mini|280px|Ehemalige Reichsabtei Heggbach (2015)
mini|links|Haupttor des Klosters mini|links|hochkant|Ehemalige Abteikirche St. Georg Die Reichsabtei Heggbach ist eine ehemalige reichsunmittelbare Nonnen-Abtei des Zisterzienserordens in der heutigen Gemeinde Maselheim in Oberschwaben (Baden-Württemberg). Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben und ist seit dem Jahre 2000 Bestandteil der St. Elisabeth-Stiftung. Der zur Gemeinde Maselheim gehörende Ortsteil Heggbach hatte am 30. Juni 2024 265 Einwohner.
Geschichte mini|links|Kloster-Mühle Mittelalter Die Anfänge des Klosters sind nicht gesichert. Die früher angenommene Existenz einer klösterlichen Gemeinschaft in Heggbach schon vor 1175 gilt heute als unwahrscheinlich. Nach chronikalischer Überlieferung ging das Kloster aus einer in Maselheim „von zwei adeligen Fräulein, von Rosenberg und von Landenberg“ gegründeten Beginenklause hervor. Ein erstes urkundliches Zeugnis datiert erst von 1231, als der Konstanzer Bischof Konrad II. von Tegerfelden (1209–1233) den – nicht näher bezeichneten – Schwestern die zuvor dem Kloster Salem gehörende Pfarrkirche in Hecchibach übereignete: Sie durften den Pfarrer selbst bestimmen und die Einkünfte der Kirche nutzen. Dies markierte einen wichtigen Schritt im Bestreben, einen informellen Zusammenschluss frommer Frauen in eine mit Rechten und Einnahmen ausgestattete Institution umzuwandeln. Als treibende Kraft hinter dieser Entwicklung stand der Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf (1192–1240), der neben Heggbach fünf weitere Frauenklöster förderte und dem Zisterzienserorden zuführte. 1234 gehörte das Kloster bereits dem Orden an, als Papst Gregor IX. allen Unterstützern der Neugründung (novella plantatio) einen zwanzigtägigen Ablass gewährte. Meisterin und Konvent fanden bei dieser Gelegenheit erstmals explizit Erwähnung. Die Gründungsphase war 1248 abgeschlossen, als Papst Innozenz IV. dem Kloster einen großen Schutz- und Privilegienbrief erteilte, es dem Zisterzienserorden förmlich inkorporierte und die weitgehende Unabhängigkeit vom Diözesanbischof zusicherte. Die Vorsteherin des Konvents wurde nun offiziell als Äbtissin bezeichnet.
Der Ort Heggbach gehörte vermutlich bereits 1248 zur Gänze dem Kloster und wurde in einen landwirtschaftlichen Eigenbetrieb (Grangie) umgewandelt. Weiteren Besitz erwarb das Kloster durch Zukäufe und Schenkungen. Als Stifter erschienen zunächst die gräflichen Familien von Grüningen, Berg und Kirchberg, später traten neben der Biberacher Patrizierfamilie Gräter vor allem zwei Rittergeschlechter aus der näheren Umgebung hervor: die Herren von Freyberg und die Herren von Baustetten. Beide errichteten im Kloster Heggbach ihre Familiengrablege. Sämtliche Jahrtagsstiftungen – es waren so viele, dass der reguläre Gottesdienst darunter litt – wurden 1476 mit päpstlicher Erlaubnis zu einem einzigen Anniversarium zusammengefasst.
Nach 1300 folgte eine Phase der Konsolidierung. Um das Abteiterritorium abrunden zu können, wurde entlegener Streubesitz abgestoßen. Die mehrfach als Verkaufsgrund angeführten Schulden sind wohl dem Bau von Kirche und Konventgebäuden anzulasten, möglicherweise spielte auch ein Brand eine Rolle, dessen Einzelheiten nicht bekannt sind. 1343 weihte der Stellvertreter des Bischofs die große Kirche (Abteikirche St. Georg), an die später die Konventkapelle St. Agnes (geweiht 1500) und die freybergische Kapelle St. Anna (geweiht 1528) angefügt wurden. Die nördlich der Abteikirche gelegene ehemalige Pfarrkirche St. Pankratius blieb erhalten und diente später als Friedhofskirche.
