Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (tschechisch Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války, in neuer Übersetzung auch Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg) ist ein unvollendeter, antimilitaristischer Schelmenroman von Jaroslav Hašek, geschrieben 1920–1923. Der Protagonist Josef Schwejk (tschechisch Švejk) ist ein satirisch überzeichneter Prager Charakter, der sich mit List und Witz durchs Leben schlägt und als Soldat im Ersten Weltkrieg mit Chuzpe und übertriebenem Gehorsam die Missstände in der österreichisch-ungarischen Armee offensichtlich macht.

Entstehung der literarischen Figur VermutlichWilly Prochazka: Satire in Jaroslav Hašek’s novel “The Good Soldier Schweik”. Doktorarbeit, New York University, Juni 1966, S. 87, berichtet, diese Darstellung sei zu lesen bei Jiří Skalička in der von 1949 bis 1959 (monatlich) erschienenen Literaturzeitschrift Nový Život. lieh Hašek den Namen seines braven Soldaten bei einem Reichsratsabgeordneten der tschechischen Bauernpartei (Agrarier) aus, der Josef Švejk hieß und dafür bekannt war, immer mit der Regierungspartei zu stimmen und in seinen seltenen Wortmeldungen meist Unsinn von sich zu geben. Auf diesen Abgeordneten soll die damals populäre Redensart „Pan Švejk – něco žvejk« (etwa: »Herr Schwejk sprach eben – wieder mal daneben“) gemünzt gewesen sein.Laut Gustav Janouch: Jaroslav Hašek. Der Vater des braven Soldaten Schwejk. Francke-Verlag, Bern, München, 1966, S. 250 f. gab ihm diese Auskunft der anarchistische Schriftsteller Michal Mareš persönlich. Demnach soll derselbe Abgeordnete auch in mehreren Beiträgen des sozialdemokratischen Satireblatts Kopřivy Ziel des Spott gewesen sein.

Inhaltlich hat die literarische Figur Josef Schwejk aber nichts mit dem vermutlich namensgebenden Abgeordneten zu tun. Möglicherweise kam Hašek die Idee für den braven Soldaten Schwejk durch die Lektüre einer Geschichte, die 1905 in der auch in Prag erhältlichen und von Hašek viel gelesenen deutschen satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus erschien und in tschechischer Übersetzung in der sozialdemokratischen Prager Tageszeitung Právo lidu nachgedruckt wurde.Radko Pytlík: Toulavé house: Zpráva o Jaroslavu Haškovi. Prag 1971. Zitiert nach Cecil Parrott: Jaroslav Hašek. A study of Švejk and the short stories. Cambridge University Press, 1982, S. 75.

Es gibt vier Ausführungen der Figur, die sich über verschiedene Veröffentlichungen hinweg wandelte: Die Theaterstücke: Die Figur namens Schwejk erscheint erstmals in dem im April 1911 uraufgeführten Stück U bratří Makabejských (»Bei den makkabäischen Brüdern«), das Hašek zusammen mit František Langer und weiteren Mitstreitern von der satirischen Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze nach einer Idee seines Freundes Eduard Drobílek geschrieben hatte.František Langer: Byli a bylo. (»Es waren und es war.«) Praha, 1963, S. 45. Im selben Umfeld wurden weitere Stücke entwickelt und aufgeführt, in denen eine Figur vorgekommen sein soll, insbesondere in der Trilogie Pevnost, Pružnost, Tažnost (etwa: »Festigkeit, Elastizität, Dehnbarkeit«).Willy Prochazka: Satire in Jaroslav Hašek’s novel “The Good Soldier Schweik”. Doktorarbeit, New York University, Juni 1966, S. 33 f. Die Kurzgeschichten: Ab Mai 1911 erschienen die ersten Kurzgeschichten mit Schwejk in der Zeitschrift Karikatury.Cecil Parrott: Jaroslav Hašek. A study of Švejk and the short stories. Cambridge University Press, 1982, S. 97. Ein erster Sammelband erschien als Der brave Soldat Schwejk und andere merkwürdige Geschichten in Prag 1912. In Deutschland wird dieser Band auch Urschwejk genannt. Die Erzählung: Eine lange Zeit wenig beachtete Vorform des Schwejk-Romans erschien, als Hašek im Dienst der Tschechoslowakischen Legionen stand: Der brave Soldat Schwejk in der Gefangenschaft, Kiew 1917.Cecil Parrott: Jaroslav Hašek. A study of Švejk and the short stories. Cambridge University Press, 1982, S. 103–108. Der Roman: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk / Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg, Prag 1921–23.

