mini|ICE-Werk München mit ICE 1
Die Instandhaltung der ICE-Züge der Deutschen Bahn erfolgt in acht deutschlandweit verteilten Betriebswerken (plus einem in Basel) nach einem gegenüber früheren Fahrzeugen weiterentwickelten Konzept. Die Instandhaltung gemäß ECM ist EU-weit in Durchführungsverordnung (EU) 2019/779 verankert.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 27. Mai 2019.
Die DB beschäftigte in den neun ICE-Werken Anfang 2025 nach eigenen Angaben rund 5500 Mitarbeiter.
Geschichte Mit Inbetriebnahme der ersten ICE-Züge (ICE 1) im Jahr 1991 wurde auch ein grundlegend neues Instandhaltungskonzept für die neuen Paradezüge eingeführt. So werden die Züge auch in der Instandhaltung in der Regel nicht getrennt und auf mindestens drei Ebenen gleichzeitig − unterhalb des Fahrzeugs, auf Einstiegshöhe sowie im Dachbereich − gewartet. Die Standzeit bei kurzen Werkstattaufenthalten soll dabei nur eine Stunde betragen und überwiegend nachts stattfinden. Als weitere wesentliche Neuerung gilt die Funk-Vormeldung der im rechnergestützten Diagnosesystem hinterlegten Mängel per Datenfernübertragung noch während der Fahrt.Meldung ICE-Betriebswerk in München termingerecht in Betrieb. In: Die Deutsche Bahn. Nr. 6, 1993, S. 497 f. Am 1. August 1987 stimmte der Bundesverkehrsminister, neben der Beschaffung von 41 Serien-ICEs, auch der Errichtung der notwendigen Wartungseinrichtungen zu.Ohne Autor: Die weiteren Pläne der Neuen Bahn. In: Bahn-Special, Die Neue Bahn. Nr. 1, 1991, Gera-Nova-Verlag, München, S. 78 f. Bereits im November 1986 war die Entscheidung gefallen, das erste ICE-Betriebswerk aus personal- und strukturpolitischen Gründen in Hamburg zu errichten.Der ICE wurde in München auf schnellen Trab gebracht. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 124, 1991, , S. 17 f.
Zur Aufnahme des ICE-Betriebs war für die Züge der ersten ICE-Linie planmäßig bei einer Wendezeit am Bahnhof Hamburg-Altona von 109 Minuten ein sechzigminütiger Aufenthalt im Bahnbetriebswerk Hamburg-Eidelstedt vorgesehen.
Die regelmäßige Wartung der über 330 ICE-Züge erfolgt in neu errichteten oder speziell für den ICE ertüchtigten Betriebswerken in Basel, Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig und München. In den Werken Basel, Dortmund und Köln werden dabei in den umlaufbedingten Wendezeiten kleinere Maßnahmen wie Laufwerksuntersuchungen und Entstörungsmaßnahmen vorgenommen sowie die Vorräte ergänzt bzw. WC- und Küchenabwasser entsorgt.
Hauptuntersuchungen sowie Beseitigungen von Unfallschäden erfolgen in den Ausbesserungswerken Krefeld-Oppum und Nürnberg.
Das Nürnberger Instandhaltungswerk sollte, nach einem Plan zur Reorganisation der Instandhaltung von 2001, langfristig sich auf den ICE konzentrieren.Meldung Neue Werke-Struktur. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2001, , S. 147. Wenig später war die Schließung des Werkes für das Jahr 2003 vorgesehen; die schwere Instandhaltung sollte demnach ausschließlich im Werk Krefeld erfolgen.Neuordnung der Instandhaltung bei der DB AG. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2001, , S. 373. Das dreigleisige ICE-Werk Krefeld ging 2003 in Betrieb. Seine Kapazität liegt bei 54 ICE-Revisionen pro Jahr, für die jeweils zehn Arbeitstage und 3500 bis 4000 Fertigungsstunden benötigt werden.Elektrischer Betrieb bei der Deutschen Bahn im Jahre 2003. In: Elektrische Bahnen, Jahrgang 102 (2004), Heft 1–2, S. 31.
Beheimatung Die ICE-Züge sind, gegliedert nach Baureihen, in den Werken Berlin, Frankfurt, Hamburg und München beheimatet. Diese Werke tragen die technische Verantwortung für die jeweiligen Fahrzeuge und planen die jeweiligen Fahrzeugeinsätze. Sie verantworten auch die Einhaltung der Wartungsintervalle.
Die Züge bzw. Baureihen sind wie folgt beheimatet:
Berlin: ICE 2 Cottbus: ICE 4 Frankfurt: ICE 3 (BR 403), ICE 3 MS (BR 407), ICE 3 Neo (BR 408), ICE T7 (BR 411) Hamburg: ICE 1, ICE 4 München: ICE 3 (BR 403), ICE T7 (BR 411)
Wartungsintervalle Das Wartungskonzept der Züge umfasst sieben Stufen (Stand: 2013):Deutsche Bahn AG: lokster.deutschebahn.com.
