Die ukrainischen Streitkräfte (offiziell als Streitkräfte der Ukraine benannt (/Sbrojni syly Ukrajiny oder Zbroini syly Ukrainy, Abkürzung: ЗСУ), daher offiziell oft ZSU oder anglisiert als AFU (Armed Forces of Ukraine) bekannt) bestehen aus den Teilstreitkräften: Landstreitkräfte/Heer (Сухопутні війська), Luftstreitkräfte (Повітряні сили), Seestreitkräfte/Marine (Військово-морські сили). den selbstständigen (strategischen) Gattungen der Spezialtruppen(-kräfte) Luftlande-/Luftsturm-Truppen (Десантно-штурмові війська), Sondereinsatzkräfte (Сили спеціальних операцій) Marineinfanterie (Морська піхота) Kräfte Unbemannter Systeme (Сили безпілотних систем) Sanitätskräfte (Медичні сили) Unterstützungskräfte (Сили підтримки) Logistikkräfte (Сили логістики) Fernmelde- und Cybersicherheitstruppen (Війська зв'язку та кібербезпеки) und der Territorialverteidigung der Ukraine (Сили територіальної оборони)

Oberster Befehlshaber (ukrainisch Верховний головнокомандувач) über die Streitkräfte der Ukraine ist laut der Verfassung der Ukraine (Artikel 106.17/19) der Präsident der Ukraine, der auch die Verhängung des Kriegsrechts sowie Ausrufung der Generalmobilmachung im Spannungs- oder Kriegsfall veranlassen kann.Verfassung der Ukraine; zuletzt abgerufen am 29. März 2014 (ukrainisch)

Auftrag und Funktion der Streitkräfte der Ukraine wurden in den staatlichen Dokumenten (‘Militärstrategie der Ukraine’) in den Jahren 2007, 2012, 2015 und 2020 festgelegt. Seit dem 24. Februar 2021 ist die „Strategie der militärischen Sicherheit der Ukraine“ („Militärstrategie“ 2021)Strategie der militärischen Sicherheit der Ukraine (2021), bestätigt durch Erlass №121/2021 des Präsidenten. Übersetzung aus dem Ukrainischen von Rainer Böhme. In: DGKSP-Diskussionspapiere, Dresden 2022, März, S. 22–49 (de), 93–117 (ukr). in Kraft. Unmittelbar davor war der Erlass №117/2021 zur „Strategie der Krim-Sewastopol-Wiedereingliederung“ durch den Präsidenten der Ukraine bestätigt worden.Strategie zur Beendigung des Besatzungsregimes und Wiedereingliederung der vorübergehend besetzten Territorien der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol (2021). Übersetzung aus dem Ukrainischen von Rainer Böhme. In: DGKSP-Diskussionspapiere, Dresden 2022, April, S. 49–72 (de), 103–126 (ukr).

Der Wehrdienst ist für Männer gesetzliche Pflicht, die mit dem 18. Lebensjahr einsetzt und insgesamt zwölf Monate dauert. Die Abschaffung der Wehrpflicht und der Übergang zu einer Berufsarmee sollte 2014 erfolgen. Auf Grund der müssen seit Januar 2020 Männer im Alter von 18 bis 27 Jahren wieder ihren Wehrdienst leisten.

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 sind die Streitkräfte mit der Zurückdrängung des Feindes hinter die ukrainisch-russische Grenze sowie der militärischen Rückeroberung der unter russische Kontrolle gefallenen Gebiete im Donbas und der Krim befasst. Trotz ihres Verteidigungsfalls verzichtete die Ukraine zunächst auf eine Generalmobilmachung und versuchte, wehrfähige Freiwillige heranzuziehen. Wehrfähige Männer durften nach Ausbruch des Krieges den Staat nicht mehr verlassen; 2024 wurden die bestehenden Regeln zur Erfassung der Wehrfähigen zwischen 18 und 60 Jahren noch einmal verschärft.

Im Februar 2022 gründete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als Teil der Territorialverteidigung die ukrainische Fremdenlegion, in der seit August 2022 etwa 1500 ausländische Freiwillige dienen. 2024 wurde die Truppenstärke der Ukraine auf ca. 900.000 Soldaten geschätzt.Staaten mit den größten militärischen Streitkräften nach Truppenstärke im Jahr 2024, zuletzt gesehen am 12. November 2024.

Geschichte Streitkräfte der Ukrainischen Volksrepublik Mit der Gründung der Ukrainischen Volksrepublik begann der Aufbau eigener Streitkräfte. Dazu gehörten unter anderem die Sitscher Schützen.

