mini|Yoani Sánchez (2013) Yoani María Sánchez Cordero (* 4. September 1975 in Havanna) ist eine kubanische Philologin. Bekannt wurde sie als Autorin des ersten unzensierten Blogs aus Kuba namens „Generación Y“, in dem sie u. a. vom schwierigen Alltagsleben der Kubaner berichtet und Kritik an den herrschenden Verhältnissen übt.Insel der blinden Passagiere, Die Zeit, Ausgabe 05/2008 vom 24. Januar 2008 Sie ist mit dem regimekritischen Journalisten Reinaldo Escobar (* 1947) verheiratet und hat einen Sohn. Sie schreibt seit 2008 Beiträge für The Huffington Post und startete im Mai 2012 den Blog „Cuba Libre“ innerhalb des Online-Angebots der spanischen Tageszeitung El País, für die sie ebenfalls schreibt.Cuba Libre Blog von Yoani Sánchez im Online-Angebot der Zeitung El País, abgerufen am 30. Juni 2012 (spanisch)Artículos escritos por Yoani Sánchez Übersicht von Sánchez in El País veröffentlichter Artikel, abgerufen am 30. Juni 2012 (spanisch, englisch) Im Mai 2014 startete sie die Online-Zeitung 14ymedio, die erste regierungsunabhängige Zeitung Kubas nach der Revolution.Knut Henkel: Unabhängige kubanische News-Website: Der blockierte Traum. taz.de, 22. Mai 2014 Seit Mai 2016 leitet sie eine regelmäßige Talkshow zu Menschenrechtsthemen im spanischsprachigen Fernsehprogramm der Deutschen Welle.DW-Talkformat mit Yoani Sánchez zu Menschenrechten in Lateinamerika. Pressemitteilung der Deutschen Welle, 12. Mai 2016

Leben Yoani Sánchez studierte am Pädagogischen Institut in Havanna Spanische Literatur. Später, 1995, wechselte sie an die Fakultät für Kunst und Geisteswissenschaften. Im selben Jahr kam ihr Sohn zur Welt. Fünf Semester später beendete sie ihr Studium in hispanischer Literatur. Sie spezialisierte sich auf zeitgenössische lateinamerikanische Literatur und schrieb eine Arbeit zum Thema „Worte unter Druck. Eine Studie zur Literatur in der Diktatur in Lateinamerika.“ Zum Ende ihrer Universitätslaufbahn erkannte sie für sich, dass die Welt der Intellektuellen und der hohen Kultur nicht die ihre war. Sie wollte keine Philologin mehr sein.

Ab dem Jahre 2000 arbeitete sie zur Ableistung des für Hochschulabsolventen obligatorischen Sozialdienstes für den staatlichen Verlag . Da sie vom gezahlten Gehalt, wie die allermeisten Kubaner, nicht auf legale Weise eine Familie ernähren konnte, da der Durchschnittsarbeitslohn eines Kubaners monatlich nur ca. 15 bis 20 US-Dollar beträgt, kündigte sie noch vor Ableistung der Mindestdauer und arbeitete fortan als selbständige Spanischlehrerin für deutschsprachige Touristen, womit sie bessere Verdienstmöglichkeiten hatte.

2002 emigrierte Yoani Sánchez in die Schweiz, wo sie zwei Jahre in Zürich lebte, bevor sie 2004 aus Sehnsucht nach ihrer Heimat und Familie nach Kuba zurückkehrte.Die neue Magie heißt Wandel, sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010

In diesen Jahren entwickelte sie ein Faible für die Informatik, das noch heute anhält. 2004 gründete sie zusammen mit anderen Kubanern ein Internet-Journal des Nachdenkens und der Debatte „Consenso“ („Zustimmung“), für das sie noch heute als Webmasterin und Redakteurin tätig ist.

Im April 2007 hob sie den Blog Generation Y aus der Taufe. Im Jahr 2008 wurde sie deswegen weltweit bekannt. In diesem Jahr wurde mit dem renommierten spanischen Journalistenpreis „Ortega y Gasset“ ausgezeichnet,Knut Henkel: Reiseverbot für kubanische Bloggerin, taz.de vom 7. Mai 2008 der von der spanischen Tageszeitung El País in Gedenken an den spanischen Denker und Journalisten José Ortega y Gasset jährlich für herausragende journalistische Arbeiten in spanischer Sprache verliehen wird. Das Time Magazine wählte sie unter die 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2008.The 2008 TIME 100: Heroes & Pioneers – Yoani Sánchez zugegriffen am 3. Mai 2008 Im November 2008 gewann sie den Weblog-Award der Deutschen Welle The BOBs in der Kategorie Best Weblog sowie den Userpreis in der Kategorie Reporter ohne Grenzen Award.Deutsche Welle / The BOBs: The BOBs - Deutsche Welle - BOBs Awards zugegriffen am 28. November 2008 Im Oktober 2009 wurde ihr der Maria-Moors-Cabot-Preis, einer der ältesten Journalistenauszeichnungen der USA zugesprochen. Dieser würdigt eine Berichterstattung, die sich „für ein interamerikanisches Verständnis“ und die Verteidigung der Pressefreiheit einsetzt.Kubanische Bloggerin an der Ausreise gehindert, Deutsche Welle vom 15. Oktober 2009