Alle 8000 Kilometer wird eine etwa eineinhalbstündige Inspektion vorgenommen. Die Sammelbehälter der WCs werden entleert und Frischwasser nachgefüllt. Auch werden akute Mängel (zum Beispiel nicht schließende Zwischentüren) repariert. Zusätzlich werden sicherheitsrelevante Wartungsarbeiten durchgeführt. Dazu gehören die Kontrolle der Trafoanlage auf Feuchtigkeit und der Stromabnehmerwippe auf Verschleiß. Auch eine Laufwerkskontrolle wird im Rahmen dieser Inspektion vorgenommen. Alle 24000 Kilometer kommt es zur sogenannten etwa zweieinhalbstündigen Nachschau. Dabei werden zusätzlich die Bremsen, die Fahrzeugeinrichtungen der linienförmigen Zugbeeinflussung sowie der Gleitschutz geprüft. Nach 144000 Kilometern kommt es zur so genannten Inspektionsstufe1. In zwei je achtstündigen Modulen wird dabei eine Bremsrevision ebenso vorgenommen wie eine Prüfung von Klimaanlage, Kücheneinrichtung, Sitzen, Batterien und des Fahrgastinformationssystems. Nach 288000 Laufkilometern werden im Rahmen der Inspektionsstufe2 zusätzlich Fahrmotoren, die Lager und Wellen der Radsätze sowie die Kupplungen geprüft. Den Zeitaufwand für diese Stufe gibt die Deutsche Bahn mit zweimal acht Stunden an. Etwa jedes Jahr (nach 576000 Kilometern) steht die dreimal acht Stunden umfassende Inspektionsstufe3 an. Sie umfasst zusätzlich Prüfungen an den Luftpressern und der Trafo-Kühlung sowie Arbeiten im Fahrgastraum. Im Rahmen der 1. Revision werden nach 1,2 Millionen Kilometern alle weiteren Komponenten des Zuges untersucht. Dafür sind zweimal fünf Tage angesetzt. Im Rahmen der 2. Revision werden nach 2,4 Millionen Kilometern die Drehgestelle getauscht und viele weitere Komponenten zerlegt. Der Zeitaufwand liegt ebenfalls bei zweimal fünf Tagen.
Im Rahmen eines 2004 begonnenen Projekts wurde die Laufleistung, nach der eine Revision IS600 vorgenommen wird, von ehemals 1,4 auf 1,65Millionen Laufkilometer bei ICE-2-, ICE-3- und ICE-T-Zügen erhöht. Bis Dezember 2006 wurde für die meisten Bauteile darüber hinaus das Grundintervall für Fristarbeiten von 72000 auf 144000 Laufkilometer verdoppelt.Deutsche Bahn AG, DB Systemtechnik: (PDF; 1,6MB), S.26f.
Seit 2005 unterliegt die ICE-Wartung der so genannten Integrierten Instandhaltung, dem 1998 eingeführten zentralen Instandhaltungssystem der Deutschen Bahn.Das Rückgrat der Fahrzeugflotte. In: DB Welt, Ausgabe Juli/August 2008, S. 10.
Standorte
Basel Das Betriebswerk Basel von DB Fernverkehr nimmt Wartungsarbeiten an ICE-Zügen aller Generationen vor. Das Werk besitzt eine Werkshalle mit insgesamt 6 Behandlungsgleisen und einer Gesamtlänge von 650 Meter sowie zwei Außenbehandlungsgleisen mit 400 Meter Länge.
Berlin mini|ICE-Werk Berlin-Rummelsburg Triebzuganlage
Am Betriebsbahnhof Berlin-Rummelsburg ging 1998 eine zweigleisige Halle als drittesDB Projekt Verkehrsbau GmbH (Hrsg.): Drehscheibe Berlin. Pilzkonzept. 24-seitige Broschüre mit Stand von November 2001, S. 10. Werk zur ICE-Wartung in Betrieb. Nach einer Bauzeit von 16 Monaten folgte im Januar 2002 eine zweite Ausbaustufe. Dabei wurde eine neue 256 Meter lange des Bauunternehmens Max Bögl, S. 5. Halle mit drei Werkstattgleisen in Betrieb genommen; das Investitionsvolumen lag bei rund 30 Millionen Euro. Mit der Erweiterung konnte die gesamte ICE-2-Flotte (44 Triebzüge) in Berlin beheimatet werden. Bis Anfang 2002 wurden insgesamt 180 Millionen Euro in den Standort investiert.Meldung ICE-Werk Berlin-Rummelsburg: Neue Halle feierlich eröffnet. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 51, Nr. 3, 2002, S. 99. (Eine andere Quelle spricht von einer Übertragung der ICE-2-Flotte von München nach Berlin zum 1. Juni 2000Meldung ICE-Rochaden. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2000, , S. 340.)
