Dem Paradies ganz nah (französischer Originaltitel Au plus près du paradis / spanischer Originaltitel Lo más cercano al cielo) ist ein französisch-kanadisch-spanisches Filmdrama aus dem Jahr 2002. Regie führte Tonie Marshall, die gemeinsam mit Anne-Louise Trividic auch das Drehbuch schrieb. Die Filmhauptrollen sind besetzt mit Catherine Deneuve, William Hurt, Bernard Le Coq und Hélène Fillières. Eine Autorin mittleren Alters verfolgt den „Geist“ ihrer Jugendliebe und riskiert dabei, eine erfüllende Beziehung zu einem echten Mann zu verpassen.

Handlung Die Französin Fanette, die eine erwachsene Tochter hat, verarbeitet ihre abgebrochene Beziehung zu ihrer Jugendliebe Philippe nur mühsam. Fanette ist eine schöne Frau Mitte der 50, die mit vielen aufdringlichen Verehrern zu kämpfen hat, die ihr den Hof machen. Bernard, ein alter Studienkollege, ist einer von ihnen, Alain, ein Arzt, ein weiterer. Fanette bleibt jedoch kühl und distanziert, sogar ihrer Tochter Lucie gegenüber, rauchen tut sie allerdings fast unaufhörlich. Früher reichte ein Wimpernschlag, damit die Männer das taten, was sie wollte. Während ihres Studiums verliebte Fanette sich sodann in Philippe, den sie nun schon seit langem nicht mehr gesehen hat. Sie hängt diesem Mann immer noch nach und glaubt, ihn überall zu sehen. So projiziert sie ihre Sehnsucht auf einen Mann im grauen Anzug, der gerade gegangen ist, als sie ankommt, denn er bleibt unerreichbar und geheimnisvoll.

Die romantischen Filme, die Fanette immer wieder sieht, bestärken dieses Liebesideal noch. Ihr absoluter Favorit ist der Liebesfilm Die große Liebe meines Lebens, den sie sich besonders häufig ansieht. Ihr Traum ist ein romantisches Treffen auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings, so wie im Film. Dann glaubt sie, einen Brief von Philippe erhalten zu haben, der ihr ein solches Treffen an dem für Fanette magischen Ort vorschlägt. Sie liest diese Nachricht im strömenden Regen, sodass die Schrift verwischt und fast unleserlich wird.

Fanette arbeitet als Kunstbuchautorin und Kunstkritikerin und ist gerade damit beschäftigt eine Monografie über den französischen Maler François Arnal zu verfassen. Vorgeblich aus diesem Anlass reist sie nach New York, um vor Ort über bestimmte Gemälde des Künstlers zu recherchieren und sich die Bildrechte für ihr Buch zu sichern. Der Verlag weist ihr den charmanten, unkonventionellen Fotografen Matt zu, der das genaue Gegenteil des Mannes verkörpert, der eine Rolle in Fanettes Traumwelt spielt. Trotzdem kommen Fanette und Matt, der oberflächlich betrachtet spontan und flippig ist, aber auch emotionale Wunden in sich trägt, sich näher. In der Gesellschaft dieses Mannes beginnt sie etwas aufzutauen und ihre elegante, kontrollierte Fassade abzulegen.

Fanette begibt sich schließlich aber doch zum im Brief genannten Zeitpunkt auf die Aussichtsplattform des Empire State Building. Philippe taucht allerdings nicht auf. Das romantische Treffen, von dem sich Fanette so viel versprochen hatte, entpuppt sich als Illusion, die durch die Realität zerstört wird. Langsam begreift Fanette, dass sie einem Trugbild hinterhergejagt ist und die Vergangenheit endlich loslassen muss. Ihre neue Erkenntnis führt dann aber auch dazu, dass Fanette sich endlich einem Mann zuwendet, der nicht nur ein Traumbild ist, nämlich Matt, der für das echte, greifbare Leben im Hier und Jetzt steht, auch wenn dieses nicht so perfekt ist, wie in den von Fanette so gern gesehenen Liebesfilmen.

Produktion Produktionsnotizen Produziert wurde der Film von Pyramide Productions, Maïa Films, Tabo Tabo Films, Canadian Film or Video Production Tax Credit (CPTC) und Canal+. Den Maler und Bildhauer François Arnal (1924–2012) gab es tatsächlich. Er war der Adoptivvater der Regisseurin Tonie Marshall und übernahm im Film eine kleine Gastrolle, in der er sich selbst spielt.Catherine Deneuve – Anecdotes sur le tournage toutsurdeneuve.free.fr (französisch), 2002. Abgerufen am 16. August 2026.

