Bruchmachtersen ist einer der 31 Stadtteile der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft Nord. Es liegt westlich der Ortsteile Lebenstedt und Salder, nordöstlich von Salzgitter-Lichtenberg und südlich des Salzgittersees.

Das Bauerndorf, dessen Einwohnerzahl über lange Zeit zwischen 200 und 300 Einwohnern schwankte, wuchs beinahe auf das dreifache durch Flüchtlinge im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg an. Bruchmachtersen gehörte bis zum 31. März 1942 zum Landkreis Wolfenbüttel und wurde am folgenden Tag ein Teil der Großstadt Watenstedt-Salzgitter. Am 23. Januar 1951 wurde diese in Salzgitter umbenannt. Die Geschichte Bruchmachtersens reicht urkundlich bis ins 12. Jahrhundert zurück, archäologisch bis in die Bronzezeit. Heute hat der Stadtteil rund 780 Einwohner, nachdem deren Zahl Mitte der 1980er Jahre noch bei fast Tausend gelegen hatte.

Geographie Lage mini|Karte des Nördlichen Harzvorlandes Bruchmachtersen liegt im äußersten Nordwesten des Nördlichen Harzvorlands.

Ortsgliederung mini|Die Straße Braunschweig-Derneburg (hier Theodor-Heuss-Straße), hier die Brücke über die Fuhse und die Straße Söhlekamp, grenzt den Siedlungskern von Bruchmachtersen nach Norden ab. Der ungefähr dreieckige Siedlungskern wird im Nordwesten von der Nordost-Südwest verlaufenden Theodor-Heuss-Straße, im Osten vom Söhlekamp, der von Nord nach Süd verläuft, und im Süden von der Straße Siedlung begrenzt, die westostwärts verläuft. Dort befindet sich die Dorfkirche.

Weiter im Süden entstand die Autobahn 39 mit den Autobahnabfahrten Salzgitter-Lichtenberg im Westen und Salzgitter-Lebenstedt im Osten. Zu Bruchmachtersen gehört die Siedlung Sukopsmühle südlich der Autobahn. Südlich davon steigt die Landschaft zum Salzgitter-Höhenzug bis auf rund 323 m an, wobei dessen nördlicher Teil, die Lichtenberge, nur bis wenig mehr als 250 m ansteigt. Der Salzgittersee im Norden gehört nicht zum Gebiet von Bruchmachtersen.

Im Osten bildet die Fuhse die Grenze. In diesen 100 km langen Fluss, dessen Lauf verlegt wurde, münden linksseitig der Mühlengraben Bruchmachtersen, der von der Sukopsmühle kommt und mitten durch den Ort fließt, die Flote und der Ortsbach (sowie rechtsseitig Schölke und Krähenriede).

Geschichte

Ortsname mini|Wohnhaus der Äbtissin von Steterburg, erbaut 1691 Der Ort wurde um 1182 unter der Bezeichnung Machterseim erstmals erwähnt, als in einer Urkunde des Stiftes Steterburg ein Ministeriale Heinrichs des Löwen, ein „Bertoldus de Sigerdessen“, dem Stift eine Hufe für eine Memorie hinterließ, die er für 12 Pfund erworben hatte.Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen, Josef Dolle, Horst Rüdiger Jarck: Urkundenbuch des Kanonissenstifts Steterburg, Wallstein, Göttingen 2019, n. 33, S. 43 f. (Google Books). Diese Urkunde ist allerdings nur in einer Kopie des 14. Jahrhunderts überliefert.Kirstin Casemir: Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, S. 235 (online). Daher lautet die älteste überlieferte Namensform wohl Machtersheim. Sie stammt aus dem Jahr 1191.

Im Laufe der Zeit änderte sich der Ortsname häufig, zumal keine Vorstellung von einer „richtigen“ Schreibweise bestand: Machtersheim (1191), Machtersem (1240, 1294, 1322), Maghtersum (1300), Machtersum bei Lichtenberge (1340), Magtersem (1355), Machtersen (1359), Brocmachtersem und Brochmachtersum (1372), Machterssem (1418), Machtersen circa Levenstidde (1444), Brockmachterßen (1492), Nortmachterssem (1536), Brugkmachterßen (1552), Nort Machtersen (1565), Bruchmachterßen (um 1616, 1785Neues geographisches Magazin 1 (1785/1786), S. 443 (Digitalisat).), Bruchmachtersem (1622), Bruchmachtersen oder vereinzelt Kl. Machtersen (1802) ehe sich Bruchmachtersen als Ortsname herauskristallisierte.Reinhard Försterling, Sigrid Lux unter Mitarbeit von Günter Freutel: Bruchmachtersen, in: Bruchmachtersen, Engelnstedt, Salder, Lebenstedt. „Ortschaft Nord“ in alten Ansichten (=Beiträge zur Stadtgeschichte. Herausgegeben vom Archiv der Stadt Salzgitter, 11), Salzgitter 1994, S. 9 und Kirstin Casemir: Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, S. 235.

