mini|hochkant|Paweł Adamowicz (2018)

Paweł Bogdan Adamowicz (* 2. November 1965 in Danzig; † 14. Januar 2019 ebenda) war ein polnischer Kommunalpolitiker und von 1998 bis zu seinem Tod Stadtpräsident von Danzig. 2001 bis 2015 gehörte er der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) an. Er wurde 2019 von einem Attentäter getötet.

Leben Adamowicz’ Familie war nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946 aus der Region um Vilnius nach Danzig zwangsumgesiedelt worden.Jan Puhl: Ein Mord, der Polen erschüttert. In: Spiegel Online. 14. Januar 2019, abgerufen am 15. Januar 2019. Nach dem Abitur am Nikolaus-Kopernikus-Lyzeum studierte er Jura an der Universität Danzig. Während des Studiums beteiligte er sich 1988 an Studentenstreiks, wobei er auch Mitglied des Streikkomitees war. 1989 schloss er das Studium ab und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Danzig. 1990 bis 1993 war er Prorektor für studentische Angelegenheiten.

Bei den Selbstverwaltungswahlen 1990 wurde Adamowicz für das Bürgerkomitee der Solidarność erstmals in das Stadtparlament von Danzig gewählt, dessen Präsident er 1994 wurde.„Paweł Adamowicz“ auf www.wprost.pl, abgerufen am 28. Januar 2025. Von 1990 bis 1993 gehörte er dem Kongres Liberalno-Demokratyczny und anschließend der Partia Konserwatywna und der Stronnictwo Konserwatywno-Ludowe (SKL) an. 1998 wurde er auf der Liste des Wahlbündnisses Akcja Wyborcza Solidarność, an dem sich die SKL beteiligt hatte, erneut in den Stadtrat gewählt. Anschließend wählte dieser ihn zum Stadtpräsidenten. Bei der Kommunalwahl 2002 wurde er mit 72 % im zweiten Wahlgang wiedergewählt. 2006, 2010 und 2014 wurde er jeweils im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Bei der Kommunalwahl 2018 trat Adamowicz mit der von ihm gegründeten Wählervereinigung „Alles für Danzig“ (Wszystko dla Gdańska) an und verteidigte sein Amt im zweiten Wahlgang mit 64,8 % der Stimmen gegen den PiS-Kandidaten Kacper Płażyński.

Papst Johannes Paul II. verlieh ihm 2001 den Orden Pro Ecclesia et Pontifice und der damalige polnische Präsident Aleksander Kwaśniewski 2003 das Silberne Verdienstkreuz der Republik Polen.

Tod mini|Aufbahrung im Europäischen Zentrum der Solidarność

Am 13. Januar 2019 wurde auf Adamowicz während der regionalen Abschlussveranstaltung des Großen Orchesters der Weihnachtshilfe (Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy) ein Messerattentat verübt, an dessen Folgen er am Tag darauf starb. Der Täter hatte wegen mehrerer Banküberfälle mehr als fünf Jahre lang in Haft gesessen und litt nach Medienangaben zunehmend an psychischen Problemen.Bürgermeister von Danzig schwebt nach Attentat in Lebensgefahr. In: faz.net. 14. Januar 2019, abgerufen am 15. Januar 2019. Er machte die Bürgerplattform, der Adamowicz seit 2015 nicht mehr angehört hatte, für seine Haftstrafe verantwortlich.Landesweite Trauer nach Attacke auf Danziger Bürgermeister. In: Spiegel Online. 15. Januar 2019. Nach Adamowicz’ Tod gab es in Polen landesweit spontane Demonstrationen gegen Hass und Gewalt.Landesweite Trauer nach Attacke auf Danziger Bürgermeister. In: Spiegel Online. 15. Januar 2019. Der Trauergottesdienst, geleitet vom Posener Erzbischof Stanisław Gądecki fand in der Marienkirche in Danzig statt. Insgesamt nahmen etwa 45.000 Menschen an der Verabschiedung teil, unter ihnen der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, der polnische Präsident Andrzej Duda, die ehemaligen Präsidenten Lech Wałęsa, Aleksander Kwaśniewski und Bronisław Komorowski sowie Jerzy Owsiak, Jerzy Buzek, Marek Belka und Ewa Kopacz. TVN24, "Róbmy wszystko, żeby być taką wspólnotą, o jakiej marzył". Pogrzeb Pawła Adamowicza, 19. Januar 2019 Nach seinem Tod kritisierten Kommentatoren, dass der von der Regierungspartei PiS kontrollierte staatliche Fernsehkanal TVP gezielt Kampagnen gegen Adamowicz geführt und damit die aufgeheizte Stimmung für ein mögliches Attentat geschürt habe.Jak TVP opowiadała o Pawle Adamowiczu, onet.pl, 15. Januar 2019.

