mini|hochkant=1.5|Brunnen am Marktplatz Olbernhau ist eine Kleinstadt im Erzgebirgskreis in Sachsen. Die „Stadt der sieben Täler“ wurde 1434 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Anfänge reichen jedoch zurück bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts.

Geographie Geographische Lage Die Stadt Olbernhau liegt im Mittleren Erzgebirge an der Grenze zur Tschechischen Republik. Sie wird auch „Stadt der sieben Täler“ genannt, weil sie im Tal der Flöha und ihrer Nebentäler liegt, deren Bäche in die Flöha münden. Die sieben Täler sind Flöhatal, Schweinitztal, Natzschungtal, Bielatal, Rungstocktal, Bärenbachtal und Dörfelbachtal. Olbernhau ist von Bergen zwischen 700 m bis 921 m (Lesenská pláň (Hübladung) auf tschechischer Seite – Luftlinie weniger als 5 km) Höhe umgeben, die sich bis zu beinahe 500 m über die Talsohle erheben. Der höchste Berg auf Olbernhauer Grund ist der Steinhübel mit 817 m über NN.

Stadtgliederung Ortsteile: Grünthal (1937 eingemeindet) Oberneuschönberg mit den Ortsteilen Hirschberg und Niederlochmühle (1950 eingemeindet) Niederneuschönberg (1950 eingemeindet) Kleinneuschönberg mit dem Ortsteil Reukersdorf (1950 eingemeindet) Blumenau (1994 eingemeindet) Rothenthal (1994 eingemeindet) Pfaffroda (2017 eingemeindet) Schönfeld (2017 eingemeindet) Hallbach (2017 eingemeindet) Hutha (2017 eingemeindet) Dittmannsdorf (2017 eingemeindet) Dörnthal (2017 eingemeindet) Haselbach (2017 eingemeindet)

Historische Ortsteile von Olbernhau sind Bauerndorf (westlich von Olbernhau)Historisches Messtischblatt der Region Olbernhau aus dem Jahr 1875, Leubnitz-Dörfel/Leibnitzdörfel (heutige Dörfelstraße und Verlängerter Dörfelweg) und Rungstock (heutige Rungstockstraße und Obere Rungstockstraße).

Geschichte Ersterwähnung und Namensherkunft Der Ortsname stammt vermutlich vom Eigennamen Albert (Albernhaw, Alberthau, Albernhau, Albretshain) ab und stellt den Einschlag vorhandenen Waldes (-hau) dar. Eine weitere Theorie der Namensherkunft ist, dass der erste Teil des Namens „Albern-“ tatsächlich soviel bedeutet wie „albern“ (Albernheit) und der zweite Teil „au“ ist die vom wechselnden Hoch- und Niedrigwasser geprägte Niederung entlang eines Flusses. Da Olbernhau nach der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren wahrscheinlich ein großer See war und das Wasser sich danach stets gewandelt hat und somit nie stillstand, auch durch die vielen Flüsse, war das Wasser oder die Au eventuell etwas „albern“. Die Anfänge des Ortes Olbernhau liegen in der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts. Der böhmische Adlige Slavko von Hrabischitz stiftete 1196 das Zisterzienser-Kloster Ossegg, auch um Erze im oberen Flöhatal zu suchen. Die älteste nachweisliche urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1434 (Albernaw). Aus diesem Vertrag geht hervor, dass Olbernhau an den Patrizier Caspar von Berbisdorf verkauft wurde.

Der älteste Nachweis bergbaulicher Tätigkeiten stammt von 1511. Mit der Reformation 1539 wurde Olbernhau selbstständige Parochie. 1556 wurde erstmals eine Schule erwähnt. Die erste steinerne Kirche wurde am 2. November 1590 eingeweiht.