Die Ausreise aus Kuba zur Entgegennahme der Preise oder zur Teilnahme an anderen Veranstaltungen, zu denen sie eingeladen wurde, wurde Yoani Sánchez regelmäßig von den kubanischen Behörden verweigert. Amnesty International wertete dies als unzulässige Bestrafung für die Wahrnehmung des Menschenrechts auf freie Meinungsäußerung., Amnesty International vom 13. Oktober 2009 Innerhalb von vier Jahren wurde ihr 18 Mal die Ausreise zu Veranstaltungen verweigert.Kuba verweigert Bloggerin die Ausreise , auf spiegel.de Erst mit Inkrafttreten des novellierten Reisegesetzes im Januar 2013, das Ein- und Ausreisen für Kubaner grundsätzlich erleichtert, änderte die kubanische Regierung ihre Politik, so dass Sánchez im Februar 2013 auf eine mehrmonatige Reise durch mehrere Länder aufbrechen konnte, die sie zunächst nach Brasilien führte.

Yoani Sánchez schreibt außerdem als Gastautorin Kolumnen für verschiedene internationale Presseorgane, darunter zwischen Januar 2010 und März 2012 in der Wochenendbeilage Sonntaz der taz („die tageszeitung“) und seit 2008 in der englischen Ausgabe der Huffington Post. Nachdem die kubanische Regierung im September 2011 dem spanischen Korrespondenten von El País nach 20 Jahren die Aufenthaltserlaubnis zur journalistischen Berichterstattung entzog, übergab die Tageszeitung dessen bisherige Funktion an Sánchez.Kubas berühmteste Bloggerin darf endlich ausreisen, in: Süddeutsche Zeitung vom 18. Februar 2013, abgerufen am 27. Mai 2013El régimen cubano retira la acreditación al corresponsal de EL PAÍS en La Habana, in: El País vom 4. September 2011, abgerufen am 27. Mai 2013 (spanisch)

mini|Mit Gästen während einer Aufzeichnung ihrer Talkshow (2016) Zusätzlich zu ihren Blogbeiträgen, Kolumnen und Interviews äußert sich Sánchez mit einer großen Zahl von aktuellen Kommentaren und Kurznachrichten über das Kommunikationsnetzwerk Twitter,Twitter-Seite von Yoani Sánchez wo inzwischen jeder ihrer Tweets über 100.000 regelmäßige Leser erreicht (sogenannte followers). , in: Café Fuerte (spanisch) Die meisten ihrer Leser und Follower kommen aus dem Ausland. In Kuba hat sie keinen Einfluss.Philipp Lichterbeck: Kultur auf Kuba - Ein Monatslohn für ein Buch, Der Tagesspiegel vom 20. Juli 2015 Dort sind private Internetzugänge nicht gestattet und offizielle Zugänge stark überwacht und teuer.Martin Niewendick: Wifi in Havanna - Kuba wird drahtlos, Der Tagesspiegel vom 3. Juli 2015, abgerufen am 20. Juli 2015 Neben ihrer Arbeit als Journalistin und Aktivistin der Zivilgesellschaft schrieb sie ein über 400 Seiten umfassendes Handbuch zum Einsatz der Blogging-Software WordPress, das im Mai 2011 in Madrid veröffentlicht wurde. Die beantragte Ausreise zur Vorstellung ihres Buchs in Spanien wurde ihr von der kubanischen Regierung erneut verweigert.La 'bloggera' Yoani Sánchez denuncia que Cuba le impide viajar a Madrid (Spanisch) In: El Mundo (Madrid) vom 5. Mai 2011, abgerufen am 13. Mai 2011

Im Mai 2016 übernahm Sánchez eine neue Rolle als Fernsehmoderatorin. Im spanischsprachigen Programm der Deutschen Welle ist sie seitdem Gastgeberin einer wöchentlichen Talkshow zu lateinamerikanischen Menschenrechtsthemen mit dem Namen Yoani Sánchez – La voz te tus derechos („Die Stimme deiner Rechte“). Yoani Sanchez – La voz de tus derechos. Informationsseite zur Sendung auf der Webseite der Deutschen Welle (spanisch)

Onlineaktivitäten Blog „Generación Y“

Yoani Sánchez lebt zusammen mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Reinaldo Escobar, in einem Hochhaus in der kubanischen Hauptstadt Havanna an der Plaza de la Revolución. Ihre Beiträge schreibt sie auf einem von ihrer Auslandsreise mitgebrachten Laptop in ihrer Wohnung. Um einen Beitrag dann im Blog zu veröffentlichen, geht sie meist in ein Internetcafé in einem Touristenhotel, wo in Dollar gezahlt werden muss. Internetanschlüsse in kubanischen Privathaushalten gibt es nahezu nicht und wenn, sind sie zu langsam, um ein Blog zu verwalten.