Im Soundtrack des Films sind folgende Titel enthalten: Tu mi delirio von César Portillo de la Luz, Vortrag: Étienne Daho Round About Midnight von Thelonious Monk, Vortrag: Chet Baker zusammen mit Gotan Project

Veröffentlichung, Zuschauer Die Weltpremiere des Films fand am 30. August 2002 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig statt, nachdem der Film zuvor am 20. November 2002 in Frankreich erstmals vorgestellt worden war.Premierendaten für „Au plus près du paradis“ in der IMDb. Abgerufen am 14. Februar 2008. In Frankreich wurden ca. 71 Tsd. Kinozuschauer gezählt.Einspielergebnisse für „Au plus près du paradis“ in der IMDb. Abgerufen am 14. Februar 2008.

In Belgien lief der Film am 4. Dezember 2002 an, in Griechenland am 30. Mai 2003 und in Spanien am 7. November 2003. Veröffentlicht wurde er zudem in Australien, Bulgarien, Kanada, Ungarn, Indien, Irland, Japan, Neuseeland, Polen, Rumänien, Russland, Südafrika und im Vereinigten Königreich.

Im deutschen Fernsehen war der Film erstmals am 31. März 2004 im Programm des WDR zu sehen. In Deutschland wurde der Film unter dem Titel Dem Paradies ganz nah veröffentlicht. Ein weiterer Veröffentlichungstitel war Dem Himmel am nächsten.

Rezeption Kritik Christopher Null gab dem Film 2,5 von 5 möglichen Sternen und schrieb auf der Seite filmcritic.com, die Regisseurin verleihe dieser Geschichte leider so wenig Leidenschaft, dass der Zuschauer sich keine Sorgen um die Charaktere mache, sie ihm demzufolge ziemlich egal seien. Die Chemie zwischen Fanette und Matt sei minimal, man könne auch sagen, so gut, wie nicht vorhanden. Zudem sei das Tempo des Films gering, eine gute Romanze sehe anders aus. Man müsse schon ein eingefleischter Deneuve-Fan sein, um sich diesen Film anzusehen.Christopher Null: Nearest to Heaven filmcritic.com (web.archive.org). Abgerufen am 16. August 2026.

Die Redaktion des Film-Dienstes dagegen war der Ansicht, der „hervorragend gespielte Film“ unterlaufe „nachhaltig die Erwartungen an eine Romanze“ und hinterfrage „Liebesideale, die sich angesichts der schnöden Wirklichkeit beweisen müssen“. Cinema hingegen war der Ansicht: „Wie ein Kunstfoliant: Hochglanz, aber schwerfällig.“ Fazit: „Die Deneuve fasziniert, Hurt langweilt.“

Sarita Koendjbiharie bewertete den Film für das Cinemagazine und verwies auf ein Lied, das im Film gesungen wird: „Wenn du nicht mit demjenigen zusammen sein kannst, den du liebst, liebe denjenigen, mit dem du zusammen bist“. Koendjbiharie meinte, man merke dem Film an, dass Toni Marshall ihn konzipiert und geschrieben habe als Hommage an Deneuve, die nach wie vor wunderschön sei. Doch wirke die von ihr gespielte Fanette nicht wirklich sympathisch. Angesichts ihres Images als eiskalte Königin hätte man sich gewünscht, Deneuve verliebt zu sehen. So hoffe man vor allem auf ein Happy End für Matt. Die Geschichte des Films sei weder besonders stark noch originell und sehr vorhersehbar. Die Dialoge und die Ausstattung seien hingegen gut. Nearest to Heaven könnte sich in die Reihe von Filmen wie An Affair to Remember (1957) und Schlaflos in Seattle (1993) einreihen, die ein romantisches Rendezvous im imposanten Empire State Building zeigen. Angesichts des verträumten Filmendes, könne er das jedoch nicht. Die hoffnungslosen Romantiker unter den Zuschauern könnten sich selbst ein Bild machen.Sarita Koendjbiharie: Nearest to Heaven – Au plus prés du paradis (2002) cinemagazine.nl (niederländisch). Abgerufen am 16. August 2026.

