Prizren ( indefinit, definit Prizreni; ; , früher Pürzerrin, was „goldglänzend“ bedeutet; deutsch PrisrenDiercke Weltatlas im Westermannverlag, Ausgabe 1957, S. 65.) ist eine Stadt im Süden des Kosovo am Fuß der Šar Planina (Malet e Sharrit) unweit des wichtigsten Grenzübergangs zu Albanien. Sie ist Amtssitz der gleichnamigen Gemeinde und eines Bezirkes. mini|Die alte Steinbrücke überspannt die Bistrica. Im Hintergrund die Sinan-Pascha-Moschee und links auf dem Berg die Festung von Prizren Prizren spielt in der Geschichte des Kosovo eine wichtige Rolle. Es war für die Serbisch-Orthodoxe Kirche ein religiöses Zentrum und über Jahrhunderte eine der größten Städte der Region. Als Handelszentrum blühte die Stadt unter der serbischen und osmanischen Herrschaft auf und lockte sogar mitteleuropäische Kaufleute an, die Niederlassungen eröffneten. Mit dem Einzug des Islams im 15. Jahrhundert wurde Prizren regionales Zentrum einer weiteren Religion. Im Zeitalter des Nationalismus des 19. Jahrhunderts (Rilindja) war Prizren Treffpunkt albanischer Nationalisten, die versuchten – teils mit schriftstellerischer Tätigkeit, teils mit militärischer Gewalt – die Herrschaft der Osmanen in den albanischen Gebieten zu beenden und einen Nationalstaat zu gründen.
Heute ist Prizren – mit über 85.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes – vor allem ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, ein kulturelles Zentrum und mit ihrer teilweise erhaltenen Altstadt und den vielen historischen Bauten Anziehungspunkt für Touristen.
Geografie Geografische Lage mini|Ausblick von der Festung Richtung Westen
Prizren liegt im Süden des Kosovo. Im Norden grenzt sie an die Großgemeinden Gjakova, Rahovec, Mamusha, Suhareka und Štrpce. Im Südosten bildet der Gebirgszug der Šar Planina (alb. Malet e Sharrit) die natürliche Grenze zu Nordmazedonien. Nach Süden hat Prizren eine gemeinsame Grenze mit der Großgemeinde des Bergortes Dragash. Im Südwesten liegt Albanien, welches durch das Bergland von Pashtrik von der Großgemeinde getrennt wird.
Die Bistrica e Prizrenit durchfließt das südliche Stadtgebiet von Südosten kommend und mündet nach einigen Kilometern in südwestlicher Richtung in den Weißen Drin, welcher den ganzen westlichen Teil der Großgemeinde Prizren prägt.
Das Prizrener Stadtgebiet gehört zu Metochien (oder Dukagjin-Ebene genannt), der westlichen Landeshälfte Kosovos, und bildet das südöstliche Ende dieser landwirtschaftlich bedeutenden Ebene. Die höchsten Erhebungen der Großgemeinde sind die bis zu 2400 Meter hohen Gipfel der Šar Planina und des Pashtrik mit 1988 Meter Höhe über Meer.
Das Gemeindegebiet hat im Südwesten an der Grenze zu Albanien einen kleinen Anteil am Fierza-Stausee, wo sich mit 280 Meter Höhe der niedrigste Punkt befindet. In den Bergen im Süden und Südosten liegen zudem einige Gebirgsseen, wie der Brezna-See an der Passstraße zwischen Prizren und Dragash. Durch die vielen Unebenheiten und Gefälle gibt es im gebirgigen Umland eine Reihe von hohen Wasserfällen.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das etwa zehn Quadratkilometer große Siedlungsgebiet nimmt einen Hundertstel der Großgemeinde ein und hat eine maximale Nordwest-Südost-Ausdehnung von etwa 5,5 Kilometern und eine Nordost-Südwest-Ausdehnung von zirka 4,5 Kilometern. Wälder gibt es nur am direkt anschließenden Berghang im Südosten, sonst ist die Stadt von landwirtschaftlichen Flächen oder Grasländern umgeben.
Klima Entsprechend seiner Breitenlage äquatorwärts von 45° N liegt Prizren (φ 42° N) in den Subtropen.Wolfram Weischet, Wilfried Endlicher: Regionale Klimatologie, Teil 2 Die Alte Welt. B.G. Teubner, Stuttgart 2000, S. 213. Mit der Reliefumrahmung durch Šar Planina und Prokletije, sowie der abschirmenden Wirkung der zum Adriatischen Meer stark reliefierten albanischen Gebirge, gehört Prizren dennoch in den Bereich des südosteuropäischen Kontinentalklimas. Im Lee dieser Gebirge gelegen, ermöglichen die hier gemessenen 2137 Sonnenstunden pro Jahr den Anbau von Obst und Wein (Amselfelder).hidmet.gov.rs Amtliche Messreihe des Hidrometeoroloski Savez Srbije für die Regelperiode 1961–1990.Wolfram Weischet, Wilfried Endlicher: Regionale Klimatologie, Teil 2 Die Alte Welt. B.G. Teubner, Stuttgart 2000, S. 136.