Für das Kloster schuf um 1500 Gregor Erhart die Figur eines Christuskindes, die sich seit 1953 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Inv. Nr. 1953.35) befindet. miniatur|links|Die Reichsabtei Heggbach im 18. Jahrhundert (Gemälde)
Frühe Neuzeit Den Bauernkrieg überstand das Kloster ohne größere Schäden. In einer im Februar 1525 eingereichten Beschwerdeschrift forderten die Untertanen unter anderem die Aufhebung der Leibeigenschaft, der Fronen und des kleinen Zehnten. Ihrem auf Mäßigung bedachten Anführer, Ulrich Schmied aus Sulmingen, wird es zugeschrieben, dass die Bauern des Baltringer Haufens zwar die Lebensmittelvorräte des Klosters hinwegführten, nicht aber ihrem Unmut in Form von Gewalttätigkeit oder Brandstiftung Luft machten. 1531 versuchte die Stadt Biberach, die sich der Reformation angeschlossen hatte, die neue Lehre auch in Burgrieden einzuführen, wo die Stadt die Obrigkeit, Kloster Heggbach aber den Kirchensatz innehatte. Im Schmalkaldischen Krieg eskalierte dieser Konflikt: Biberach besetzte das Kloster, sodass von August bis Dezember 1546 kein katholischer Gottesdienst möglich war. Nach der Zerschlagung des Schmalkaldischen Bundes verzichtete die Stadt 1548 offiziell auf ihre Ansprüche in Burgrieden. Im Dreißigjährigen Krieg mussten sich Äbtissin und Konvent 1632 vor den heranrückenden schwedischen Truppen in Sicherheit bringen. Einige Nonnen blieben bis 1649 im Exil. Nach ihrer Rückkehr fanden sie Gebäude und Felder zwar verwahrlost, jedoch in der Substanz unversehrt vor. Nachdem die Schäden behoben waren, wurde die Kirche 1656 neu geweiht. Von 1687 bis 1716 erfolgte die Umgestaltung der Gebäude im Barockstil.
Säkularisation und heutige Nutzung 1803 gehörte das Kloster zur Entschädigungsmasse des Reichsdeputationshauptschlusses, die Reichsabtei wurde aufgelöst. Den Hauptteil ihres Klostergebiets erhielt Rudolf Waldbott von Bassenheim für das gräfliche Haus Waldbott von Bassenheim zugesprochen, die Orte Mietingen und Sulmingen fielen an die Grafen von Plettenberg-Mietingen. Beide Herrschaften wurden 1806 in der Rheinbundakte zugunsten Württembergs mediatisiert. Nach Aufhebung des Klosters erhielten die Zisterzienserinnen eine Pension und lebenslanges Wohnrecht. Die letzte Konventsfrau starb 1846.
Graf Hugo Waldbott verkaufte die Gebäude und die verbliebenen Ländereien 1875 an Fürst Franz von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Dieser stiftete das Kloster 1884 für die Barmherzigen Schwestern von Reute, die eine Anstalt für Epileptische, Schwachsinnige und Unheilbare einrichteten. Die Einrichtung besteht bis zur Gegenwart als Heggbacher Einrichtungen fort. Die Kernanlagen sind heute noch erhalten, wurden aber den verschiedenen Nutzungen, vor allem durch Neubauten, angepasst. Bei einem Brand im Jahre 1893 waren Kirche und Ostflügel abgebrannt.
Im Kloster überdauerte eine Madonna diesen Brand, deren Entstehung wohl in die Zeit um 1470 fällt. Das Kunstwerk wird der Ulmer Schule zugeschrieben; genannt werden dabei der Umkreis von Hans Multscher, der Meister des Tiefenbronner AltarsGeorg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstgeschichte, Teilband Baden-Württemberg, bearbeitet von Friedrich Piel, Deutscher Kunstverlag München 1964, S. 187 aber auch Jörg Syrlin der ÄltereEine These von Wolfgang Deutsch aus dem Jahre 1977 lautet, Syrlin der Ältere sei mit dem anonymen Meister der Heggbacher Madonna identisch, so u. a. im Magazin sehepunkte 2003 / 3 auf www.sehepunkte.de/2003/03/druckfassung/1275.html, abgerufen am 3. August 2014.
