Das Rheinberger Platt oder die Rheinberger Mundart (Eigenbezeichnung: Rinbäärkse Plat) ist eine kleverländische Dialektvariante, die in der niederrheinischen Stadt Rheinberg und den heute zu Rheinberg gehörenden Ortsteilen Ossenberg, Millingen, Alpsray, Budberg und Eversael gesprochen wird.

Unterschiede innerhalb der kleverländischen Dialektgruppe und ihre Südgrenze mini|Kleverländisch im Nordwesten in lila

Innerhalb des Kleverländischen besteht das Rheinberger Platt aus einer Gruppe recht ähnlicher Lokalmundarten, die auch in den benachbarten Dörfern Ossenberg, Millingen, Alpsray, Budberg und Eversael gesprochen werden. Das Rheinberger Platt unterscheidet sich durchaus wiederum vom südlich angrenzenden Grafschafter und Vluyner Platt oder der südwestlich gesprochenen Straelener Mundart, aber auch von der nördlich angrenzenden Gocher Variante. Die Unterschiede liegen vor allem in der Umsetzung der alten westgermanischen Langvokale und Diphthonge /i:/, /u:/, /au/ und /ai/ (Quelle Horster 1996).

Regionale Unterschiede der kleverländischen Mundarten

GochRheinb.StraelenVluynDuisburgZeittittittiittiittiitHaushüshüshuushuushuusKrautkrütkrütkruutkruutkroutBaumboomboombuemboumboum Beinbeenbeenbienbeinbäin

Dass selbst innerhalb des Rheinberger Platts feine Unterschiede bestehen, erkennt man wiederum vor allem an der unterschiedlichen Umsetzung von westgermanisch /u:/ und /au/ (Horster 1996).

Unterschiede innerhalb der Rheinberger Mundart

Osbg.Mill.Alps.Rhbg.Budb.Evers.Haushüs/husüüüüüuKrautkrüt/krutüüüü/uuuZauntün/tunüüü/uuuubraunbrunuuuuuuTaubeduuvuuuuuuuuuuuu

Die Abkürzungen bedeuten: Osbg. = Ossenberg, Mill. = Millingen, Alps. = Alpsray, Rhbg. = Rheinberg, Budb. = Budberg und Evers. = Eversael.

Dialektbewahrung und Sprachgebrauch Josef Gormanns hat 1989 ein Wörterbuch der Rheinberger Mundart und Theodor Horster 1996 ein Rheinberger Wörterbuch herausgegeben, damit haben beide einen entscheidenden Schritt zur Bewahrung des Rheinberger Platts gemacht. Während die ältesten Bewohner Rheinbergs und der umliegenden Dörfer sich immer noch zuweilen untereinander im Platt unterhalten, kann es die Gruppe der mittelalten einheimischen Bürger gerade noch verstehen, die Jüngeren oder Kinder kommen kaum noch mit der niederrheinischen Mundart in Kontakt.

Als Beispiel für die Rheinberger Mundart einige Sätze aus einem Bericht über das große Hochwasser mit Eisgang aus dem Jahre 1929 aus Gormanns 1989 (in vereinfachter Notation):

Regiolekt Der niederrheinische Regiolekt Auf einer Ebene zwischen der deutschen Hochsprache und der lokalen Mundart ist der niederrheinische Regiolekt anzusiedeln, eine Variante des Standarddeutschen mit mundartlichen Einsprengseln vor allem im lautlichen und lexikalischen Bereich, die heute von vielen Niederrheinern als Umgangssprache verwendet wird:

Hochdeutsch: Erzähle mir einmal, was das ist. Niederrheinischer Regiolekt: Erzähl mir ma, wat dat is. Rheinberger Mundart: Vertell mik es, wat dat is. Standardniederländisch: Vertel mij eens, wat dat is.

Literatur Rheinberger Platt Josef Gormanns: Wörterbuch der Rheinberger Mundart. Schriften der Stadt Rheinberg zur Geschichte und Heimatkunde, Band 2. Stadt Rheinberg 1989. Josef Gormanns (Hrsg.): Ons Modersprook in Rhinberk on Ömgägend. Zwei Bände. Michael Schiffer, Rheinberg 1980 und 1981. Theodor Horster: Rheinberger Wörterbuch. Eine Dokumentation der Mundart am unteren Niederrhein. Mit einer Einleitung von Georg Cornelissen. Rheinland-Verlag, Köln 1996. Frens Bakker, Joep Kruijsen: Het Limburgs onder Napoleon: Achttien Limburgse en Rijnlandse dialectvertalingen van 'De verloren zoon’ uit 1806–1807. 2007 (auf S. 130–132 findet sich eine Übersetzung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn in die Rheinberger Mundart aus dem Jahre 1806).

Verwandtes Elmentaler, Michael: Die Schreibsprachgeschichte des Niederrheins.In: Dieter Heimböckel (Hrsg.): Sprache und Literatur am Niederrhein. Peter Pomp, Bottrop 1998. Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. Peter Pomp, Bottrop/Essen 2000. Helmut Tervooren: Die sprachliche Situation am Niederrhein im 16. bis 18. Jahrhundert. In: Dieter Geuenich (Hrsg.): Der Kulturraum Niederrhein. Von der Antike bis zum 18. Jahrhundert. Peter Pomp, Bottrop 1996. Aloys Wittrup: Aus Rheinbergs vergangenen Tagen. Michael Schiffer, Rheinberg 1955.

Weblinks Tonbeispiel vom Rinbäärkse Plat der Sprachabteilung am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland

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