Lara Gut-Behrami (* 27. April 1991 in Sorengo, TessinZoom. Nr. 2, Juni 2008. Schweizer Sporthilfe. als Lara Gut) ist eine ehemalige Schweizer Skirennfahrerin. Sie gehörte der Nationalmannschaft von Swiss-Ski an und ging als Allrounderin ausser im Slalom in allen Disziplinen an den Start. In ihrer besonderen Stärke, dem Super-G, war sie eine der erfolgreichsten Läuferinnen der Geschichte. Sehr erfolgreich war sie ausserdem in der Abfahrt und im Riesenslalom. Gut-Behrami ist Olympiasiegerin (Super-G 2022) und zweifache Weltmeisterin (Super-G und Riesenslalom 2021). Zudem gewann sie zweimal den Gesamtweltcup (in den Saisons 2015/16 und 2023/24). Insgesamt holte sie neun Medaillen bei Weltmeisterschaften (zweimal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze) und drei Medaillen bei Olympischen Winterspielen (einmal Gold und zweimal Bronze). Mit sechs Siegen in der Super-G-Disziplinenwertung ist sie (geschlechterübergreifend) alleinige Rekordhalterin. Einmal konnte sie die Riesenslalom-Disziplinenwertung für sich entscheiden. 2008 war sie im Alter von 17 Jahren die bisher jüngste Siegerin eines Super-G-Weltcuprennens. Sie hält die zweitmeisten Weltcup-Rennsiege in dieser Disziplin (24). 2025 wurde sie die erste Frau, welche in drei verschiedenen Disziplinen mindestens zehn Siege erreicht hat. Mit 48 Weltcupsiegen belegt sie in der Bestenliste bei den Damen den fünften Platz.

Biografie Rascher Aufstieg mini|hochkant|links|Lara Gut, Dezember 2008

Gut wuchs in Comano in der Nähe von Lugano auf. 2006 siegte sie beim renommierten Juniorenwettbewerb Trofeo Topolino in der Disziplin Slalom. Als 15-Jährige bestritt sie im Dezember 2006 ihre ersten FIS-Rennen. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2007 in Zauchensee gewann sie knapp hinter Tina Weirather die Silbermedaille in der Abfahrt. Im selben Jahr wurde sie Schweizer Meisterin im Super-G, als zweitjüngste Fahrerin aller Zeiten (nur Bernadette Zurbriggen war 1971 noch jünger gewesen). In Formigal wurde sie bei den Juniorenweltmeisterschaften 2008 wiederum Zweite in der Abfahrt.

Im Europacup erreichte Gut in der Saison 2006/07 den zweiten Platz in der Abfahrtswertung. Innerhalb von vier Tagen gewann sie im Januar 2008 in Caspoggio vier Europacup-Rennen hintereinander (je zwei Abfahrten und Super-G). Sie entschied in der Saison 2007/08 mit grossem Vorsprung die Europacup-Disziplinenwertungen in der Abfahrt und im Super-G für sich, ausserdem stand sie bereits drei Rennen vor Saisonende als Gesamtsiegerin fest.

Am 28. Dezember 2007 bestritt Gut (mit Start-Nr. 60) ihr erstes Weltcuprennen, den Riesenslalom in Lienz, konnte sich aber mit Rang 43 nicht für den zweiten Lauf qualifizieren; nachdem sie auch in den zwei darauf folgenden Rennen nicht in die Wertung gekommen (und am 21. Januar 2008 zum zweiten Super-G in Cortina d’Ampezzo nicht angetreten) war, fuhr sie am 2. Februar 2008 in St. Moritz bei ihrer ersten Weltcupabfahrt völlig überraschend auf den dritten Platz und gewann ihre ersten Weltcuppunkte, den Sieg verpasste sie mit einem Sturz kurz vor der Ziellinie.. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Februar 2008. Im April 2008 wählte die Schweizer Sporthilfe Gut zur «Nachwuchssportlerin des Jahres». Anlässlich der Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres im Dezember 2008 siegte sie in der Wertung «Newcomer des Jahres», wobei sie sich gegen den Mountainbiker Nino Schurter und den Eishockeyspieler Luca Sbisa durchsetzte. Aufgrund der Erfolge in relativ jungem Alter wurde Gut als eines der grössten Talente des Schweizer alpinen Skisports der letzten Jahrzehnte bezeichnet.Thomas Wälti: . In: Basler Zeitung. 22. Dezember 2008.

