Von den einteiligen vierachsigen Triebwagen der Baureihe 627 beschaffte die Deutsche Bundesbahn (DB) insgesamt 13 Fahrzeuge in zwei Bauserien. Entwickelt wurden sie zusammen mit den zweiteiligen Triebzügen der Baureihe 628.
Geschichte
Das Bundesbahn-Zentralamt in München entwickelte ab 1972 zusammen mit den Unternehmen Duewag und MaK einen neuen Triebwagentyp in Leichtbauweise für den Einsatz auf Nebenbahnen, der einteilig als Baureihe 627 und zweiteilig als Baureihe 628 gefertigt werden sollten. Teile aus dem Lastkraftwagen-Bau, wie die Motoren, fanden Verwendung. 1974 wurden acht Exemplare mit zwei verschiedenen Motortypen gebaut. Nach eingehender Erprobung wurden 1981 weitere fünf leicht veränderte Fahrzeuge gebaut und als Baureihe 627.1 geführt. Sie erhielten im Unterschied zu den mit Längssicken versehenen ersten Fahrzeugen eine glatte Außenhaut, einen horizontalen Knick im unteren Frontbereich und – statt automatischer Scharfenbergkupplungen – reguläre Zug- und Stoßeinrichtungen. Letztere wurden 1984/85 auch in die erste Serie eingebaut, um eine universelle Verwendung mit anderen Baureihen zu ermöglichen. Außerdem hatten sie statt der Übersetzfenster nur noch Klappfenster und eine andere Sitzbauart. Zu einer Serienfertigung kam es im Gegensatz zur Baureihe 628 nicht.
Die von MaK hergestellten Fahrzeuge 627 001, 002 und 006–008 waren zunächst beim Bahnbetriebswerk Kempten (Allgäu) beheimatet, die drei LHB-Wagen 627 003–005 hingegen beim Bahnbetriebswerk Braunschweig. 627 008 unternahm dabei im Frühjahr 1978 auch Testfahrten in den Niederlanden. Mit Beginn des Sommerfahrplans am 1. Juni 1980 wechselten schließlich auch die Braunschweiger Fahrzeuge nach Kempten (Allgäu), bevor im April 1986 alle acht 627.0 zum Bahnbetriebswerk Tübingen gelangten. Von dort aus wurden sie bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2004 vor allem auf den Strecken Eutingen im Gäu–Schiltach und Hausach–Schiltach eingesetzt. Die Baureihe 627.1 war hingegen während ihrer gesamten Betriebszeit, die im Januar 2006 endete, in Kempten (Allgäu) stationiert.
Die Konstruktion bildete die Basis für die Turmtriebwagen der Baureihe 704.
Konstruktion Die Wagenkästen wurden aus Walzprofilen und gekanteten Blechen gefertigt. Die Drehgestelle waren nach Bauart Wegmann ausgeführt; hier wurde auf Leichtbauweise geachtet. Auf jeder Wagenseite waren zwei Schwenkschiebetüren vorhanden. Im Innenraum waren ein Fahrgastraum und ein Traglastenabteil mit Klappsitzen vorhanden. Die Sitze waren Vis-à-vis in Vierer-Gruppen angeordnet, lediglich 627 008 wies eine Reihenbestuhlung analog zu Omnibussen auf. Die Motoren und Getriebe waren unterflur elastisch am Rahmen aufgehängt. Die Primärfederung der Radsatzlager erfolgte mit Gummifedern, die Sekundärfederung der Drehgestelle mit Luftfederbalg und Niveauregulierung. Die Warmwasserheizung nutze die Abwärme des Motors, zusätzlich konnte ein Ölheizgerät verwendet werden. Die erste Lieferung war mit Scharfenbergkupplung ausgerüstet. Die Triebwagen konnten in Vielfachsteuerung mit bis zu sechs Einheiten mit der Baureihe 628 gefahren werden. Sie waren für den Einmannbetrieb eingerichtet.
Verbleib
Die 13 Fahrzeuge wurden zwischen 2001 und 2006 von der Deutschen Bahn komplett ausgemustert. Die Triebwagen 627 003, 005, 008, 101, 102, 104 und 105 fanden in Polen bei der Koleje Mazowieckie eine weitere Verwendung, der Rest wurde verschrottet. Der als Museumsfahrzeug vorgesehene 627 001 wurde 2005 beim Großbrand des Ringlokschuppens im Bahnbetriebswerk Nürnberg West (DB-Museum) zerstört und ebenfalls verschrottet. Die Fahrzeuge der ersten Serie wurden inzwischen verschrottet, die zweite Serie soll bis mindestens 2027 im Einsatz bleiben.
Trivia In dem Film Wallers letzter Gang fährt der Hauptdarsteller Waller zu Beginn in einem Triebwagen der Baureihe 627 zur Arbeit.
Literatur Klaus-J. Vetter: Das große Handbuch deutscher Lokomotiven. Bruckmann, München 2001, ISBN 3-7654-3764-6; S. 412 Vorserien-Triebwagen der BR 627/628 vor dem Einsatzende. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2004, , S. 492.
Weblinks
Loks aus Kiel: Baureihe 627
627 627 Kategorie:Schienenfahrzeug (DUEWAG) Kategorie:Verbrennungsmotortriebwagen