mini|Verwaltung der Robert Bosch GmbH in Gerlingen Die Robert Bosch GmbH ist ein deutscher Technologiekonzern mit Sitz in Gerlingen.
Der Konzern ist unter anderem als Automobilzulieferer, als Hersteller von Industrietechnik (Rexroth), von Gebrauchsgütern (Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte) sowie von Energie- und Gebäudetechnik (Bosch Home Comfort Group, Sicherheitssysteme) tätig. Mit seiner Automobilsparte, die im Jahr 2020 für 59 % des Konzernumsatzes verantwortlich war, ist die Robert Bosch GmbH der weltweit größte Automobilzulieferer. Das Unternehmen beschäftigte im Jahr 2025 in Deutschland rund 123.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte deutschlandweit einen Umsatz von 17,8 Milliarden Euro. Bosch hat 500 Niederlassungen und Regionalgesellschaften in über 60 Ländern.
Unternehmensgeschichte 1886 bis 1920
Die Unternehmensgeschichte beginnt mit der Gründung der Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik in einem Hinterhof in Stuttgart-West am 15. November 1886. Robert Bosch hielt sich anfänglich mit Feinmechanik-Aufträgen über Wasser, aber eigentlich galt sein Interesse besonders der Elektrotechnik. Die ersten rund zehn Jahre waren seiner Aussage nach „ein böses Gewürge“. Eine Stabilisierung des Geschäfts kam ab 1895, als Stuttgart ein Elektrizitätswerk bekam und Bosch mit Elektroinstallationen beauftragt wurde. 1887 wurde der erste Niederspannungs-Magnetzünder von Bosch für Gasmotoren vorgestellt. Zehn Jahre später folgte der erste Magnetzünder für Automobile. Er machte die kleine Werkstatt zum produzierenden Unternehmen und Robert Bosch zum weltweit erfolgreichen Unternehmer. Der Grundstein für die Entwicklung von Bosch als Automobilzulieferer war damit gelegt. Bosch eröffnete 1901 in Stuttgart seine erste Fabrik und produzierte 1906 den 100.000. Magnetzünder. Im gleichen Jahr wurde der Achtstundentag bei Bosch eingeführt. 1910 erfolgte die Gründung und Errichtung des Zweigwerks in Feuerbach bei Stuttgart. 1909 führte Bosch die Schmierpumpe für Motoren ein („Bosch-Öler“), 1914 begann die Fertigung von Generatoren und Scheinwerfern im „Lichtwerk“ in Feuerbach. Durch die einsetzende Motorisierung des Straßenverkehrs wuchs das Unternehmen nach 1900 sehr schnell. Hatte Bosch 1901 noch eine Belegschaft von 45, waren es 1908 bereits mehr als 1.000 Menschen. Um qualifizierten Nachwuchs für die Kraftfahrzeugelektrik-Fertigung heranzuziehen, wurde August Utzinger von Robert Bosch mit dem Aufbau einer Lehrwerkstatt beauftragt, die 1913 ihre Arbeit aufnahm. Robert Bosch war selbst geprägt durch seine äußerst unbefriedigende Feinmechanikerlehre von 1876 bis 1879. Daraus leitet sein Biograf, der liberale Journalist und spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss, Boschs besonderes Augenmerk auf gute Ausbildungsbedingungen ab.
Die internationale Entwicklung von Bosch begann 1898 mit der Eröffnung einer Niederlassung in London, im Jahr darauf in Paris, Wien und Budapest. Bis 1909 war Bosch mit Handelspartnern auf allen Kontinenten vertreten: 1906 in New York (USA) und Johannesburg (Südafrika), 1907 in Sydney (Australien), 1908 in Buenos Aires (Argentinien), 1909 in Shanghai (China), 1910 in Rio de Janeiro (Brasilien) und 1911 in Tokio (Japan). Die erste Fabrik außerhalb Deutschlands eröffnete Bosch 1905 in Paris, die erste auf einem anderen Kontinent im Jahr 1912 in Springfield, Massachusetts (USA). Im Jahr 1917 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und blieb es bis 1937, als Robert Bosch nach dem Rückkauf seiner Anteile wieder zum Alleineigentümer wurde. Dabei wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt. Am 15. März 1919 erschien die erste Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift Bosch-Zünder, die bis heute existiert.
