mini|Lucinda Williams in New York (2009) Lucinda Gayle Williams (* 26. Januar 1953 in Lake Charles, Louisiana) ist eine US-amerikanische Roots-Rock- und Alternative Country-Musikerin. Erst 20 Jahre nach ihrem Debüt gelang ihr 1998 mit dem Album Car Wheels on a Gravel Road der kommerzielle Durchbruch. Heute gehört sie zu den bekanntesten Vertreterinnen der Musikrichtung. 2002 wurde sie vom Time Magazine zur besten Songwriterin in den USA gewählt.

Leben Williams wurde als Tochter des Dichters und Literaturprofessors Miller Williams geboren. Er arbeitete unter anderem als Gastprofessor in Mexiko und Chile und in verschiedenen Orten im Süden der USA, bevor er eine Professur an der University of Arkansas erhielt. Die Erfahrung des Reisens und Umziehens prägten Persönlichkeit und Musik von Lucinda Williams. Früh schon zeigte sie Interesse an Musik und begann mit 12 Jahren Gitarre zu spielen.

Die frühen Jahre Mit Anfang 20 begann Williams öffentlich aufzutreten. Sie spielte in Austin und Houston eine Mischung aus Folk, Rock und Country. 1978 zog sie nach Jackson, Mississippi, wo sie ihr Debütalbum Ramblin' für das traditionsreiche Folk-Label Smithsonian/Folkways aufnahm. Es war eine Zusammenstellung verschiedener Country- und Bluescover. 1980 folgte das Album Happy Woman Blues, das ausschließlich aus eigenen Songs bestand. Keines der beiden Alben fand große Beachtung.

In den 1980er Jahren zog Lucinda Williams nach Los Angeles, wo sie beim Independent-Label Rough Trade Records unterschrieb. 1988 erschien hier ihr selbstbetiteltes Album Lucinda Williams. Der Song Like A Rose erschien zudem auf dem Sampler Music For The 90′s, Vol. 1, was ihr in Europa nicht unbedingt bei ihrer eigentlichen Zielgruppe etwas Bekanntheit verschaffte: Auf diesem zu Werbezwecken günstig verkauften Labelüberblick waren sonst hauptsächlich Indie-Rock- und Alternative-Rock-Bands wie New Order, Happy Mondays oder die Pixies vertreten. In den USA wurde immerhin die Single „Changed the Locks“ über eine zerbrochene Beziehung im Radio gespielt, wodurch sie unter Musikliebhabern und Musikern Fans gewann, unter anderem Tom Petty und die Silos, die beide den Song später coverten. Songs von diesem Album wurden relativ zeitnah auch von The Schramms und von Johnny Rodriguez nachgespielt.

1992 erschien das Album Sweet Old World auf dem Label Chameleon, eine sehr melancholische Platte, die sich zum Teil autobiografisch mit dem Selbstmord und Tod von Freunden beschäftigt. Williams war in den frühen 1990er Jahren vor allem als Songwriterin erfolgreich: Mary Chapin Carpenter nahm 1992 ein Cover ihres Songs „Passionate Kisses“ auf, das zu einem Country-Hit wurde und Williams 1994 einen Grammy Award für den besten Country Song einbrachte.

Williams war seitdem vor allem bei Kritikern und Musikinsidern beliebt, aber ihr kommerzieller Erfolg blieb bescheiden. Emmylou Harris, die mit Crescent City und Sweet Old World ebenfalls Kompositionen von Williams coverte, sagte über sie: „Sie ist ein Beispiel für das Beste, was Countrymusik zumindest behauptet zu sein. Aber aus irgendeinem Grund wird sie nicht wahrgenommen. Ich habe das starke Gefühl, dass der Countrymusik dadurch etwas entgeht.“

Lucinda Williams brachte sich auch in den Ruf, perfektionistisch und langsam im Studio zu sein. Sie brauchte sechs Jahre für das nächste Album Car Wheels on a Gravel Road. Währenddessen war sie jedoch als Gast auf Alben anderer Künstler vertreten - unter anderem im Duett mit Steve Earle auf dessen 1996er-Album I Feel Alright und 1998 auf dem Album Women in Prison von Evie Sands (produziert von Chip Taylor). Sie trug auch Songs für mehrere Compilations bei.

Der kommerzielle Durchbruch mini|250px|Lucinda Williams beim TFF.Rudolstadt (2009) 1998 gelang ihr mit Car Wheels on a Gravel Road der kommerzielle Durchbruch. Das Album enthielt unter anderem die Single Still I Long for Your Kiss, die auch in Robert Redfords Film Der Pferdeflüsterer zu hören war, wodurch das Album viel beachtet und besprochen wurde. Es erhielt den Grammy Award als bestes zeitgenössisches Folk-Album. Für das Musikgenre „Americana“ gilt es als stilprägend, grundlegend und wegweisend.Car Wheels on a Gravel Road' Turns 20: Lucinda Williams & Producer Steve Earle Reflect on Her Masterpiece, Billboard Magazine vom 30. Juni 2018, abgerufen am 5. September 2018. Williams tourte im Anschluss mit Bob Dylan, einem ihrer großen Vorbilder. Das Album fand wiederum bei einer Generation jüngerer Musikerinnen wie Waxahatchee viel Anklang und machte Williams ihrerseits zum Vorbild.Car Wheels On A Gravel Road Turns 20: Guest Essay By Waxahatchee’s Katie Crutchfield, Stereogum 29. Juni 2018, abgerufen am 3. Juli 2018.

