hochkant=1.4|mini|BSH-Schiffe Gauss, Atair, Komet und Wega am Kirchenpauerkai in Hamburg
Ein Forschungsschiff ist ein mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Labors für WissenschaftlerForschungsschiff. In: Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. 1., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag FA Brockhaus Leipzig / Mannheim, Band 9. ausgerüstetes Seefahrzeug zur Erforschung des Meeres und des erdnahen Raumes wie auch des Weltraums.Forschungsschiff. In: Ulrich Scharnow (Hrsg. u. mitwirkender Autor): Lexikon der Seefahrt. 3. bearb. und ergänzte Auflage. Berlin 1981, S. 164; Forschungsschiffe übernehmen vielfältige Forschungsthemen auf den Meeren. Sie haben – nach herrschender Rechtsmeinung – Aufgaben ausschließlich zu wissenschaftlichen ZweckenDietrich Schulz: Der Begriff „Forschungsschiff“ im Seevölkerrecht. In: Seewirtschaft [Fachorgan für Schiffbau, Schiffahrt, Hochseefischerei, Meerestechnik], Heft 6/1976, S. (345–3486) S. 345 f.; ; in den verschiedenen Forschungsdisziplinen: Arktis, Antarktis, Eis, Polarforschung, Geologie, Meteorologie, Ozeanografie, Schiffbau, Fischereiwissenschaft, Meeresbiologie und Unterwasserarchäologie. Darüber hinaus finden maritime Arbeiten in den Bereichen Geophysik, Geochemie und Glaziologie mittels Forschungsschiffen statt.Portal Deutsche Forschungsschiffe abgerufen am 17. Februar 2021 Speziell für wissenschaftliche Forschungszwecke ausgerüstete See-Expeditionen fanden zunehmend ab dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts statt.Forschungsschiff. In: Alfred Dudszus, Ernest Henriot, Friedrich Krumrey: Das große Buch der Schiffstypen. ISBN 3-613-50058-2, S. 106 f.
Allgemeines
Es hat sich international eine Klasseneinteilung entsprechend der Fahrtbereiche durchgesetzt: global: Schiffe, die auf allen Weltmeeren eingesetzt werden können.Christine Reinke-Kunze: Den Meeren auf der Spur. Geschichte und Aufgaben der deutschen Forschungsschiffe.Herford 1986, S. 11 u. Anhang: Forschungsschiffe der Welt ISBN 3-7822-0388-7 Mindestanforderungen: ausreichender Aktionsradius, Standzeit 40 Tage, entsprechende Kommunikationsausrüstung, Länge 65 Meter, Windenkapazität 6000 Meter, Tiefsee-Lotausrüstung, Ladekapazität für wissenschaftliche Ausrüstung 100 Tonnen, 25 Wissenschaftlerplätze ozeanisch: Schiffe, die lediglich einen Ozean befahren, aus europäischer Sicht den Nordatlantik mit Nebenmeeren. Anforderungen: Länge min. 55 Meter, tiefseetaugliche Winden- und Lotausrüstung regional: aus deutscher Perspektive Schiffe zum Einsatz in Nord- und Ostsee, Einsatztiefe bis 1000 Meter lokal: Schiffe zur Küstenforschung, Einsatztiefe bis max. 500 Meter.
