Die zu den Niederlanden gehörende Insel Terschelling () (, im lokalen Dialekt Schylge) ist eine der fünf bewohnten Westfriesischen Inseln. Sie liegt etwa 15 km vor der niederländischen Nordseeküste.
Terschelling besitzt einen 30 km langen und bis zu 1 km breiten Strand. Eine ausgedehnte, oftmals beachtlich hohe Dünenkette trennt den Strand von einem landwirtschaftlich genutzten Poldergebiet. Die fruchtbaren Acker- und Weideflächen werden durch starke Seedeiche geschützt. Grundlage der heutigen Mischwaldgebiete war die Bepflanzung der alten Dünen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Art der Befestigung sollte das Abtragen der Dünen durch den Wind verhindern.
Bezüglich Flora und Fauna ist Terschelling eine artenreiche Watteninsel. Unter den mehr als 600 wilden Pflanzenarten sind auch verschiedene seltene Orchideenarten anzutreffen. Die Dünen und Salzwiesen dienen zahlreichen Vogelarten als Brut- und Rastplatz.
Flagge, Wappen und Hymne Flagge
Die Flagge TerschellingsDe Terschellinger vlag auf Gemeente Terschelling hat fünf waagerechte Streifen in den Farben Rot-Blau-Gelb-Grün-Weiß. In einem auf der Insel sehr beliebten Gedicht wird die Bedeutung der Farben wie folgt erläutert:
Rood zijn de wolken Blauw is de lucht Geel zijn de helmen Groen is het gras Wit is het zand Dit zijn de kleuren van Schellingerland
In deutscher Übersetzung:
Rot sind die Wolken Blau ist der Himmel Gelb ist der Strandhafer Grün ist das Gras Weiß ist der Sand Das sind die Farben von Terschellingerland
Es ist allerdings anzunehmen, dass es sich bei diesem Gedicht, das übrigens eine deutliche Ähnlichkeit mit dem Wappen- und Wahlspruch der Insel Helgoland aufweist, um eine populäre Erklärung handelt, die nichts mit dem historischen Ursprung der Farben zu tun hat, über den nur wenig bekannt ist. In einer niederländischen Flaggentafel des Jahres 1739 ist die heutige Farbabfolge erstmals auf einer Flagge zu sehen, die von Schiffen aus Terschelling und der benachbarten Insel Vlieland gemeinsam verwendet wurde. Möglicherweise gehen die heutigen Terschellinger Farben also auf die Kombination einer älteren Flagge mit den Farben von Vlieland zurück, dessen grün-weiße Flagge heute noch den beiden untersten Streifen der Flagge Terschellings entspricht.
Wappen
Das Wappen Terschellings zeigt einen roten Löwen und einen blauen Wyvern. Beide umklammern den Stamm eines auf grünem Grund stehenden Baumes mit sieben goldgelben Äpfeln. Eine dreizackige goldene Krone am oberen Schildrand wird geziert von zwei weißen Perlen, so dass alle Farben der Flagge sich auch im Wappen wiederfinden. Die ältesten Abbildungen des Wappens befinden sich auf einer Sammelbüchse in Midsland (wahrscheinlich vom Beginn des 17. Jahrhunderts), auf einer zeitgenössischen Druckgrafik von 1666 und auf einem Kelch in West-Terschelling, 1682 in Haarlem hergestellt.
Hymne
Die Hymne der Insel Terschelling ist das Lied Oan Schylge, das Mitte des 19. Jahrhunderts von Jacob Sijbrands Bakker im Dialekt des Hauptortes West Terschelling verfasst wurde. Die Melodie wird gelegentlich dem Komponisten Hendrik Rotgans (1851–1910) zugeschrieben, sie könnte aber auch auf ein älteres Volkslied zurückgehen.
Geschichte
250px|mini|Terschelling – Blick auf den Hafen von West Terschelling bei Anreise mit der Fähre
Bis 1300
Die Insel Terschelling ist im frühen Mittelalter entstanden, als eine Sandbank mit Namen De Schelling durch Sandanspülungen mit der weiter östlich gelegenen Insel Wexalia zusammenzuwachsen begann. Der Name Wexalia (auch Wuxalia oder Wecsile geschrieben) blieb bis ins Spätmittelalter als Bezeichnung für das Gebiet des heutigen Ost-Terschelling in Gebrauch. Zum letzten Mal erscheint er im Jahre 1482 in einem Freundschafts- und Handelsvertrag, den der Terschellinger Grietman (Häuptling) Foppe Riencks Popma mit König Edward IV. von England abschloss. Später setzte sich dann der Name der ehemaligen Sandbank als Bezeichnung für die gesamte Insel durch.