Yoani Sánchez’ Domain desdecuba.com ist von der Cronon AG, der Tochtergesellschaft der Strato AG für Großkunden registriert und wird bei Strato gehostet. Die Adresse des Domainverantwortlichen ist die des Pressesprechers der spanischen Tochtergesellschaft von Strato. Der Blog wurde anfangs von der kubanischen Regierung nach außen hin de facto toleriert, in Kuba selbst wurde der Blog jedoch rund drei Jahre lang von den Behörden mit technischen Mitteln blockiert,, sueddeutsche.de, vom 13. Februar 2009Generación Y: , vom 26. März 2008 kann aber seit Anfang Februar 2011 wieder von Internet-Nutzern auf der Insel gelesen werden. Die Aufhebung der Blockade erfolgte wenige Tage vor Beginn eines internationalen Kongresses zu moderner Informationstechnologie in Havanna. in: Café Fuerte (spanisch)Cuba unblocks access to controversial blog In: Reuters.com vom 9. Februar 2011, abgerufen am 17. Juni 2011 (englisch)

Die von Yoani Sánchez gezeichneten Beiträge erscheinen auf der Webseite desdecuba.com in rund zwanzig Sprachen. Die Versionen auf Deutsch, Englisch und Spanisch erscheinen etwa gleichzeitig. Die deutschsprachige Seite wird u. a. durch Werbeanzeigen finanziert.'Kohle machen mit Kuba-Kritik' Harald Neuber, amerika21.de vom 23. März 2011

In den einzelnen Blogbeiträgen selbst geht es im Wesentlichen um das schwierige kubanische Alltagsleben, wobei auch ohne Blatt vor dem Mund die politischen Verhältnisse kritisiert werden. So beschreibt sie beispielsweise den Versuch, Zitronen aufzutreiben, um ihre Erkältung zu kurieren, was letztendlich erfolglos blieb. Dabei stellt sie die Frage, wie es denn sein könne, dass ein so fruchtbares Land wie Kuba nicht ausreichend landwirtschaftliche Güter produzieren könne, um die Bevölkerung zu versorgen.

Am 19. November 2009 veröffentlichte Yoani Sánchez in ihrem Blog einen Fragebogen mit sieben Fragen an den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama zu den Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten zusammen mit den Antworten des US-Präsidenten., Yoani Sánchez in Generación Y vom 19. November 2009 Über drei Monate lang hatte sie auf verschiedenen Wegen versucht, ihre Fragen im Weißen Haus einzureichen. Parallel hatte sie ebenfalls sieben Fragen an den kubanischen Staatspräsidenten Raúl Castro gerichtet,Obama antwortet kubanischer Bloggerin Sánchez, Zeit Online vom 11. November 2009, Yoani Sánchez in Generación Y vom 18. November 2009 ()Questions from Yoani Sanchez to POTUS auf WikiLeaks veröffentlichter Vermerk der diplomatischen Vertretung der USA in Havanna an die Zentrale des US-Außenministeriums vom 28. August 2009 einschließlich eines Antwortentwurfs für Präsident Obama (englisch) von dem sie allerdings keine Antwort erhielt.

Online-Zeitung „14ymedio“ Am 21. Mai 2014 startete Yoani Sánchez mit der Onlinezeitung 14ymedio die erste privat betriebene und von der Regierung unabhängige Zeitung Kubas seit dem Sieg der Revolution im Jahre 1959. Erklärtes Ziel des Projekts ist es, die „komplette Spannbreite von Nachrichten, Meinungskolumnen und Fakten über die Realität unserer Insel abzudecken“. Sie soll alle zwei bis drei Tage aktualisiert werden. Chefredakteur ist der Journalist und Sánchez’ Ehemann Reinaldo Escobar, dazu kommen rund ein Dutzend journalistische Mitarbeiter.Norbert Mayer: Zensur in Kuba, Die Presse vom 24. Mai 2014

Zahlreiche Prominente wie der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa sowie der polnische Solidarność-Aktivist und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa unterstützen dieses Projekt. Wałęsas Stiftung gehört auch zu den Geldgebern dieses Projektes.