Neuhofen in der Pfalz ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört seit dem 1. Juli 2014 der damals neu gebildeten Verbandsgemeinde Waldsee an, die zum 1. Januar 2016 den Namen Verbandsgemeinde Rheinauen erhielt. Neuhofen ist Teil der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie Lage Neuhofen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene. Der Ortskern befindet sich auf der Niederterrasse am nordwestlichen Rand eines halbinselförmigen Rückens der Hochuferzone. Das Gemeindegebiet ist Teil des Landschaftsschutzgebiets „Pfälzische Rheinauen“.

Gemeindegliederung Zu Neuhofen gehören auch die Wohnplätze Haus Kief, Waldmühle, Waldpark und Römerhof.

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn von Westen nach Südwesten: Limburgerhof, Ludwigshafen am Rhein, Altrip, Waldsee, Schifferstadt

Rehbach

Von besonderer Bedeutung für die Entstehung und das heutige Ortsbild Neuhofens ist der Rehbach. Er ist kein natürliches Gewässer, sondern ein künstlicher Abzweig des Speyerbachs, der zur Nutzung durch Mühlen und zur Trift von Holz genutzt wurde. Vom unnatürlichen Ursprung zeugt auch eine Brücke westlich der Rehhütte, über die der Rehbach den Ranschgraben überquert.

Auf Neuhofener Gemarkung passierte der Rehbach früher von Schifferstadt im Südwesten kommend die Mühle an der Rehhütte weiter im Bogen durch den alten Bachstaden. In Neuhofen floss er dann an der Gässelbach und am Friedhof vorbei zum Unterwald über die dortige Waldmühle und schließlich bei Rheingönheim in den Rhein. Die Gässelbach (heute Burggasse) ist eine Gasse, die in den Rehbach mündete und die Keimzelle Neuhofens war. Hier wurden Wasser entnommen und Wäsche gewaschen. Später gab es im Bereich des heutigen Partnerschaftsplatzes Waschplätze mit Wiesen zum Wäschebleichen. Um das Jahr 1507 kaufte der Pfalzgraf einen Teil der Altrheinwiesen in Neuhofen und legte einen Woog zur Fischzucht an. Der Rehbach wurde unterhalb der Mühle Rehhütte umgeleitet. Er bekam ein neues Bett zwischen 2 Dämmen, das in gerader Richtung von der Rehbachmühle zum Gaulsloch bei Neuhofen zieht. Ab 1507 konnte die Mühle im Burggässel nicht mehr mahlen, da die Gässelbach und der Bachstaden als Wege trocken lagen und der neue Rehbach beim Gaulsloch kein Gefälle mehr hatte.

1975 wurde der Rehbach wegen starker Verschmutzung und damit verbundener Geruchsbelästigung umgeleitet. Er fließt nun ab der Rehhütte in Richtung an der B 9 entlang. Ab der Brücke nach Limburgerhof biegt er in langem Bogen nach Osten ab und fließt dann über die Affenwiesen nördlich des Unterwaldes zwischen Neuhofen und Ludwigshafen-Rheingönheim. Ab der Waldmühle folgt er wieder seinem alten Verlauf zum Rhein. Durch den Bau von Klärwerken in den anliegenden Gemeinden ist der Rehbach inzwischen sauberer als vor deren Bau. Das ehemalige Rehbachbett dient heute unter der Bezeichnung Rehbachwanderweg als Fuß- und Radweg durch den Ort. Auch in den Namen Rehbachschule, Rehbachhalle, Rehbachstraße und mit dem Rehbachfest hat er seine Spuren in Neuhofen hinterlassen.

Geschichte Entwicklung bis 1800 Das spätere Neuhofen gelang am 9. Mai 1194 durch eine auf dem Trifels ausgestellten Urkunde Kaiser Heinrichs des VI in den Besitz seiner Gründer. („Kaiser Heinrich VI. bekundet, dass durch seine Hände, Abt Gottfried von Weißenburg mit seinen Mitbrüdern und Ministerialie das Hofgut in Medenheim und Rechholz, das Eberhard von Ried vom Kloster Weißenburg zu Lehen trug, an Abt Herman von Himmerod und sein Kloster zu Eigentum übertragen hat.“) Neuhofen wurde 1209 erstmals namentlich erwähnt (Nova Curia) in einer Urkunde des Bischofs von Speyer anlässlich eines Streites zwischen dem Kloster Himmerod und den Pfalzbauern von Mutterstadt. Die Erlaubnis zum Kirchenbau in Neuhofen wurde 1318 durch Bischof Emich von Speyer erteilt. Der Patron der Kirche ist der heilige Michael. Im Gemeindegebiet befand sich einst die 1349 zerstörte Burg Neuhofen.

