Der Regionale Naturpark Aveto () ist ein unter Naturschutz stehender Regionalpark in der italienischen Metropolitanstadt Genua in Ligurien. Er wurde 1995 gegründet und umfasst Gebiete der Gemeinden Santo Stefano d’Aveto, Rezzoaglio, Borzonasca, Mezzanego und Ne auf einer Gesamtfläche von 3018 Hektar.
Der Park befindet sich in dem biologisch wichtigsten Abschnitt des Ligurischen Apennins. Mit der Einrichtung des Naturparks soll die geologische Vielfalt und der Artenreichtum der Flora und Fauna erhalten werden. Nicht zuletzt sollen auch die Funde der ersten antiken Siedlungen auf diesem Gebiet geschützt werden.
Spezifikationen Die Fläche des Parks (3018 Hektarwww.parks.it) ist in folgende Gebiete unterteilt: Allgemeines, gerichtetes Reservat (Riserva Generale Orientata, RGO): 1340 ha Schutzgebiet (Aree di Protezione, AP): 1606 ha Entfaltungsgebiet (Aree di Sviluppo, AS): 45 ha Naturmonument (Monumento Naturale, MN): 27 ha
Die Unterteilung des Naturparks soll eine größere Effizienz beim Schutz und der Entwicklungsförderung, bei maximaler Besucherkapazität, ermöglichen. In der Riserva Generale Orientata soll sich die Natur entfalten können, wird jedoch unter menschlicher Aufsicht in eine bestimmte Landschaftsform gelenkt. Beispielsweise wird in diesem Gebiet der Vormarsch einer bestimmten Pflanzenart aufgehalten, um das ursprüngliche Landschaftsbild zu erhalten. Allein zu diesem Zweck ist das Eingreifen in die Natur dieses Reservatabschnitts gestattet.These: „Parchi E Aree Protette: Una Classificazione“
Im Gegensatz dazu wird als Monumento Naturale lediglich ein ganz spezifisches Naturelement und sein unmittelbares Umfeld unter Schutz gestellt. Solche Naturelemente haben „einen Besonderheits- oder Einzigartigkeitswert aufgrund ihrer innewohnenden Seltenheit, ihrer repräsentativen und ästhetischen Qualitäten oder aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung“.Rivista del Coordinamento Nazionale dei Parchi e delle Riserve Naturali Giugnio 1995 Naturmonumente des Regionalen Naturparks Aveto sind beispielsweise der Riesenmammutbaum von Allegrezze und die Buche Faggio 40.
Die Aree di Sviluppo zeichnen sich durch ein schützenswertes Landschaftsbild aus, in das Bauwerke (historische Siedlungen, Burgen, Kirchen etc.) von besonderem Interesse integriert sind. In diesem Bereich befinden sich auch oft Informations- und Serviceeinrichtungen für die Besucher.http://www.parks.it/parco.antola/pun.html Die Aree di Protezione umfassen hingegen Bereiche des Parks, die von der menschlichen Präsenz gekennzeichnet sind. Hier finden sich kleinere Dörfer und landwirtschaftliche Nutzflächen von besonderem historischen oder landschaftlichen Wert.
Allgemein ist zu erwähnen, dass die spezifische Unterteilung der Regionalparksoberflächen in unterschiedliche Schutztypen in Italien nicht einheitlich ist und eine landesweite Standardisierung noch aussteht.
Der Sitz der Parkverwaltung befindet sich in der Gemeinde Rezzoaglio. Präsident des Regionalen Naturparks Aveto ist Giuseppino Maschio (Beauftragter der Gemeinde Borzonasca). Der Park unterhält eine Partnerschaft zum Schweizer Parco delle Gole della Breggia.
Geschichte mini|links|Römische Brücke bei Santo Stefano d’Aveto
Die Region um den Naturschutzpark hat eine aus anthropologischer Sicht sehr alte Geschichte. Die ältesten menschlichen Spuren sind ungefähr 7000 Jahre alt (entspricht dem Mesolithikum).http://www.parks.it/parco.aveto/par2.html#Storia Sie stammen aus der Zeit, als die regionalen Stämme aus den Tälern ihre Jagdgebiete auf die wildreichen Höhenlagen des heutigen Schutzgebietes ausweiteten und damit begannen, in größerem Ausmaß Weidetiere zu halten. Durch die dafür notwendig gewordene Abholzung der Tannenwälder konnten Buchengehölze Fuß fassen, welche auf Grund günstiger klimatischer Verhältnisse nach und nach die Nadelhölzer verdrängten. Das Gebiet wurde wegen der hohen Kampfbereitschaft der Ligurer von den Römern nur mühsam kolonisiert.