Michel Rebichon schrieb 2002 im Studio Maganzine, bei dem Film handele es sich um eine romantische Komödie, wunderschön und zart, ernst und melancholisch, ein Märchen für Erwachsene und Cineasten. Ein Film, der einen nicht zum Lächeln bringe, sondern sehnsüchtig seufzen lasse, einen Adrenalinschub versetze und das Herz schneller schlagen lasse. Mit feinen Nuancen, wie ein impressionistischer Maler, spiele die Regisseurin mit der eleganten, magnetischen Ausstrahlung der Schauspielerin. Sie biete Deneuve die seltene und umso aufregendere Gelegenheit, eine unbeschwerte, humorvolle, lebensfrohe, sexy, etwas kultivierte, genussfreudige und romantische Frau zu verkörpern, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe und von Träumen träume.

Catherine Deneuve besitze eine schimmernde Schönheit, eine fast unwirkliche Anmut, die mit den Jahren nur noch verstärkt werde und die Regisseure nur zufällig einfingen, zu geblendet vom Star, um die Frau dahinter zu sehen, schrieb Sandra Benedetti 2002 in CinéLive. Es habe Tonie Marshalls ganzes Gespür für Bewunderung gebraucht, damit dieses Gesicht seinen märchenhaften Zauber zurückerlangt habe, damit dieses Idol noch einmal zur barfüßigen Prinzessin werde, sei es auch nur für die Dauer eines einsamen Hüpfspiels, einer anmutigen Kopfdrehung oder eines verschmitzten Lächelns, das durch den eleganten Schwung eines hohen Absatzes hervorgerufen werde. Charmant in ihren Eigenheiten, berührend in ihren Unvollkommenheiten, verkörpere Deneuve die Fantasie ihrer Figur, einer Liebenden in der Ungewissheit, einer Romantikerin, die von einer filmischen Liebesgeschichte träume, die mit ‚dreißig Jahre später trafen sich Fanette und Philippe wieder und bekamen viele Kinder enden würde‘.

Eric Quéméré schrieb im Zurban 2002, das Juwel des Films sei Catherine Deneuve. Seit dem Film Meine liebste Jahreszeit vor zehn Jahren sei sie nicht mehr mit so viel Liebe und Zurückhaltung gefilmt worden. Die Schauspielerin, über die man glaube, alles zu wissen, wirke völlig entspannt und offenbare Gesten, Lachen und Ängste, die man ihr nicht zugetraut habe. Reif und doch kindlich strahle sie von Anfang bis Ende und führe uns schließlich, ‚dem Paradies so nah wie möglich‘.

Anne Le Tiec war auf der Website commeaucinema.com der Ansicht, bei dem Film handele es sich zweifellos um eine romantische Komödie im Stil der amerikanischen Filme der 1950er-Jahre, aber weit mehr als das. Sie sei vielmehr ein Zeugnis der tiefen Bewunderung der Regisseurin für eine außergewöhnliche Schauspielerin. Von der ersten bis zur letzten Einstellung fülle Catherine Deneuve als Fanette die Leinwand mit entwaffnender Natürlichkeit. Man hätte künstliches Licht erwarten können, eine pompöse Hommage an diese Schauspielerin, doch stattdessen inszeniere Tonie Marshall sie mit Anmut und Schlichtheit und porträtiere sie abwechselnd elegant, verführerisch, melancholisch, verträumt, berauschend, verliebt – kurzum, voller Leben. Eine Frau auf der Suche … Wonach? Nach einer Erinnerung, die sie unbewusst der Realität näherbringen werde.

Auf der Seite AFP 2002 war zu lesen, der Film sei ein Märchen über eine Frau, die lerne, die Emotionen des Augenblicks zu genießen. Fans von Catherine Deneuve würden den Film genießen können, da sie in jeder Szene mitwirke – voller Fantasie und Humor.

Jean-Michel Frodo war im Le Monde der Meinung: Die absolut bewundernswerte Leistung der Schauspielerin Catherine Deneuve, die sich ständig zwischen eiskalter Zurückweisung und sentimentaler Hingabe bewege, antworte Geste für Geste, Wort für Wort auf die Entscheidungen einer Filmemacherin, die systematisch einen anderen Weg einschlage als in ihrem vorherigen Film, dem sehr geselligen Venus Beauty Institute.