mini|Klaus Herbers, aufgenommen von Werner Maleczek im Jahr 2018. Klaus Herbers (* 5. Januar 1951 in Wuppertal-Elberfeld) ist ein deutscher Historiker für Mittelalterliche Geschichte. Von 1998 bis 2019 lehrte er als Professor für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Experte für die Geschichte Spaniens und des Papsttums im frühen und hohen Mittelalter. Weitere Arbeitsfelder sind das Pilgerwesen und die Hagiographie.

Leben Klaus Herbers besuchte das Gymnasium in Solingen. Er studierte von 1969 bis 1975 die Fächer Geschichte und Romanische Philologie an den Universitäten Köln, Poitiers und an der Universität des Saarlandes. 1975 legte er das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Von 1975 bis 1980 war er Assistent an der Technischen Universität Berlin. Herbers wurde 1980 mit einer von Harald Zimmermann angeregten und von Ernst Pitz betreuten Arbeit über den Jakobuskult des 12. Jahrhunderts promoviert.Vgl. dazu die Besprechungen von Pierre André in: Francia 13, 1985, S. 761–762 (online); Alexander Patschovsky in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 42, 1986, S. 303–304 (online); Ludwig Schmugge in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 72, 1986, S. 402–403; Adalbert Mischlewski in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 55, 1986, S. 237–238; John Howe in: Speculum 61, 1986, S. 934–936; Benoît-Michel Tock in: Revue d’histoire ecclésiastique 80, 1985, S. 166–168; Bernd Schneidmüller in: Historische Zeitschrift 240, 1985, S. 154–155; Hans-Wilhelm Klein in: Romanische Forschungen 98, 1986, S. 192–194; Pierre-André Sigal in: Francia 13, 1985, S. 761–762 (online).

Nach einer Tätigkeit im Referendariatsdienst am Studienseminar Marburg von 1980 bis 1982 war Herbers von 1983 bis 1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften Mainz zur Bearbeitung der Regesta Imperii in Tübingen. Er habilitierte sich 1994 an der Universität Tübingen mit einer Arbeit zur Papstgeschichte im 9. Jahrhundert.Vgl. dazu die Besprechungen von Sebastian Scholz in: Historische Zeitschrift 264, 1997, S. 733–734; John J. Contreni in: The Catholic Historical Review 87, 2001, S. 311–313; Hans Hubert Anton in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 85, 1999, S. 554–560; Wilhelm Kurze in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 77, 1997, S. 562–563 (online); Egon Boshof in: Mittellateinisches Jahrbuch 32, 1997, S. 146–147; Jörg Jarnut in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 46, 1998, S. 455–457; Johannes Burkardt in: Archivar 50, 1997, S. 417–418; Georg Jenal in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 18, 1999, S. 270–271 (online); Michael Borgolte: Mauer war sein großes Werk. Klaus Herbers weiß alles über den wenig bekannten Papst Leo IV. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Oktober 1996, S. 12. 1993 begründete er mit Dieter R. Bauer den Arbeitskreis für hagiographische Fragen. Mit der von Herbers und Bauer 2000 herausgegebenen Veröffentlichung Hagiographie im Kontext. Wirkungsweisen und Möglichkeiten historischer Auswertung stellte sich der Arbeitskreis erstmals der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vor.Vgl. dazu die Besprechungen von Hubertus Lutterbach in: Historische Zeitschrift 274, 2002, S. 175–176; Ingrid Ehlers-Kisseler in: Concilium medii aevi 5, 2002, S. 1029–1033 (online) Die zweite Tagung vom April 2000 befasste sich mit Wundererzählungen im Mittelalter. Der daraus resultierende Aufsatzband mit 18 Beiträgen wurde von Herbers, Martin Heinzelmann und Dieter R. Bauer 2002 herausgegeben.Vgl. dazu die Besprechungen von Hubertus Lutterbach in: Historische Zeitschrift 281, 2005, S. 732–733; Martin Ohst in: Theologische Rundschau 73, 2008, S. 361–367; Felice Lifshitz in: Speculum 79, 2004, S. 1088–1090; Ralf Lützelschwab in: H-Soz-Kult, 24. Juli 2003 (online).