Erste Schriftstücke mit Bezug zur Region des heutigen Parks gehen auf das Mittelalter zurück. In ihnen werden Fragen zur Bebauung und Schenkung von Grundbesitz behandelt. Um das Jahr 1000 begannen die Mönche von San Pietro in Ciel d'Oro der einheimischen Bevölkerung das Evangelium und landwirtschaftliche Techniken zu lehren. Außerdem werteten sie mit der Urbarmachung einiger Gebiete und dem Anlegen zahlreicher Pflanzungen die Region auf. Nachdem die Täler lange Zeit unter der Kontrolle verschiedener Lehnsherren waren (den Malaspina, De Mileto und den Fieschi), wurde 1797, mit deren Unterdrückung, das Territorium der Republik Genua zugesprochen. Während des Risorgimento widerfuhr der Region das gleiche Schicksal wie der Stadt Genua und in Folge jenes des vereinigten Italien.
Während des Zweiten Weltkriegs waren die Täler des heutigen Naturparks Schauplätze erbitterter Partisanenkämpfe. Nachdem die Partisanen anfangs noch die Berge als Rückzugsgebiete nutzten, stießen sie gegen Ende des Kriegs immer weiter gegen die Dörfer der Küstengebiete vor.
1995 wurde der Naturpark mit dem Regionalgesetz Nummer 12/1995 unter der offiziellen Bezeichnung Parco Naturale Regionale dell’Aveto gegründet. Seitdem sind an den Parkgrenzen keine Veränderungen vorgenommen worden.
Die Täler des Parks mini|Der Monte Penna mini|Der Monte Maggiorasca
Das Gebiet des Naturparks ist von drei morphologisch sehr unterschiedlichen Tälern durchzogen.
Das Avetotal Das Avetotal (Val d’Aveto), das durch den gleichnamigen Fluss gebildet wird, ist von einigen der höchsten Berge des ligurischen Apennins eingeschlossen: dem Monte Maggiorasca (mit 1804 Metern der höchste Berg der Metropolitanstadt Genua), Monte Penna (1735 Meter), Monte Groppo Rosso (1593 Meter) und dem Monte Aiona (1701 Meter). Das Tal zeichnet sich durch Hochlandschaften mit zahlreichen Weiden inmitten von weitläufigen Buchenwäldern aus. Die Rinderzucht im Avetotal hat die Landschaft nachhaltig geprägt.
Das Tal ist ein wichtiges Reiseziel im Hinterland von Tigullien, im Sommer wegen des kühlen Klimas, im Herbst zur Pilzsuche und im Winter zum Skifahren (Skilanglauf, Alpinski und Tourenskilauf). Das Tal wird durch den Fluss Aveto und viele kurze Nebenflüsse gebildet, welche zum Großteil Sturzbachcharakter haben; der größte von ihnen ist der Bach Gramizza.
Das Sturlatal Im Sturlatal (Valle Sturla) wachsen am Oberlauf der Sturla hauptsächlich Kastanien, im weiteren Verlauf dann Nuss- und Olivenbäume. Zwischen diesen sind Weiden und Gemüsegärten zu finden. Der das Tal durchfließende Sturlabach mündet in Nähe des Meeres in den Bach Lavagna. Das Tal weist somit auf wenigen Kilometern Länge eine große landschaftliche Vielfalt auf: sowohl Quellen und Berglandschaften, als auch klimatisch mildere, küstennahe Landschaftsformen, mit sanfteren Hügeln und Ebenen am Unterlauf. Die Sturla, nach der das Tal benannt ist, wird seit langer Zeit zur Stromgewinnung genutzt.
Das Gravegliatal Das Gravegliatal (Val Graveglia) hat von allen drei Tälern die interessanteste Geschichte. Die charaktergebenden Geo- und Felsformationen haben die Böden mit Mineralien angereichert, welche die Schaffung einer besonderen Umwelt ermöglichten, indem die spezifischen Nährstoffe eine sich aus dem Landschaftsbild Liguriens abhebende Vegetation förderten.
Gleichzeitig werden die antiken Einflüsse des Menschen auf diese Umwelt deutlich. Im Tal befinden sich zahlreiche Steinbrüche und Bergstollen, in denen seit vielen Jahren Rohstoffe abgebaut werden. Das Val Graveglia ist Ziel vieler Geologen und Speläologen, aber auch vieler Touristen. In der ländlichen Umgebung haben sich traditionelle Produkte aus Oliven, Weintrauben, Kastanien und Gemüse sowie kleine charakteristische Dörfer aus alter Zeit erhalten. Der namensgebende Gravegliabach mündet ebenfalls in die Lavagna und hat als größten Zufluss die Reppia.
Flora mini|links|Eine Manna-Esche (Fraxinus ornus)
Dank seiner großen Vielfalt an Böden, Landschaften und Mikroklimata besitzt der Park eine mannigfaltige Pflanzenwelt.
Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch durch Landwirtschaft und Viehzucht das Bild der drei Täler stark verändert. So sind im Park zahlreiche, künstlich geschaffene Wiesen, Weiden, Terrassenkulturen, Kastanienwälder und Haselnusspflanzungen zu finden. In den Wäldern trifft man auf Buchen, Eichen und Manna-Eschen sowie an den Wasserläufen auf Weiden und Erlen.
Im Park stehen einige Bäume, die nach dem Regionalgesetz Nummer 4/1999 zu Naturdenkmalen erklärt wurden: die Zypresse von Borzone und die Kastanie von Poggio (in der Nähe von Borzonasca), die Flaumeiche von Gòsita (Gemeinde Ne), der Riesenmammutbaum von AllegrezzeLe sequoia di Allegrezze: ricordi e tracce di emigranti tornati dall'America (italienisch/englisch/französisch) (Gemeinde Santo Stefano d’Aveto) und die Buche des Monte Zatta (auch Faggio 40 genannt, in Nähe der Gemeinde Mezzanego).
Auf dem Territorium des Avetoparks sind 39 endemische Arten anzutreffen (wobei sich der Endemismus bei den meisten Arten über die Parkgrenzen hinaus erstreckt, zumeist auf die angrenzenden Regionen des Alpen- und Apenningebirges), darunter die Primel Primula microdonta, die Alpen-Akelei (Aquilegia alpina), die Teufelskralle Phyteuma serratum, das Asterngewächs Robertia taraxacoides und Salzmanns Ginster (Genista salzmannii). Daneben existieren eine große Anzahl pflanzlicher Relikte aus der Eiszeit. Als Beispiel seien der Alpenwinterfarn (Woodsia alpina), verschiedene Arten von Torfmoosen (Sphagnum), die Österreichische Gämswurz (Doronicum austriacum), das Apennin-Windröschen (Anemone apennina), die Sumpfdotterblume (Caltha palustris), das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora) und der karnivore Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) angeführt.
Zu den Sträuchern des Parks zählt u. a. der Buchsbaum. Zusammen mit dem seltenen Saumfarn (Cheilanthes marantae), besiedelt er Gebiete mit Serpentinit-Gestein, die aufgrund des hohen Magnesium- und Chromgehalts von vielen Pflanzenarten gemieden werden. Am Ausgeprägtesten findet sich diese Vegetation auf dem Monte Bossea wieder, der von einem „Buschwald“ (Macchie) geradezu überzogen ist.
Fauna Die ausgedehnten Wälder des Territoriums haben sowohl in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart eine hohe Biodiversität ermöglicht. Die Fauna des Parks ist typisch für den Apennin. Die Spezies von höchstem touristischen Interesse sind sicherlich der Apenninwolf und das Rotwild. Beide hatten sich, nachdem sie in der Region nahezu ausgestorben waren, wieder im Park angesiedelt und stellen die einzigen Vertreter der größeren Säugetiere im Reservat dar.
Säugetiere mini|links|Reh (Capreolus capreolus) mini|Apenninwolf (Canis lupus italicus) mini|links|Brillensalamander (Salamandrina terdigitata)
Der Wolf hat die Region erst in jüngster Vergangenheit wieder besiedelt. Durch die Schutzräume und Rückzugsgebiete in den teilweise unzugänglichen Apenninen hat sich die Population stark erholt und beginnt sich auch in die Alpenregion auszudehnen. Die Rückkehr des Wolfes hängt stark vom Rehbestand in der Region ab, welches das Hauptbeutetier darstellt. In den letzten Jahren wurden verstärkt Versuche unternommen, Rehe auf dem Areal des Aveto anzusiedeln, um das natürliche Gleichgewicht zu stärken. In größerer Anzahl sind im Park Wildschweine, Füchse, Steinmarder und Eichhörnchen anzutreffen. Seltener sind dagegen Dachse, Iltisse und Hasen. Zu den Kleinsäugern des Parks zählen Siebenschläfer, Maulwürfe, Hasel-, Schnee-, Feld- und Wühlmäuse.
Vögel Die Vögel von größerer Bedeutung sind der Steinadler, der Habicht, der Schlangenadler, der Turmfalke und der Mäusebussard. Daneben sind im Park aber auch Rotschwänze, Felsenschwalben, Buchfinken, Bachstelzen, Stieglitze, Eichelhäher, Wiedehopfe, Kuckucke und Drosseln anzutreffen. Insgesamt nisten auf dem Gebiet des Avetoparks mehr als 60 Vogelarten. Der Facettenreichtum der Vogelwelt wird durch die Großzahl unterschiedlicher Mikroklimata begünstigt.
Amphibien und Fische