Imatra ( []) ist eine Stadt im Südosten Finnlands mit Einwohnern (Stand ). Die Grenz- und Industriestadt ist dank des Imatrafalls (finnisch Imatrankoski) ein bekanntes Reiseziel.
Geografie Lage und Ausdehnung Imatra liegt in der südostfinnischen Landschaft Südkarelien an der Grenze zwischen Finnland und Russland. In Imatra durchbricht der Fluss Vuoksi den Höhenzug Salpausselkä, der die Finnische Seenplatte im Süden und Osten begrenzt. Im Westen hat Imatra Anteil am See Saimaa, im Norden des Stadtgebiets liegt der See Immalanjärvi.
Nachbargemeinden und -städte von Imatra sind Ruokolahti im Norden, Lappeenranta im Südwesten sowie auf russischer Seite Swetogorsk (bis 1949 finnisch Enso) im Südosten. Die Beziehungen zu dem nur sieben Kilometer entfernten Swetogorsk wurden nach dem Fall der Sowjetunion verstärkt, so dass sich die beiden Orte heute als Zwillingsstädte bezeichnen. (finnisch) Die nächste größere Stadt auf finnischer Seite ist Lappeenranta 37 km südwestlich. Die Entfernung in die Hauptstadt Helsinki beträgt 257 km, nach Sankt Petersburg sind es 210 km.
Stadtgliederung Imatra besitzt kein eigentliches Stadtzentrum, sondern besteht aus drei zusammengewachsenen Orten: Mansikkala, Imatrankoski und Vuoksenniska. Das Verwaltungszentrum von Imatra ist der in den 1960er Jahren neu errichtete Stadtteil Mansikkala, der 4100 Einwohner hat. Wahrzeichen des Stadtteils sind die auch als „Manhattan von Imatra“ titulierten 13-stöckigen Hochhäuser in seinem Zentrum. In Mansikkala finden sich alle wichtigen öffentlichen Bauten Imatras. Das kommerzielle Zentrum der Stadt ist dagegen der direkt am Imatrafall gelegene Stadtteil Imatrankoski. In Imatrankoski leben 4000 Menschen; das Zentrum des Stadtteils ist dicht bebaut, an den Rändern herrschen Eigenheime vor. Durch den Bau des neuen Vuoksenranta-Wohngebiets wird versucht, Mansikkala und Imatrankoski stärker miteinander zu verbinden. Das dritte Zentrum Imatras ist Vuoksenniska, das um die Fabriken des Stora-Enso-Konzerns herum entstand. Vuoksenniska hat 2500 Einwohner, die meisten von ihnen leben in Reihenhäusern oder Eigenheimen.
Ursprünglich war auch der Ort Tainionkoski eines der Zentren Imatras. Durch die Gründung von Mansikkala und die Verlegung der Fabriken sank dieser Stadtteil rund um die alten Werke des Tornator-Konzerns, in dem heute 1500 Menschen leben, aber zu einem reinen Vorort ab. Weitere Stadtteile sind Karhumäki, Meltola und Rajapatsas. Im ländlicheren Gebiet an den Rändern des Stadtgebietes liegen die Dörfer Huhtasenkylä, Itä-Siitola, Jäppilänniemi-Salopeltola, Korvenranta, Lempukka, Niskalampi, Rautio und Salo-Isakka.
Geschichte Der finnische Name Imatra bezeichnete ursprünglich nur für den Imatrafall, im 16. Jahrhundert belegt als Immatra fors, Imatrafors (beide mit schwedischem Hauptwort „Stromschnelle/Wasserfall“) oder Immatra. Entsprechend heißt es auch im finnischen Nationalepos Kalevala: Ei ole Vuoksen voittanutta, / yli käynyttä Imatran („Vuoksi ist noch nicht bezwungen, / Imatra nicht überschritten“).Kalevala, 3:181 f. Die Etymologie des Namens ist unsicher, möglicherweise stammt dieses Hydronym aus einer unbekannten Substratsprache, die vor den finnougrischsprachigen Sprachen im Gebiet des heutigen Finnland gesprochen wurde. Auch über eine Verbindung zum Tungusischen imandra, „Schnee“ wurde spekuliert.Angela Marcantonio: The Uralic Language Family: Facts, Myths and Statistics. Blackwell, Oxford 2002.
1939 verglich der Fennist Viljo Nissilä den Namen mit dem ähnlich lautenden Namen des Flusses und gleichnamigen Sees Imandra auf der Halbinsel Kola und rekonstruiert für beide eine Ursprungsform *Imantero, die mit der Bedeutung „saugen“ in Verbindung gebracht werden kann. Später (1975) stellt Nissilä verschiedene Ortsnamen vor, die von altgriechischen Personennamen abgeleitet sind. Einige von ihnen haben eine mythologische Konnotation, was seiner Meinung nach auch beim Namen Imatra der Fall sein könnte. In dem Fall wäre Ausgangsform des Namens *Imanteri.