Maßgebliche, von Bosch entwickelte Produkte waren:
Jahr18871896190519061908191019121914Magnetzünder Jubiläum11.00050.000100.000250.000500.0001.000.0001.955.551
Jahr189818991900190519061907190819091912Magnetzünder Jahresproduktion138> 400> 1.00033.00047.00052.00066.000183.000400.000
Jahr1927193019341950Einspritzpumpe Dieselmotor Jubiläum110.000100.0001.000.000Einspritzpumpe Ottomotor Jubiläum1
1920 bis 1945
mini|Bosch-Werk Feuerbach, zerstörtes Metallwerk nach Bombenangriff, 1944
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Bosch die meisten internationalen Besitzungen, darunter auch die Fabriken in den USA. Das Unternehmen musste die internationalen Aktivitäten weitgehend neu aufbauen. Dazu gehört auch die Erschließung weiterer südamerikanischer und asiatischer Regionen. 1922 wurde durch Illies & Company beispielsweise ein Verkaufsbüro für Bosch-Waren in Kalkutta (Indien) gegründet. In den Folgejahren schloss Bosch Verträge in Asien mit Vertriebspartnern beispielsweise in Malaysia, Singapur, Thailand und dem heutigen Indonesien ab, auf den amerikanischen Kontinenten beispielsweise mit Partnern in Mexiko, Peru, Kolumbien und Ecuador.
In den 1920er Jahren erweiterte Bosch die Produktpalette um zahlreiche Kraftfahrzeugtechnikprodukte, die im Alltagsbetrieb für Autos erforderlich waren: elektrisches Horn (1921), Scheibenwischer (1926) und Fahrtrichtungsanzeiger („Winker“, 1927). Ebenfalls 1921 wurde in Hamburg die erste Service-Werkstatt Bosch Dienst eröffnet. 1927 brachte Bosch Diesel-Einspritzpumpen auf den Markt. Gleichzeitig zu dieser Diversifizierung in der Kraftfahrzeugtechnik wandte sich Bosch nach einem krisenhaften Umsatzeinbruch in der Kraftfahrzeugbranche 1925 und 1926 anderen Geschäftsfeldern zu, um das Unternehmen besser gegen branchenspezifische Krisen zu schützen. Robert Bosch zog sich im Alter von 65 Jahren 1926 aus der operativen Führung des Unternehmens zurück. Im dreiköpfigen Vorstand der damaligen Robert Bosch AG saßen Hermann Fellmeth, Karl Martell Wild und Hans Walz, der als Nachfolger von Robert Bosch den Vorsitz einnahm. Der Unternehmensgründer starb am 12. März 1942.
mini|Blaupunkt-Autoradios,verschiedene Generationen
mini|Kühlschrank von Bosch1950–1954
1929 gründete die Robert Bosch AG mit Zeiss Ikon, Baird Television Ltd. und D. S. Loewe die Fernseh AG. In den Folgejahren leistete dieses Unternehmen Bedeutendes auf dem Gebiet der Fernsehtechnik. 1932 erfolgte der Kauf der Gasgeräteproduktion des Unternehmens Junkers & Co., die Entwicklung der ersten Bosch-Bohrmaschine und die Präsentation des ersten Blaupunkt-Autoradios. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 stellte das Unternehmen seinen ersten elektrischen Kühlschrank vor, der das elektrische Kühlen in Privathaushalten erschwinglich machen sollte. Der Kühlschrank war der Grundstein für die heutige Bosch-Hausgerätesparte BSH (zwischenzeitlich BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH). 1934 übernahm das Unternehmen den Kinoprojektorhersteller Eugen Bauer GmbH.
