Münchweiler an der Rodalb (bis 15. März 1966 verhochdeutschend Münchweiler an der Rodalbe geschriebenGebietsänderungsliste 1966 des Statistischen Bundesamts auf destatis.de; Nummer 07/1966/0003) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rodalben an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Ortsgemeinde darstellt.

Geografie Lage Die Gemeinde Münchweiler an der Rodalb liegt im Pfälzerwald im sogenannten Gräfensteiner Land. Im Südwesten befindet sich der Münchweilerhof, der mit dem Kernort fast zusammengewachsen ist, und im Nordwesten der Riegelbrunnerhof. Weitere Wohnplätze der Gemeinde sind der Beckenhof, der Hombrunnerhof und Im Waschtal. Geologisch dominieren die sogenannten Rehberg-Schichten des Unteren Buntsandsteins. Die nächsten Städte sind im Westen Pirmasens sowie im Nordwesten Rodalben. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Merzalben, Wilgartswiesen, Hinterweidenthal, Ruppertsweiler, Lemberg, Pirmasens, Rodalben und Clausen.

Erhebungen Nordöstlich des Siedlungsgebiets erstreckt sich der 473 Meter hohe Bauwalder Kopf. Südöstlich von diesem liegen der 423 Meter hohe Rotenstein und der Kaltenbacher Berg. Im Südwesten der Gemarkung erstreckt sich der Große Arius.

Gewässer

mini|Kaltenbach im Südosten der Gemarkung

Die Wasserscheide zwischen Oberrhein und Mosel verläuft mitten durch das Gemeindegebiet. Die Rodalb verläuft in Süd-Nord-Richtung und streift den westlichen Siedlungsrand. Im Gemeindegebiet nimmt sie nacheinander von links den Hohlbach, den Lamsbach, den Langenbach und das Marksbächel sowie im Nordosten die Merzalbe auf. Im äußersten Osten jenseits der Wasserscheide bildet die Lauter die Gemarkungsgrenze zu Wilgartswiesen. Im Südosten entspringen Kaltenbach und der Walmersbach, die beide zum Flusssystem Lauter gehören.

Geschichte Urgeschichte Archäologische Funde belegen, dass schon in der Jungsteinzeit Menschen im Bereich von Münchweiler an der Rodalb siedelten.

Mittelalter Das Dorf Münchweiler entstand im 7. oder 8. Jahrhundert, als Mönche des von Bischof Pirminius gegründeten Benediktinerklosters Hornbach auf einer Rodungsfläche im Tal der Rodalb ein Einzelgehöft errichteten. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt von 1179. Lange Zeit hieß der Ort aufgrund seiner Gründungsgeschichte „Mönchweiler“. Daraus ging später „Münchweiler“ hervor.

Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit teilte die Rodalb die Siedlung. Ein kleinerer Teil gehörte zu Lemberg im gleichnamigen Amt der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch und war dort in der Amtsschultheißerei Lemberg.Knöpp, S. 10; Matt, S. 9. Der größere Teil gehörte zum badischen Amt Gräfenstein.Werner Dillenkofer, Münchweiler

Frühe Neuzeit Hinsichtlich des im Amt Lemberg gelegenen Teils kam es in den folgenden Jahrhunderten zu nachfolgend dargestellter Entwicklung: 1570 starb Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch als letztes männliches Mitglied seiner Familie. Das Amt Lemberg erbte seine Tochter, Ludovica Margaretha von Zweibrücken-Bitsch, die mit dem Grafen Philipp V. von Hanau-Lichtenberg verheiratet war. Ihr Schwiegervater Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg gab durch die sofortige Einführung des lutherischen Bekenntnisses dem streng römisch-katholischen Herzog Karl III. von Lothringen Gelegenheit, militärisch zu intervenieren, da dieser die Lehnshoheit über die ebenfalls zum Erbe gehörende Herrschaft Bitsch besaß. Im Juli 1572 besetzten lothringische Truppen die Grafschaft. Da Philipp IV. der lothringischen Übermacht nicht gewachsen war, wählte er den Rechtsweg. Beim anschließenden Prozess vor dem Reichskammergericht konnte sich Lothringen hinsichtlich der Herrschaft Bitsch durchsetzen. Das Amt Lemberg dagegen – einschließlich Münchweiler – wurde der Grafschaft Hanau-Lichtenberg zugesprochen.