Zur Ausrüstung moderner hochseefähiger Forschungsschiffe gehören Arbeitsboot, Aquarien, Labors, Heckfanganlage, Hubschrauber, Messanlagen, z. B. für Radioaktivität, Wetter-Ballon, Wind-Wetter-Radaranlage, Tiefseeboot, Unterwasserbeobachtungsstationen u. a.Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Neunte, völlig neu bearbeitete Auflage zum 150jährigen Bestehen des Verlages. Mannheim / Wien / Zürich , Stichwort: Forschungsschiff
Historische Schiffe Historische Schiffe sind u. a.: die Beagle, das Schiff von Charles Darwin die NovaraAbb. Die Fregatte „Novara“ auf der Reise um die Welt (1857–59) in Das XIX. Jahrhundert in Wort und Bild, Bd. 2, Berlin/Leipzig/Stuttgart/Wien , S. 395, , die von 1857 bis 1859 für die Novara-Expedition eingesetzt wurde. die GrönlandAbb. der 1856–68 gebauten Grönland in Welt der Forschungsschiffe von Christine Reinke Kunze, ISBN 978-3-88412-185-6, S. 17 , die 1868 von Kapitän Carl Koldewey zur Ersten Deutschen Nordpolar-Expedition benutzt wurde und die noch immer zur See fährt die Germania, die 1869 bis 1870 von Kapitän Carl Koldewey bei der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition nach Grönland und zum Arktischen Ozean mit der Absicht, in die arktische Zentralregion vorzudringen, als Führungsschiff im deutschen Schiffsverband mit dem Segelschiff Hansa unter Kapitän Friedrich Hegemann genutzt wurde. Die Hansa wurde während dieser Expedition vom Eis eingeschlossen, musste am 19. Oktober 1869 aufgegeben werden und sank in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1869. die Vega, mit der Adolf Erik Nordenskiöld die erstmalige Befahrung der Nordostpassage gelang die Challenger, das Schiff der britischen Challenger-Expedition 1872–1876 die Hirondelle (Schwalbe), das erste Forschungsschiff (1885–1889) des Fürsten von Monaco, Albert I. Abb. Hirondelle, Forschungsschiff in Hans Kraemer: Weltall und Menschheit, Bd. 4 (1904), S. 376, die Gazelle (Segelschiff), eingesetzt bei der ersten deutschen wissenschaftlichen Weltumsegelung 1874–1876Abb. der Gazelle in Welt der Forschungsschiffe von Christine Reinke Kunze, ISBN 978-3-88412-185-6, S. 25 die Fram, ein nach den Vorstellungen von Fridtjof Nansen gebautes speziell für Polargebiete ausgelegtes Forschungsschiff die Belgica, Belgische Antarktis-Expedition 1897–1899 die Valdivia der ersten deutschen Tiefsee-Expedition 1898–1899Hjalmar Thiel, Michael Türkay: Carl Chun (1852–1914) and the early days of biological deep-sea research in Germany. In: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch, Band 9, Stralsund, 2002, S. 101–136; dort Abbildung eines Gemäldes des Forschungsschiffes Valdiva unter der Reichs-Dienstflagge des kaiserlichen Deutschlands auf S. 114. und die Valdivia der Universität Hamburg die Meteor wurde 1913 als Schiff der Kaiserlichen Marine gebaut und nach einem Umbau 1923/24 als deutsches Forschungsschiff eingesetzt. International viel beachtet wurde die Deutsche Atlantische Expedition 1925–1927. Das Schiff wurde 1946 als Kriegsreparation an die Sowjetunion übergeben und dort unter dem Namen “Ekvator” bis 1964 als Vermessungs- und Forschungsschiff verwendet. die Atlantis, Ketsch, Baujahr 1931 WHOI die Galathea (A546), eine Sloop. Am bekanntesten ist die Erforschung des Philippinengrabens, die Entdeckung des Galatheatiefs, sowie die Entdeckung von Monoplacophora, welche vorher nur aus dem Fossilbericht bekannt waren und seit dem Devon für ausgestorben gehalten wurden. die Xarifa von Hans Hass operierte in den 1950er Jahren unter deutscher (1953/54) und österreichischer (1957/58) Flagge.
Rechtsstatus Der Rechtsstatus der Forschungsschiffe wurde bis in die 1970er Jahre hinein in den Normen des Seevölkerrechts nicht eigens (lat. expressiv verbis) unterschieden. Die wissenschaftlichen Forschungsschiffe wurden grundsätzlich zur Kategorie der Handelsschiffe gerechnet. Ihre Einordnung in die Kategorie der Kriegsschiffe bildete die Ausnahme, vor allem dann, wenn dies vom Flaggenstaat selbst so bestimmt wurde.Modernes Seevölkerrecht. Wissenschaftliche Forschung, Schutz der Meeresumwelt, Handels- und Kriegsschiff(f)ahrt. Verantwortlicher Redakteur und Nachwort: M. I. Lazarev, Frankfurt am Main/Bern 1981, ISBN 3-8204-5899-9, S. 32–41 Das moderne Forschungsschiff ging aus den Kriegsschiffen hervor. Eine zu einem wissenschaftlichen Zweck unternommene Fahrt zu Lande bzw. zu Wasser wurde ursprünglich unter dem Begriff Expedition erfasst.Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Band, Leipzig / Wien 1907, S. 220 und das dazu verwendete Seefahrzeug als „Expeditionsschiff“ bezeichnet.Ein solches „Expeditionsschiff“ des 19. Jahrhunderts für das Nördliche Eismeer ist in Dollheimes Großes Buch des Wissens, 2. Band, Leipzig 1938, S. 72, auf der Tafel „Schiffahrt I“ abgebildetVgl. Germania-Hansa-Expedition (zugleich 1. Deutsche Nordpolarreise), 1869; Deutsche Plankton-Expedition mit der National, 1889; Deutsche Tiefsee-Expedition mit der Valdivia, 1898/99 und die 2. Deutsche Antarktis-Expedition mit der Deutschland, 1911/12, unter Leitung von Wilhelm Filchner, sowie weitere in- und ausländische maritime Expeditionen vor 1945, darunter von Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Norwegen, Schweden und ihre dazu genutzten Forschungsschiffe, sind aufgeführt in: Meyers Lexikon, 7. Band, Leipzig, 1939, Spalte 1187.f. unter der Zwischenüberschrift Erforschung der Meere. Seine Entwicklung vollzog sich von bewaffneten Schiffen der Kriegsmarine für Expeditionsreisen in fremde LänderHans-Jürgen Brosin: Von der „Challenger“ zur Weltozeanmacht. In: Deutscher Marinekalender, 1972, , S. 196–207. über militärische Hilfsschiffe zur Vermessung vor allem küstennaher Gebiete bis hin zu solchen Seefahrzeugen, welche für die Meeresforschung extra umgebaut bzw. als Spezialschiff zur Erforschung der Meere neu errichtet wurden. Die Kombination von Forschungs- und Vermessungsschiff durch die seefahrenden Staaten war bereits vor beiden Weltkriegen üblich und wurde nach 1945 von den Seestreitkräften fortgesetzt.Hans-Jürgen Brosin: Das Forschungsschiff Professor Albrecht Penck – über 50 Jahre im Dienste der Meeresforschung. In: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch, Band 10, Stralsund 2003/2004, S. 14 f.
Eine für die Heringsfischereiforschung bedeutsame (bundes-)deutsche meereskundliche Forschungsreise in die Nordsee nach Ende des Zweiten Weltkrieges fand 1950 mit einem zivilen Vermessungs- und Forschungsschiff, der Gauss, statt und die Gauss lief als Staatsschiff erstmals einen ausländischen Hafen an: Aberdeen im Nordosten von Schottland im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland.G. Wegner (Bearb.): Vermessungs- und Forschungsschiff Gauss: 6.12.1949 bis 20.12.1979. Deutsches Hydrographisches Institut, Hamburg 1980, S. 43. Der aus der DDR stammende Ozeanograph Klaus Voigt konnte erstmals im Jahre 1959 an einer Reise des sowjetischen Forschungsschiffes Michail Lomonossow in den Atlantischen Ozean teilnehmenH.-J. Brosin: Klaus Voigt (1934–1995) – Ozeanograph und Wissenschaftsorganisator. In: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch. Band 12, Stralsund (2006), S. 84 u. 96. und dabei die Arbeitsweise ausländischer Fachkollegen verschiedener Disziplinen kennenlernen, was ihm für seine spätere meereskundliche DissertationKlaus Voigt: Untersuchungen in der Deckschicht des Atlantischen Ozeans mit einem digital registrierenden Temperatur-Leitfähigkeit-Druck-Meßgerät. Dissertation. Leipzig 1962, . und Tätigkeit vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands als Wissenschaftsorganisator, insbesondere bei der UNESCO, nützlich war. Mit ihrem Fischereiforschungsschiff Ernst Haeckel führte die DDR ozeanographische Beobachtungen im äquatorialen Atlantischer Ozean und auf dem patagonischen Schelf während der 1. Südatlantik-Expedition im Jahre 1966 durch.D. Nehring, H. J. Brosin: Ozeanographische Beobachtungen im äquatorialen Atlantik und auf dem patagonischen Schelf während der 1. Südatlantik-Expedition mit dem Fischereiforschungsschiff Ernst Haeckel von August bis Dezember 1966. In: Geodätische und geophysikalische Veröffentlichungen, Heft 3/1968 (Verleger: Deutsche Akademie der Wissenschaften, Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR), Berlin 1968. FS A. v. Humboldt, dessen Eigner bis zur Wiedervereinigung die Akademie der Wissenschaften der DDR war,Gunter Görner: Völkerrecht im Kontext seiner Zeit. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza/Thüringen, 2014, S. 246, vgl. Bildtext zur Abbildung dieses Forschungsschiffes; ISBN 978-3-86777-742-1 hatte seinen Liegeplatz im Rostocker Hafen und fuhr nach 1990 von dort vornehmlich zu Ostsee-Forschungen im Auftrage des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde bis zur Außerdienststellung als Forschungsschiff im Jahre 2004.Hans Karr: Deutsche Forschungsschiffe seit 1905. Stuttgart 2015, ISBN 978-3-613-50811-8, S. 10 ff.