Das Jahr 1933 markierte den Beginn des dunkelsten Kapitels in der Unternehmensgeschichte. Einerseits war das Unternehmen während der NS-Zeit als Kraftfahrzeugausrüster systemrelevant, und das Management verhielt sich dem Regime gegenüber loyal. Andererseits unterstützte das Unternehmen unter Mitwirkung von Robert Bosch selbst unter größter Geheimhaltung oppositionelle, und gegen das Regime gerichtete Aktivitäten. Die Aktivitäten zur Rüstungsproduktion setzen bereits früh nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein: Bereits Ende 1933 begannen Verhandlungen zwischen der Robert Bosch AG und dem Regime über eine Verlagerung von Teilen der Rüstungsproduktion in das Landesinnere Deutschlands. Bosch gründete 1935 und 1937 zwei solcher Ausweichwerke: die Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) in Kleinmachnow bei Berlin und in Hildesheim die Elektro- und Feinmechanische Industrie GmbH, später Trillke-Werke GmbH (siehe Hildesheimer Wald: ELFI/Trillke/Bosch/Blaupunkt-Werk). Beide Werke dienten ausschließlich der Rüstungsproduktion. Diese „Schattenfabriken“ entstanden unter größter Geheimhaltung und in enger Zusammenarbeit mit den NS-Behörden. Die Bosch-Tochter DLMG in Kleinmachnow beschäftigte etwa 5.000 Personen, mehr als die Hälfte von ihnen waren Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und weibliche KZ-Gefangene, darunter viele Frauen aus dem Warschauer Aufstand. Sie mussten Zubehör für Flugzeuge der deutschen Luftwaffe produzieren. In Hildesheim entstand eine Tarnfabrik für die gesamte elektrotechnische Ausrüstung von Panzern, Zugmaschinen und Lastkraftwagen der Wehrmacht. Ab Oktober 1943 fuhr kein neuer deutscher Panzer mehr ohne die Kraftfahrzeugelektrik aus Hildesheim. 1944 arbeiteten 4.290 Männer und Frauen in den Trillke-Werken, davon waren 2.019 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Militärinternierte. Insgesamt mussten während des Zweiten Weltkriegs 2.711 Menschen im Hildesheimer Bosch-Werk arbeiten, die man aus den besetzten Ländern nach Deutschland verschleppt hatte. Während des Kriegs wurde die Produktion weiter dezentralisiert, Bosch produzierte in einer immer größeren Zahl von Fabriken und verlagerte Teile der Fertigung an 213 Stellen in mehr als 100 Orten. Nach einer Studie zweier Historiker beschäftigte die Bosch-Gruppe „während des gesamten Krieges mindestens 20.000 Zwangsarbeiter“. Im Rahmen eines Projekts der Berliner Geschichtswerkstatt wurden zahlreiche ehemalige Zwangsarbeiterinnen und KZ-Häftlinge der DLMG und der Trillke-Werke interviewt, zur Geschichte der beiden Schattenfabriken recherchiert und dazu mehrere Bücher und Ausstellungen veröffentlicht.Angela Martin: Ich sah den Namen Bosch. Polnische Frauen als KZ-Häftlinge in den Dreilinden Maschinenbau GmbH. Metropol, Berlin 2002, ISBN 3-932482-79-4.Ewa Czerwiakowski, Angela Martin (Hrsg.): Muster des Erinnerns. Polnische Frauen als KZ-Häftlinge in einer Tarnfabrik von Bosch. Metropol, Berlin 2005, ISBN 3-936411-69-7.Ausstellungen in Zusammenarbeit mit Hanna Sjöberg: Rathaus Kleinmachnow 2006 … auf dem Boschgelände, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin 2008 z. B. Bosch, Haus der Begegnung mit der Geschichte Warschau 2011 Versteckt im Wald 2016 wurde die Website „Bosch – Zwangsarbeit im Hildesheimer Wald“ freigeschaltet.
Ungeachtet der Beteiligung an der Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit unterstützte Robert Bosch bis zu seinem Tod 1942, wie auch sein Nachfolger Hans Walz, den liberalen Widerstand gegen Adolf Hitler und bewahrte jüdische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor der Verschleppung in Konzentrationslager. Außerdem unterstützte Walz jüdische Organisationen finanziell, die Verfolgten des Systems die Flucht aus Nazi-Deutschland ermöglichten. Unternehmenschef Walz, Mitglied im Verein zur Abwehr des Antisemitismus, hatte bereits im Mai 1933 im Namen und Auftrag Robert Boschs gegen die antijüdische Politik des NS-Regimes protestiert. Wenige Monate später, am 11. Oktober 1933, hatte Robert Bosch in einem Schreiben an den deutschen Außenminister auf die Fortführung internationaler Verständigung, v. a. der ihm selbst am Herzen liegenden deutsch-französischen Verständigung, insistiert. Ohne Erfolg, denn Deutschland trat am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund aus.