1736 starb mit Graf Johann Reinhard III. der letzte männliche Vertreter des Hauses Hanau. Aufgrund der Ehe seiner einzigen Tochter, Charlotte (1700–1726), mit dem Erbprinzen Ludwig (VIII.) (1691–1768) von Hessen-Darmstadt fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg dorthin. Zuletzt war die Gemeinde Sitz eines Unteramtes innerhalb des Amtes Lemberg.

Seit dem 19. Jahrhundert mini|Im Jahr 1913 errichtetes Haus in Münchweiler an der Rodalb

Im Zuge der Französischen Revolution fiel das linksrheinische Gebiet – und damit ebenso Münchweiler – 1794 an Frankreich. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war der Ort in den Kanton Pirmasens eingegliedert und unterstand der Mairie Rodalben. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde Münchweiler 1815 zunächst Österreich zugeschlagen. Ein Jahr später wechselte der Ort in den bayerischen Rheinkreis.Beamtenverzeichniß. Von 1818 bis 1862 gehörte er dem Landkommissariat Pirmasens an; aus diesem ging das Bezirksamt Pirmasens hervor.

1939 wurde Münchweiler in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 der neugeschaffenen Verbandsgemeinde Rodalben zugeordnet.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 760 1835 617 1871 775 1905 1.236 1939 2.132 1950 2.308 1961 2.619 Jahr Einwohner 1970 2.934 1987 2.889 1997 3.124 2005 2.997 2011 2.897 2019 2.845

Religion Katholischerseits gehört die Gemeinde zum Bistum Speyer und untersteht dort dem Dekanat Pirmasens, die Evangelischen zur Protestantischen Landeskirche Pfalz.

Politik mini|Rathaus Gemeinderat Der Gemeinderat in Münchweiler besteht aus insgesamt 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 3 13 4 20 Sitze 2019 4 16 – 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 3 13 4 20 Sitze 2009 3 12 5 20 Sitze 2004 2 14 4 20 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Gräfenstein e. V.

Bürgermeister Timo Bäuerle (CDU) wurde am 20. August 2019 Ortsbürgermeister von Münchweiler. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 86,23 % für fünf Jahre gewählt worden. Bäuerles Vorgänger war Georg Denz (CDU). Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde Bäuerle als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 87,9 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Wappen

Kultur Kulturdenkmäler mini|Unter Denkmalschutz stehendes Quereinhaus

Acht Objekte in Münchweiler stehen unter Denkmalschutz. Darunter sind der neugotische Bau der katholischen Kirche St. Georg von 1893/94 (Architekt: Wilhelm Schulte I.), das Kriegerdenkmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs sowie mehrere Wegekreuze. Das spätklassizistische ehemalige Schulgebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird heute als Rathaus genutzt. Zu den geschützten Denkmälern gehört auch das Quereinhaus, ein Bauernhaus mit Wohn- und Wirtschaftsräumen sowie Stall und Scheune quer unter einem Dach, d. h. mit Zugang von der Traufseite her. Das Haus steht in der Hanauer Straße 17.

Natur Auf der Gemarkung der Gemeinde befinden sich zwei Naturdenkmale. Die etwa 2400 Hektar große Kernzone Quellgebiet der Wieslauter des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord liegt außerdem teilweise auf dem Gebiet von Münchweiler.

Vereine und Organisationen Zwischen den drei Fußballvereinen des VfB Turbine Münchweiler, SV Münchweiler 85 und des FC Münchweiler, kam es regelmäßig zu Derbys, bei denen große Besucherzahlen erzielt wurden. Zwischenzeitlich trat der FC Münchweiler und der VfB Turbine Münchweiler in einer Kooperation unter dem Namen FC/VfB Münchweiler mit einer ersten Mannschaft in der A-Klasse und mit einer zweiten Mannschaft in der C-Klasse an. Im April 2018 schlossen sich die drei Fußballvereine FC, VfB und SV 85 zur Fußballvereinigung FV Münchweiler zusammen.

Des Weiteren finden sich zahlreiche weitere Sportvereine in Münchweiler, wie Turn-, Tennis- und Badmintonverein. Zudem existieren der in der Gemeinde ansässige Frauenchor Ex-semble sowie von 1905 bis 2023 eine Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins. Während der 2020er Jahre scheiterte dreimal der Versuch, einen neuen Vorstand für die Ortsgruppe zu wählen, deren Mitgliederzahl sich zuletzt im zweistelligen Bereich bewegte. Daher beschloss sie ihre Auflösung zum Ende des Jahres 2023.

mini|Fritz-Claus-Hütte, ehemalige Hütte des Pfälzerwald-Vereins

Letztere betrieb südlich des Siedlungsgebiets die Fritz-Claus-Hütte. Sie wurde 1971 eröffnet; benannt wurde sie nach dem pfälzischen Dichter Fritz Claus. Die Hütte war nach Vereinbarung geöffnet.

2023 wurde die Fritz-Claus-Hütte samt Inventar an den Pfälzischen Badminton Club verkauft, der seinen Sitz ebenfalls in der Gemeinde hat.Impressum Seither baut dieser das Gebäude in ein Vereinsheim um.Umgestaltung Fritz-Claus-Hütte Münchweiler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsentwicklung Prägend für die mittelalterlichen Bewohner war der Wald. Die Landwirtschaft alleine konnte die Menschen nicht ernähren, da der wenig fruchtbare Sandboden keine guten Erträge zuließ. Vom zwölften bis zum 14. Jahrhundert wurde in den im nordwestlichen Gemeindegebiet liegenden Gruben bei Münchweiler Eisen abgebaut.

Für die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Bewohner des Waldbauerndorfes Münchweiler änderte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Situation entscheidend. Mit der Gründung der ersten Schuhfabrik im Jahr 1888 durch drei Brüder namens Wadle, fanden zahlreiche Ortsbewohner Arbeit und Lohn. Ein weiterer Anschub der wirtschaftlichen Entwicklung bewirkte der Bau der Eisenbahnstrecke Landau–Zweibrücken durch das Dorf in den Jahren 1872 bis 1875. Mit dem Bahnbau begann in Verbindung mit der aufkommenden örtlichen Schuhindustrie eine Entwicklung, die die finanzielle Situation vieler Familien verbesserte und die Jahrzehnte später aus dem armen Waldbauerndorf eine aufstrebende Industriegemeinde machen sollte.

Diese Entwicklung wurde begünstigt durch den Strukturwandel, welcher nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte. Bedingt durch die Schuhfabriken verlor die Landwirtschaft an Bedeutung und der Ort wurde zur reinen Industriegemeinde.

Um der Monoindustrie entgegenzuwirken, erschloss die Gemeinde Ende der 1960er Jahre am südwestlichen Ortsrand ein Industriegelände. Seit Anfang der 1980er Jahre ist die Gemeinde Sitz der zu WAWI-Schokolade gehörenden Firmen WAWI Euro GmbH und WAWI Gesellschaft für Auslandsbet. Bereich China GmbH. Die im selben Jahrzehnt einsetzende allgemeine Krise der Schuhindustrie, darunter die von Hans Wadle (* 1914) geführte Westland-Schuhfabrik Josef Wadle KG,Wadle, Hans. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1294. verschonte den Ort nicht, Fabriken sahen sich gezwungen, Arbeiter zu entlassen, andere stellten die Produktion ganz ein. Hinzu kam, dass im Sommer 1993 die amerikanischen Streitkräfte das Hospital aufgaben. Erst im Jahr 2004 erwarben zwei Investoren aus Pirmasens das etwa 45 Hektar große Hospitalgelände. Das Hospital wurde bis Oktober 2005 nahezu komplett abgerissen. Auf dem Areal sind Wohn- und Gewerbeflächen geplant, die ersten Bauplätze wurden bereits erschlossen. Im hinteren Teil des Geländes soll ein Sondergebiet für Freizeit und Erholung entstehen. Außerdem hat die Nahverkehrsgesellschaft QNV Queichtal Nahverkehrsgesellschaft GmbH ihren Sitz in Münchweiler und unterhält dort einen Betriebshof.