mini|Restauriertes Fachwerkhaus in der Ludwigshafener Straße Ab der frühen Neuzeit bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz und unterstand dort dem Oberamt Neustadt sowie der Oberschultheißerei Oggersheim. Das Kloster Himmerod verkaufte am 2. Mai 1513 seinen letzten Besitz in Neuhofen für 2000 Goldgulden.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Neuhofen mehrfach geplündert, zerstört und die Bevölkerung terrorisiert. Die Einwohner siedelten in die Nachbarstädte um. Wenige Familien kehrten nach Kriegsende zurück, Hugenotten zogen zu.

Ab dem 19. Jahrhundert Von 1797 bis 1815 gehörte Neuhofen wie die ganze linksrheinische Pfalz zur französischen Republik beziehungsweise zum Napoleonischen Kaiserreich innerhalb des Département du Mont-Tonnerre und war in den Kanton Mutterstadt eingegliedert. 1816 wechselte der Ort in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte der Ort dem Landkommissariat Speyer, später dem Bezirksamt Speyer, an.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Pfälzische Ludwigsbahn nach Saarbrücken durch Paul Camille von Denis erbaut. Auf der Friedensau wurde zwischen Mutterstadt und Neuhofen ein Bahnhof gebaut. Ab 1886 wurde Neuhofen Bestandteil des neu geschaffenen Bezirksamtes Ludwigshafen.

Die Gemeinde Limburgerhof wurde 1930 aus den um den Bahnhof gelegenen Gemarkungsteilen Neuhofens, Mutterstadts, Rheingönheims und Schifferstadts gegründet. Neuhofen verliert dadurch 238 ha Fläche, darunter seinen Ortsteil Rehhütte. Seite 515 Der Rehbach wurde 1975 umgeleitet, er wurde aus dem Ort verlegt.

Seit 1939 gehört Neuhofen zum Landkreis Ludwigshafen, der 2004 in Rhein-Pfalz-Kreis umbenannt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Seit 2014 ist Neuhofen Bestandteil der Verbandsgemeinde Rheinauen, nachdem sie zuvor verbandsfrei gewesen war.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Neuhofen hatte um 1585 200 Personen, das nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges auf dem historischen Tiefstand von 28 Personen gesunken ist. Im Ersten Weltkrieg fielen 87 Soldaten, im Zweiten Weltkrieg 188 Soldaten. Um 1950 zählte man laut Volkszählung 3641 Einwohner, 2012 wohnten 7091 Personen in Neuhofen und Anfang 2022 wohnten bereits 7280 Personen in Neuhofen. 140px|mini|Straßenkarte von 1790 Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Neuhofen, die Werte von 1871 bis 1987 basieren auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 710 1835 1.015 1871 1.558 1905 2.464 1939 3.407 1950 3.641 1961 4.179 Jahr Einwohner 1970 5.291 1982 6.687 1994 7.292 2005 7.339 2011 7.014 2017 7.132 Konfessionsstatistik Am Jahresende 2014 waren von den Einwohnern 38,2 % evangelisch, 26,3 % römisch-katholisch und 35,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Neuhofen. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Dezember 2025 hatten 27,6 % der Einwohner die evangelische Konfession und 21,9 % die katholische. 50,5 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Neuhofen, abgerufen am 16. Januar 2026

Politik mini|Rathaus

Bei Bundestagswahlen gehört die Gemeinde zum Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal und bei Landtagswahlen zum Wahlkreis Mutterstadt.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Neuhofen besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FDP gLN Gesamt 2024 6 6 2 7 1 22 Sitze 2019 6 7 – 6 3 22 Sitze 2014 12 8 – 2 – 22 Sitze 2009 10 7 – 5 – 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2004 9 9 – 4 – 22 Sitze gLN = grüne Liste Neuhofen e. V.

Bürgermeister Bis zum 30. Juni 2014 war Neuhofen eine verbandsfreie Gemeinde und hatte einen hauptamtlichen Bürgermeister. Gemäß Gemeindeordnung hat ein hauptamtlicher Bürgermeister eine Amtszeit von acht Jahren. Seit dem 1. Juli 2014 ist Neuhofen eine Ortsgemeinde und hat deshalb einen ehrenamtlichen Bürgermeister mit einer Amtszeit von fünf Jahren.