Entwicklung des Ortes bis 1945 Um 1684 begannen erste Personen in Olbernhau mit der Herstellung von Büchsen. 1690 wurde im Rungstocktal die erste Olbernhauer Rohrschmiede errichtet. 1708 lieferte die Gewehrmanufaktur 12.000 Gewehre an die sächsische Armee. Eine neue Schule wurde 1748 errichtet. Der erste praktizierende Arzt ist 1777 nachweisbar. 1815 wurde eine Pulvermühle errichtet; in den Jahren 1835, 1850 und 1865 kam es zu Explosionen in der Fabrik. 1854 wurde die letzte Waffe in Olbernhau gefertigt. 1868 wurde ein neues Schulgebäude eingeweiht und 1869 die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Mit der Eröffnung der Flöhatalbahn am 24. Mai 1875 erhielt Olbernhau Anschluss ans Eisenbahnnetz. 1878 wurde ein Kindergarten eingerichtet. Bei einem heftigen Gewitter kam es am 30. Mai 1882 zu starken Überschwemmungen. Am 1. Januar 1885 wurde das Krankenhaus eröffnet, 1886 eine Gasanstalt erbaut und die Gasbeleuchtung eingeführt. 1890 wurde von Braumeister Clemens Ferdinand Köhler und seinem Sohn Clemens Theodor Köhler im Haus Am Markt 1 die Brauerei „Brauerei C. F. Köhler & Sohn“ eröffnet. Am 5. Juli 1892 wurde das erste Elektrizitätswerk Sachsens eröffnet, 1895 die Eisenbahnstrecke nach Neuhausen sowie eine Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen. Am 1. Januar 1902 erhielt Olbernhau das Stadtrecht. Am 25. Dezember 1906 wurde das im Jugendstil erbaute Konzert- und Ballhaus Tivoli eröffnet. Die Marktbrücke wurde 1928 verbreitert, das Schwimmbad 1930 eröffnet. 1936 wurde im Ort die von der NSDAP organisierte Ausstellung Grenzlandschaften präsentiert. Im Januar 1932 richtete ein Hochwasser beträchtlichen Schaden an. Das Gymnasium wurde 1940 als Oberschule eingeweiht. Am Schäfereiberg wurde 1944 eine Molkerei mit einer Tagesproduktionskapazität von 15.000 l fertiggestellt.

1945 bis ins 21. Jahrhundert Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs siedelten sich in Olbernhau einige Industriebetriebe an, darunter ein Blechwalzwerk (das hatte es schon zuvor gegeben, wurde jedoch umfassend modernisiert und erweitert), eine Kunstglasveredlung (1946 eingerichtet), viele Manufakturen, die Wachsblumen, Holzspielwaren, Möbel und Kunstgewerbe erzeugten. Auch die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie Zulieferbetriebe für den Fahrzeugbau entstanden. Verwaltungsmäßig galt Olbernhau als Industriestadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Im Jahr 1962 wurden 14.200 Einwohner gezählt.Meyers Neues Lexikon in acht Bänden. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1964/65, Band 6, Olbernhau; S. 257. Infolge der politischen Veränderungen nach 1990 und der Neubildung des Freistaates Sachsen gehörte Olbernhau zuerst zum Landkreis Marienberg, seit 2008 zum Erzgebirgskreis.

Vom 12. zum 13. August 2002 verwüstete das schlimmste Flöha-Hochwasser der Geschichte die Innenstadt und alle Häuser zu beiden Seiten des Flusses. Durch Spenden aus ganz Deutschland konnten die Schäden, die sich auf mehrere Millionen Euro beliefen, innerhalb eines Jahres größtenteils beseitigt werden. In den Folgejahren wurden die Ufer der oberen Flöha mit massiven Betoneinfassungen verbaut; künftige Hochwasser sollen in der vertieften Rinne schadlos abfließen. Zum 1. Januar 2017 wurde Pfaffroda nach Olbernhau eingemeindet.

Einwohnerentwicklung Die folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen für die Jahre bis 2016. 2017 wurde Pfaffroda eingemeindet.

1980–1989 1990–1999 2000–2009 2010–2019 2020– 1980: unbekannt 1990: 12.997 2000: 11.810 2010: 9.936 2020: 10.906 1981: unbekannt 1991: 12.650 2001: 11.591 2011: 9.780 2021: 10.570 1982: 13.903 1992: 12.669 2002: 11.405 2012: 9.439 2022: 10.458 1983: 13.813 1993: 12.608 2003: 11.284 2013: 9.276 2023: 10.144 1984: 13734 1994: 12.523 2004: 11.096 2014: 9.149 2024: 9.953 1985: 13.643 1995: 12.412 2005: 10.882 2015: 9.408 2025: 9.800 1986: 13.517 1996: 12.255 2006: 10.716 2016: 9.142 1987: 13.492 1997: 12.190 2007: 10.535 2017: 11.359 1988: 13.434 1998: 12.079 2008: 10.362 2018: 11.204 1989: 13.260 1999: 11.959 2009: 10.100 2019: 11.047

Eingemeindungen Mit der Eingemeindung von Pfaffroda 2017 als derzeit letzte Eingemeindung in die Stadt Olbernhau gehört die Stadt zu den flächengrößten Städten im Sachsen. Im Erzgebirgskreis ist die Stadt Olbernhau nach der Stadt Marienberg die flächenmäßig zweitgrößte Stadt.

Mit der Eingemeindung von Pfaffroda gehört auch das dortige Schloss zum Stadtgebiet. Die Besitzer von Schönberg haben in der frühen Geschichte des sächsischen Silberbergbaus eine außerordentlich wichtige Rolle gespielt. Zudem haben sie nach der Gegenreformation in Böhmen und damit bei der Aufnahme von Protestanten in ihrem Territorium (Ober-, Nieder-, Kleinneuschönberg) Bedeutsames geleistet.