Die Bedeutung des Namens „Schelling“ ist nicht völlig klar; möglicherweise bedeutet dieses altfriesische Wort so viel wie „Abgeschiedenheit“, was auf die ursprüngliche Situation des Schelling als unbewohnte Sandbank hindeuten könnte. In anderen Quellen wird Schelling (der Artikel „ter“ bedeutet so viel wie „zu der“) als „Scheidelinie“ oder „Grenzlinie“ gedeutet. Dies könnte auf die Bedeutung der Insel als Grenze zwischen Wattenmeer und Nordsee hinweisen, aber auch auf die Lage an der Grenze zwischen den Einflussbereichen Hollands und Frieslands, die das Schicksal der Insel immer wieder bestimmen sollte.
In der Zeit Karls des Großen war das Gebiet, in dem die westfriesischen Inseln heute liegen, ein Teil der Frisia Magna, die sich, wie die Lex Frisionum (ca. 795) ausweist, vom Sinkfal bei Brügge in Flandern bis zur Weser erstreckte. Zu dieser Zeit begann wahrscheinlich auch die Besiedlung von Terschelling. Die ersten Niederlassungen entstanden „op de hogere gronden“, die von alten Dünen geformt wurden: Seerijp (Stryp), Kinnum, Kaard (Kaart), Hee und Horp. Die ältesten bekannten Siedlungsreste datieren aus der Zeit um 850. Auf einem Hügel bei Seerijp (Stryp) stand damals eine hölzerne Kirche. Später wurde dieser Hügel, der heute als Strieperkerkhof bekannt ist, als Friedhof genutzt.
Durch Sturmfluten, die nach dem 11. Jahrhundert auftraten, veränderte sich das Landschaftsbild beträchtlich, das Wattenmeer bildete sich heraus und der Deichbau wurde notwendig. Der Sand, der beim Landabbruch freigesetzt wurde, setzte sich an der Insellinie wieder ab und formte neue Dünen: höher und in der Form verschieden zu den alten Dünen. Hierauf liegen die heutigen Dörfer Landerum, Formerum, Lies, Hoorn und Oosterend. West-Terschelling liegt auf einer besonderen Dünenformation. Die heutige „Grootduin“ ist ein Rest davon.
Infolge der Expansionspolitik der holländischen Grafen aus dem sogenannten „Hollandse Huis“, die im 10. Jahrhundert ihren Anfang nahm, ging das friesische Gebiet zwischen dem Sinkfal und dem Vlie verloren. Dieser Prozess war um 1300 abgeschlossen.
14. bis 18. Jahrhundert
Im 14. Jahrhundert nahmen die holländischen Grafen ihre unterbrochene Expansionspolitik wieder auf, in deren Verlauf das westerlauwersche Friesland – das man damals Westfriesland nannte – in den Mittelpunkt rückte. So wurde beispielsweise Terschelling im Jahre 1373 von einer holländischen Flotte unter dem Kommando von Willem van Naaldwijk überfallen. Dem Grafen Albrecht gelang es 1398, das westerlauwersche Friesland zu unterwerfen, womit die staatliche Entwicklung der Inseln zwischen dem Vlie und der Lauwers – und damit auch Terschellings – endgültig beginnt.
Die holländischen Grafen führten in das eroberte Gebiet, das bis dahin „frij en frysk“ (frei und friesisch) gewesen war, das Lehnswesen ein. 1314 bekam Jean van Beaumont von seinem Bruder Willem III. die Insel Texel zu Lehen. Graf Albrecht gab Ameland dem Arend von Egmond zu Lehen (1398) und Terschelling dem Johan V. van Arkel (1399). Im Jahr 1400 brach aber die holländische Herrschaft über das westerlauwersche Friesland faktisch wieder in sich zusammen, Johan van Arkel fiel in Ungnade und bereits 1401 wurde ihm der Besitz der Insel wieder entzogen, wodurch auch die Inseln zwischen dem Vlie und der Lauwers wieder weitgehend selbständig wurden. Formal blieb Terschelling aber weiterhin eine holländische Insel. So bekam 1417 Gerrit van Heemskerck sie als Lehen von der Gräfin Jacoba von Baiern. Er zahlte dafür 2000 „gouden schilden“. Aber auch Van Heemskerck fiel in Ungnade, er musste nach Dänemark flüchten und ist dort auch verstorben. Seine Lehnsgüter blieben jedoch in der Familie.
