mini|Lage der Gemarkung Ossenberg in Rheinberg Das Dorf Ossenberg ist heute ein Ortsteil (amtlich Wohnplatz) im Stadtbezirk Borth der Stadt Rheinberg am linken unteren Niederrhein. Bis 1951 war es eine selbständige Gemeinde mit einem Schloss als Herrensitz, bevor es in die Gemeinde Borth eingemeindet wurde, die wiederum im Jahr 1975 nach Rheinberg eingemeindet wurde.

Ossenberg liegt drei Kilometer nördlich der Kernstadt von Rheinberg nahe am Rhein und hat heute etwa 2000 Einwohner. Den historischen Kern des Dorfes und seine Hauptsehenswürdigkeit bildet ein Herrensitz oder Schloss. Ossenberg gewann 2011 den Kreiswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft (ehemals Unser Dorf soll schöner werden) und vertrat 2012 den Kreis Wesel auf Landesebene.Ossenberg Kreissieger bei "Unser Dorf hat Zukunft"

Zum Ortsnamen Der Ortsname Ossenberg wird meistens als Zusammensetzung von Osten und Berka gedeutet, also als eine Ortschaft im Osten Rheinbergs, dessen alter Name Berke oder Berka war. Die Vorsilbe Ossen- geht höchstwahrscheinlich auf eine niederfränkische Form der Himmelsrichtung Osten zurück. Eine andere weniger wahrscheinliche Erklärung bietet Hans Bahlow: danach ist os ein alteuropäisches Wasserwort mit der Bedeutung „Sumpf, Moor“, auf das auch unter anderem der Name Osna-brück zurückgeführt werden könne.Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Etymologisches Lexikon der Fluss- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985.

Nach Gysseling 1960 stammt der Ortsname Berke vom germanischen Wort für Birke. Tiefenbach 2012 geht nach Ausweis der frühen Form Berke von einem lokativischen Dativ aus, also „(Ort) bei der Birke“. Die Bezeichnung der Birke wird germanisch als *berkō bzw. *berkjō(n) rekonstruiert; aus diesen beiden Formen ergeben sich die unterschiedlichen Stammvokale in Berke und Birke. Das /e/ zeigt auch der Ortsname Berka in Thüringen, während sonst auch bei den Ortsnamen das /i/ vorherrscht, z. B. Birklar, Birkenau, Birkenholm und viele andere. Ältere Hypothesen zur Herkunft des Namens Berka findet man im Artikel Rheinberg.

Geografische Lage Ossenberg, heute ein Ortsteil der linksrheinischen Stadt Rheinberg, liegt in der Niederrheinischen Tiefebene unmittelbar am Rhein, etwa 12 Kilometer südlich der Kreisstadt Wesel und 14 Kilometer nördlich von Moers. Im Norden grenzt es an die Gemeinde Alpen und die Rheinberger Ortsteile Borth und Wallach, im Westen an Millingen und im Süden an die Rheinberger Gemarkung.

Ossenberg bildet seit 1975 zusammen mit den Wohnplätzen Borth und Wallach den Stadtbezirk Borth der Stadt Rheinberg. (Die anderen Stadtbezirke sind Rheinberg, Budberg und Orsoy.) Zum Ortsteil Ossenberg gehört das Naturschutzgebiet Rheinvorland nördlich der Ossenberger Schleuse, das zwischen Deich und Rhein liegt.

Geschichte Frühe Geschichte Ossenberg liegt direkt am Rhein, der in früheren Zeiten nicht wie heute in einem stabilen Flussbett dem Meer entgegenfloss, sondern sich in der niederrheinischen Tiefebene in mehrere Arme aufteilte, die viele Flussinseln umflossen. Ein solches Gebiet war vor der Bändigung des Rheins durch Flussregulierung und Deichbau kaum zu besiedeln, allenfalls auf einigen höher gelegenen Stellen. (Siehe auch den Abschnitt "Ossenberg und der Rhein".)

Um Christi Geburt lebten am unteren Niederrhein – aber wohl kaum direkt am Fluss – die keltisch-germanischen Mischvölker der Eburonen, Menapier und Cugerner, die von römischen Schriftstellern erwähnt werden. Siedlungsreste oder Gräberfunde sind im Ossenberger Gebiet aus dieser Zeit nicht erhalten. Seit Kaiser Augustus hielten die Römer den linken Niederrhein besetzt (die Versuche, eine rechtsrheinische Provinz Germania zu etablieren, waren nach der Varusschlacht 9 n. Chr. aufgegeben worden). Wichtige Stützpunkte der römischen Besatzung am unteren Niederrhein waren die Militärlager Vetera I auf dem Fürstenberg bei Xanten-Birten und Vetera II auf der Bislicher Insel bei Xanten. Die römische Großsiedlung in diesem Raum wurde Colonia Ulpia Traiana, aus der später die Stadt Xanten (Ad Sanctos) hervorging.