Die erste menschliche Besiedlung erreichte das heutige Stadtgebiet von Imatra zwischen 4000 und 3000 v. Chr., als durch den Durchbruch des Vuoksi-Flusses der Wasserspiegel des Saimaa-Sees abzusinken begann. Die erste sesshafte Besiedlung entstand aber erst im 15. oder 16. Jahrhundert. Im Vertrag von Nöteborg (1323) kam Imatra mit dem westlichen Karelien, das zuvor unter dem Einfluss Nowgorods gestanden hatte, zu Schweden. Die älteste urkundliche Erwähnung Imatras stammt aus einer Steuerliste des Jahres 1541, welche die Besteuerung von Lachsfischern am Vuoksi vermerkt. Durch die schwedischen Gebietsabtretungen im Frieden von Åbo kam Imatra 1743 an Russland. Zusammen mit dem restlichen Altfinnland wurde es 1812 dem autonomen Großfürstentum Finnland zugeschlagen und wurde so 1917 Teil des unabhängigen Finnlands.
mini|Staatshotel von Imatra Der Imatrafall ist die älteste touristische Sehenswürdigkeit Finnlands. Schon 1772 hatte Katharina die Große Imatra besucht. In der Zeit um 1900 entwickelte sich Imatra zu einem beliebten Reiseziel der Oberschicht von Sankt Petersburg. Weiteren Aufschwung verschafften dem Imatra-Tourismus die Fertigstellung der Bahnstrecke nach Sankt Petersburg im Jahr 1892 und die Fertigstellung des luxuriösen, im Jugendstil erbauten Grand Hôtel Cascade im Jahr 1903.https://famoushotels.org/hotels/valtionhotelli-finland Nach der finnischen Unabhängigkeit versiegte der russische Tourismus, dafür kamen ab den 1920er Jahren verstärkt finnische Feriengäste nach Imatra.
Die Industrialisierung setzte im Gebiet von Imatra um 1880 ein, als das Forstunternehmen Tornator in Tainionkoski ein Werk eröffnete. 1929 wurde der Imatrafall zur Stromerzeugung gestaut. Das Wasserkraftwerk hatte zunächst eine Leistung von 56 MW und 1937 bereits 125 MW. Es trug erheblich nicht nur zur Industrialisierung Imatras, sondern überhaupt zur Elektrifizierung ganz Süd- und Ostfinnlands bei. In der Folgezeit entstanden weitere Fabriken der holz- und metallverarbeitenden Industrie, etwa eine Fabrik des Konzerns Enso-Gutzeit (des heutigen Stora Enso) in Kaukopää im Jahr 1935 und ein Eisenwerk im Jahr 1936.
mini|links|hochkant|Hitler und Mannerheim in Immola, 4. Juni 1942 1936 wurde bei der Siedlung Immola ein Flugplatz eröffnet, der in den folgenden Jahren als Stützpunkt erst des 4., dann des 2. Fliegerregiments der finnischen Luftwaffe diente, im Fortsetzungskrieg dann als Hauptquartier des 3. Fliegerregiments. Am zweiten Tag des Winterkriegs wurde der Flugplatz erstmals Ziel eines sowjetischen Luftangriffs. Am 4. Juni 1942 traf auf dem Flugplatz überraschend Adolf Hitler in einer Focke-Wulf Condor zu einer mehrstündigen Visite in Immola ein, um Carl Gustaf Emil Mannerheim, dem Oberbefehlshaber der finnischen Streitkräfte, zum 75. Geburtstag zu gratulieren und Konsultationen mit Mannerheim und dem finnischen Präsidenten Risto Ryti zu führen. Im Verlauf des Fortsetzungskrieges wurde am 16. Juni 1944, noch zehn Tage vor dem Abschluss des Ryti-Ribbentrop-Vertrags, der Gefechtsverband Kuhlmey der deutschen Luftwaffe von Estland nach Immola verlegt. Er flog von hier aus bis zu seinem Abzug am 23. Juli 1944 hunderte Luftangriffe auf sowjetische Ziele.Finnischer Grenzschutz: (Geschichte des Stützpunkts Immola, finnisch) Heute wird der Flugplatz vor allem von Amateur- und Segelfliegern genutzt, dient aber auch als Hubschrauberstützpunkt des finnischen Grenzschutzes. Der Kasernenkomplex aus den 1930er Jahren, von den Architekten Aulis Blomstedt, Elsi Borg und Elis Hyvärinen im funktionalistischen Stil gestaltet, steht heute unter Denkmalschutz.Rakennettu kulttuuriympäristö: Immolan kasarmialue (Finnisches Denkmalregister 1993)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1948 der Marktflecken Imatra aus den Industrieorten Tainionkoski, Vuoksenniska und Imatrankoski gegründet. Das Gebiet wurde aus den Gemarkungen von Ruokolahti, Joutseno und den nach den Gebietsabtretungen an die Sowjetunion auf finnischer Seite verbliebenen Resten der Gemeinde Jääski gelöst. Ende der 1940er Jahre gab Enso Gutzeit, der größte Arbeitgeber der Region, einen weitreichenden Bebauungs- und Infrastrukturplan für Imatra in Auftrag. Der von Alvar Aalto eingereichte Entwurf kalkulierte mit meinem Anwachsen der Bevölkerungszahl Imatras auf 100.000 und sah ein neues Planzentrum sowie die Entwicklung von sieben Wohnstädten im Umkreis vor. Der Plan wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt.Mikael Sundmann: Urban Planning in Finland after 1850. In: Thomas Hall: Planning and Urban Growth in the Nordic Countries. Taylor & Francis, London 1991, S. 88.