mini|hochkant|Jaroslav Hašek als österreichischer Soldat im Weltkrieg 1915

Eingang in die Weltliteratur fand die Schwejk-Figur des ab 1921 veröffentlichten Romans. Sie ist komplexer als ihre Vorgänger und enthält viel Autobiographisches, vor allem Erlebnisse Hašeks als Soldat im Ersten Weltkrieg: anfänglich als Einjährig-Freiwilliger im k.u.k. 91. Infanterie-Regiment in Budweis, das bald nach Bruck an der Leitha verlegt wurde, „wo Hašek die meisten Gestalten seines einzigen Romans kennenlernte. So gab es dort, wie später in seinem Buch, den Hauptmann Ságner, den Oberleutnant Rudolf Lukáš (Lukasch), den dienstführenden Feldwebel Vaněk (Wanek), den Major Wenzl usw. Wie Erinnerungen von Zeitgenossen und spätere Forschungen zeigten, übernahm Hašek die Charakterzüge dieser Personen fast ohne Korrektur.“Jaroslav Dresler: Die Abenteuer des Braven Soldaten Hašek. In Osteuropa Nr. 04+05 (1962), S. 301–306. Einige Züge der Persönlichkeit Schwejks (wie etwa das exzessive Anekdotenerzählen) sind nach dem Offiziersdiener des Oberleutnants Rudolf Lukáš, František Strašlipka, modelliert.Cecil Parrott: Jaroslav Hašek. A study of Švejk and the short stories. Cambridge University Press, 1982, S. 156. Diese Position hat auch die Romanfigur Schwejk eine Weile lang inne.

Während des Krieges desertierte Hašek und lief zu den Russen über. Nach der Oktoberrevolution wurde er Kommissar in der politischen Abteilung der 5. Armee der Roten Armee und trat der Kommunistischen Partei bei. Kurz nach seiner Rückkehr aus Simbirsk in Sowjetrussland begann er Anfang 1921 in Prag mit der Arbeit am Roman. Den ersten Teil schrieb er zum Teil in Wirtshäusern, wo er den Gästen seine Entwürfe vorlas und sich von ihrem Urteil leiten ließ. Anfangs veröffentlichte Hašek den Schwejk in Form von Heften, die er gemeinsam mit seinem Freund A. Sauer selbst herausgab. Erst nach einem halben Jahr konnte er einen Verleger, Adolf Synek, finden. Im Herbst 1921 übersiedelte Hašek nach Lipnice, wo er bis zu seinem Tod am Švejk arbeitete.

Inhalt des Romans Erster Teil: Im Hinterland Die Handlung beginnt am Tag der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand. Josef Švejk, der „vor Jahren den Militärdienst quittiert hatte, nachdem er von der militärärztlichen Kommission endgültig für blöd erklärt worden war und der sich durch den Verkauf von Hunden, hässlichen, schlechtrassigen Scheusälern, ernährte, deren Stammbäume er fälschte“, begibt sich ins Prager Gasthaus „Zum Kelch“ bzw. „U kalicha“ (Anspielung auf den Hussitenkelch), wo er mit dem Wirt Palivec und dem einzigen Gast über das Attentat von Sarajevo diskutiert. Wie sich herausstellt, ist dieser Gast der Zivilpolizist Bretschneider, der Schwejk und Palivec wegen hochverräterischer Äußerungen verhaftet. Der Untersuchungsrichter lässt Švejks Geisteszustand untersuchen; dieser verbringt einige Tage im Irrenhaus und ist kurz darauf wieder in Freiheit, während Palivec für die Aussage, dass die Fliegen auf sein Kaiserbild geschissen hätten, zu zehn Jahren verurteilt wird.

mini|Schwejk wird abgeführt, Illustration 1912

Nach einiger Zeit erhält Schwejk die Einberufung zum Kriegsdienst. Wegen seines Rheumatismus ist er – oder stellt sich – gehunfähig und lässt sich im Rollstuhl zur Assentierung (Musterung) führen. Im Garnisonsspital werden die Patienten – Simulanten wie echte Kranke – durch allerlei Misshandlungen dazu bewogen, sich für gesund und frontdiensttauglich zu erklären. Schwejk kommt in den Garnisonsarrest, wo der Feldkurat Otto Katz bei einer Predigt auf ihn aufmerksam wird. Der versoffene Feldkurat („bevor er die Weihen empfing, betrank er sich bis zur Bewusstlosigkeit in einem sehr anständigen Hause mit Damenbedienung“) nimmt Schwejk als Diener zu sich. Nach etlichen Abenteuern und alkoholischen Exzessen verspielt der Feldkurat beim Kartenspiel Schwejk an Oberleutnant Lukáš.