Am 20. Dezember 2008 gewann Gut im Alter von 17 Jahren und acht Monaten (in ihrem erst 14. Antreten) ihr erstes Weltcup-Rennen, den Super-G von St. Moritz. Sie ist damit die bisher jüngste Weltcupsiegerin in dieser Disziplin überhaupt.Women’s World Cup. Youngest on the Podium. In: ski-db.com. Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Val-d’Isère gewann sie in der Abfahrt und der Super-Kombination jeweils die Silbermedaille. Im Super-G belegte sie den siebten Platz, im Riesenslalom schied sie im ersten Lauf aus. Ihre erste volle Weltcupsaison beendete sie als Elfte der Gesamtwertung. Es gelang ihr auch, in allen Disziplinen unter die besten 15 zu fahren. Ende April 2009 wurde sie als erste Athletin zum zweiten Mal in Folge mit dem Nachwuchspreis der Schweizer Sporthilfe ausgezeichnet.

Sporadische Erfolge Ende September 2009 stürzte Gut während des Riesenslalomtrainings in Saas-Fee schwer und erlitt dabei eine Luxation der rechten Hüfte. Anfang Oktober musste sie sich operieren lassen. Daher konnte sie auch nicht an den Olympischen Winterspielen in Vancouver teilnehmen. Auf weitere Rennen in dieser Saison verzichtete sie.

Zu Beginn der Saison 2010/11 kehrte Gut in den Weltcup zurück. Am 18. Dezember 2010 gelang ihr mit Platz drei in der Abfahrt von Val-d’Isère der erste Podestplatz nach ihrer einjährigen Verletzungspause. Zwei Tage zuvor hatte der Schweizer Skiverband Swiss-Ski disziplinarische Massnahmen gegen sie verhängt, unter anderem wegen öffentlicher Kritik an Nationaltrainer Mauro Pini (der zuvor ihr Privattrainer gewesen war) und wiederholter Verstösse gegen die Kleidervorschriften. Gut wurde für die beiden Weltcuprennen in Semmering Ende Dezember gesperrt. Nachdem sie zunächst ein Mediationsverfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof angekündigt hatte, einigten sich beide Seiten kurz vor Jahresende. Am 9. Januar 2011 gewann Gut mit dem Super-G in Zauchensee ihr zweites Weltcuprennen. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen verpasste sie als Vierte sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G knapp das Podest.Florian A. Lehmann: . In: Basler Zeitung. 13. Februar 2011.

In der Saison 2011/12 konnte Gut nicht ganz an die Leistungen des Vorwinters anknüpfen. Gründe dafür waren einerseits der Skimarkenwechsel von Atomic zu Rossignol (verbunden mit den damit üblichen Anpassungsschwierigkeiten), andererseits das anspruchsvolle Rennprogramm (Starts in sämtlichen fünf Disziplinen und in fast allen Rennen). Insbesondere im Slalom erwies sich diese Strategie als verfehlt, da sie in keinem der sechs Rennen, zu denen sie antrat, ins Ziel kam.Philipp Bärtsch: . In: skionline.ch. 25. Januar 2012. Podestplätze blieben in diesem Winter aus, das beste Ergebnis war ein vierter Platz im Super-G von Lake Louise.

Gut verzichtete in der Saison 2012/13 auf Slalomrennen, was sich auf die Leistungen in den übrigen Disziplinen positiv auswirkte. Am 14. Dezember 2012 feierte sie in der Abfahrt von Val-d’Isère ihren dritten Weltcupsieg, den ersten in dieser Disziplin. Trotz eines kleinen Leistungstiefs um den Jahreswechsel (Platz 38 in der Abfahrt von St. Anton nach Trainingsbestzeit) wurde sie in vier Disziplinen für die Weltmeisterschaften 2013 in Schladming nominiert. Im Super-G gewann sie zum dritten Mal eine Silbermedaille. Zum Abschluss der Saison gelang ihr beim Weltcup-Final in Lenzerheide ein dritter Platz im Riesenslalom.

Durchbruch zur Weltspitze Am 26. Oktober 2013 gewann Gut mit grossem Vorsprung das erste Weltcuprennen der Saison 2013/14, den Riesenslalom von Sölden. Es war dies ihr erster Sieg in dieser Disziplin und der erste einer Schweizerin seit fast elf Jahren (zuletzt hatte Sonja Nef am 4. Januar 2003 in Bormio gewonnen). Ende November gewann sie in Beaver Creek sowohl die Abfahrt als auch den Super-G. Sie war damit die erste Skirennfahrerin seit Petra Kronberger im Winter 1990/91, die drei der vier ersten Weltcuprennen der Saison für sich entscheiden konnte. Zu diesem Zeitpunkt führte sie deutlich in der Gesamtwertung des Skiweltcups. Das hohe Niveau konnte sie bei den Rennen in Europa jedoch nicht halten. Sie fiel auf den fünften Platz zurück, da sie über einen Monat lang ohne Podestplatz geblieben war und insbesondere im Riesenslalom mehrere Ausfälle zu verzeichnen hatte.