Die Stadt plant einen Zusammenschluss gegebenenfalls auch mit Heidersdorf, Seiffen und Deutschneudorf, wobei Seiffen eine Fusion mit Heidersdorf und Deutschneudorf anstrebt.

Politik mini|Rathaus Olbernhau

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 17 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD126,7115,0––CDU521,3830,01150,3SPD418,6416,4siehe untenFDP418,4313,2313,5Bürgerinitiative Freie Bürger Olbernhau314,9314,1––Linke––16,7313,7Regionalbauernverband Erzgebirge–––2,9––Grüne–––1,7––SPD / WB––––522,4Wahlbeteiligung67,5 %65,2 %53,4 %

Bürgermeister 1990–2015: Steffen Laub (CDU) 2015–2022: Heinz-Peter Haustein (FDP) seit 2022: Jörg Klaffenbach +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Jörg KlaffenbachKlaffenbach52,72015Heinz-Peter HausteinHaustein72,32008 Steffen LaubCDU82,5200173,1199476,2

Wappen und Flagge mini|hochkant=0.85|Königstanne bei Olbernhau, Bild aus der Zeitschrift Die Gartenlaube (1883) 85px 85px|border

Städtepartnerschaften Seit 1989 besteht eine Partnerschaft mit Stadtbergen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben nahe Augsburg und seit 1992 mit Litvínov in Tschechien und Brie-Comte-Robert in Frankreich. Außerdem wurde eine Partnerschaft mit Pratovecchio Stia in der Toskana, Italien, eingegangen.

Seit dem 1. November 2004 ist die Stadt Mitglied im Regionalmanagement ErzgebirgeHomepage des Regionalmanagements Erzgebirge, abgerufen am 16. März 2015, einer Regionalinitiative des Erzgebirgskreises und weiterer zehn Kommunen des Erzgebirges.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und Plätze Die Stadt, durch die die Silberstraße führt, entwickelt vor allem den Tourismus. Olbernhau ist Ausgangspunkt für Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad und für Fahrten in die Umgebung mit ihren landschaftlichen und kulturhistorischen Besonderheiten.

In Olbernhau gibt es zwei Kirchengebäude, die evangelisch-lutherische Kirche (Adresse Blumenauer Straße 2) mit einem Pfarrhaus, einem (im Bau befindlichen neuen Gemeindezentrum) und einem angeschlossenen Friedhof sowie die römisch-katholische Kirche (Adresse Auf der Bleiche 28)Kurzinformation zur kath. Kirche Olbernhau.

Mit anderen Eingemeindungen hatte sich die Zahl der Kirchen im Stadtgebiet durch Gotteshäuser in Pfaffroda, Hallbach, Dörnthal und Oberneuschönberg erhöht, darunter die Wehrkirche in Dörnthal und die mit einer gewölbten Holzdecke in Oberneuschönberg als besondere Baudenkmale.

Das „Tivoli“ ist nicht nur wichtiges Beispiel für den Jugendstil, es war auch das gesellschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des oberen Erzgebirges. Hier fand 1951 ein von der Stasi initiierter Schauprozess gegen Hermann Flade statt.

Naturschutz

Museen mini|Museumskomplex Saigerhütte

Saigerhütte Olbernhau-Grünthal

Die Saigerhütte Grünthal ist ein weitgehend erhaltenes Hüttenwerk, etwa 2,5 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums. Aufgrund seines geschlossenen Bestandes an Einzeldenkmalen gilt es als weltweit einmaliges Denkmal der Verhüttung im Saigerverfahren. Es umfasst unter anderem die nur noch in Resten vorhandene Schmelzhütte, das Herrenhaus, den noch funktionsfähigen Althammer mit seinen wasserradgetriebenen Schwanzhämmern und Wohnhäuser der Arbeiter.

Zur Komplettierung des Denkmalkomplexes gehören vielfältige Freizeitmöglichkeiten: kleine Geschäfte, das Hotel Saigerhütte mit dem Restaurant Hüttenschänke (in den historischen Gebäuden Hüttenschänke und Haus des Anrichters), eine Bowlingbahn und die Spiel- und Erlebniswelt Stockhausen.

Museum Olbernhau

Das am Markt in einem Gebäude des ehemaligen Rittergutes befindliche Museum zeigt Dauerausstellungen zur Stadt- und Wirtschaftsgeschichte sowie der Volkskunstentwicklung. Die Exponate umfassen unter anderem eine Bauernstube aus der Zeit um 1800 sowie eine über drei Meter hohe Weihnachtspyramide.

Gedenkstätten Denkmal im Volkspark für die Opfer des Faschismus, das auf der Rückseite an den Kommunisten Hugo Franz erinnert, der im KZ Neuengamme ermordet wurde