Rechtlicher Status mini|links|Tabula Seßionis (Sitzordnung) beim Schwäbischen Kreis in Ulm, 1669 Wie Salem selbst stand auch sein Tochterkloster in spätstaufischer Zeit unter dem Schutz und Schirm des Reichs und konnte fortan als Reichsabtei die angestrebte dauerhafte Reichsunmittelbarkeit auch nach dem Ende der Staufer im Spätmittelalter behaupten und in der Frühen Neuzeit festigen. 1481 übertrug Kaiser Friedrich III. der Reichsstadt Biberach förmlich die seit alters ausgeübte Schirmvogtei über Heggbach.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 456 U 266 Sichtbarer Ausdruck der Reichsfreiheit war die Aufnahme Heggbachs in die Reichsmatrikel von 1521. Das Kloster besaß über das Schwäbische Reichsprälatenkollegium Sitz und Kuriatsstimme auf Reichs- und Kreistagen. Auf der Prälatenbank des Schwäbischen Kreises hatte Heggbach seinen Platz zwischen Gengenbach und Gutenzell.Sitzordnung des Schwäbischen Kreises. Im 18. Jahrhundert wurde Neresheim zwischen Gengenbach und Heggbach eingeschoben. 1576 erteilte Kaiser Rudolf II. dem Kloster die Befreiung von fremden Gerichten.
In geistlichen Angelegenheiten stand Heggbach unter der Paternität der Zisterzienseräbte von Salem. So vertrat der Salemer Abt das Kloster in den Gremien des Ordens, führte regelmäßige Visitationen durch, beaufsichtigte die Wahl der Äbtissin und entsandte einen seiner Mitbrüder als Beichtvater nach Heggbach. Im 18. Jahrhundert kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Salem und den Tochterklöstern, sodass Abt Anselm II. Schwab 1752 die Paternität aufkündigte. Bis es 1765 zu einer gütlichen Einigung kam, war Heggbach dem Abt von Kaisheim unterstellt.
Territorium Besitzgeschichte
Das Kloster war zunächst dürftig ausgestattet und besaß 1248 nur den nordöstlich von Maselheim auf einem Bergrücken gelegenen Ort Heggbach. Da der dortigen Pfarrei im Jahr 1231 keine Gläubigen zugewiesen waren, handelte es sich wohl um eine Wüstung. Bis 1269 erwarb die Abtei schrittweise den gesamten Grundbesitz in Maselheim, womit auch Niedergericht und Kirchensatz verbunden waren. Zwischen 1275 und 1307 kam fast ganz Sulmingen hinzu, wobei 1290 mit einem größeren Besitzkomplex auch die Gerichtsrechte ans Kloster übergingen.
1396 verkauften drei Brüder von Freyberg den Zehnten zu Baltringen an das Kloster. Eine Schenkung der Familie Freyberg brachte 1420 den Kirchensatz in Burgrieden ein. 1442 erwarb Heggbach von Konrad von Freyberg die Dörfer Mietingen und Wennedach. Um die Kaufsumme von 11.720 Gulden zu finanzieren, musste sich das Kloster von Streubesitz trennen, beispielsweise von den Zehnten in Großschafhausen und Orsenhausen, die es 1401–1404 erworben hatte. Meinungsverschiedenheiten mit Stift Buchau wegen dessen Leibeigenen, den so genannten Kornelierleuten, in Mietingen konnten erst 1569 vertraglich beigelegt werden.
Zwei Drittel von Baustetten kaufte das Kloster 1491 und 1503, den ersten Teil um 1920 Gulden von Hans Schad, den zweiten um 1307 Gulden von den Herren von Essendorf zu Ellmannsweiler. (Das restliche Drittel gehörte der Ulmer Familie Neidhart und kam 1584 an die Biberacher Almosenpflege.)
Damit hatte das Abteiterritorium seine endgültige Gestalt angenommen. Es umfasste die Dörfer Maselheim, Mietingen, Sulmingen, Wennedach, zwei Drittel von Baustetten und die im Jahr 1456 gegründeten Höfe zum Stein. Von einem Großteil der übrigen Güter – die nicht mit hoheitlichen Rechten verbunden waren – trennte sich das Kloster im Laufe der Zeit. Die letzte größere Transaktion datiert von 1578, als der Verkauf der sechs Höfe und acht Selden zu Laupheim 10.000 Gulden einbrachte. Neben Einkünften in Baltringen, Bronnen und Burgrieden behielt das Kloster bis zur Säkularisation seine Weingärten im Bodenseeraum, die sich in Markdorf konzentrierten und bis 1504 gemeinsamer Besitz Heggbachs und des Nachbarklosters Gutenzell waren.
1802 umfasste das Hoheitsgebiet knapp 50 Quadratkilometer, auf denen etwa 2000 Untertanen lebten. Die jährlichen Einkünfte wurden auf 12.000 Gulden geschätzt.
Gerichtsbarkeit