Serbisch Orthodoxe Kirche200pxPorfirije Perić Basisdaten Oberhaupt Patriarch Perić Mitglieder 12.000.000 (Stand: 2022) Priester 410.219 (Stand: 2020) Ordensleute 300.000 (Stand: 2022) Anschrift Kralja Petra I 5Belgrad Website www.spc.rs mini|hochkant|Flagge der Serbisch-Orthodoxen KircheArtikel 4 der kirchlichen Konstitution, 2. Ausgabe, Belgrad 1957, siehe Als Serbisch-Orthodoxe Kirche (, abgekürzt СПЦ/SPC) werden die autokephale orthodoxe Kirche von Serbien und die ihr nachgeordneten Kirchen bezeichnet. Sie bilden gemäß dem allen orthodoxen Kirchen gemeinsamen Glaubensbekenntnis zusammen mit den anderen orthodoxen Kirchen die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche (serbisch jedinu, svetu, sabornu i apostolsku crkvu).

Laut dem orthodoxen Kirchenkanon ist das Patriarchat in Belgrad für das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, im eigentlichen Sinn für alle sich als orthodoxe Christen Bekennende unabhängig ihrer Volkszugehörigkeit, zuständig und somit offiziell eine Landeskirche, da es dem orthodoxen Kirchenrecht entsprechend keine Nationalkirchen gibt. Die meisten Gläubigen sind Serben. Nach dem Zerfall Jugoslawiens und durch die große weltweite serbische Diaspora und ihrer historischen Rolle tritt sie in Teilen als Nationalkirche Serbiens auf.

Geschichte Anfänge des Christentums in Serbien Die heidnischen Slawen besiedelten aus dem Norden seit dem Ende des 6. Jahrhunderts die Balkanhalbinsel. Die serbischen Stämme kamen zwar in dieser Zeit mit dem Christentum in Kontakt, denn die alteingesessene Bevölkerung war seit über 200 Jahren christlich, aber es sollte mehrere Jahrhunderte dauern, bis die Südslawen den neuen Glauben annahmen. Vielmehr brachte die Landnahme der Slawen auf dem Balkan zunächst den Untergang der meisten antiken Bischofssitze zwischen Donau und Ägäis.

Kaiser Leon VI. gliederte im Jahr 732 das westliche Illyricum dem Patriarchat von Konstantinopel an, doch beanspruchte der römische Papst auch weiterhin die kirchliche Jurisdiktion. Nach der Errichtung des byzantinischen Themas Dalmatien um 870 gesellte sich zum lateinischen Einfluss in den Küstenstädten auch ein griechischer. Um 860–870 missionierten Kyrill und Method im Gebiet der Morava. Method war auch Erzbischof von Pannonien mit Sitz in Sirmium, dem heutigen Sremska Mitrovica. Unter seiner Kirchenleitung sollen sich nach verschiedenen Quellen ebenso die serbischen Stämme befunden haben.

Der endgültige Übertritt der Serben zum Christentum dürfte unter Mutimir (um 850–891) erfolgt sein, sein Nachfolger Petar Gojniković (892–917) trägt bereits einen christlichen Vornamen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Frage nach der kirchlichen Jurisdiktion unumstritten gewesen sein: Papst Johannes VIII. forderte Mutimir im Jahr 873 auf, Methodios als Bischof Syrmiens und Pannoniens anzuerkennen.Jean-Marie Mayeur et al. (Hrsg.): Geschichte des Christentums [dt. Üb.], Bd. IV, 1994, S. 950ff.

Während der vorübergehenden Expansion (924–927) des bulgarischen Zaren Simeon fielen innerserbische Gebiete wahrscheinlich unter die Gerichtsbarkeit der Bulgarischen Kirche. Unter Fürst Časlav (927–950) erlangte Serbien seine Unabhängigkeit zurück, geriet jedoch um 971–976 vorübergehend unter byzantinische Herrschaft. Nach dem endgültigen Zerfall des Ersten Bulgarischen Reichs und serbischer Länder unter byzantinischer Herrschaft im Jahr 1018, unterstanden sie dem nun byzantinischen Erzbistum Ohrid.Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien 815–1459; München: Beck, 2000; ISBN 3-406-45024-5; S. 85.