Fränkisch-merowingische Zeit Nachweislich erfolgte dann im 5. und 6. Jahrhundert eine Besiedlung des niederrheinischen Gebiets durch fränkische Stämme (Chamaver und Atturier), die die Römer vertrieben hatten. Ein Gräberfeld oder gar eine Siedlung ist für die fränkische Zeit auf Ossenberger Gebiet bisher nicht nachgewiesen. Die Ossenberg nächstgelegene Fundstätte aus dieser Zeit ist das fränkisch-merowingische Gräberfeld in Rill in der Nachbargemeinde Alpen. Dort wurden in Grabungen des frühen 20. Jahrhunderts 80 Gräber aufgedeckt und untersucht. Insgesamt umfasste das Gräberfeld von Rill etwa 200 Bestattungen von der Mitte des 5. bis ins 8. Jahrhundert. Die Toten wurden hauptsächlich in Särgen oder hölzernen Grabkammern bestattet, teilweise aber auch in Baumsärgen (ausgehöhlten Baumstämmen) beigesetzt, was auf einen sächsischen oder friesischen Einfluss hinweisen könnte. Die Grabbeigaben geben Aufschluss über die Tracht, Bewaffnung, Gerätschaften und soziale Schichtung der fränkischen Bevölkerung am Niederrhein. Vereinzelt belegen Funde in den niederrheinischen Gräberfeldern dieser Zeit (Gellep, Stratum, Orsoy, Rill) auch auf fernere Handelsbeziehungen, wie Keramik aus der Eifel, langobardisches Zaumzeug und Fibeln, ostgotische Spangenhelme und skandinavische Riemenzungen.

Ende des 7. Jahrhunderts nehmen die Grabbeigaben ab, was entweder auf den wachsenden Einfluss des sich nunmehr auch in ländlichen Gegenden verbreitenden Christentums oder aber auf eine Verarmung der Bevölkerung zurückzuführen ist. Die Lage des Gräberfeldes in Rill auf der höchsten Erhebung der Umgebung ist typisch für viele Anlagen aus der fränkischen Zeit. Siedlungsmöglichkeiten gab es in dieser Zeit nur auf höher gelegenen Stellen (Brinken und Spyken), die einigermaßen vor dem Hochwasser geschützt waren.

Rittersitz Ossenberg mini|Schloss Ossenberg um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Geschichte des Dorfes ist eng mit dem urkundlich erstmals 1176 erwähnten Haus oder Schloss Ossenberg verbunden. Anfänglich war die „Herrlichkeit Ossenberg“ wohl ein befestigter fränkischer Rittersitz, der dann in kölnischen Besitz gelangte. Als erster Besitzer von Haus Ossenberg wird ein gleichnamiges Geschlecht genannt, das mehrfach in Urkunden des 14. Jahrhunderts erwähnt wird. Im Jahre 1335 verkauften die Brüder Wilhelm und Otto von Ossenberg der Abtei Kamp größere Weideländereien. Das Stift Xanten, die Abtei Kamp und andere Klöster hatten nachweislich Grundbesitz in Ossenberg. Um 1350 starb Otto von Ossenberg ohne Nachfolger. Am 13. Januar 1351 wurde seine Witwe Margaretha von dem Grafen Friedrich von Moers mit der Vogtei und Herrlichkeit Ossenberg belehnt. Die Lehensbefugnis war zwischen der Grafschaft Moers und dem Kurfürstentum Köln umstritten. Durch Heirat jener Margaretha mit Arnt von Wevort kam der Besitz 1375 an die Familie Wevort (auch Wevorden).

Wevort und von der Rhoer Mehr als 300 Jahre war die Familie Wevort, eines der ältesten niederrheinischen Adelsgeschlechter, das zahlreiche wichtige Funktionen und Ämter innehatte, im Besitz des Schlosses Ossenberg und seiner Ländereien. Im 16. Jahrhundert traten die Wevorts früh zum protestantischen Glauben über und hatten einen entscheidenden Anteil an der reformatorischen Entwicklung in Moers, Rheinberg und natürlich Ossenberg.

Die Vogtei Ossenberg bildete in dieser Zeit einen eigenen Gerichtsbezirk, der Rheinberg und die umliegenden Orte umfasste und dessen Gerichtsordnung die Grafen von Neuenahr und Moers 1567 dokumentierten. Dabei wurde erklärt, dass Moers als Appellationsgericht für das Gericht Ossenberg fungieren solle. 1712 wurde durch preußisch-königliche Verordnung der Instanzenweg bestätigt: von den Untergerichten Ossenberg, Friemersheim und Krefeld hatten sich Beschwerdeführer zunächst an das Hauptgericht in Moers, dann an das Oberappellationsgericht in Berlin zu wenden.