Williams’ nächstes Album Essence (2001) setzte den Erfolg fort. Hier sind sparsamer produzierte, einfachere Songs zu hören, mit denen die Künstlerin sich weiter von der Mainstream-Countrymusik entfernte und die ihr neue Fans in der alternativen Musikszene einbrachte. 2002 gewann sie den Grammy Award als beste weibliche Rockinterpretin für die Single „Get Right With God“, einen untypisch schnellen Gospel-Rock aus dem ansonsten verhalteneren Album.

Ihr siebtes Album World Without Tears erschien 2003. Auf dem musikalisch vielfältigen und textlich eher düsteren Album blieb sie ihrem Stil aus melancholischen Country-Balladen und Midtempo-Rocknummern treu, experimentierte aber auch unter anderem mit Rap und elektrischen Blues, den sie bei Live-Konzerten vor allem in den Zugaben als Wurzel ihrer Musik feiert.

Danach folgte das Album West am 13. Februar 2007. Bereits eineinhalb Jahre später, am 10. Oktober 2008, erschien Little Honey mit 13 neuen Songs. Am 1. März 2011 wurde das Album Blessed veröffentlicht. Im September 2014 folgte das Doppelalbum Down Where the Spirit Meets the Bone auf dem von Williams selbst gegründeten Plattenlabel Highway 20. Im Januar 2016 veröffentlichte Williams das Album The Ghosts of Highway 20, dessen Lieder sich auf den Highway Nr. 20 beziehen, der die US-amerikanischen Nordstaaten durchquert. Im Mai 2020 veröffentlichte sie das Album Good Souls Better Angels, das der Rolling Stone zum Album des Monats machte.

2023 veröffentlichte Williams ihre Autobiographie mit dem Titel Don't Tell Anyone the Secrets I Told You: A Memoir. Darin verarbeitet sie ihre traumatische Kindheit im Süden der USA und gibt Einblicke, wie sie sich mühsam eine erfolgreiche Karriere in der Musikindustrie erarbeitete. Im Juni 2023 erschien ihr Album Stories from a Rock n Roll Heart. Bei dem Stück „New York Comeback“, das auch als Single veröffentlicht wurde, steuerte Bruce Springsteen zusammen mit seiner Ehefrau Patti Scialfa den Hintergrundgesang bei. 2024 sang Williams ein Duett mit Mike Campbell („Hell or high water“), das auf seinem Album Vagabonds, Virgins And Misfits erschien. Im Januar 2026 erschien mit World's Gone Wrong das 16. Studioalbum von Lucinda Williams. Ein zentrales Thema dieses Protestalbums ist die aktuelle politische Lage in den USA.

Der Rolling Stone listete Williams 2015 auf Rang 79 der 100 größten Songwriter aller Zeiten.

Schlaganfall Am 17. November 2020 erlitt Lucinda Williams in ihrem Haus in Nashville einen Schlaganfall und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte entdeckten dort ein Blutgerinnsel. Fünf Wochen später wurde sie wieder entlassen. Williams musste das Laufen neu erlernen und mittlerweile geht sie wieder auf Tournee. Zu Beginn der Konzerte führt Tom Overby, ihr Ehemann, sie immer ans Mikrofon. Sie singt auch, aber Gitarre spielen kann sie nicht mehr.

Diskografie

Studioalben

Livealben

Singles

Gastauftritte

Videoalben 2005: Lucinda Williams – Live from Austin, TX (aufgezeichnet 5. Dezember 1998) 2008: Lucinda Williams – Live from Austin, TX 1989 (aufgezeichnet 13. Oktober 1989)

Auszeichnungen für Musikverkäufe Goldene Schallplatte

2002: für das Album Car Wheels on a Gravel Road

Auszeichnungen Drei Grammys für Best Country Song (1994) für Best Contemporary Folk Album (1998) für Best Female Rock performance (2002)

Weblinks

lucindawilliams.com (englisch) (deutsch) beim Rolling Stone (englisch) Holly Hobbs: Lucinda Williams. Eintrag bei 64 Parishes: Encyclopedia, 27. Februar 2013, zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2021.

Quellen

Kategorie:Country-Sänger Kategorie:Alternative-Country-Musiker Kategorie:Songwriter Kategorie:Grammy-Preisträger Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Frau