Von 1994 bis 1995 hatte er eine Lehrstuhlvertretung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Im Sommersemester 1996 hatte er eine Lehrstuhlvertretung an der Humboldt-Universität Berlin. Er lehnte einen Ruf 1998 an die Technische Universität Berlin ab und lehrte stattdessen von 1998 bis 2019 als Nachfolger von Werner Goez als Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort war er von 2004 bis 2014 Geschäftsführender Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Europäische Mittelalter- und Renaissancestudien (IZEMIR).

Im Jahre 2008 war er Gastprofessor an der École pratique des hautes études in Paris, 2014 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz. Gemeinsam mit dem Sinologen Michael Lackner leitete er in Erlangen von 2015 bis 2021 das Internationale Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung „Schicksal, Freiheit und Prognose. Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europa“. Im Jahr 2021 wurde er Präsident der Union Académique Internationale.

Herbers ist seit 1979 verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.Klaus Herbers. In: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 67, 2016, S. 47–48, hier: S. 48.

Forschungsschwerpunkte Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Hagiographie (insbesondere der Jakobuskult), das Pilgerwesen und Pilgerberichte, die iberische Halbinsel im Mittelalter und die Papstgeschichte der Karolingerzeit. Mit Helmut Neuhaus veröffentlichte er eine Darstellung über das Heilige Römische Reich.Vgl. dazu die Besprechungen zur zweiten Auflage von Rüdiger Meixner in: Nassauische Annalen 119, 2008, S. 573–575; Guntram Koch in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 29, 2010, S. 180–181 (online); Stefan Ehrenpreis in: Zeitschrift für Historische Forschung 35, 2008, S. 625–627; Inken Schmidt-Voges in: sehepunkte 6, 2006, Nr. 6 [15. Juni 2006] (online); Georg Schmidt in: Historische Zeitschrift 284, 2007, S. 701–703; David S. Bachrach in: The Sixteenth Century Journal 38, 2007, S. 1084–1085. Das Anliegen der Verfasser laut Vorwort war es, die „fast tausendjährige Geschichte dieses Heiligen Römischen Reiches unter maßgeblicher Einbeziehung der Schauplätze im Überblick zu erzählen und dabei immer wieder den lokalen Aspekt zu betonen“.

Pilgerwesen und Pilgerberichte Herbers gehört zu den wichtigsten Repräsentanten der europäischen Jakobusforschung. Bereits früh interessierte er sich für Pilger- und Geißlerzüge. Mit französischen Freunden zog er 1972 erstmals zum galicischen Pilgerziel Compostela. Durch diese Fahrt fasste er den Entschluss, über dieses Thema zu promovieren.Klaus Herbers. In: Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Jahrbuch. 67, 2016, S. 47–48, hier: S. 47. In seiner Berliner Dissertation befasste er sich mit dem Liber Sancti Jacobi und den Jakobskult im 12. Jahrhundert. Er setzte sich das Ziel, „Religion und Gesellschaft im Zusammenhang zu betrachten“.Klaus Herbers: Der Jakobuskult des 12. Jahrhunderts und der „Liber Sancti Jacobi“. Studien über das Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Wiesbaden 1984, S. XI. Im Mittelpunkt der Analyse der Arbeit steht der Liber Sancti Jacobi, den er nach Mentalität und Interessen des Kompilators (Kapitel 4), nach der Ausrichtung des Jakobuskultes auf bestimmte soziale Gruppen (Kapitel 5) und der Verschränkung von Kult, Pilgerfahrt und Ökonomie (Kapitel 6) befragt. Für ein breiteres Publikum verfasste er über den Jakobsweg ein Buch. Darin schilderte er ausgehend von der Entdeckung des Grabes und der frühen Jakobustradition in Santiago die Entwicklung der Jakobusverehrung und der Pilgerfahrt über die Jahrhunderte.Vgl. dazu die Besprechungen von Bernhard Schneider in: sehepunkte 6, 2006, Nr. 10 [15. Oktober 2006] (online); Alison Stones in: Francia-Recensio 2008/2 (online).