Seit 1971 besitzt Imatra das Stadtrecht. Die Bevölkerungszahl von Imatra ist seit Jahren konstant rückläufig. Seit dem historischen Höchststand von 36.597 Einwohnern im Jahr 1980 hat die Stadt mehr als 6.000 Einwohner verloren.
Politik Stadtrat Die stärkste Partei in Imatra sind die Sozialdemokraten. Im Stadtrat der laufenden Wahlperiode stellen sie 19 von 43 Abgeordneten. Zweitgrößte Fraktion ist die konservativ-liberale Nationale Sammlungspartei mit zwölf Sitzen. An dritter Stelle folgen die rechtspopulistischen Basisfinnen mit fünf Sitzen noch vor der dritten Volkspartei des Landes, die Zentrumspartei, die ebenfalls fünf Abgeordnete im Stadtrat stellt. Weiterhin im Stadtrat vertreten sind die Christdemokraten mit zwei sowie der Grüne Bund und das Linksbündnis mit jeweils einem Abgeordneten.
+ Zusammensetzung des Stadtrats (2017–2021) Kuntavaalit 2017 – Ergebnis der Kommunalwahlen 2017 Partei Wahlergebnis 2017 Sitze Sozialdemokraten 40,6 % 19 Nationale Sammlungspartei 27,4 % 12 Basisfinnen 13,2 % 6 Zentrumspartei 8,5 % 3 Linksbündnis 4,2 % 2 Grüner Bund 4,1 % 1 Wahlbeteiligung: 56,5 %
Städtepartnerschaften Imatra unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden sechs Städten:
Ludvika (Schweden) Salzgitter (Deutschland) Zvolen (Slowakei) Tichwin (Russland) Szigetvár (Ungarn) Narva-Jõesuu (Estland)
Wappen Das Wappen von Imatra wurde 1950 von Olof Eriksson entworfen. Es zeigt in rotem Schild drei senkrechte, in zwei Richtungen gerichtete silberne Blitze mit goldenen Spitzen. Das Wappen weist auf die Bedeutung des Wasserkraftwerkes am Imatrafall für die Stadt hin.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Vuoksi-Staudamm mini|Die Kirche von Vuoksenniska Nicht nur für die russischen Herrscher waren bereits im 19. Jahrhundert die reißenden Stromschnellen des Vuoksi ein beliebtes Touristenziel (→ Hauptartikel Imatrafall). Der Strom zwängt sich hier auf einer Länge von rund 500 Metern in eine enge Granitschlucht. Seit 1929 werden die Fälle jedoch zur Stromerzeugung genutzt und das Wasser umgeleitet. Nur in der Touristensaison von Mitte Juni bis Mitte August werden einmal täglich für zwanzig Minuten die Schleusen geöffnet und das alte Flussbett geflutet. Besucher können das Naturschauspiel von einer Bogenbrücke oder von einem unterhalb gelegenen Park betrachten. Zur Öffnung der Schleusen wird traditionell über Lautsprecher das Stück „Es kocht der Strom“ aus der Karelia-Suite von Jean Sibelius gespielt. Am Fluss befindet sich auch das 1903 im Jugendstil errichtete luxuriöse Hotel, ursprünglich Grand Hôtel Cascade, seit 1982 Imatran Valtionhotelli („Staatshotel von Imatra“; heute Teil der Kette Scandic).