Mediterraner Klimaeinfluss, der über Albanien und insbesondere über das transversal die Gebirge Albaniens querende Flusstal des Drin in das Gebiet des Kosovo eindringt, zeigt sich insbesondere über die Verteilung der Regenzeiten. Diese konzentrieren sich auf die regenreichen Wintermonate (Winterregenklima). Die mittleren Temperaturmaxima erreichen im Sommer schon fast 30 °C (28,5 °C im Juli), jedoch sind die Nächte mit 15,8 °C hier auch im Juli durch die Bodeninversion und Talwinde der Šar Planina noch nicht zu heiß.Wolfram Weischet, Wilfried Endlicher: Regionale Klimatologie, Teil 2 Die Alte Welt. B.G. Teubner, Stuttgart 2000, Vergleich der Regionalisierung der Mittelmeergebietes, Albanien ab S. 216. Im November und Dezember bewirken die noch relativ warmen Wassermassen des Mittelmeeres im Zusammenspiel mit den Adriazyklonen Herbst/Winter-Niederschlagsmaxima. Im Januar und Februar gibt es weniger Niederschläge und mehr Sonnenstunden.Der Januar weist in Prizren mit 100 Stunden Sonnenschein fast doppelt so viele Sonnenstunden wie der Dezember mit 54 auf. Die Sommer sind nicht gänzlich niederschlagslos; die Beckenlage Prizrens begünstigt Sommergewitter.
Im Winter liegen die mittleren Minima im Dezember (−1 °C), Januar (−3 °C) und Februar (−0,6 °C) deutlich unter dem Gefrierpunkt. Schneefall und periodische Schneedecken sind daher in Prizren regelhafte Ereignisse. Aufgrund dieser strengen Winter ist die Landnutzung in der Beckenlandschaft Metochiens auch auf winterharte Kulturen wie Weizen, Mais und Wein beschränkt.Wolfram Weischet, Wilfried Endlicher: Regionale Klimatologie, Teil 2 Die Alte Welt. B.G. Teubner, Stuttgart 2000, S. 217.
In den Sommermonaten sind vielerorts Waldbrände problematisch.
Geschichte Antike In der unmittelbaren Umgebung der Stadt befand sich die römische Siedlung Theranda in der Region Moesia des Römischen Reichs. „A Roman town ca. 76 km SW of Priština on the Bistrica river in the region of Kosovo and Metohija. It lay on the direct route from Lissos in Macedonia to Naissus in Moesia Superior. The town continued to exist during the 4th to 6th c. but was of far greater significance during the mediaeval period and was even capital of Serbia for a short time during the 14th c.“
Mittelalter Prizren als Stadt wird erstmals zu Beginn des 11. Jahrhunderts in byzantinischen Quellen als Sitz eines Bischofs erwähnt. Eine Bulle des Kaisers Basileios II. nennt Prizren als eine dem bulgarischen Erzbistum Ohrid unterstellte Eparchie. Sie umfasste damals nur einen Teil des heutigen Kosovo.
Spätestens 1216 wird Prizren – bis dahin unter byzantinischer Herrschaft stehend – Teil des Serbischen Reiches. Im serbischen mittelalterlichen Reich des Königs Stefan Uroš IV. Dušan war Prizren Handelszentrum; in seine Regierungszeit fällt auch die erste Erwähnung einer katholischen Kirche in Prizren. Von 1330 bis 1380 wurde eine Reihe katholischer Bischöfe von Prizren ernannt. Allerdings ist nicht bekannt, ob diese Ernennung rein nominell war (Titularbischof) oder ob die ernannten Bischöfe je ihre Diözese besuchten. Die Tolerierung eines katholischen Elementes in Prizren geht vermutlich auf die Anwesenheit kroatischer Kaufleute aus Dubrovnik (Ragusa) zurück, die hier 1332 ein Konsulat eröffneten.