Besiedlung ab der Bronzezeit, Siedlungen in der Eisenzeit Bis 1942, wenn nicht bis in die 1960er Jahre, war Bruchmachtersen kontinuierlich ein Bauerndorf. Eine Besiedlung bestand allerdings schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung im 12. Jahrhundert.

So wurden bei einer Rettungsgrabung in einem Haus in Bruchmachtersen Überreste von Gräbern des 7. bis 12. Jahrhunderts entdeckt.Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 38–39 (1966), S. 131. Diese Gräber lagen wieder oberhalb einer jungbronzezeitlichen Siedlung.Franz Niquet: Bodendenkmalpflege im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Braunschweig, in: Nachrichten aus Niedersachsens, 1966, S. 131–134, hier: S. 131. Bei den in der Nähe gelegenen Sukopsmühlen fanden sich auf einer Fläche von 300 m² Artefakte aus der Eisenzeit, der Römischen Kaiserzeit, wie auch des Frühmittelalters, vor allem des 6. und 7. Jahrhunderts.Bericht über die Ausgrabungstätigkeit der Archäologischen Denkmalpflege im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt — Institut für Denkmalpflege — 1988, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 58 (1989) S. 327–337, hier: S. 329.

Die vorrömische und römerzeitliche, eisenzeitliche Siedlung am Sukopsmühlenbach erstreckte sich über eine Länge von 300 bis 400 Metern, bei einer Breite von etwa 200 Metern. Sie wurde vor der spätrömischen Zeit wohl aufgegeben. Gleichfalls in die vorrömische Eisenzeit gehörte die Siedlung im Westen von Bruchmachtersen, am Neuen Friedhof, die sich bis in den Ort erstreckte. Am Nordhang der Fuhse befand sich möglicherweise eine weitere Siedlung.Karl Kummer: Eisenzeitliche Siedlungen im Nordwestteil des Stadtgebietes von Salzgitter. Eine quantitativ-vergleichende Untersuchung, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 28 (1956) 11–55, hier: S. 30–33. In den ersten beiden Siedlungen auf Bruchtmachtersengebiet fanden sich 3300 bzw. 320 Scherben, aber auch 115, bzw. 5 Spinnwirtel.Karl Kummer: Eisenzeitliche Siedlungen im Nordwestteil des Stadtgebietes von Salzgitter. Eine quantitativ-vergleichende Untersuchung, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 28 (1956) 11–55, hier: S. 16.

Es wird angenommen, dass noch um 900 ein dichter Wald am Ostrand des heutigen Fredenberg bestand, wo sich wiederum die im 14. Jahrhundert aufgegebene Siedlung Klein Freden entwickelte. Diese lag wohl wie eine Insel im Wald.Kirstin Casemir: Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, S. 154.

Entwicklung vom 12. Jahrhundert bis zur Reformation Erste Erwähnung (12. Jahrhundert), Kloster Dorstadt mini|Die romanische Kirche in Bruchmachtersen, deren Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert stammt; das heutige Gebäude wurde wohl noch im späten Hochmittelalter begonnen (fotografiert 2008). Zeittafel: Bruchmachtersen

Ab 1189 war das etwa 20 Kilometer entfernte Kloster Dorstadt, das in diesem Jahr gegründet und ausgestattet worden war, größter Grundbesitzer in Bruchmachtersen.Reinhard Försterling, Sigrid Lux unter Mitarbeit von Günter Freutel: Bruchmachtersen, in: Bruchmachtersen, Engelnstedt, Salder, Lebenstedt. „Ortschaft Nord“ in alten Ansichten (=Beiträge zur Stadtgeschichte. Herausgegeben vom Archiv der Stadt Salzgitter, 11), Salzgitter 1994, S. 9. In der Kirche wurde 1986 das Apsisfundament des Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert entdeckt.Bericht über die Ausgrabungstätigkeit der Archäologischen Denkmalpflege im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt — Institut für Denkmalpflege — 1987, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 56 (1987) S. 443–450, hier: S. 446. Auch wurden Reste der Grundmauer einer Sakristei an der Südwand, Reste einer Leichenhalle an der Nordwand der Apsis entdeckt.Gutachten, PDF, von 2017.