Er veröffentlichte 2002 eine Darstellung über Pilgerfahrten und Zeugnisse des Jakobuskults in Süddeutschland.Vgl. dazu die Besprechung von Folker Reichert in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 63, 2004, S. 584 f. Mit Dieter R. Bauer gab er 2003 die Beiträge einer von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Krakau 1998 durchgeführten Tagung heraus. Damit wurden erstmals einschlägige Forschungen zum Jakobuskult für Ostmitteleuropa gebündelt.Vgl. dazu die Besprechung von Bernhart Jähnig in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 53, 2004, S. 579–580 (online).

Herbers gab 2014 mit Hans Christian Lehner die Beiträge einer interdisziplinären und internationalen Tagung aus dem Jahr 2011 heraus. Im Hinblick auf religiöses Unterwegssein in den Weltreligionen wurden zentrale Aspekte wie Motivationen, Vorschriften und Freiheit, Ort und Materialität behandelt.Vgl. dazu die Besprechung von Verena Türck in: Das Mittelalter 21, 2016, S. 205–207. Herbers befasste sich in seinem Beitrag Pilgrimages to St. Patrick’s Purgatory. A Glimpse into future? mit den Pilgerreisen des Hoch- und Spätmittelalters nach Lough Derg in Irland.Klaus Herbers: Pilgrimages to St Patrick’s Purgatory. A Glimpse into Future? In: Klaus Herbers, Hans Christian Lehner (Hrsg.): Unterwegs im Namen der Religion. Pilgern als Form von Kontingenzbewältigung und Zukunftssicherung in den Weltreligionen. Stuttgart 2014, S. 45–49.

Im Jahr 1996 veröffentlichten Herbers und Robert Plötz einen Auszug zum lateinischen Reisebericht (Itinerarium) über die Westeuropareise 1494/95 des bis zu seinem Tod in Nürnberg tätigen Humanisten, Arzt und Geographen Hieronymus Münzer.Klaus Herbers, Robert Plötz (Hrsg.): Nach Santiago zogen sie. Berichte von Pilgerfahrten ans „Ende der Welt“. München 1996. Zwei Jahrzehnte später hat Herbers mit seinem Erlanger Team nicht nur eine vollständige Übersetzung, sondern auch die kritische Edition des Reiseberichtes erarbeitet. Die 2020 veröffentlichte Ausgabe bildet zugleich bei den Monumenta Germaniae Historica den ersten Band der Reihe der Reiseberichte des Mittelalters. Ludwig Pfandl hatte 1902 eine Teiledition des Itinerariums veröffentlicht, die die Forschung die letzten 100 Jahre prägte, jedoch nur die Reiseroute in Spanien wiedergab.Ludwig Pfandl (Hrsg.): Itinerarium Hispanicum Hieronymi Monetarii. In: Revue Hispanique 48, 1920, S. 1–179. Herbers legt erstmals den gesamten Text in einer kritischen Edition mit Einleitung und Sachkommentar vor.Vgl. dazu die Besprechungen von Klaus Graf in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2021, S. 186–187 (online); Christof Paulus in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 113, 2021, S. 383–384 (online); Malte Prietzel in: Historische Zeitschrift 314, 2022, S. 201–202; Phillip Landgrebe in: Francia-Recensio 2022/3 (online). Parallel dazu veröffentlichte Herbers im Tübinger Narr-Verlag eine deutsche Übersetzung Der Reisebericht des Hieronymus Münzer. Ein Nürnberger Arzt auf der ‚Suche nach der Wahrheit‘ in Westeuropa (1494/95) und machte damit den Reisebericht einer breiteren Öffentlichkeit für weitere Forschungsvorhaben zugänglich.Vgl. dazu die Besprechungen von Jörg Schwarz in: Historische Zeitschrift 316, 2023, S. 461–462; Sandra Schieweck-Heringer in: Zeitschrift für Historische Forschung 51, 2024, S. 333–334.

Er ist Mitherausgeber der Jakobus-Studien. Im Jahr 2012 wurde er Vizepräsident und ist seit 2016 Präsident der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft, der zentralen Stelle der Jakobusforschung in Deutschland.

Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter