mini|Jäger Hessen-Kassel, 1631. Wilhelm V. (Hessen-Kassel) ließ 1631 die ersten Jägereinheiten aufstellen, die die Aufgaben heutiger Scharfschützen hatten.
Jäger steht in deutschsprachigen Streitkräften für eine „mit der Büchse bewaffnete, vorwiegend zum Einsatz im zerstreuten Gefecht bestimmte Truppengattung der Infanterie“. Sie wurde 1631 in der Landgrafschaft Hessen-Kassel aus ausgebildeten Berufsjägern und Förstern erstmals und später auch in anderen deutschen Armeen aufgestellt. Die im jagdlichen und forstlichen Berufsleben bereits selbständig handelnden Jäger führten im Rahmen einer Auftragstaktik das Gefecht nach Befehl selbständig und ohne direkten Kontakt zur Führung. Die Rekruten kamen meist aus entsprechenden Familien und wurden beruflich nach ihrer Ausbildung mit Stellen im Forstwesen versorgt. Sie verfügten berufsbedingt über bessere Schießfertigkeiten und ausgeprägtere Fähigkeiten zur Orientierung im Gelände, was im Schützengefecht sowie im Vorposten- und Erkundungsdienst von Vorteil war. Die Jäger sind von den leichten Kompanien im Schützenschleier und Grenadieren der Linieninfanterie-Regimentern zu unterscheiden. Siehe auch Jäger als Scharfschützen: Wurzeln und erste Anfänge
Truppengattung Die Jägertruppe gehört zur leichten Infanterie. Die Bezeichnungen Grenadier, Füsilier und Jäger werden je nach Land und Militärtradition heute für Motorisierte Infanterie und Mechanisierte Infanterie synonym benutzt. Im Französischen werden Jäger als Chasseurs à pied, im englischen als Light Infantry oder Rifles und in Italien als Bersaglieri bezeichnet.
Die Bedeutung der Jäger als Truppengattung ging im 19. Jahrhundert in dem Maße zurück, wie auch die (Linien-)Infanterie mit Gewehren mit gezogenem Lauf ausgerüstet wurde und sich die Ausbildung für das Schützengefecht allgemein durchsetzte.
Auftrag heute ist der infanteristische Kampf im bedeckten und durchschnittenen Gelände im Waldkampf sowie urbanem Gelände im Orts- und Häuserkampf, auch nach Luftlandung mit Hubschraubern.
„Jäger“ ist der unterste Mannschaftsdienstgrad der Jägertruppe (Bundeswehr), Gebirgsjägertruppe (Bundeswehr) und der Fallschirmjägertruppe (Bundeswehr).
Besonderheit Kaiserheer bis 1918, Jägertruppen Jäger = unterster Mannschaftsrang Oberjäger = Unteroffizier in anderen Truppengattungen
Auftrag mini|hochkant=2.0|Britische Jäger (links in grüner Uniform) nehmen in der Schlacht von Buçaco (1810) französische Truppen von der Flanke her unter Beschuss Die Jägertruppe hatte in der Frühzeit den Auftrag, der eigenen Armee voraus und in deren Flanken aufzuklären und im gezielten Schuss Offiziere und Kanoniere gefechtsunfähig zu machen, um die Gefechtskraft gegnerischer Armeen herabzusetzen. Der Drill, der für die Linientruppen galt, wurde dazu weniger streng angewendet. Bei den Jägern stand nicht das möglichst „automatenhafte“ Ausführen von Schieß- und Ladeabläufen in dichter Formation und ein Aufmarschieren in geschlossener Gefechtskolonne im Mittelpunkt, sondern das selbständige Ausnutzen des Geländes und der gezielte Schuss auf ausgewählte Ziele. Daher führten die Jäger als Signalinstrumente auch nur Jagdhörner und nie Trommeln. Die Jäger sollten in lockerer Aufstellung und kleineren Einheiten operieren, die nicht an geschlossene Formationen gebunden waren, und bewachsenes und durchschnittenes Gelände sowie Deckung möglichst gut ausnützen. So stand naturgemäß der gezielte scharfe Schuss im Vordergrund der Ausbildung. Es wurde häufig auf Zielscheiben geübt, was es zu dieser Zeit bei der Infanterie nicht oder kaum gab.
Die Jägereinheiten operierten vergleichsweise unabhängig, da sie unmittelbar einem höheren Befehlshaber unterstellt waren. Entscheidungen wurden durch das aufgelöste Gefecht auf die untere Führungsebene mit kleinen Jägertrupps verlagert. Der einzelne Jäger sollte im Gegensatz zur Linientruppe, bei deren Kampf es vor allem darum ging, den Gegner aus der dichten Formation mit einem weitgehend ungezielten Kugelhagel einzudecken, in der Lage sein, selbständig Ziele auszuwählen und mit einem gezielten Schuss zu treffen.
Überliefert ist in diesem Zusammenhang ein Ausspruch Friedrichs des Großen, als seine Jäger unter dem Oberst Bouton des Granges im Gleichschritt an ihm vorbei paradierten – „Wollt ihr wohl auseinander, ihr Schäker“. Dieser neuartige Ansatz eines selbständig kämpfenden Soldaten manifestierte sich auch in einem anderen Verhältnis der Offiziere zu ihren Jägern. Wurde der gemeine Soldat in einem Linienregiment als „Hundsfott“ abgetan und auch gelegentlich angeredet, war es in der Jägertruppe üblich, sich im damals als vornehm geltenden Französisch als Monsieur (dt. „Herr“) anzusprechen. In diesem Sinn ist auch heute noch traditionell in der englischen Armee üblich, dass bei den Rifles, die aus den deutschen Jägertruppen stammen, die Offiziere wöchentlich einmal mit den Mannschaften und Unteroffizieren zusammen das Essen einnehmen.
Bewaffnung und Ausrüstung
Dieser Ansatz schlug sich auch in der Ausrüstung nieder. Jäger kämpften mit Büchsen, den gezogenen Jagdgewehren, die sie in der Anfangszeit selber mitbrachten und die im Gegensatz zu den Musketen der Infanterie einen präzisen Schuss ermöglichten. Diese Gewehre waren mit einem Stecher versehen. Typisch war, dass die Jäger das Gewehr nicht wie die Infanterie über die rechte Schulter gehängt trugen, sondern in der jagdlichen Jägertrageweise unter dem rechten Arm mit dem Gewehrriemen über der Schulter, so dass die Laufmündung nach vorne oben zeigte.
Die heutige militärische Jägertrageweise – unter dem rechten Arm mit dem Gewehrriemen über der Schulter, schräg nach vorne auf den Boden gerichtetem Lauf und „den Finger lang am Abzug“ (durchgestreckter Zeigefinger am Abzugsbügel) – kam erst mit der Einführung von Sturmgewehren auf und erlaubt eine schnellere Schussbereitschaft oder einen Deutschuss auf überraschend auftauchenden Feind.
Im Gegensatz zur Linieninfanterie, welche mit dem Bajonett ausgerüstet war, trugen die Jäger einen Hirschfänger als Seitenwehr oder ein Kurzschwert mit Parierkorb. Dieser wurde bis ins 19. Jahrhundert nicht aufgepflanzt, da sonst auch die Läufe beschädigt worden wären, sondern diente nur als blanke Seitenwaffe, da mit den kürzeren Büchsenläufen ein Bajonettkampf nicht geführt werden konnte. Als sich die waffentechnische Sonderstellung der Jäger mit ihren gezogenen Läufen nach 1849 durch Einführung von Minié- bzw. Hinterladergewehren verlor und für Jäger und Linieninfanterie meist einheitliche Langwaffen ausgegeben wurden, wurde auch das Seitengewehr aufgepflanzt.
Im 19. Jahrhundert verfügten Jäger über eine geringere Menge an Ausrüstung, was einerseits den weitgehenden Verzicht auf Bagagewagen ermöglichte und damit die Bewegungsfähigkeit im unwegsamen Gelände erhöhte, andererseits Probleme beim Biwak und bei der Versorgung der Truppe aufwarf.
Uniformierung und Tradition miniatur|hochkant|Jäger der kurhessischen Armee um 1840 Die Uniformen der Jägereinheiten waren meist grün und/oder braun. Glitzernde Ausrüstungsgegenstände wurden im Einsatz in der Regel abgedeckt bzw. getarnt. Als Signalinstrument diente die Naturtrompete, die sich bis heute neben Hirschgeweih, Eichenblatt und Saukopf vielfach in den Bataillonswappen wiederfindet.
Jäger führten traditionell nur Hörner und keine Pauken und Trommeln wie die Infanterie oder Kavallerie. Bei den Blechblasinstrumenten der Militärkapellen der Jäger bildeten sich nationale Besonderheiten heraus, so in Frankreich die Trompe de Chasse, in England das Clairon, in Deutschland diente das Waldhorn und wie bei der Infanterie das Bügelhorn als Signalinstrument.