Mit dem Ausbau, der auch eine fünfgleisige Ausfahr-Abstellanlage in Karlshorst beinhaltete und ursprünglich bereits im Mai 2001 abgeschlossen werden sollte, stieg die Kapazität des Werkes von 40 auf 60 Triebzüge pro Tag.Meldung Ausbau des ICE-Werk Berlin. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2000, , S. 342. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Werk zwei Hallen mit insgesamt fünf Werkstattgleisen, fünf Außenbehandlungsgleise sowie eine Außenreinigungsanlage, eine Radsatzdiagnoseanlage sowie eine Radsatzdrehbank.
In dem Betriebswerk arbeiteten 2008 rund 800 Mitarbeiter. Von den wöchentlich rund 590 in Rummelsburg behandelten Fahrzeugen sind fast 400 ICEs der Typen ICE 1, ICE 2, ICE T. Die ICE 2 sind seit 2000 in dem Werk beheimatet.Markus Falkner: In: Berliner Morgenpost, 12. September 2008. Ab Dezember 2007 wurde – bis zu deren Abstellung – auch ein Teil der ICE-TD-Flotte in Berlin instand gehalten.
Das Werk ICE-Werk Rummelsburg II wird in zwei Ausbauphasen für die Wartung des ICE 4 erweitert. Die Fahrzeughalle wird dazu auf 420 m verlängert. Der Ausbau begann im Dezember 2017.
In Berlin-Schönholz, nahe dem Bahnhof Berlin Gesundbrunnen, soll ab 2026 ein „ICE-Boxenstopp“ mit acht je 400 m langen Gleisen entstehen, an dem u. a. kleinere Reparaturen durchgeführt werden sollen.
Cottbus In Cottbus errichtete die Deutsche Bahn das erste Werk für die schwere Instandhaltung der ICE 4. Es besteht aus zwei Hallen. Der Spatenstich für die zweigleisige und 445 Meter lange Halle 2 wurde am 10. Mai 2022 gefeiert und Anfang August 2023 der Gleisanschluss hergestellt. Die Halle wurde am 11. Januar 2024 durch Bundeskanzler Olaf Scholz, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und dem DB-Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz eröffnet.
Mitte 2023 lief die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die viergleisige und 570 Meter lange Halle 1 mit dem Ziel der Inbetriebnahme im Jahr 2026. Die Bauarbeiten an der zweiten, viergleisigen und 500 m langen Halle begannen im März 2024. Nach Fertigstellung beider Hallen sollen 1200 Mitarbeiter beschäftigt werden. Insgesamt soll auf Basis des Investitionsgesetzes Kohleregionen eine Milliarde Euro investiert werden.
Die Anlage findet auch international Beachtung.Vgl.: Reiner Rodig: News from the German Railway JSC (DB AG). A state-of-the-art centre of the German Railway JSC (DB AG) for the repair and maintenance of ICE 4 high-speed electric trains has been officially opened in Cottbus. In: OSJD Bulletin 1/2024, S. 31–36 (31f.)
Dortmund-Hafen Auf dem Gelände des ehemaligen Dortmunder Rangierbahnhofs im Dortmunder Stadtbezirk Innenstadt Nord, westlich des namensgebenden Hafens, wird ein neues Betriebswerk für DB Fernverkehr mit einer 480 Meter langen Werkshalle mit vier Gleisen errichtet, in dem weitestgehend alle Baureihen der DB Fernverkehr instand gehalten werden können. Gleichzeitig entsteht eine Abstellanlage sowie eine Behandlungsanlage für die Reinigung, Ver- und Entsorgung und Entstörung außerhalb der Werkshalle. Täglich sollen bis zu 17 ICE-Züge behandelt werden.
Anfang Dezember 2022 wurden die Planfeststellungsunterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht.
Die Deutsche Bahn plant mit Kosten von 400 Millionen Euro, bis zu 500 neuen Arbeitsplätzen und einer Inbetriebnahme im Juni 2027.
Dortmund-Spähenfelde
Im Betriebswerk Dortmund können drei ICE-Züge parallel in einer rund 300 Meter langen Halle gewartet werden.Frau im Blaumann. In: mobil. Ausgabe Februar 2008, S. 50 f.
Ende 2002 wurde das Betriebswerk Dortmund-Spähenfelde, in dem bis zuvor Reisezugwagen gewartet worden waren, zum bundesweit fünften Standort, in dem ICE-Züge gewartet werden. Etwa 50 Millionen Euro wurden für eine entsprechende Umrüstung ab November 2001 investiert.Meldung Dortmund: Standort für neues ICE Werk (sic!). In: Eisenbahntechnische Rundschau. 51, Nr. 3, 2002, S. 99. Nach der Betriebsaufnahme wurden Fristarbeiten und kleinere Instandhaltungstätigkeiten an rund 20 ICE-3-Triebzügen pro Nacht durchgeführt.Ernst Reuss: Der Betriebseinsatz des ICE 3 – Fahrleistung im Flottendurchschnitt auf Weltrekordniveau. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2004, , S. 14 f.