Die Hansestadt Danzig ist seit 1976 in einer Städtepartnerschaft mit der Freien Hansestadt Bremen verbunden, wo Paweł Adamowicz immer wieder zu Gast war. Nach seinem Tod legte die Bremer Bürgerschaft ein Kondolenzbuch aus und an allen öffentlichen Gebäuden wurde halbmast geflaggt.

Familie Adamowicz war mit Magdalena Adamowicz verheiratet, einer Juraprofessorin an der Universität Danzig. Aus der Ehe gingen zwei Töchter (* 2003 und 2010) hervor. (deutsch: Über mich), Website von Paweł Adamowicz, abgerufen am 14. Januar 2019.

Auszeichnungen Päpstliches Ehrenzeichen Pro Ecclesia et Pontifice (2001) Verdienstkreuz der Republik Polen in Silber (2003) Niezawodny Przyjaciel (Zuverlässiger Freund), die höchste Auszeichnung des polnischen Pfadfinderverbandes Związek Harcerstwa Polskiego für ein Nichtmitglied (2003) Medal of Merit des Lions Club International (2005) Gloria-Artis-Medaille für kulturelle Verdienste in Silber (Polen, 2005) Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Medal Zasłużony Kulturze - Gloria Artis, abgerufen am 15. Januar 2019 Ritterkreuz des Orden Polonia Restituta (Polen, 2010) Ritter der Ehrenlegion (Frankreich, 2012)Paweł Adamowicz Kawalerem Orderu Legii Honorowej, Website der Wiadomości Gdańsk, abgerufen am 14. Januar 2019. Kommandeur des Zivilverdienstordens (Spanien, 2013) Kommandeurskreuz des Orden des Marienland-Kreuzes (Estland, 2014)Teenetemärkide kavalerid, Website des Staatspräsidenten von Estland, abgerufen am 14. Januar 2019. Kreuz der Freiheit und der Solidarität (Krzyż Wolności i Solidarności, Polen, 2014) Jan-Karski-Orden (Nagroda Orła Jana Karskiego, postum, Polen 2019) Rzeczpospolita, Orzeł Jana Karskiego dla zmarłego prezydenta, 19. Januar 2019

Weblinks

Website von Paweł Adamowicz (polnisch) Pudding mit Kanten, Radiodienst Polska

Einzelnachweise

Kategorie:Ehrenbürger von Białystok Kategorie:Bürgermeister (Danzig) Kategorie:Träger des Ehrenzeichens Pro Ecclesia et Pontifice Kategorie:Träger des Silbernen Verdienstkreuzes der Republik Polen Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Ritter) Kategorie:Träger des Ordens des Marienland-Kreuzes (III. Klasse) Kategorie:Träger des Zivilverdienstordens (Spanien) Kategorie:Träger der Gloria-Artis-Medaille für kulturelle Verdienste Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:KLD-Mitglied Kategorie:AWS-Mitglied Kategorie:PO-Mitglied Kategorie:Opfer eines Attentats Kategorie:Kriminalfall 2019 Kategorie:Kriminalfall in Polen Kategorie:Absolvent der Universität Danzig Kategorie:Politiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1965 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Mann