Als Offiziersdiener („Putzfleck“ oder auch „Pfeifendeckel“ genannt) assistiert Schwejk bei den amourösen Eskapaden des Oberleutnants („Hatte sie viele Wünsche?“ – „Beiläufig sechs.“). Die glückliche Zeit geht zu Ende, als Lukáš von Schwejk einen gestohlenen Hund zum Geschenk erhält. Der frühere Eigentümer des Hundes, der „ehrenwerte Idiot“ Oberst Kraus („Besitzer des Prädikates: von Zillergut, nach irgendeinem Dorf in Salzburg, das seine Vorfahren bereits im achtzehnten Jahrhundert verfressen hatten“) trifft Oberleutnant Lukáš mit dem gestohlenen Hund an. Lukáš wird zum 91. Infanterieregiment nach Budweis versetzt und soll mit diesem an die Front gehen.

Zweiter Teil: An der Front Im Zug von Prag nach Budweis betätigt Schwejk die Notbremse. In Tábor versäumt er den Zug, vertrinkt das Fahrgeld und muss daher zu Fuß nach Budweis gehen. Auf diesem Fußmarsch, „Švejks Budweiser Anabasis“, gelangt er nach einigen Abenteuern nach Putim, wo er vom Gendarmeriewachtmeister für einen Spion gehalten wird. Von einem schwer betrunkenen Postenführer wird Schwejk beim Rittmeister in Písek abgeliefert, der ihn zu seinem Regiment nach Budweis zurückschickt.

Das 91. Regiment wird nach Bruck an der Leitha, dessen Militärlager (heute Bruckneudorf) sich damals in der ungarischen Reichshälfte befand, verlegt. Schwejk reist in Gesellschaft des Einjährigfreiwilligen Marek bequem im Arrestantenwagen. In Bruck an der Leitha überbringt er einen Liebesbrief des Oberleutnant Lukáš irrtümlich an den Gatten der Angebeteten, worauf es zu einer wüsten Schlägerei zwischen Tschechen und Ungarn kommt und Schwejk den Liebesbrief vernichtet, indem er ihn aufisst.

Dritter Teil: Der glorreiche Zusammenbruch Der dritte Teil handelt von der Zugfahrt des 91. Regiments quer durch Ungarn nach Sanok ins (heute polnische) Galizien. Schwejk ist nun Ordonnanz, sein Nachfolger als Putzfleck ist der verfressene Baloun, der seinen ständigen Heißhunger mit den für Oberleutnant Lukáš bestimmten Portionen zu stillen versucht. Der Transport ist von Chaos, Ineffizienz und langen Wartezeiten gekennzeichnet. In zahlreichen Episoden werden Offiziere und andere Würdenträger vorgestellt: Der ebenso dumme wie hinterhältige Leutnant Dub; der strebsame Kadett Biegler, der sich vor Budapest im Traum als großen Helden sieht, aber wegen seiner vollen Hosen nur mehr als der „beschissene Kadett Biegler“ bezeichnet wird; der „Latrinengeneral“ („… um halb neun scheißt sich das Militär auf der Latrine aus und um neun Uhr wird schlafen gegangen. Vor so einem Heer flieht jeder Feind entsetzt“), und viele andere.

Von Sanok marschiert die 11. Marschkompanie des 91. Regiments in Richtung Front. Schwejk als Quartiermacher marschiert voraus und begegnet einem geflüchteten russischen Kriegsgefangenen, der in einem Teich badet. Aus Neugier zieht er die russische Uniform an und gerät in österreichische Kriegsgefangenschaft.

Vierter Teil: Fortsetzung des glorreichen Debakels Nach einigen Mühen gelingt es Švejk, seine Bewacher davon zu überzeugen, dass er kein Russe ist. General Fink will ihn ohne weiteres Aufheben sofort als Spion hinrichten lassen, lässt aber doch noch beim 91. Regiment nachfragen. Der fromme und biedere Feldkurat Martinec versucht, Schwejk vor der Hinrichtung geistlichen Trost zu spenden, scheitert jedoch völlig, weil Schwejk ihm ununterbrochen Geschichten erzählt und ihn nicht zu Wort kommen lässt. Sehr zum Missfallen des Generals kommt ein Telegramm, dass Schwejk unverzüglich zu seiner Kompanie zurückzuschicken sei.

Durch Hašeks frühen Tod blieb der vierte Teil des Romans unvollendet.

Charakteristik Stets schafft Schwejk sich neue Freunde oder bringt lächerliche Autoritäten, die weder sich selbst noch andere ausstehen können, zur Weißglut. Dabei helfen ihm sein unerschöpfliches Repertoire an Anekdoten, sein Mut zu handeln und seine treuherzige und stoische Gelassenheit.