Nach Ausweis einer Urkunde des Amtes Rheinberg besaß Ossenberg 1636 – also während des Dreißigjährigen Krieges – außer dem Schloss nur fünf größere Höfe und 28 Katstätten, die nicht einmal alle bewohnt waren. Aufgrund wachsender Schulden auch infolge der Kriegswirren musste Ossenberg schließlich von den Wevorts veräußert werden. So wurde 1701 der Utrechter Domherr Thomas Brauwart mit der Herrlichkeit und dem Gericht zu Ossenberg belehnt. Danach wechselte Ossenberg erneut zweimal kurz hintereinander den Besitzer. Zunächst gelangte es in den Besitz von Graf Johann Christoph von Wylich und Lottum, danach übernahm Graf Truchseß von Waldburg den Herrensitz. Er ließ in den 1720er Jahren das alte befestigte Schloss durch das heutige Gebäude im Rokokostil ersetzen (siehe Beschreibung).

Bereits 1744 veräußerte Truchseß von Waldburg das Schloss mit seinen Gütern an Ludolf von der Rhoer (oder Rhur), einen wohlhabenden katholischen Kaufmann aus Rheinberg. (Nach einer Duisburger Urkunde von 1744 wurde Schloss Ossenberg allerdings als "Reckischer Besitz" zum Verkauf angeboten, es gehörte danach – zumindest kurzzeitig – dem westfälischen Adelsgeschlecht von der Reck(e), siehe den Weblink). Ludolf von der Rhoer ließ die in Trümmern liegende Antonius-Kapelle in der Nähe des Schlosses wieder aufbauen. (Siehe den Abschnitt über die Antonius-Kapelle.) Nachfolger von Ludolf von der Rhoer wurde sein Sohn Caspar Anton, der 1783 von König Friedrich II. in den Freiherrnstand erhoben wurde und 1784 den Rittersitz Baerl erwarb. Die Familie von der Rhoer blieb über hundert Jahre im Besitz von Ossenberg. 1811 – während der französischen Besetzung des Niederrheins – gab sich hoher Besuch die Ehre: Die Kaiserin Marie Louise, die Gemahlin Napoleon I., stattete Schloss Ossenberg einen Besuch ab und übernachtete dort.

Bürgermeisterei Ossenberg 1794 stieß das französische Revolutionsheer bis an den Rhein vor, das linksrheinische Gebiet unterstand damit französischer Herrschaft. Der Adelsstand ging durch Dekrete von 1795 und 1798 aller bisherigen Rechte, Privilegien und Einnahmen (Erbpachten, Zehnten) verlustig. Das linksrheinische Gebiet wurde 1798 in vier Departments, diese wiederum in Arrondissements und schließlich in Kantone aufgeteilt. Die Vogtei Ossenberg wurde aufgelöst und das Dorf dem Kanton Rheinberg eingegliedert, der zum Distrikt Krefeld (Arrondissement de Crévelt) im Rur-Departement (Département de la Roer) mit Verwaltungssitz Aachen gehörte.

1800 wurden die drei Dörfer Ossenberg, Borth und Wallach innerhalb des Kantons Rheinberg zu einer Mairie (Bürgermeisterei) Ossenberg mit einem Munizipialagenten oder Maire als Bürgermeister zusammengefasst. Zunächst fungierten Mitglieder der Familie von der Rhoer als Maire, auch nachdem Preußen 1816 – in dessen Besitz der linke Niederrhein 1815 übergegangen war – eine Verwaltungsreform durchführte und den Kreis Rheinberg einrichtete, der dem Kanton entsprach. Die Bürgermeisterei Ossenberg blieb als Samtgemeinde der Gemeinden Ossenberg, Borth und Wallach erhalten. Ab 1823 unterstand sie aber trotz prinzipieller Eigenständigkeit der kommissarischen Verwaltung durch den Bürgermeister der Stadt Rheinberg, der im Auftrag des Preußischen Staates in Personalunion außer der Stadt Rheinberg mehrere selbständige Gemeinden im Umland verwaltete, darunter auch die Bürgermeisterei Ossenberg. Der Hauptgrund dafür, dass eine Bürgermeisterei wie Ossenberg keinen eigenen Bürgermeister erhielt, war die trotz ständig steigender Aufgabenfülle äußerst geringe Bezahlung dieses Amtes, von der kein Bürger sein Auskommen haben konnte. 1845 hatte die Bürgermeisterei Ossenberg 1244 Einwohner, davon entfielen auf Ossenberg selbst 460, auf Borth 482 und auf Wallach 302.