Die eigentliche Macht übten in dieser Zeit jedoch die Terschellinger Häuptlinge aus der Familie Popma aus. Bereits aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind auf Terschelling Großgrundbesitzer der Familie Popma bekannt. Bereits 1322 hatte Willem III. mit Claas Elfssone einen der führenden Eilandbewohner zum Richter bestimmt. 1398 machte Graf Albrecht von Baiern Ziwaert Popama (sprich: Sjoerd Popma) zunächst zum Grietman, später zum Schultheiß. Das Steinhaus („stins“) der Popmas („grijtenij“) stand bei Oosterend. Nach 1469, als nicht deutlich war, wer der rechtmäßige Herr über Terschelling war – der Erbe der Margaretha von Kralingen, die Ehefrau von Gerrit van Heemskerck oder der Propst von Brügge –, trat Foppe Riencks (alternative Schreibweise: Folkerus Reijner) Popma als souveräner Fürst im Kleinformat auf. So schloss er 1482 einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit König Edward IV. von England, zwar in erster Linie zur Festigung seiner Position gegenüber den Grafen von Holland, zugleich aber Beleg für die nicht geringfügigen Belange, die die Terschellinger bewegten: Zollfreiheit, ungehinderte Schifffahrt und unbehinderter Liegeplatz waren für die Insulaner zu beiden Seiten der Nordsee von großer Bedeutung.
Im Jahr 1500 wendete sich wiederum das Blatt: Philipp der Schöne ernannte seinen Marschall, den brabantischen Edelmann Cornelis I. van Bergen, der mit einer Nachfahrin von Margaretha von Kralingen verheiratet war, zum Herrn über Terschelling. Jarich Popma, der Sohn und Nachfolger des Schultheißen Foppe Riencks Popma, wurde weitgehend entmachtet; seit jener Zeit war es mit dem Einfluss des Terschellinger Häuptlingsgeschlechts endgültig vorbei. Die Vertretung des Landesherrn übernahm nunmehr ein Drost. Sein Sohn, Cornelis II. van Bergen, baute sich sogar einen eigenen Sitz auf der Insel: „des genadigen heren hof“ ist auf alten Karten im Süden der Stryper Kirche verzeichnet.
Cornelis II. van Bergen starb 1560 und ihm folgte sein Neffe, Johan de Ligne, der Graf van Aremberg, der durch den spanischen König Philipp II. 1559 zum Statthalter von Fryslân, Groningen, Drenthe und Overijssel ernannt wurde. 1563 wollte er sich von seinem Inselbesitz trennen und bot Terschelling der Stadt Amsterdam zum Kauf an. Die Stadt antwortete aber mit einem negativen Bescheid am 15. August. Johan de Ligne fiel 1568 auf spanischer Seite in der Schlacht in der Nähe von Groningen bei Heiligerlee, mit der der achtzigjährige Befreiungskrieg der Niederländer gegen Spanien begann. Sein minderjähriger Sohn Karl wurde unter der Vormundschaft seiner Mutter zum Herrn von Terschelling ernannt.
Während der nun folgenden Jahre diente Terschelling auch den Wassergeusen als Operationsbasis. Weil auch der junge Graf Karl von Aremberg und seine Mutter auf spanischer Seite standen, wurden sie 1583 von den „Staten van Holland“ enteignet. Diese Maßnahme wurde zwar 1599 widerrufen, trotzdem sah Karl van Aremberg nur noch wenig Nutzen in seinem Herrengut Terschelling: 1615 verkaufte er die Insel an die Staten van Holland. mini|Englischer Überfall auf West-Terschelling; Zeitgenössische Radierung Von 1583 bis 1599 und von 1615 bis 1795 trat ein Drost als Vertreter der Staten van Holland auf. Ihm standen sieben Schöffen („schepen“) und zwei Bürgermeister zur Seite. Terschelling behielt weiterhin sein eigenes Recht. Um 1600 hatte die Insel Terschelling insgesamt etwa 2000 Einwohner.
Der zweite Seekrieg zwischen der niederländischen Republik und England (1665–1667) hatte für Terschelling katastrophale Folgen. Am 5. und 6. August 1666 erlitt die niederländische Flotte bei Dünkirchen eine schwere Niederlage in der sogenannten Tweedaagse Zeeslag (Zweitägige Seeschlacht). Nach ihrem Sieg nutzten die Engländer ihre Seeherrschaft aus und überfielen Terschelling. Vizeadmiral Robert Holmes brannte am 20. August das Dorf West-Terschelling fast gänzlich nieder. Rund 140 bis 150 niederländische Handelsschiffe, die im Seegebiet Vlie zwischen Terschelling und Vlieland vor Anker lagen, gingen in Flammen auf. Dieses Ereignis, in England als „Holmes’s Bonfire“ bekannt und gefeiert, war der härteste Schlag der Engländer gegen die niederländische Handelsflotte und gefährdete ernsthaft die niederländischen Kriegsanstrengungen. Die Engländer verloren bei dieser Aktion lediglich zwölf Seeleute.
19. und 20. Jahrhundert