Das Fürst-Pless-Horn, benannt nach Hans Heinrich XI., Fürst von Pless, dem Oberstjägermeister unter den Kaisern Wilhelm I. und Wilhelm II., fand erst zu dieser Zeit Eingang in die Jäger- und Schützeneinheiten des deutschen Bundesheeres, die ab dieser Zeit das kreisförmige Signalhorn zum Unterschied von der Infanterie mit dem Bügelhorn führten, und nachfolgend im zivilen Weidwerk, da die im deutschen Bundesheer dienenden Förster und Berufsjäger es wie die militärische Signale mit ins Zivilleben nahmen und zu Jagdsignalen umwidmeten.Uwe Bartels: Das Fürst-Pless-Horn und seine Tradition. Bilder, Berichte und Dokumente zur Kulturgeschichte. Landbuch-Verlag, Hannover 1999, ISBN 3-7842-0580-1
Besonderheit der Jäger sowohl in England als auch in Italien und Frankreich ist eine höhere Schrittzahl im Marsch mit 140 Schritten je Minute. Diese glich in früheren Zeiten den Einsatz in schwierigem Gelände und gegenüber der Kavallerie aus, da die Jäger in den Flanken mit der Linieninfanterie und der berittenen Truppe Schritt halten mussten. Gepflegt wird dies noch in der britischen Armee von den Royal Green Jackets, heute The Rifles mit dem Eilmarsch als double pass in der Parade und bei den Bersaglieri, der von den Signalhörnern begleitet wird.
Traditionell grüßt die deutsche Jägertruppe mit „Horrido“ und antwortet mit einem „joho“. Als Jägerwetter wird militärisch eine Wetterlage mit Starkregen und Kälte bezeichnet, da Jäger besonders unter diesen widrigen Bedingungen kämpfen können. Wollte man die Jägertruppe und ihre Gefechtsweise zur Zeit des Absolutismus mit der heutigen militärischen Zeit vergleichen, so waren die (auch in den Flanken operierenden) Jäger für fast 400 Jahre die Sondereinsatzkräfte ihrer Zeit.
Besondere Kopfbedeckung der Jägertruppen der deutschen Armeen war der Tschako, im Gegensatz zur Pickelhaube der Infanterie oder anderen Kopfbedeckungen der traditionellen Truppengattungen der Kavallerie, Artillerie oder Pioniere.
Die Jäger werden für den speziellen Einsatz zum Schutz der Flanken, rückwärtiger Gefechtsräume, urbanes Gelände und als Scharfschützen eingesetzt. In der Bundeswehr gibt es aktuell (Stand 2023) fünf aktive Jägerbataillone und ein nichtaktives Jägerbataillon, sowie zwei ebenfalls nichtaktive Unterstützungsbataillone.https://einstellungstest-bundeswehr.de/bundeswehr-jaeger-ausbildung/
Jäger in der Kavallerie mini|Lützower Kavallerie im Gefecht (Im Vordergrund zwei Husaren, dahinter Jäger zu Pferde) Bei der Kavallerie wurden ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschiedene Regimenter als Jäger zu Pferde der leichten Reiterei ähnlich den Husaren aufgestellt. Anders als diese waren die Jäger zu Pferd nicht mit bunten Uniformen mit von Regiment zu Regiment unterschiedlicher Grundfarbe und Pelzbesatz ausgestattet, sondern trugen meist dunkelgrüne Uniformen.
Die Jäger zu Pferde unter Napoleon Bonaparte und verbündete Truppen führten das Gefecht zu Pferd in loser Formation, waren aber wie der Großteil der Kavallerie mit glattläufigen Langwaffen ausgestattet. Nur die berittenen Karabiniers hatten gezogene Karabiner, und meist der schweren Kavallerie zugerechnet und wie diese in geschlossener Formation eingesetzt wurden. Der Kaiser selbst trug meist die kleine Uniform seiner Chasseurs à cheval de la Garde impériale.
In Italien, wo sie der leichten Reiterei eingereiht waren, entwickelte sich daraus mit den Carabinieri eine paramilitärische Polizeitruppe, die den deutschen Landjägern glich.
In Preußen diente das Reitende Feldjägerkorps als Meldereiter, während die 13 Regimenter der Jäger zu Pferde den Namen vor allem ihrer Entstehung als Meldereiter-Detachements verdankten, obgleich die Uniform an die Kürassiere angelehnt war und Auftrag wie Ausrüstung sich kaum mehr von der bei ihrer Errichtung bereits stark vereinheitlichten Kavallerie unterschieden. Von 1901 bis 1913 wurden in der preußischen Armee 13 Jäger-Regimenter zu Pferde aufgestellt. Aus den Regimentern Nr. 2 und Nr. 6 wurde zusammen mit anderen Kavallerie-Einheiten im Frühjahr 1918 die Garde-Kavallerie-Schützen-Division gebildet.