Der albanische Nationalheld Gjergj Kastrioti Skanderbeg gründete mit einigen anderen albanischen und montenegrinischen Fürsten 1444 die Liga von Lezha, welche für die Verteidigung des Heimatlandes der Albaner und Montenegriner gegen die Osmanische Eroberung vorgesehen war. Der Machteinfluss lag über das ganze heutige Montenegro, Albanien, Kosovo, Epirus und Westmazedonien. Nach vielen erfolgreichen Schlachten starb Skanderbeg, und die Liga begann langsam zu zerfallen. Nach einigen weniger erfolgreichen Schlachten konnten die Osmanen die Gebiete der Liga erobern und ihrem Reich einverleiben.
Osmanische Periode mini|Prizren um 1860
Prizren kam im Jahr 1455 (andere Quellen nennen 1459) zum Osmanischen Reich. Die Errichtung der osmanischen Herrschaft bedeutete eine radikale Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Zustände. Die alten Regierungsstrukturen der serbischen Adeligen wurden vernichtet und in Prizren galt fortan das neue osmanische System. Unter anderem bedeutete dies für die (albanischen) Katholiken mehr Religionsfreiheit, welche im Vergleich zum serbischen Gesetz bei den muslimischen Osmanen höher entwickelt war.
Im Jahr 1488 übernahm Prizren die Hauptstadtfunktion eines Sandschaks. Im Jahr 1634 wurden in Prizren 12.000 Muslime, 600 Orthodoxe und 200 Katholiken registriert. 1813 wurde sie zum Amtssitz eines Vilâyets erklärt und als man diese Behörde im Jahr 1843 nach Skopje verlegte, übernahm Prizren wieder seine alte Funktion als Sandschakzentrum. Im Zuge der Tanzimat-Reformen des Osmanischen Reiches im Verwaltungswesen wurde Prizren 1868 wieder zur Hauptstadt eines Vilâyets erklärt (siehe hierzu Artikel Vilâyet Prizren). Im Jahr 1874 wurden die Behörden des Vilâyets einmal mehr verlegt. Diesmal erklärte man Pristina zum neuen Hauptort des Vilâyets (siehe hierzu Artikel Vilâyet Kosovo) und Prizren kehrte zurück zur tieferen Stufe eines Sandschaks. Diese Aufgabe hielt sie inne bis zum Ersten Balkankrieg, als serbische Streitkräfte die Stadt am 31. Oktober 1912 einnahmen.
Während des 19. Jahrhunderts war Prizren das zweitgrößte Wirtschafts- und Handelszentrum in den albanischen Gebieten. Zu Ende dieses Jahrhunderts gab es in der Stadt etwa 1500 Geschäfte. Das osmanische Jahrbuch von 1874 beziffert die damalige Einwohnerzahl mit 44.000.
Im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Prizren historischer Schauplatz der aristokratischen Familie Rrotlla. Diese bekämpften nicht nur ihre örtlichen politischen Gegner, sondern beanspruchten auch die Unabhängigkeit von der osmanischen Zentralregierung. Die Rrotlla regierten etwa 100 Jahre lang und gaben der Region Prizren einen gewissen Charakter eines Paschaliks.
Am 10. Juni 1878 gründeten Intellektuelle und Politiker aus allen albanischen Gebieten die Liga von Prizren. Sie formierte eine Übergangsregierung mit Ymer Prizreni an ihrer Spitze. Auf diese Weise wurde die Stadt zu einem Zentrum des damaligen albanischen Raumes.
Neuzeit mini|NATO-Denkmal in Prizren Nach dem Ersten Balkankrieg 1912/13 fiel das Kosovo mit Prizren vom Osmanischen Reich an das Königreich Serbien. Ende November 1915 besetzten österreichisch-ungarische Truppen Prizren,Hermann Stegemann: Geschichte des Krieges. Band 3, S. 478 f. im Oktober 1918 räumten sie es.Der österreichisch-ungarische Heeresbericht vom 11. Oktober 1918: Prizren und Pristina geräumt (online) Danach wurde die Stadt Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien). Zu Beginn des Balkanfeldzuges (Jugoslawien kapitulierte am 17. April 1941) konnten jugoslawische Truppen bei Prizren die Wehrmacht vorübergehend stoppen.Gerhard Schreiber, Bernd Stegemann, Detlef Vogel: Germany and the Second World War. Band 3, S. 505 (online)zum Abzug der Wehrmacht siehe Geschichte des Kosovo#Zweiter Weltkrieg Im föderalen System des sozialistischen Jugoslawien ab 1945 kam Prizren zur neu geschaffenen Teilrepublik Serbien als Teil der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo. Von 1999 bis 2008 gehörte die Stadt zu der unter UN-Verwaltung stehenden Provinz Kosovo, die sich am 17. Februar 2008 als unabhängige Republik erklärt hat. Die Republik Kosovo wird von Staaten anerkannt.