Herkunft der heutigen Streitkräfte der Ukraine – 1990/91 Am 16. Juli 1990 verabschiedete der Oberste Sowjet der Ukrainischen SSR die Erklärung über die staatliche Souveränität der Ukraine, die „die Vorherrschaft, Unabhängigkeit, Vollständigkeit und Unteilbarkeit der Macht der Republik auf ihrem Territorium“ und die Absicht verkündete, in Zukunft ein dauerhaft neutraler Staat zu werden, der nicht an Militärblöcken teilnehmen wird und sich verpflichtet, keine Atomwaffen einzusetzen, zu produzieren oder zu erwerben.

Am 24. August 1991, nachdem er die Unabhängigkeit der Ukraine proklamiert hatte, beschloss der Oberste Sowjet der Ukrainischen SSR, alle militärischen Formationen der Streitkräfte der UdSSR auf dem Territorium der Ukrainischen SSR unter seine Gerichtsbarkeit zu stellen und das Verteidigungsministerium der Ukraine zu schaffen. Zu dieser Zeit befanden sich auf dem Territorium der ehemaligen Ukrainischen SSR drei Militärbezirke mit mehr als 700.000 Personal.

Infolge der Unabhängigkeitserklärungen weiterer Sowjetrepubliken im Laufe des Jahres 1991 wurde am 21. Dezember 1991 die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR, russisch СССР) offiziell aufgelöst.

Die gesamte Struktur der sowjetischen Streitkräfte bis hin zur Zusammensetzung der einzelnen Truppen wurde zunächst nicht nach den neuen nationalen Kriterien getrennt. So unterstanden die Streitkräfte der ehemaligen UdSSR mit ihrem Militärpotenzial anfangs der Kontrolle durch die Militärbefehlshaber der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Aufstellung der Streitkräfte der Ukraine – 1991 bis 1999 mini|Raketensilo für Interkontinentalraketen des Typs RT-23 (NATO-Codename: SS-24) in der Ukraine. 1992 war die Ukraine durch die Hinterlassenschaft der Sowjetunion die drittgrößte Atommacht der Welt. mini|Ein schwerer strategischer Schwenkflügel-Überschall-Bomber des Typs Tupolew Tu-160 aus sowjetischer Produktion mit ukrainischen Hoheitsabzeichen (1997)

Am 22. Oktober 1991 beschloss der Oberste Sowjet der Ukraine ein Gesetz zur Bildung eigener ukrainischer Streitkräfte im Umfang von rund 420.000 Soldaten sowie einer Nationalgarde von 30.000 Soldaten.

Ende 1991 waren die sowjetischen Militärbezirke Kiew und Odessa mit 780.000 Soldaten in das Rechtsverhältnis der Ukraine übergegangen. Dazu gehörten: von den Landstreitkräften (vom Heer) die Truppen (Kräfte) Einheiten der 1. Gardearmee, 6. Gardepanzerarmee, 8. Panzerarmee, 13. Armee, 32. Armeekorps und 38. Armee; von den Luftstreitkräften vier drei Luftarmeen (Luftflotten), eine Luftverteidigungsarmee der Sowjetarmee und von der Seekriegsflotte Teile der Schwarzmeerflotte.

An Ausrüstung waren 11.000 gepanzerte Fahrzeuge (Rad, Kette), 8.700 Panzer, 18.000 Reaktive- und Rohr-Artillerie, 2.500 taktische Raketen, 1.500 Flugzeuge, 1.272 Nuklearraketen und 350 Schiffe auf dem Gebiet der Ukraine stationiert.argumenti.ru

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum erfolgte 1992 erneut formal ein Beschluss des ukrainischen Parlaments zur Aufstellung eigener Streitkräfte. Problematisch bei der Übernahme der früheren sowjetischen Verbände und Aufstellung von eigenen Verbänden war die Tatsache, dass es für sie keine einheitliche Befehlsstruktur bzw. keinen gemeinsamen Generalstab gab. Ferner gab es Konflikte mit Russland wegen des Kommandos über die Schwarzmeerflotte, das vorübergehend gemeinsam ausgeübt wurde. Schließlich wurde die Flotte aufgeteilt.

Am 2. Januar 1992 verfügte Präsident Leonid Krawtschuk die Unterstellung aller auf dem Territorium der Ukraine stationierten vormals sowjetischen Truppen einschließlich der Schwarzmeerflotte unter ukrainischem Oberbefehl. Ausgeschlossen wurden nur die strategischen Militäreinheiten.

Am 26. März 1992 wurde per Dekret des Präsidenten die Rückkehr aller ukrainischen Wehrpflichtigen aus Armenien, Aserbaidschan und der Republik Moldau bis zum 20. Mai 1992 angeordnet. Im Mai 1992 begann auch der Abtransport der in der Ukraine stationierten taktischen Atomwaffen nach Russland.