Die Bürgermeister seit 1945 in chronologischer Reihenfolge: 1945 bis 1960 Michael Kraushaar, SPD 1960 bis 1991 Kurt Sturm, SPD 1991 bis 2001 Wolfgang Kraus, SPD 2001 bis 2017 Gerhard Frey, FDP, später parteilos

Seit dem 1. Juni 2017 ist Ralf Marohn ehrenamtlicher Ortsbürgermeister. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 77,80 % in seinem Amt bestätigt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit 74,6 % gegen eine Mitbewerberin durch.

Sein Vorgänger, Gerhard Frey, war zunächst von 2001 bis 2009 der erste direkt von der Bevölkerung gewählte hauptamtliche Bürgermeister von Neuhofen. Er wurde 2009 nochmals gewählt und blieb bis 2017 im Amt. Er war somit von 2001 bis 2014 hauptamtlicher Bürgermeister (FDP) und von 2014 bis 2017 hauptamtlicher Ortsbürgermeister (parteilos).

Wappen 100px|links|neues WappenDas aktuelle Wappen (seit 1976) ist links unten blau, rechts oben golden. Darauf abgebildet ist in der Mitte ein mit dem Griff nach rechts gewendeter Krummstab, der unten in einer auf der Spitze stehenden Raute endet. Die Farbe des Stabes wechselt zum Hintergrund. Oben rechts neben dem Stab ist ein Buch abgebildet, links neben dem Stab drei Kugeln, von denen zwei unten und die dritte mittig darüber liegen. Die Kugeln berühren sich nicht. 80px|links|altes WappenDas alte Wappen (belegt seit 1791) zeigt auf goldenem Hintergrund den heiligen Nikolaus. Dieser trägt ein blaues Gewand, einen silbernen Heiligenschein, in der rechten Hand einen silbernen Krummstab und in der linken Hand ein rotes Buch, auf dem drei goldene Kugeln liegen. Zwei der Kugeln liegen unten, die dritte mittig darauf. Der heilige Nikolaus war Patron des untergegangenen Dorfes Medenheim (siehe Geschichte).

Städtepartnerschaften Mit Heillecourt in der Nähe von Nancy in Frankreich wird eine Partnerschaft gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler mini|Otto-Ditscher-Haus

Der jüdische Friedhof zwischen Neuhofen und Waldsee sowie Landstraße und Woog ist als Denkmalzone ausgewiesen. evangelische Kirche (geht vermutlich auf die Kirche von 1318 zurück) Museum Otto-Ditscher-Haus, alternativ Otto-Ditscher-Galeriegenannt, (alte Schule) Kriegerdenkmal 1870/71; Germania, von Gottfried Renn, Speyer um 1900

Natur mini|Neuhofener Altrhein mini|Ursprung des Woog, Erlenbruch und Altrhein Naturschutzgebiet „Neuhofener Woog“ Naturschutzgebiet „Neuhofener Altrhein“ Naturschutzgebiet „Kistnerweiher“

1894 wurde außerdem in einem Altrhein vor Ort die Amöbenart Paulinella entdeckt. Das EU-Vogelschutzgebiet Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth erstreckt sich unter anderem über das Gemeindegebiet, das auch Teil des überregionalen Landschaftsschutzgebiets „Pfälzische Rheinauen“ ist.

Regelmäßige Veranstaltungen Rehbachfest auf dem Rehbachweg (Juli) „Kerwe“ (Kirchweihe) auf dem Partnerschaftsplatz am Sonntag nach Michael (29. September), dem Patron der Kirche von 1318 Rehbachturnier der Badmintonabteilung der TuS Neuhofen Fastnachtsumzug, Prunksitzungen der Tusnesia, Maskenbälle des VfL, Krönungsball und Ordensfest der TuS Frühlings- und Bauernmarkt auf dem Partnerschaftsplatz im Mai Weihnachtsmarkt auf dem Partnerschaftsplatz (November / Dezember) Fischerfest in der Reithalle (Juni) Handballwoche der TuS mit Jedermannturnier Fußball-Jedermannturnier des VfL Feuerwehrfest (August) Maifest im Waldpark (1. Mai)

Sprache Der in Neuhofen gesprochene Dialekt ist vorderpfälzisch. Alteingesessene Einwohner Neuhofens bezeichnen sich selbst nicht als „Neuhofener“, sondern als „Neiheffer“ („Neuhöfer“).

Kirchen

Protestantische Kirchengemeinde Neuhofen Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus mit der neuen katholischen Kirche mit Pfarrzentrum (Weihung 1964)