1250 – nach anderen Angaben zu einem nicht bekannten Zeitpunkt – übergab Konrad von Dorstadt die Kirche dem Kloster Dorstadt als Eigentum. Dieses Kloster brachte nach und nach das ganze Dorf an sich. Luthard III. und Luthard IV. von Meinersen hatten bereits im Februar 1248 allen ihren Ansprüchen am Zehnten und der Kirche im Ort entsagt.Nathalie Kruppa (Hrsg.), Leszek Zygner (Mitarb.): Pfarreien im Mittelalter. Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn im Vergleich, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 308. Das Zisterzienserkloster Riddagshausen besaß gegen Mitte des 13. Jahrhunderts gleichfalls noch Besitz im Dorf.Claudia Märtl, Karl Heinrich Kaufhold, Jörg Leuschner: Die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Braunschweigischen Landes vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Mittelalter, Olms, 2008, S. 285.

Der erste namentlich bekannte Pfarrer der erstmals 1182 erwähnten Kirche war ein Helyas, der im Jahr 1297 erwähnt wird. Dieser Pfarrer löste am 30. April 1297 eine Abgabe von acht Schillingen ab, die für das Leuchtwerk im Heiligen Kreuzstift zu Hildesheim bestimmt war.Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Band 11, 1903, n. 1140, 30. April 1297. 1317 war der Propst Friedrich von Dorstadt zugleich Pfarrer in Bruchmachtersen.

Aufhebung der Leibeigenschaft (1433), örtliche Gesellschaftsstruktur Von der Pest 1350 in Braunschweig und 1529 bis 1598 in Lesse, Ringelheim und Oelber am weißen Wege blieb der Ort verschont. Es finden sich keine Anzeichen in der Orts- oder Kirchengeschichte.

Im Herzogtum Braunschweig wurde die Leibeigenschaft zwar schon 1433 aufgehoben, Ackerleute, Halbspänner und Kotsassen bildeten die politische Gemeinde und waren im Besitz der Gemeinheiten (u. a. Weiden, Forsten, Backhäuser, Lehmkuhle, Steinbruch, Anteile am Moor und Forst).

Bis etwa 1970 hatten noch einige Grundstücke in Bruchmachtersen Nießbrauch am Bruch, dem Moor, aus dem zwischen 1960 und 1978 durch Kiesabbau der Salzgittersee entstanden ist. Die Besitzverhältnisse waren bei den Brinksitzern und Anbauern vielfach ungeklärt. Diese verfügten zwar über ein eigenes Haus und in vielen Fällen auch über Land, was aber selten ausreichte, die Familien zu ernähren. Weiterhin gab es die Häuslinge, die einen eigenen Hausstand führten und ihr Einkommen als Tagelöhner, Händler oder Handwerker erzielten. Nicht zu den Häuslingen zählten die Knechte, die im Haushalt ihrer Arbeitgeber lebten und aus diesem Grund auch nach der Gemeindereform nicht an den Gemeinderatswahlen teilnehmen durften.

Reformation, der evangelische Hexenbrenner Herzog Heinrich Julius, Dreißigjähriger Krieg 1521 wurde der Ort von Hildesheimer Truppen verwüstet. 1602 plünderten Braunschweiger Bürger während ihrer Auseinandersetzung mit Herzog Heinrich Julius, der als protestantischer Fürst ein berüchtigter Hexenbrenner und Vertrauter des katholischen Kaisers war, Bruchmachtersen. So heißt es: „Bruchmachtersen dorff wird von den Rebellen in Braunschweig uberfallen und geplündert“.Heinrich Friedrich von Meibom: Des Andern Haupttheils Außführlicher Warhaffter / Historischer Bericht, o. O., 1608, Register. Drastischer noch wird dieser Vorgang durch Heinrich Bünting 1722 geschildert, denn sie hätten zahlreiche Dörfer, darunter Bruchmachtersen geplündert „und eine große Menge an Pferden, Kühen, Schweinen und Schafen in die Stadt getrieben, auch der Kindbetterinnen nicht verschonet, sondern mit Schlägen, zerhauen, verwüsten, brennen und rauben ganz barbarisch, unchristlich und unmenschlich gehandelt und Haus gehalten. Welche Beute folgenden Tages auf der Neustädter Marsch unter sie getheilet worden.“Heinrich Bünting: Des Braunschweigen und Lüneburgischen Chronici II. Thomus, o. O., 1722, S. 1140.