Das große Schisma von 1054 schuf eine unsichtbare kirchlich-kulturelle Grenze, die mitten durch das altserbische Reich ging. Die westliche Hälfte mit den Küstenstädten Dalmatiens, Zachlumien, Travunien, Bosnien und Duklja verblieben überwiegend im Rahmen der römischen Kirche. Zu Roms Unterstützern zählten hier insbesondere die dioklitischen Könige Mihailo und Bodin, wobei letzterer die Gründung des Erzbistums Bar erwirkte. Die römisch-katholische Mission ging von den Erzbistümern Split, Bar und Dubrovnik aus. Im serbischen Binnenland deckte sich die Jurisdiktion des Erzbistums Ohrid weitgehend mit dem byzantinischen Herrschaftsbereich.

Welche Auswirkungen dies haben konnte, zeigt die Geschichte Stefan Nemanjas, der zwei Mal, sowohl von lateinischen als auch von griechischen Priestern getauft wurde. Nemanjas Reich umfasste Gebiete auf beiden Seiten der Grenze, er unterhielt daher Beziehungen zu beiden Kirchen und beschenkte auch beide, zeigte aber eine gewisse Präferenz zur Orthodoxie, während seine Söhne Stefan und Vukan die serbisch-dioklitischen Könige zum Vorbild hatten und dem Katholizismus zuneigten. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Krönung Stefans zum König durch einen päpstlichen Legaten im Jahr 1217. Trotz allem stellte sich die Neigung Nemanjas jüngsten Sohnes Rastko (Mönchsname Sava) zur Ostkirche und zum Athos-Mönchtum als richtungsweisend heraus.

Erzbistum Žiča-Peć (1219–1346) mini|hochkant|Sava um 1228, Kloster Mileševa

Eine kardinale Rolle bei der Gründung der serbischen Kirche spielte Sava (Sabbas) (* um 1175; † 1236), der jüngste Sohn Nemanjas.

Zu Nemanjas Zeiten war die kirchliche Organisation in der Hand des Erzbistums Ohrid, mit Bistümern in Niš, Ras, Prizren, und Lipljan, sowie vorübergehend in Drač. Infolge des Vierten Kreuzzugs zerfiel das byzantinische Reich in zwei Teile. Über den westlichen Teil herrschte der Despot von Epirus, Theodor Angelos Komnenos Dukas, welcher dem Nemanjiden-Staat feindlich gesinnt war, und auf dessen Territorium sich der Sitz des Erzbistums Ohrid befand.

Nemanjas Söhne Stefan und Sava nutzten die Wirren nach der Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches, um eine vom Erzbistum Ohrid unabhängige Kirche ins Leben zu rufen. Sava begab sich 1219 nach Nikaia, wo der vertriebene Kaiser Theodor I. Laskaris und der Konstantinopler Patriarch Manuel I. Sarantinos residierten, und erbat ihre Erlaubnis für die Gründung eines autokephalen serbischen Erzbistums. Die Bitte wurde ihm gewährt und Sava im selben Jahr zum Bischof geweiht und zum Erzbischof ernannt.

Nach seiner Rückkehr bestimmte Sava das Kloster Žiča, eine Stiftung seines Bruders Stefan, zum Sitz des Erzbischofs. Darüber hinaus errichtete er zehn Bistümer, davon acht in Raszien (Ras, Toplica, Moravica, Dabar, Budimlje, Hvosno, Prizren und Lipljan), und je eines in Zeta (bei Kotor) und Zachlumien (in Ston).D. Bogdanović: Preobražaj srpske crkve. In: Istorija srpskog naroda2, I, 1994, S. 317f. Im Zuge der Expansion des serbischen Reiches kamen folgende Bistümer schrittweise hinzu: Belgrad, Braničevo, Niš, Banjska, Lipljan, Velbužd, Skoplje, Tetovo und Debar.R. Grujić: Žičko-pećka arhiepiskopija. In: Narodna enciklopedija, IV, 1928, S. 1334.

Sava besorgte Neufassungen des Nomokanons und monastischer Typika und widmete sich der Bildungsarbeit am Klerus. Die Glaubensdogmen wurden in einer Redaktion des orthodoxen Synodikons festgelegt. Darin wurden die Lehren der Kirchenväter und die Beschlüsse ökumenischer Konzilien für gültig erklärt und eine Reihe von Häresien, von denen das Bogumilentum am bedeutendsten war, verurteilt. Gemeinsam mit Stefan verfasste Sava eine Vita seines Vaters und schuf so einen Personenkult um Nemanja, der nach seinem Tod als Mönch Simeon heiliggesprochen wurde.

