Geschieden ist ein Dokumentarfilm von Hans Wintgen von 1986.
Inhalt Gezeigt wird das Leben von Gisela Buschner mit ihren drei Kindern mehrere Jahre nach ihrer Scheidung. Sie berichtet über die schwierige Situation, die Problemen im Alltag und ihre bisher vergeblichen Versuche, einen neuen Partner zu finden. Es gibt Aufnahmen der spielenden Kinder, auch mit deren Vater, sowie Aussagen von ihm über die Situation und von einer Tochter.
Entstehung Der Diplom-Psychologe Hans Wintgen hatte seinen Abschluss an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg 1981 erst mit einjähriger Verspätung bekommen, weil er nicht bereit gewesen war, größeren Kürzungen in seinem Abschlussfilm zuzustimmen. Sein darauffolgender erster Kurzfilm beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme über Kinder Wenn die Eltern Geld verdienen war aus demselben Grund nicht zugelassen worden. Auch sein nächstes Konzept eines Filmes über geschiedene Kinder für Kinder von Ende 1982 wurde abgelehnt.Barnert, 2016, S. 88, mit Details (Danach konnte er drei andere kurze Filme drehen, darunter zwei Kinderfilmkurzfolgen).
1985 konnte Hans Wintgen schließlich einen Film mit einem leicht abgeänderten Konzept über die geschiedene Gisela Buschner und deren drei Kinder drehen. Er wollte die Schwierigkeiten aufzeigen, die alleinstehende Mütter haben, auch die weitreichenden Stigmatisierungen durch die Umgebung. Die etwa einstündige Fassung musste Ende 1985 jedoch drastisch auf etwa 25 Minuten gekürzt werden, da das veranschlagte DEFA-Kurzfilmformat für den Einsatz im Kino diese ungefähre Standardlänge vorsah (wovon es allerdings auch Ausnahmen gab).Gerdes, 2026, S. 244, wies auf den Film Jugendwerkhof (1982) von Roland Steiner zu einem anderen Jugendproblem hin, der eine längere Fassung haben durfte. Dabei wurde durch den zuständigen stellvertretenden Studiodirektor auf massive inhaltliche Einschnitte gedrungen, wie seine handschriftlichen Anmerkungen im Produktionsmanuskript zeigen.Barnert, 2016, S. 89–90, mit Details So durfte es keine Hinweise auf eine nicht einvernehmliche Scheidung geben, das Wort Rechtsanwalt durfte nicht erscheinen, ebenso keine Befürchtungen von Gewalt des Vaters gegen die Kinder oder dem Hass auf diesen. Auch die Berichte über die Stigmatisierungen und einige unangenehme Erlebnisse der Mutter wurden gestrichen, wie auch eine Szene, in der sie ihrem Sohn auf einem tristen Parkplatz das Fahrradfahren beibringt und der die Einsamkeit ihrer Situation veranschaulichte. Der Film sollte eine positive Ausrichtung haben, auch die Rolle des Vaters wurde gegenüber der ursprünglichen Fassung positiver dargestellt.
Hans Wintgen akzeptierte die meisten Streichungen und Veränderungen, um wenigstens einmal einen Dokumentarfilm in der Öffentlichkeit zeigen zu können, er bezeichnete diesen aber danach als unverständliches Rudiment. Auch die DEFA-Studioleitung war mit dem Ergebnis unzufrieden und degradierte ihn für weitere Filme zum Regieassistenten, wegen mangelnder Bereitschaft, Ratschläge anzunehmen.Barnert, 2016, S. 90
Aufführungen und Rezeption Der Film Geschieden wurde am 8. Januar 1987 im Berliner Kino Babylon wahrscheinlich erstmals öffentlich aufgeführt.Chronik 1987 DEFA-Stiftung, zum 8. Januar, nach Bulletin des VFF, 1/1987, S. 14, zusammen mit Ich war einmal ein Kind und Spielzeug für die Schwächeren Es gibt eine englische, eine französische und eine spanische Fassung, über deren Verwendung aber keine genauen Angaben bekannt sind.Geschieden DEFA-Stiftung, die meisten Filme von Hans Wintgen durften nicht in das Ausland exportiert werden, vgl. Barnert, 2016 2013 zeigte ihn die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung im Spreekino Spremberg wiederFilmreihe Zeitschnitt BpB 2013 und 2015 das Zeughauskino in Berlin.Filme von Hans Wintgen Zeughauskino zum 1. Oktober 2015 Von der ursprünglichen Langfassung ist nur der schriftliche Entwurf erhalten.
Der US-amerikanische Filmhistoriker Seán Allan hob Geschieden in einem Artikel über die DEFA-Dokumentarfilmgeschte als kompromisslos realistischen Film hervor, der ein düsteres Bild der Isolation in der sozialistischen Gesellschaft zeige.Allan, 2025, S. 82 (rechte Spalte)
Literatur Anne Barnert: Anamnesen der DDR. Hans Wintgens Dokumentarfilme zwischen 1977 und 1987. In Filmblatt. Nr. 60/1. 2016. S. 84–95, hier S. 87–91 (PDF), mit ausführlichen Angaben über den Film
Anne Barnert: Mit Behutsamkeit. Hans Witgens Filmbeobachtungen der DDR. Verbrecher-Verlag, Berlin 2018, S. 62ff., mit einigen Informationen Sinja Gerdes: Struktur und Umbruch. DEFA-Dokumentarfilme in den 1980er und 1990er Jahren. De Gruyter, Berlin 2026. S. 143–145, mit einigen Angaben über den Film
Seán Allan: Etwa Ungewöhnliches auf ungewöhnlichen Wegen erreichen. Eine kurze Geschichte des DEFA-Dokumentarfilms. In: Leuchtkraft. Journal der DEFA-Stiftung. 2025. S. 67–85, hier S. 82 (PDF), mit kurzer Würdigung und einem Szenenfoto Weblinks Geschieden DEFA-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1986 Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:DDR-Film Kategorie:Kindheit im Film Kategorie:Scheidung