Am 3. Juli 1992 wurde auch der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine (Abkürzung RNBO) gegründet; er ist ein staatliches Gremium der Ukraine. Der Rat wurde zunächst unter der Bezeichnung Nationaler Sicherheitsrat geschaffen. Seine Aufgaben sind im Artikel 107 der Verfassung der Ukraine geregelt. Entsprechend bestehen sie darin, den Präsidenten des Staates bei Fragen zur inneren und äußeren Sicherheitspolitik zu beraten. Der Rat beschäftigt sich allerdings regelmäßig auch mit Angelegenheiten, die außerhalb der traditionellen Sicherheits- und Verteidigungspolitik liegen, etwa mit der Innen- und Energiepolitik.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion befanden sich die Kernwaffen verteilt auf den Gebieten der neuen Staaten Russland, Ukraine, Belarus und Kasachstan. Russland hatte mehr als zwei Drittel der Atomwaffen geerbt und wurde im Rahmen des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen eindeutig als deren Nachfolger als Kernwaffenstaat anerkannt. Auf dem Gebiet der Ukraine befand sich damit das drittgrößte Kernwaffenarsenal der Welt, größer als die Arsenale von Frankreich, des Vereinigten Königreichs und der Volksrepublik China zusammengenommen. Die operative Kontrolle über die Atomwaffen lag jedoch in Moskau. Das Atomwaffenarsenal umfasste 176 Interkontinentalraketen (46 SS-24 Scalpel und 130 SS-19 Stiletto) mit 1240 nuklearen Sprengköpfen bewaffnet und 2883 taktische Atomwaffen. Die UR-100N (NATO-Codename: SS-19) waren in Silos nahe Chmelnyzkyj und die RT-23 (SS-24) in Silos nahe Perwomajsk stationiert. Am 2. Juli 1993 erfolgte in einer Grundsatzerklärung offiziell der Verzicht auf die Atomwaffen, und dass die Ukraine zukünftig atomwaffenfrei sein solle. Am 15. Juli 1993 begann der Abbau der auf dem ukrainischen Territorium stationierten Interkontinentalraketen vom Typ UR-100N. Die Raketen wurden zur Verschrottung nach Russland gebracht. Die Sprengköpfe blieben anfangs noch in der Ukraine, bis der Nachfolgestatus Russlands in Bezug auf die Atomwaffen der früheren Sowjetunion international geklärt war. Die Ukraine forderte für ihren Verzicht auf Atomwaffen von den Atommächten Sicherheitsgarantien für ihren Staat und finanzielle Unterstützung.

Das Budapester Memorandum wurde am 5. Dezember 1994 in Budapest im Rahmen der dort stattfindenden KSZE-Konferenz unterzeichnet. In ihm verpflichteten sich die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Russland in drei getrennten Erklärungen jeweils gegenüber Kasachstan, Belarus und der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Staaten (Art. 1) sowie deren politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu achten (Art. 2 f.) und im Falle eines nuklearen Angriffs auf die Staaten unmittelbar Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zu veranlassen (Art. 4). Frankreich gab bezüglich der Ukraine eine eigene Erklärung ab: Statement by France on the Accession of Ukraine to the NPT.

Diese Staaten waren im Zuge der Auflösung der UdSSR in den Besitz von Nuklearwaffen gekommen. Das Budapester Memorandum war eine Vorbedingung der Unterzeichnung und Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrags und des Atomteststoppvertrags. Bis 1996 wurden alle Kernwaffen der früheren UdSSR nach Russland gebracht, das als Nachfolgestaat der UdSSR das Recht auf den Besitz von Atomwaffen hat.

Der Vertrag wurde von allen Vertragsparteien ratifiziert und in Kraft gesetzt.

Nach gemeinsamen Manövern von US-amerikanischen und ukrainischen Truppen 1995 in der Westukraine beschloss die NATO im Juli 1997 eine Charta über besondere Partnerschaft mit der Ukraine.NATO’s relations with Ukraine Ukrainische Kontingente beteiligten sich an NATO-geführten militärischen Interventionen in den Jugoslawienkriegen, im Irakkrieg und in Afghanistan.Ukraine’s contribution to NATO peace support activities

Entwicklung der Streitkräfte der Ukraine – 2000 bis 2013 mini|Ukrainische Soldaten bei einem Einsatz mit einem BTR-80-Panzer im Irakkrieg (2003)

Im Jahr 2000 wurde die Nationalgarde aufgelöst (im März 2014 neu aufgestellt) und aus Kostengründen mit den Inneren Truppen zusammengelegt.Angabe aus englischer Wikipedia