Gut gelang es am 26. Januar 2014, wieder an die Siegesserie des Saisonbeginns anzuknüpfen, als sie den Super-G von Cortina d’Ampezzo gewann. Am selben Tag sorgte sie über die reine Sportberichterstattung hinaus für Schlagzeilen, als sie die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 an Sotschi mit deutlichen Worten kritisierte. Insbesondere bemängelte sie die Menschenrechtslage in Russland, die immensen Kosten und die Instrumentalisierung des Sports durch die Politik.Christian Andiel, Gabi Schwegler: . In: SonntagsZeitung. 26. Januar 2014. In Sotschi gewann sie die Bronzemedaille in der Abfahrt, mit einem Rückstand von zehn Hundertstelsekunden auf die zeitgleichen Siegerinnen Dominique Gisin und Tina Maze. Im Super-G fuhr sie auf den vierten Platz, im Riesenslalom wurde sie Neunte. Zum Saisonende hin folgten drei weitere Podestplätze, darunter Mitte März zwei Siege beim Weltcup-Final in Lenzerheide. Sie entschied die Super-G-Disziplinenwertung für sich und schloss die Saison mit dem dritten Schlussrang in der Gesamtwertung ab.

Die Saison 2014/15 war von wechselhaften Leistungen geprägt. Beim Super-G in Lake Louise am 7. Dezember 2014 und bei der Abfahrt in St. Moritz am 24. Januar 2015 in St. Moritz konnte sie zwei weitere Weltcupsiege verbuchen. Hinzu kam bei den Weltmeisterschaften 2015 in Beaver Creek die Bronzemedaille in der Abfahrt. Ansonsten hielt sie aber selten mit den Topfahrerinnen mit und erzielte keine weiteren Podestplätze. Sie schloss die Saison als Neunte des Gesamtweltcups ab und erreichte in keiner Einzeldisziplin einen Platz unter den ersten drei. Insbesondere im Riesenslalom war ein markanter Rückschritt zu verzeichnen.

Gesamtweltcupsiegerin Im Anschluss an diese durchzogene Saison vollzog Gut einen Skimarkenwechsel von Rossignol zu Head und nahm Änderungen in ihrem Betreuerstab vor. Ebenso liess sie sich von Didier Cuche beraten, um die Angewöhnung an das neue Material möglichst rasch zu vollziehen. Die Umstellungen zahlten sich in der Saison 2015/16 unmittelbar aus, insbesondere in der Disziplin Riesenslalom, die ihr im Vorwinter noch grosse Mühe bereitet hatte: Gut belegte beim Saisonauftakt in Sölden den vierten Platz und entschied das Rennen in Aspen für sich, womit sie sich im Riesenslalom sogleich wieder an der Weltspitze etablierte. Nach eher mässigen Ergebnissen bei den Speedrennen auf der für sie zu flachen Strecke in Lake Louise feierte sie am 18./19. Dezember in Val-d’Isère zwei Siege in Folge (Super-Kombination und Abfahrt). Ihr Kombinationssieg beendete eine seit dem 10. Dezember 1989 (Brigitte Oertli in Steamboat Springs) anhaltende sieglose Serie des Schweizer Damenteams in dieser Disziplin. Am 20. Dezember folgte ein zweiter Platz im Riesenslalom von Courchevel, womit sie die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung übernahm.

Nach einem weiteren Sieg im Riesenslalom von Lienz am 28. Dezember baute Gut ihre Führung in der Gesamtwertung aus und lag nun 158 Punkte vor Lindsey Vonn. In den folgenden Wochen erzielte sie zwar zwei Podestplätze, musste aber auch zwei Ausfälle hinnehmen, weshalb sie Vonn davonziehen lassen musste und Anfang Februar 137 Punkte zurücklag. Mit zwei Siegen in Garmisch-Partenkirchen (Super-G) und La Thuile (Abfahrt) konnte sie den Rückstand wettmachen; sie lag nun ihrerseits 13 Punkte voraus. Vonn gelang es, im Super-G von La Thuile zu kontern und einen Vorsprung von 23 Punkten herauszuholen. Der City Event in Stockholm am 23. Februar brachte keine Veränderung, da beide Konkurrentinnen bereits in der ersten Runde ausschieden.