Savas stärkster theologischer Gegner war der Ohrider Erzbischof Demetrios Chomatenos, der die Gründung eines serbischen Erzbistums als unkanonisch verurteilte. Chomatenos' Protest fand nur wenig Gehör, besonders nachdem er Theodor Angelos gekrönt hatte, sehr zum Missfallen des Patriarchen in Nikaia. Außerdem anerkannten Jerusalem, Alexandrien und Antiochien Savas autokephales Erzbistum.

Im Jahr 1253 wurde das Kloster Žiča von Bulgaren und Kumanen geplündert. Der Erzbischofssitz wurde daraufhin in das Kloster Sveti spas bei Peć verlegt. Das Pećer Kloster blieb bis zur endgültigen Auflösung des Patriarchats im Jahr 1766 Sitz der serbischen Patriarchen, mit Unterbrechungen von 1382 bis 1459, als die Patriarchen wegen der Osmanengefahr in Žiča und in Smederevo residierten.

Infolge der Expansion des Nemanjiden-Reiches kam es zu einer engen Bindung zwischen Kirche und Staat. Alle Nemanjiden stifteten je mindestens ein Kloster, ausgenommen Radoslav, welcher nur einen Zubau zum Kloster Studenica vornehmen ließ. Am bedeutendsten war das von Nemanja gestiftete Athos-Kloster Hilandar. Die serbischen Könige setzten sich aber auch weiterhin für ihre katholischen Untertanen ein, so zog etwa Uroš I. gegen Dubrovnik, um die Rechte des Erzbistums Bar zu verteidigen.

Patriarchat von Peć 1346 bis 1463 Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts machten sich latinophobe Erscheinungen bemerkbar, die mit der Expansion der ungarischen Könige bzw. Angeviner einhergingen. Mitte des 14. Jahrhunderts waren die Fronten bereits verhärtet: Der Erzbischof von Bar war ein erbitterter Feind der serbischen Kirche, während das Gesetzbuch von Stefan Dušan die Bekehrung zur „lateinischen Häresie“ verbot.S. Ćirković: Pravoslavna crkva – Srednji vek. In: Enciklopedija Jugoslavije1, VI, 1965, S. 589f.

Das Reich Stefan Dušans umfasste das gesamte Erzbistum Ohrid. Nur Zachlumien ging 1326 an die Bosnier verloren, Ston und Pelješac wurden 1333 Dubrovnik gegen eine jährliche Tributzahlung übergeben (500 Silberstücke für das serbische Kloster der Hl. Erzengel in Jerusalem). Dušan plante sich zum Zaren zu ernennen und benötigte ein Gegenstück zum Konstantinopler Patriarchen. Kanonisch wurde dies mit der Tradition begründet, die kirchliche und territoriale Situation anzugleichen, wie es seit der Metropolitanverfassung üblich war. Dušan ließ daher 1346 in Skopje den Pećer Erzbischof Joanikije II. zum Patriarchen ernennen. Sieben Tage später ließ er sich zum „Kaiser der Serben und Griechen“ krönen (eigentlich Kaiser und Autokrator der Serben und Römer, d. h. Byzanz). All dies geschah zwar in Einvernehmen mit dem Tarnowoer Patriarchen, dem Ohrider Erzbischof und dem Athos-Mönchtum, aber ohne Zustimmung des Patriarchen von Konstantinopel.

Die Errichtung des Patriarchats änderte nur wenig an den kirchlichen Zuständen. Die Autokefalie des Erzbistums Ohrid blieb unangetastet, die Athos-Klöster behielten ihre Privilegien. Die Bistümer Skopje, Prizren, Zeta und Raszien wurden zu Metropolien aufgewertet. Das Kloster Lesnovo wurde zum Sitz eines neuen Bistums, das zur Metropolie Skopje gehörte. Die neu hinzugekommenen griechischen Eparchien im Süden wurden mit loyalen Bischöfen besetzt. An den Rechten des Klerus wurde nichts geändert.

In den Jahren 1349 und 1354 wurde das Gesetzbuch Stefan Dušans proklamiert, das wichtige Bestimmungen betreffend das Patriarchat enthielt. Wie in Byzanz oblag die Wahl des Patriarchen einem Rat aus kirchlichen und weltlichen Vertretern, in Einvernehmen mit dem Kaiser; die Bischöfe wurden von einer Synode gewählt. Der Titel des Patriarchen lautete „von Gottes Gnaden Erzbischof und Patriarch aller serbischen und primorischen Länder“ (bis 1375 „Patriarch der Serben und Griechen“). Der Patriarch hatte eine Kanzlei samt Logotheten.