaten Kräften immer weiter auf. Auf der Democratic National Convention von 1860, die den Kandidaten für die Präsidentschaftswahl nominieren sollte, führte Yancey die Delegierten aus den Südstaaten aus dem Saal, als der Parteitag nicht ihren antiabolitionistischen Vorschlägen folgte. Dies führte zur Spaltung der Demokraten bei den folgenden Wahlen, wovon der Republikaner Abraham Lincoln profitierte.Ralph Draughon: William Lowndes Yancey. In: encyclopediaofalabama.org, 26. März 2009, Stand 19. Oktober 2011, abgerufen am 22. Juni 2021.
Nach der Wahl Lincolns kam es zur Sezession der Südstaaten und Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika. In Montgomery tagte die verfassunggebende Versammlung und danach diente die Stadt bis zum 29. Mai 1861 als provisorische Hauptstadt der Konföderation. Auf den Stufen des Alabama State Capitol legte Jefferson Davis seinen Amtseid als Präsident der Konföderierten Staaten ab. Während des folgenden Sezessionskriegs blieb Montgomery für lange Zeit von Gefechtshandlungen verschont und diente als Nachschub- und Rekrutierungsbasis. Sechs Lazarette im Ort stellten die Versorgung der Verwundeten sicher. Nach der Schlacht um Selma eroberten Unionstruppen unter Führung von Generalmajor James H. Wilson am 12. April 1865 die Stadt. Vor dem Abzug der wenigen Streitkräfte der Confederate States Army beschlossen die militärische Führung sowie die Stadtoberen die Baumwolle aus den gut gefüllten Lagerhäuser abzubrennen. Während der zweitägigen Besatzung zerstörte das Unionsheer die feindlichen Waffendepots, den Bahnhof, Gießereien, Produktionsstätten für Sprengstoff und andere Industrieanlagen und Infrastruktur, die es für kriegswichtig erachtete. Insgesamt hielten sich die Zerstörungen aber in Grenzen. Die Flagge der Stadt erinnert bis heute an die Zeit als Mitglied der Konföderation, sie enthält die Farbe grau (für die Uniformen der Südstaaten-Armee) und einen Streifen, der an die Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika erinnert.
Reconstruction und Restauration der White Supremacy Nach dem Ende des Bürgerkriegs vollzog sich in Montgomery während der Reconstruction ein rapider sozialer, kultureller und politischer Wandel. Befreite Sklaven zogen in den Stadtrat ein, errichteten eigene Kirchen und Bildungs- und Sozialeinrichtungen, während republikanische Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkten. Mit Abschluss der Reconstruction in Alabama wendete sich ab 1874 das Blatt. Die Demokraten hatten nun wieder die politische Kontrolle über Bundesstaat sowie Stadt und machten ganz im Sinne der rassistischen White Supremacy viele der Fortschritte im Bereich der Bürgerrechte für Afroamerikaner rückgängig. Dennoch behielten die Schwarzen anfangs dieser Restaurations-Phase einen gewissen politischen Einfluss.
In den 1880er Jahren durchlief Montgomery eine Modernisierung und eignete sich die neuesten Technologien an. Im Jahr 1886 wurde die Stadt weltweit bekannt, als sie das erste Straßenbahnsystem der westlichen Hemisphäre einführte. Außerdem stellte Montgomery wegen der hier verlaufenden Eisenbahnstrecken und Flüsse den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt im zentralen Alabama dar, in dem der Großhandel im Wesentlichen abgewickelt wurde. Im Ort fanden sich große Handelsbanken, industrielle Metall- und Textilverarbeitung, Holzwirtschaft und Brauereien. In den 1880er Jahren überschritt die Einwohnerzahl 17.000.
Durch den Entscheid im Fall Plessy v. Ferguson bestätigte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Jahr 1896 den Grundsatz Separate but equal („getrennt aber gleich“) und somit die Rassentrennung im Personenbahnverkehr. Die hellhäutigen Führungseliten in Alabama und den Südstaaten insgesamt nutzten dieses Urteil, um die politische Teilhabe der Afroamerikaner aber auch von verarmten Weißen (White Trash) einzuschränken und die schon bestehenden Jim-Crow-Gesetze auszuweiten. Im Jahr 1901 beschloss der Kongress von Alabama eine Verfassungsänderung, der Schwarzen und vielen Weißen der unteren Einkommensschichten das Wahlrecht entzog. In Montgomery führte die Stadtverwaltung zu dieser Zeit die Rassentrennung in der Straßenbahn ein, was 1901 einen Boykott durch afroamerikanische Kunden und 1906 einen Streik der schwarzen Mitarbeiter auslöste. Als Kompromiss führte die Stadt nach Hautfarben getrennte Sitzbereiche in Straßenbahnwagen und später in Bussen ein.
Erster und Zweiter Weltkrieg mini|Flug der Brüder Wright über die Kohn-Plantage (1910) Im Jahr 1910 besuchten die Brüder Wright auf Einladung eines örtlichen Unternehmerverbandes eine kurz zuvor gegründete Flugschule auf der Kohn-Plantage nahe Montgomery. Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg diente das Flugfeld gemeinsam mit einem anderen östlich von Montgomery als Instandsetzungsbasis für militärisches Fluggerät. Es wurde als Maxwell Field (heute: Maxwell-Gunter Air Force Base) auch nach dem Krieg weiter von der United States Army genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier mehrere hundert Kampfpiloten ausgebildet. Im Jahr 1946 begann in diesem Stützpunkt die Air University ihren Lehrbetrieb.Jerome A. Ennels, Wesley Phillips Newton: Maxwell Air Force Base and Gunter Annex. In: encyclopediaofalabama.org, 5. September 2007, Stand 30. Juni 2020, abgerufen am 5. Juli 2021. Ein weiterer militärischer Standort im Ersten Weltkrieg war Camp Sheridan, wo Infanterieeinheiten der U.S. Army ausgebildet wurden. Während er hier im Sommer 1918 diente, lernte F. Scott Fitzgerald seine spätere Frau Zelda Fitzgerald kennen.
Der afroamerikanische Maler Bill Traylor, ein ehemaliger Sklave und Arbeiter in einer Schuhfabrik, fand auf den Straßen von Montgomery seine Motive, wo er seine Bilder wahrscheinlich ab 1939 verkaufte. Dort wurde er 1941 von einem Mitglied der Künstlergemeinde New South School and Gallery entdeckt.Garnetta Lovett: Bill Traylor. In: encyclopediaofalabama.org, 26. Mai 2009, Stand 14. Oktober 2020, abgerufen am 1. Juli 2021.Miriam Rogers Fowler: New South School and Gallery. In: encyclopediaofalabama.org, 2. Juli 2008, Stand 4. August 2020, abgerufen am 1. Juli 2021. In den 1940er Jahren stieg die Einwohnerzahl von 78.000 auf 106.000 erheblich an.
Bürgerrechtsbewegung mini|Der Bus, in dem Rosa Parks 1955 festgenommen wurde, im Henry Ford Museum in Detroit (2005)